Veröffentlicht in Belletristik

Jen Turano: Playing the Part

Lucetta Plum ist eine erfolgreiche Schauspielerin in New York. Doch sie muss bei Nacht und Nebel die Flucht ergreifen, als ihr Stiefvater sie beim Glücksspiel an einen unliebsamen, aber sehr einflussreichen Bewunderer namens Silas Ruff verliert. Lucettas mütterliche Freundin Abigail Hart ist im Gegensatz zu ihr darüber jedoch ausgesprochen begeistert, bietet ihr das doch eine Gelegenheit, die junge Frau mit ihrem Enkel zu verkuppeln, in dessen Schloss beide Zuflucht finden.
Bram Haverstein ist ein sehr wohlhabender, aber auch etwas exzentrischer Gentleman. Er reitet des Nachts übers Land, gibt Straffälligen ein neues Zuhause – und seine Nachbarn sind fest davon überzeugt, dass es bei ihm nicht mit rechten Dingen zugeht (zumindest hat der letzte Besitzer sein Schloss verkauft, weil es darin offenbar spukt). Und er ist schon seit Jahren im Stillen in die Schauspielerin Lucetta Plum verliebt.
Die junge Frau ist alles andere als begeistert, als sie erkennt, dass auch Bram zur Schar ihrer Verehrer gehört, und bleibt auf Distanz. Doch als dann in seinem Schloss seltsame Dinge vor sich gehen und ihr unliebsamer Verehrer Silas Ruff auf ihre Spur kommt, muss sie Bram um Hilfe bitten …

„Playing the Part“ ist Band 3 der „A Class of their own“-Reihe von Jen Turano. In der Reihe geht es um die drei Freundinnen Hannah, Millie und Lucetta – und natürlich, wie sie jeweils den Mann fürs Leben finden (Band 1: Braut auf Zeit; Band 2: In Good Company). Die Romane spielen allesamt 1882 in oder um New York und zeichnen sich durch eine große Portion Situationskomik aus; der 3. Band m. E. am stärksten. Ich habe „Playing the Part“ an einem Wochenende regelrecht verschlungen. Die Protagonisten werden glaubwürdig beschrieben, spielen sich die Bälle sehr gut zu, und die Liebesgeschichte ist zwar nicht unerwartet, aber doch sehr … süß. Komplettiert wird das Ensemble aus Akteuren von einer Reihe von überaus interessanten Nebenfiguren, reformierte Kleinkriminelle, denen Bram Haverstein auf Bitten seines Pastors ein neues Zuhause und neue Aufgaben gibt.

Lucetta Plum gibt eine sehr sympathische Heldin ab und war schon in Band 1 von „A Class of their own“ meine Lieblingsfigur. Sie ist zwar Theaterschauspielerin, was ihr in der damaligen Zeit (zu unrecht) einen etwas anrüchigen Ruf einbringt, aber darüber hinaus ist sie eine ausgesprochen bodenständige junge Frau. Sie ist überaus schön, was ihr zu ihrem Leidwesen eine große Schar an Bewunderern eingebracht hat, weiß sie doch, dass diese nur den äußeren Schein sehen und das Bild, das sie sich von ihr – von Lucetta – gemacht haben. Dies führt dazu, dass unsere Heldin einen großen Bogen um Männer macht. Sie ist nämlich alles andere als eine Damsel in Distress, die gerettet werden muss. Sie ist ausgesprochen intelligent (sie besitzt ein fotografisches Gedächtnis) und wissbegierig, widmet sich ihrem Beruf und hat gelernt, ihr Vermögen durch Geschäfte an der Wall Street zu vergrößern, wodurch sie in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Auch wenn ihr Wohlstand und das, was andere über sie denken, nicht wirklich wichtig ist.

Als sie Bram Haverstein gegenübersteht, ist sie zunächst ausgesprochen angetan von seiner Person (schließlich trägt er gerade eine Augenklappe und ist tall, dark & handsome) – bis sich herausstellt, dass auch er ein Bewunderer ihrer Person ist. Auch er hat sich ein Bild von ihr gemacht – und muss zu seinem Leidwesen feststellen, dass sie keine hilflose Jungfer ist, die vom strahlenden Helden gerettet werden muss und damit zufrieden wäre, nach der Eheschließung den Haushalt zu schmeißen. Sie ist viel selbstständiger und selbstbewusster, als ihm (zunächst) lieb ist. Bram selbst ist allerdings auch nicht das, was er zu sein scheint. Er hat Geheimnisse, die dazu führen, dass seine Nachbarn ihn im  besten Fall für eine Art modernen Robin Hood halten und seine Angestellten ihn zumindest für einen extrem exzentrischen Arbeitgeber, der viel Zeit in seinem Burgverlies verbringt. Sein Geheimnis klärt sich zum Ende des Buches hin, allerdings weiß der aufmerksame Leser schon deutlich früher, worum es dabei geht.

Auch die Handlung ist ausgesprochen vielfältig: Neben der eigentlichen Liebesgeschichte gibt es sehr viel Situationskomik (hier wäre u. U. etwas weniger mehr gewesen); es gibt eine spannende Krimihandlung um Lucettas unliebsamen Verehrer Ruff, der schließlich auch wiederholt zu kriminellen Methoden greift, um ihrer habhaft zu werden; es gibt Gothic-Elemente, die ein wenig an Jane Austens „Northanger Abbey“ erinnern, und es gibt eine Reise in Lucettas Vergangenheit in die amerikanischen Südstaaten, in deren Rahmen sie auch mit ihrer Geschichte abschließt. Heraus kommt dabei eine unterhaltsame Mischung aus Humor und Spannung, aus Leichtigkeit und Tiefgang, was das Buch zu einer idealen Strandlektüre macht.

Das Buch ist jedoch nicht nur gut geschrieben und ausgesprochen unterhaltsam, es gibt auch ausreichend „Denkstoff“ für die Leserin: Es geht im Buch ganz stark darum, dass wir Masken tragen, damit andere nicht sehen, wer wir wirklich sind; es geht um zerbrochene Familienbeziehungen und Vergebung.

Mein Fazit: Ein extrem unterhaltsamer Abschlussband der dreibändigen Reihe von Jen Turano. „Playing the Part“ wird sicher nicht mein letztes Buch der Autorin sein.

 

 

 

 

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Ein Kommentar zu „Jen Turano: Playing the Part

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