Veröffentlicht in Belletristik

Kathleen E. Woodiwiss: Wie Staub im Wind

woodiwiss-wie-staub-im-windNew Orleans, 1863: In den letzten Wirren des ausgehenden amerikanischen Bürgerkriegs treffen in New Orleans zwei Menschen aufeinander, wie man sie sich gegensätzlicher kaum vorstellen kann: Alaina MacGaren, die temperamentvolle, überaus selbstbewusste und stolze tochter eines Plantagenbesitzers aus den Südstaaten, und Cole Latimer, ein plfichtbewusster, braver Yankee aus dem Norden.
Doch Gegensätze ziehen sich an: Die leichtsinnige Schöne aus dem Süden verfällt dem etwas steifen, schlaksigen Cole, der als Arzt und Offizier der Nordstaatenarmee zu den verhassten Besatzungstruppen gehört, ebenso, wie er nach einer leidenschaftlichen Liebesnacht nicht mehr von Alaina loskommt.
Aber ungeahnte Schwierigkeiten stehen ihrem Glück im Wege. Durch eine üble Täuschung wird Cole gezwungen, Alainas Cousine Roberta zu heiraten. Und Alaine wird zu Unrecht bezichtigt, an einem Raubüberfall teilgenommen zu haben, und wird von der Nordstaatenarmee steckbrieflich gesucht. Cole dagegen muss wieder ein den Krieg.
Doch die Trennung soll nicht endgültig sein. Alle Intrigen, alle dunklen Machenschaften und die Grausamkeiten des Krieges können nicht verhindern, dass am Ende die Liebe triumphiert …

Die Romane der amerikanischen Schriftstellerin Kathleen E. Woodiwiss waren damals die ersten Liebesromane, die ich als etwa Vierzehn- oder Fünfzehnjährige gelesen habe. Und sie kamen mir unglaublich erotisch vor – die Art von Romanen, die man unter der Bettdecke oder mit abgelegtem Schutzumschlag liest, damit niemand es mitbekommt. Doch wenn ich die Romane von Woodiwiss mit den erotischen Romanen vergleiche, die heutzutage in diesem Genre verkauft werden, muss ich sagen, dass sie wirklich ausgesprochen harmlos sind. 🙂 So ändern sich eben die Zeiten.

Nichtsdestotrotz sind ihre Bücher auch heute noch sehr unterhaltsam und lassen sich an einem sonnigen Nachmittag auf dem Balkon oder am Strand „weglesen“. Woodiwiss ist eine sehr gute Erzählerin, der es gelingt, die Zeit, in der sie spielen – in diesem Fall der amerikanische Bürgerkrieg -, vor den Augen der Leserin Wirklichkeit werden zu lassen, ohne dass sie allzu tief in die Materie bzw. die Hintergründe für die Auseinandersetzungen eintaucht. Man erfährt das, was man wissen muss – hier im Buch zum Beispiel, wie es sich für die Bewohner von New Orleans (die wohl eine ganz spezielles Spezies sind) angefühlt hat, von einer Besatzungsmacht in ihrem Alltagsleben eingeschränkt zu werden; wie es war, wenn geliebte Menschen nicht nach Hause kamen; wie schlimm das Elend in den Krankenhäusern war; dass es auch in dieser Zeit, in der es allen schlecht ging, noch Menschen gab, die andere ausgebeutet oder betrogen haben … Das Schema des Buches ist zwar nichts Neues (man lernt sich kennen und lieben, es kommt zu einem großen Mitverständnis, was zum Bruch führt, aber schließlich folgt das Happyend), aber die Autoren macht ihre Aufgabe gut und unterhält durch die unterschiedlichsten Wendungen exzellent.

Die Hauptfiguren sind sympathische Menschen, mit denen man im Verlauf des Romans mitfiebert, mitlacht und mittrauert. Alaina ist – wie so üblich in historischen Liebesromanen – etwas emanzipierter und selbstständiger, als es bei Frauen damals vermutlich der Fall war. Aber nichtsdestotrotz ist sie eine starke Persönlichkeit, die sehr viel Einfallsreichtum an den Tag legt, wenn es darum geht, ihr Überleben, das ihrer erweiterten Familie oder auch ihrer Plantage zu sichern. Zum Beispiel schneidet sie sich ihre (schönen) Haare ab, schlüpft in Jungenkleidung und sorgt dafür, dass sie ständig schmutzig ist, um sich von ihrer Plantage nach New Orleans zu ihren letzten Verwandten durchzuschlagen und dort eine Anstellung in einem Lazarett zu bekommen.

Auf diese Weise lernt sie auch den Yankee Cole Latimer kennen, der den vermeintlich hilflosen Jungen vor Straßenschlägern bewahrt und ihm Essen und eine Anstellung besorgt.  Und Cole lernt ihre Cousine Roberta kennen, die – aufgrund des durch den Bürgerkrieg verursachten Männermangels – gleich ein Auge auf ihn wirft und durch eine Intrige auch seine Frau wird. Der Nordstaatler ist ein Mann von Ehre, und obwohl er sich in eine geheimnisvolle Witwe verliebt, die ihm immer wieder über den Weg läuft, ist er bereit, Roberta zu heiraten und mit nach Hause zu nehmen, obwohl er weiß, dass sie ihn betrogen hat.

Mein Fazit: Woodiwiss‘ Romane sind sicher keine hohe Literatur, und wer etwas Erotisches sucht, wird heutzutage sicher zu anderen Autoren greifen, aber auch nach vielen Jahren hatte ich noch viel Vergnügen beim Lesen von „Wie Staub im Wind“.

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