Veröffentlicht in Belletristik

Estelle Maskame: Dich darf ich nicht finden (Dark Love 2)

DARK LOVE - Dich darf ich nicht findenVor etwa zwei Jahren hat sie ihn kennengelernt und vor genau dreihundertneunundfünfzig Tagen hat Eden ihn zum letzten Mal gesehen: ihren Stiefbruder Tyler. Den Jungen, den sie heimlich liebt. Den sie aber eigentlich nicht lieben darf, weil ihre Familie strikt dagegen ist. Doch nun endlich werden sie einen Sommer gemeinsam verbringen: in New York, der Stadt, die nie schläft.
Mit tausend Schmetterlingen im Bauch kommt Eden am Flughafen an, und als sie in Tylers smaragdgrüne Augen blickt, ist es auch schon um sie geschehen. Gemeinsam streifen sie durch den Big Apple, und es wird immer klarer, dass die beiden nicht voneinander losgekommen sind. Werden sie ihren verbotenen Gefühlen widerstehen können?

„DARK LOVE – Dich darf ich nicht finden“ von Estelle Maskame ist Band 2 einer Trilogie um das Teenagerpaar Eden und Tyler (Band 1: Dich darf ich nicht lieben). Vorab: Die Autorin kann durchaus schreiben und die Geschichte liest sich sehr süffig. Meiner persönlichen Meinung nach ist das Buch genau das Richtige für ein jugendliches Publikum. Für den Strand oder einen sonnigen Tag auf dem Balkon.
Was es nicht ist: große Literatur oder auch nur eine neue, noch nie da gewesene Geschichte. Man spürt, dass die Autorin selbst auch noch sehr jung ist und aufgrund mangelnder (Lebens-)Erfahrung auf die obligatorischen Stereotype zurückgreifen muss, auf die ich schon in der Rezension zum ersten Buch eingegangen bin. In diesem zweiten Band, der zwei Jahre später spielt, sind auch die Akteure zwei Jahre älter und ihre Themen etwas erwachsener geworden – oder hätten es zumindest werden können: Tyler lebt seit einem Jahr in einer WG in New York und ist mit seiner Lebensgeschichte „on Tour“, um anderen Teens zu helfen. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er tatsächlich etwas weiser geworden ist: Er feiert zwar immer noch gern, aber er hat den Drogen abgeschworen und Eden treu, auch wenn sie nicht zusammen sein können. Und vor allem will er sich ihr nicht nähern, bevor sie ihre Beziehung zu ihrem Freund Dean nicht geklärt hat. Diese Seite an ihm hat mir sehr gefallen. Weniger gefallen hat mir dieser Ausspruch: „Ich brauche dich, weil ich dich liebe, Eden, ich wüsste nicht, wie ich je über dich hinwegkommen sollte.“ Dies erinnert mich an eine Zeile aus einem Lied: „I can’t live, if living is without you.“ Eine solche Haltung ist definitiv kein Anzeichen für einen gesunden Menschen – und auch nicht für eine gesunde Liebe. Ich war am Ende des Buches dankbar, dass er dies irgendwann selbst erkennt und Konsequenzen zieht, aber der Weg ist weit.
Protagonistin Eden ist jedoch noch lange nicht so weit, vor allem bei ihr fiel es mir aufgrund des wirklich pubertären Verhaltens schwer, mich in den Charakter hineinzufühlen. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt, weil ich mich über ihr kindliches Verhalten ungemein geärgert habe. Obwohl sie bspw. mit Dean einen festen Freund hat und ihn nach eigener Aussage auch liebt, zögert sie keine Sekunde, die letzten Wochen vor dem Umzug nach Chicago (zwecks Studium) mit Tyler zu verbringen und nicht mit ihrem Freund. Und im Grunde ist es ihr auch gleichgültig, was dieser dabei empfindet. Als sie dann in New York eintrifft, sind ihre ersten Wochen auch nur gefüllt mit Beteuerungen, wie sehr sie ihren Freund Dean liebt, und Gedanken darüber, wie smaragdgrün Tylers Augen und wie muskulös sein Body sind, es gibt Türenknallen, Partys, Alkoholkonsum, Tränen, Eifersuchtsanfälle …Weil Tyler ihr aus dem oben beschriebenen Grund etwas distanziert begegnet und sie nicht gleich ins Bett zieht; und warum sollte er nicht auch eine Freundin haben dürfen, wo sie doch in einer Beziehung ist?! Man hätte ja mal miteinander reden können … aber das wäre sicher zu einfach gewesen, und irgendwie musste die Autorin ja die gut 400 Seiten des Buches füllen.
Darüber hinaus fand ich dann auch ihren Umgang mit Dean nicht wirklich glücklich. Wochenlang bemüht sich Tyler darum, Eden nicht zu küssen (und mehr), aber statt dass beide – vor allem Eden – diese Zeit nutzen, um einmal gründlich darüber nachzudenken, welche Auswirkungen ihr Entschluss, ihren Gefühlen nachzugeben, für Dean hätte, beendet die junge Frau die Beziehung zu ihrem abwesenden Freund trotzdem nicht. Im Zeitalter von Videotelefonie hätte sich da sicher ein Weg gefunden, die alte Beziehung erst einmal ordentlich zu beenden, bevor man eine neue eingeht …
Das Ende des Buches hat mich einerseits etwas mit Tyler versöhnt. Spoileralarm: Er erkennt, wie gesagt, dass sein „Ich brauche dich“ ausgsprochen ungesund ist und er erst einmal sein eigenes Leben auf die Reihe bekommen muss, bevor er eine ernsthafte Beziehung eingeht. Andererseits ging dem aber ein kapitellanges „Egal, was die anderen sagen, wir gehören zusammen!“ voraus, was das Ende etwas abrupt machte. Ich hatte das Gefühl, als hätte die Autorin plötzlich bemerkt, dass sie die Zeichenzahl des Buches erreicht hat und nun rasch zum Ende kommen muss.

Darüber hinaus fällt es mir immer noch sehr schwer zu erkennen, was denn das Skandalöse an einer Beziehung zwischen Eden und Tyler sein soll: Sie sind weder blutsverwandt noch mit einander aufgewachsen. Rein rechtlich und auch gesellschaftlich gibt es da keine Hindernisse. Warum macht vor allem ihr Vater dann so ein Drama daraus? Und auch alle Mitschüler, die nach Bekanntwerden über sie tuscheln und den Kontakt abbrechen.

Mein Fazit: Muss man nicht gelesen haben. Und vielleicht bin ich auch wirklich zu alt für diese Teeniestorys.😉

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