Veröffentlicht in Belletristik

Melissa Jagears: Engaging the Competition

jagears-engaging-competitionKansas, 1901: Harrison Gray war bereits als Junge in Charlotte „Charlie“ Andrews verliebt. Doch da die Rancher-Tochter schon damals allen zu verstehen gab, dass sie durchaus in der Lage war, ihren „Mann“ zu stehen, beschloss er, dass sie wohl niemanden braucht. Schon gar nicht jemanden wie ihn, der aufgrund seiner starken Kurzsichtigkeit auf einer Farm sicher keine große Hilfe wäre.
Zehn Jahre sind seither vergangen, als Harrison nach seinem Studium als Lehrer in seine Heimatstadt zurückkehrt. Und wieder bewundert er Charlie aus der Ferne – bis ihm sein Pfarrer davon erzählt, dass das Mädchen in Kürze einen Nachbarn heiraten wird, dessen Brüder als Unruhestifter bekannt sind. Aus einem ihm unerfindlichen Grund fällt ihm die Aufgabe zu, Charlie von diesem Vorhaben abzubringen.
Unglücklicherweise findet dieses unangenehme Gespräch während eines Wirbelsturms statt, in dem Harrisons Brille zu Bruch geht. Charlie und der junge Lehrer sind sich in wenigen Dingen einig, dennoch erklärt sie sich bereit, ihm beim Unterrichten zur Seite zu stehen, bis seine neue Brille eintrifft. Doch in zwei Wochen kann viel passieren …

„Engaging the Competition“ ist, falls ich mich nicht irre, die erste Geschichte von Melissa Jagears, die ich gelesen habe, und sie war auch wirklich unterhaltsam und kurzweilig.
Charlie ist einerseits eine etwas nervtötende Frauenfigur: Sie ist die Tochter eines Ranchers und kann schon seit ihrer Kindheit reiten, schießen und mit den Nutztieren umgehen, und zwar nicht weniger gut als die Männer. Das führt dazu, dass alles für sie ein Wettbewerb ist, ein Wettbewerb, in dem sie immer gewinnen muss. Und dass sie besser ist, lässt sie auch alle spüren. Was wiederum dazu führt, dass sie keine Freunde hat und als Fünfundzwanzigjährige noch unverheiratet ist.
Andererseits ist sie auch sehr sympathisch. Vor einem Jahr ist ihr Vater verstorben und seither kümmert sie sich eigenverantwortlich um die Farm. Und das, obwohl ihre Mutter so sehr unter dem Verlust ihres Mannes leidet, dass sie sich weigert, dessen Tod überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Außerdem macht ihr ein Nachbar das Leben schwer, indem er ihr die Arbeitskräfte abspenstig macht und Vieh stiehlt. Daher beschließt sie, zu tun, was sie tun muss, um die Farm zu retten: Sie will einen Bruder des verhassten Nachbarn heiraten.
Doch dann kehrt nach jahrelanger Abwesenheit Harrison Gray in seine kleine Heimatstadt zurück, Harrison, in den sie schon während ihrer Schulzeit verliebt war, der jedoch nach einem verlorenen Schießkampf auf Distanz gegangen war. Harrison ist auch derjenige, aus dessen Perspektive die Geschichte hauptsächlich erzählt wird. Im Gegensatz zur „anpackenden“, bodenständigen Charlie ist er ein echter Bücherwurm, der stark kurzsichtig und ohne seine Brille aufgeschmissen ist. Er ist zwar keine Damsel in Distress (dazu gibt es zu wenig „distress“), aber das eine oder andere Mal hatte ich so meine Probleme, ihn ernst zu nehmen. Gewöhnlich begegnen uns in solchen historischen Liebesromanen ja „richtige“ Kerle, und diesem Bild entspricht Harrison definitiv nicht. Aber nichtsdestotrotz ist er ein sympathischer Held.
Großes Thema dieser Kurzgeschichte ist sicher „Kommunikation“ – wir haben hier zwei Protagonisten, die sich schon in ihrer Jugend überaus sympathisch waren, aber nie miteinander darüber gesprochen haben. Und weil sich auch Jahre später nichts daran geändert hat, kommt es zu einer Reihe von Missverständnissen. Nicht nur, dass sie so nichts von der Zuneigung des jeweils anderen erfahren. Sie erfahren auch nichts davon, dass ihr Gegenüber eben nicht nur ein Bücherwurm ist bzw. einen guten Grund hat, eine Vernunftehe einzugehen.

Fazit: Eine geradlinige Kurzgeschichte, die sich nicht in irgendwelchen Nebensächlichkeiten verliert. Mit Protagonisten, die genügend Mängel haben, um glaubwürdig zu sein.

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