Veröffentlicht in Sachtitel

Mark Strauss: Messias ohne Manieren

strauss-messias-ohne-manierenIch habe zu dem Buch von Mark Strauss gegriffen, weil ich auch die Titel von Jefferson Bethke sehr schätze (Warum ich Religion hasse. Und Jesus liebe.; Jesus war kein Christ) und Strauss einen ähnlich ungewöhnlichen Blick auf bekannte fromme Themen wird. Er lädt ein, Jesus kennenzulernen – und zwar nicht nur den kuschligen Kindersegner und Frauenversteher, sondern auch den unbequemen, der zu den religiösen Anführern wenig nette Dinge gesagt hat, der behauptet hat, seine Mutter und seine Geschwister nicht zu kennen, der uns geraten hat, uns lieber Arme und Augen rauszureißen, als vom richtigen Weg abzukommen.

Alle mögen Jesus. Selbst viele Nichtchristen finden das, was er gesagt hat, sehr sympathisch und halten ihn für einen weisen Menschen, von dem wir auch heute noch viel lernen können. Aber was ist mit der Tatsache, dass Jesus nicht nur nett war:

  • Er hat verurteilt – er hat häufiger über die Hölle gesprochen als Paulus.
  • Seine Aussagen waren krass – er hat seinen Zuhörern gesagt, dass sie ihre Familien hassen müssen.
  • Er war ein Chauvi – in seinem „Leitungskreis“ gab es keine Frauen.
  • Er war ein Rassist – er hat Angehörige anderer Ethnien beleidigt.
  • Er hat die Umwelt zerstört – schließlich hat er einen Feigenbaum verflucht und Tieropfer befürwortet.
  • Er ist vor Wut ausgerastet – er hat die Tische der Händler umgeworfen und diese aus dem Tempel getrieben.

Er setzte einen hohen moralischen Standard, riet seinen Zuhörern, sich Körperteile abzuschneiden, widersetzte sich zeitgenössischen politischen und religiösen Autoritäten. Während wir gern über dieses bedenkliche Verhalten hinweglesen, sahen das die Menschen damals anders. Einige hielten ihn aufgrund dessen für so gefährlich, dass sie nach einem Weg Ausschau hielten, wie sie ihn umbringen könnten.

Der Jesus, den wir alle so nett und nachahmenswert finden, ist nicht unbedingt auch der Jesus, der uns in den Evangelien begegnet, behauptet Autor Mark Strauss. Er ist lediglich ein Geschöpf unserer Fantasie und unserer Zeit. Strauss ist fest davon überzeugt: Wenn wir den rätselhaften Widersprüchen auf die Spur gehen, dann wird uns erst richtig bewusst, wie revolutionär und großartig der Mann aus Galiläa wirklich war.

Advertisements
Veröffentlicht in Sachtitel

Max Lucado: Du bist reich beschenkt

Max Lucado gehört zu den wichtigsten christlichen US-Autoren unserer Zeit. Seit Mitte der Achtzigerjahre hat er Dutzende von Bestsellern geschrieben, die vielfach auch ins Deutsche übersetzt wurden. Seine große Stärke sind sicher seine liebevolle, seelsorgerliche Art – und seine Fähigkeit, bekannte biblische Geschichten auf eine Weise zu erzählen, dass auch der Leser immer wieder neue Facetten dieser Berichte und Bezüge zum eigenen Leben entdecken kann. Wie oft dachte ich schon beim Lesen seiner Bücher: Was? So habe ich das ja noch nie gesehen!?
In seinem neuen Buch beschäftigt sich Bestsellerautor Max Lucado am Beispiel von Josua und dem Volk Israel mit dem „Gelobten Land“. In biblischer Hinsicht geht es in seinem neuen Buch darum, was die Israeliten davon abhielt, ins Gelobte Land einzuziehen, wie der Einzug sich vollzog, welche Kämpfe ausgefochten werden mussten, wie das Leben im Gelobten Land aussah. Aber in jedem Kapitel, in dem Lucado einen Schritt auf dieser Reise nachzeichnet, zieht er auch immer wieder Parallelen zu unserem eigenen Leben. Denn im Grunde geht es hier nicht nur um die unterhaltsame Nacherzählung einer biblischen Geschichte, sondern darum, wie wir eine Brücke schlagen können zwischen dem Menschen, der wir sind, und dem, der wir sein wollen.
Im stärksten Kapitel – aber wahrscheinlich kommt es mir nur so vor, weil ich eine Frau bin – wendet er sich zum Beispiel an Menschen, die nicht verstehen können, warum Gott sie in all ihrer Zerbrochenheit annehmen könnte. Das illustriert er sehr schön am Beispiel von Rahab.

