Veröffentlicht in Belletristik

Jen Turano: Braut auf Zeit

turano after a fashionNew York, 1882: An ihrem 21. Geburtstag geschieht etwas, das Hannah Peabodys gesamtes Leben auf den Kopf stellt: Als sie Hüte an die Verlobte des reichen Oliver Addleshaw ausliefern soll, stellt sich heraus, dass es überhaupt keine Verlobung gibt. Die fragliche junge Dame sollte den Geschäftsmann lediglich zu einigen gesellschaftlichen Anlässen begleiten. Als die vermeintliche Verlobte durch Hannahs Ankunft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, kommt es zu einem Eklat, und Oliver findet sich plötzlich ohne Begleitung wieder. Und Hannah ohne Anstellung.
Oliver Addleshaw steht kurz davon, den größten Vertragsabschluss seines Lebens zu machen, als er erfährt, dass sein englischer Geschäftspartner etwas altmodisch ist und es bevorzugt, Geschäfte mit Männern zu machen, die verheiratet und sesshaft sind. Als Oliver mitansehen muss, dass seine ehemalige Nicht-Verlobte dafür sorgt, dass die junge Näherin Hannah ihre Anstellung verliert, kommt ihm eine Idee.
Schon bald müssen die beiden feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, die Liebe aus dieser „geschäftlichen Vereinbarung“ herauszuhalten. Doch als dann etwas – oder vielmehr jemand – aus Hannahs Vergangenheit Oliver bedroht, würde die junge Frau am liebsten die vorgetäuschte Verlobung auflösen …

„After a Fashion“ ist der erste Band einer neuen Trilogie der Amerikanerin Jennifer Turano (und erscheint am 16.01.2017 unter dem Titel „Braut auf Zeit“ auf Deutsch), der aber in sich abgeschlossen ist und auch als Stand-alone stehen kann, da die Protagonisten der Folgebände in diesem ersten Band lediglich Nebenrollen spielen.
Wer bereits andere Romane der Amerikanerin gelesen hat, weiß, was ihn in „After a Fashion“ erwartet: eine Liebesgeschichte, eine gute Portion Humor und die obligatorischen Verwicklungen, bevor es zum Happy End kommt. Und das ist auch nicht als Kritik zu verstehen – wer mehr Anspruch will, wird zwangsläufig zu einer anderen Autorin, zu einem anderen Autor greifen.
Turano ist trotz der Formelhaftigkeit ihrer Romane eine großartige Erzählerin. Durch ihre Beschreibungen wird das New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts vor dem inneren Auge des Lesers lebendig – die luxuriösen Herrenhäuser genauso wie die Mietswohnungen der Armen. Sie hat eine Schwäche für starke Protagonistinnen, die auch in schwierigen (wirtschaftlichen/sozialen) Situationen ihre Frau stehen und nicht unbedingt darauf angewiesen sind, von einem Mann gerettet zu werden, geschweige denn, dass sie diesem schon beim ersten Treffen ohnmächtig zu Füßen sinken. Oder mit ihm im Bett landen. Und überhaupt: 6 gibt es in den Romanen von Turano grundsätzlich nicht bzw. er findet erst nach der Eheschließung statt – ohne dass die Leserin jedoch Details erfährt. Warum? Weil die Autorin ihre Bücher in einem konfessionellen Verlag veröffentlicht und man dort diese Aspekte außen vor lässt.
Aus diesem Grund ist in dem Roman die christliche Botschaft auch stärker präsent als in anderen (nicht frommen) Romanen. Hannah ist auf unaufdringliche Weise unablässig im Gespräch mit Gott und vertraut darauf, dass er ihr Leben lenkt. Oliver ist „kulturfromm“, aber vor allem durch ein Gespräch mit Harriets Pfarrer erkennt er, dass die falschen Dinge in seinem Leben Priorität haben (Geld), dass diese aber nicht tragfähig sind bzw. dass man sie nicht „mitnehmen“ kann. Daher werden beide Protagonisten, wie es in konfessionellen Romanen eigentlich immer üblich ist, auch trotz zu bewältigender Probleme mit einem Happy End belohnt.
Die übrigen Akteure sind – leider – recht schwarz-weiß gezeichnet. Die Freundinnen der Heldin, die auch die Protagonistinnen der Folgebände sein werden (die Schauspielerin Lucetta und die ständig arbeitslose Gouvernante Millie), sind gut aussehend, charakterfest und besitzen ausgesprochen viel Entschlusskraft – sind aber alles andere als gewöhnliche Zeitgenossen. Ich freue mich jetzt schon darauf, welche verrückten Dinge diese beiden in den nächsten Romanen erleben, bevor sie ihr Happy End bekommen. Olivers Freunde sind natürlich auch noch nicht vergeben bzw. dürfen natürlich die Erkenntnis haben, dass die derzeitige Partnerin nicht die Frau fürs Leben ist (das hätte jetzt natürlich niemand gedacht). Die Gegenspieler wiederum (mehr verrate ich nicht) sind natürlich durch und durch zwielichtige Charaktere – sowohl menschlich als auch geschäftlich.

Mein Fazit: Ein echter Schmöker, der die Welt zwar nicht verändern wird, aber zumindest für einen unterhaltsamen Nachmittag sorgt.

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3 Kommentare zu „Jen Turano: Braut auf Zeit

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