Veröffentlicht in Belletristik

Sharon Page: Blutrot – die Farbe der Lust

page-blutrotYorkshire, 1818: Die junge Vampirjägerin Althea Yates ist erst kürzlich mit ihrem Vater – ebenfalls ein Vampirjäger – aus den Karpathen nach England zurückgekehrt. Dieser will dort den uralten Vampir Zayan zur Strecke bringen, einen der mächtigsten Blutsauger überhaupt. Dabei helfen sollen ihm die Vampirzwillinge Bastien und Yannick de Wynter. Allerdings liegt Letzterer aufgrund eines Fluches in einem todesähnlichen Schlaf, und niemand weiß genau, wo.
Kaum in Yorkshire angekommen, erfüllen Träume voller Wolllust die Nächte von Althea. Träume, in denen sie von zwei Männern gleichzeitig geliebt wird. Träume, die plötzlich wahr zu werden scheinen, als zuerst der faszinierende Bastien in Altheas Schlafkammer steht und wenige Tage später auch Yannick, der dank der Yates‘ endlich erwacht ist. Doch wie kann die junge Frau zwei Wesen in ihr Bett lassen, auf die sie doch eigentlich Jagd macht, dämonische Bestien, die Althea geschworen hat zu vernichten …

Ich liebe gut geschriebene Historienromane, lese auch gern Vampirgeschichten, und erotische Szenen geben einer Story oft die besondere Würze. Doch was Sharon Page hier abgeliefert hat, ist so unterirdisch schlecht, dass ich das Buch nur aus einem Grund beendet habe: um anschließend eine vernichtende Rezension zu verfassen.
Sharon Page ist mir bereits von ihren Romanen um die Hamilton-Schwestern ein Begriff – erotischen Historienromanen, die sprachlich gut geschrieben (und übersetzt) sind, mit einer gut konzipierten, „runden“ Story und recht ausführlich beschriebenen 6zenen, die aber an unterschiedlichen Stellen organisch in die Handlung einfließen. Die Bücher sind recht „süffig“, die Charakterisierungen der Figuren nachvollziehbar und ausführlich genug, auch wenn man natürlich von Beginn an weiß, dass das Paar zuerst im Bett harmonieren und am Ende zueinanderfinden wird. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen Hoffnungen bei „Blutrot – die Farbe der Lust“. Doch leider tanzt Sharon Page mit dem literarischen Anspruch und ihren sprachlichen Werkzeugen auch noch unter der niedrigsten Limbo-Stange hindurch. Oder anders gesagt: Die Leserin sollte eigentlich ihr Geld zurückfordern.
Es krankt in diesem Buch an so ziemlich allem:
Die Story ist praktisch nicht vorhanden. PWP (Plot what Plot)???, fragt sich die geneigte Leserin. Man erfährt im Laufe des Romans das, was in der obigen Inhaltsangabe steht. Was man nicht erfährt: Warum können nur die beiden Zwillinge den uralten Vampir vernichten? Warum wurde Yannick mit einem Fluch bestraft? Warum findet Yates senior den Untoten innerhalb kürzester Zeit und der eigene Bruder nicht? Was ist eigentlich so schlimm an diesem Zayan – der zwar junge Mädchen anknabbert, aber doch eigentlich nur eines vernaschen will: Yannick? Warum kümmert sich die mächtige Vampirkönigin nicht um ihn, wenn er offenbar doch die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Blutsauger lenkt – und was zum Teufel hat Luzifer mit dieser ganzen Sache zu tun? Fragen, denen die Autoren nicht eine Zeile widmet. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass mir eine ganze Menge Infos fehlen …
Auch die Charaktere sind nicht mehr als Schemen, zweidimensionale Figuren, austauschbar und nicht wirklich sexy: Natürlich tragen die Vampire schwarz, sind durchtrainiert und haben einen sexy Körper, müssen Althea einfach verführen und die Ewigkeit mit ihr verbringen (nach gerade mal wie vielen Tagen des Kennenlernens? Drei?). Und Althea? Ist nach eigenen Aussagen eine knallharte Vampirjägerin, die gemeinsam mit ihrem Vater schon viele Blutsauger zur Strecke gebracht hat und sich nicht davor fürchtet, auch den angeblich mächtigsten von ihnen zu jagen. Und natürlich ist sie mit Anfang zwanzig noch eine Jungfrau – die aber gleich beim ersten Treffen mit Bastien im Bett landet und so ziemlich alles ausprobiert, was es da auszuprobieren gibt. Ihr Weg von einer angeblich knallharten Vampirjägerin zu einer schamlosen Sexbesessenen war ausgesprochen kurz. Apropos: Hatte ich schon erwähnt, dass sich diese Vampire natürlich in Fledermäuse verwandeln können und praktischerweise nach der Zurückverwandlung dann auch gleich nackt in Altheas Kammer stehen?!

„So dachte er über sie? Sie kämpfte nicht länger gegen seinen harten Griff und starrte in sein unbewegtes Gesicht. Er hatte nicht mal vor ihr als Jägerin Respekt. Er glaubte, dass sie nicht mehr war als eine dumme Frau. Gut genug, um auf dem Rücken zu liegen und ihm Lust zu schenken.“

Sorry, Schätzchen, das Gleiche denke ich auch von dir.
Last, but not least die erotischen Szenen des Romans: Eine Aneinanderreihung von freizügigen Bettszenen, in denen drei wunderschöne Menschen allerlei sportliche Verrenkungen machen, genügt leider nicht, um auch einen guten Erotikroman zu verfassen. Ob es nun one on one ist oder two on one oder Frauen mit Frauen oder Männer mit Männern – hier ist für jeden etwas dabei. Aber wirklich erotisch ist das Ganze nicht. Manchmal ist eben doch weniger mehr. Hinzu kommt, dass bei der Beschreibung des Aktes herabwürdigende Begriffe für die weibliche Anatomie verwendet werden, die ich einfach in einem Buch nicht lesen will … Ein absolutes No Go.

Mein Fazit: Bittebittebitte macht einen Bogen um diesen Roman!

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