Ich sehe schon vor mir, wie sich ein halbes Dutzend Männer durch die enge Kopfsteingasse im Rotlichtviertel zwängt. Es ist spät abends. Die mit Fackeln erleuchteten Kneipen sind geöffnet und die Kunden stockbesoffen. Sie rufen den Männern des Königs obszöne Bemerkungen nach, aber die Soldaten reagieren nicht. Sie gehen weiter, bis sie vor der Holztür eines steinernen Hauses direkt an der berühmten Stadtmauer von Jericho stehen bleiben. Die Laterne davor brennt nicht, und die Soldaten fragen sich, ob wohl jemand zu Hause ist. Der Hauptmann hämmert an die Tür. Drinnen hört man schlurfende Schritte. Rahab macht auf. Sie trägt mehrere Schichten Make-up und hat ihre Augen schwarz geschminkt. Unter ihrem tief ausgeschnittenen Gewand kann man ein paar gute Stücke von „Victoria’s Secret“ sehen. Ihre raue Stimme verrät, dass sie Kettenraucherin ist. Sie stemmt eine Hand in die Hüfte und hält in der anderen einen Martini.
„Tut mir leid, Jungs, wir sind für heute Nacht ausgebucht.“
„Deswegen sind wir nicht hier“, fährt der Hauptmann sie an. „Wir kommen wegen der Hebräer.“
„Hebräer?“ Fragend neigt sie den Kopf zur Seite. „Ich dachte, ihr wolltet ein bisschen Spaß haben.“
Sie zwinkert mit ihren schwarz getuschten Wimpern einem jungen Soldaten zu. Er wird rot, aber der Hauptmann lässt sich nicht von seinem Auftrag abbringen.
„Wir suchen die Spione. Wo sind sie?“
Sie tritt vor die Tür, schaut nach links und nach rechts und raunt ihnen dann zu: „Ihr habt sie gerade verpasst. Kurz bevor die Stadttore geschlossen wurden, haben sie sich davongeschlichen. Wenn ihr euch beeilt, kriegt ihr sie noch.“
Die Männer des Königs machen kehrt und rennen los. Als sie um die Ecke verschwunden sind, rennt Rahab die Treppe zum Dach hinauf, wo sich die beiden Späher versteckt haben. Sie sagt ihnen, dass die Luft rein ist. „Die ganze Stadt spricht von euch und eurer Armee. Alle haben Schiss. Der König kann nicht mehr schlafen und den Leuten ist der Appetit vergangen. Sie schlucken Beruhigungsmittel, als seien es Tic Tacs. Das letzte bisschen Mut ist mit dem Morgentau verdunstet“ (Josua 2,9–11; FNL – frei nach Lucado).

Ob Sie es glauben oder nicht, Rahab fand Gott. Oder besser ausgedrückt: Gott fand Rahab. Er hatte in dieser knallharten Stadt ein weiches Herz entdeckt und kam zu ihr, um sie zu retten. Er hätte die ganze Stadt gerettet, aber niemand sonst sehnte sich danach. Andererseits war Rahab den anderen gegenüber im Vorteil. Sie hatte nichts zu verlieren. Sie war ganz unten auf der sozialen Leiter. Sie hatte ihren Ruf, ihr gesellschaftliches Ansehen und ihre Aufstiegschancen schon verspielt. Sie war ganz unten.
Vielleicht sind Sie das auch.
Sie haben vermutlich nicht Ihren Körper verkauft, aber Ihre Loyalität, Ihre Zuneigung, Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Gaben. Sie haben alles verkauft. Das haben wir alle. Wir alle fragen uns: Das Leben, nach dem wir uns sehnen? Das können vielleicht die anderen führen, aber nicht ich. Ich bin … zu schmutzig, zu dreckig, zu belastet. Ich habe zu viel gesündigt, bin zu oft gestrauchelt, zu oft ins Schwimmen geraten. Ich bin auf dem Müllhaufen der Gesellschaft gelandet. Für mich gibt es keine glorreichen Zeiten mehr.
Gott hat eine ganz kurze Antwort auf solche Zweifel: Rahab!
Damit wir nicht denken, dass Gottes verheißenes Land nur für ein paar wenige Auserwählte gedacht sei, hat er ihre Geschichte an den Anfang gestellt. Der Autor widmet ihr ein ganzes Kapitel. Unglaublich! Sie bekommt mehr Text als die Priester, die Späher oder Josuas Gehilfe. Wenn Quantität und Reihenfolge in der Theologie irgendwie von Bedeutung sind, dann besagt Rahabs Story, dass Gott einen Platz hat für die Rahabs dieser Welt.

Lucado spricht aber auch Christen an, die „Ägypten“ bereits verlassen haben und sich jetzt oder auch schon seit Jahren darüber wundern, warum sie nicht in den Genuss der Vorteile eines „Gelobten Landes“ kommen. Warum fühlen sie sich immer noch entmutigt und irgendwie unfrei? Warum entwickeln sie sich geistlich nicht weiter?
Max Lucado nimmt die Hindernisse auf dem Weg ins Gelobte Land und auch im Gelobten Land unter die Lupe und hat eine gute Nachricht für den Leser: Wir sind wirklich Kinder Gottes, Miterben Jesu und dürfen darauf vertrauen, dass wir die Reise nicht alleine bewältigen müssen. Und wenn wir unser Ziel erreicht haben, dann erleben wir wirklich einen lebensverändernden Glauben …
Das Buch lebt dieses Mal weniger von Lucados seelsorgerlicher Art, die den Leser dort abholt, wo er steht – auch wenn dieses Buch sicher sehr einfühlsam und seelsorgerlich geschrieben ist. „Du bist reich beschenkt“ ist eher eine sehr unterhaltsame „Bibelarbeit“ über das Buch Josua. Lucado geht in den 16. Kapitel seines Buches die insgesamt 23 Kapitel des biblischen Buches Josua detailliert durch. Und er spricht mit seinen Nacherzählungen biblischer Ereignisse (siehe oben) und seinen Illustrationen mit Geschichten aus dem wahren Leben problemlos das Herz des Lesers an.

Das Buch ist übrigens auch rein äußerlich ein Genuss und etwas ganz Besonderes. Der Haupttitel des Buches ist so auf den Schutzumschlag eingeprägt, dass er erhaben hervorsteht, und der Umschlag selbst ist wiederum mit unzähligen Punkten versehen, die aus einer goldenen Heißfolie bestehen. Ein Klick auf das obige Foto des Buches verrät euch mehr.

Mein Fazit: Ich liebe die Bücher von Max Lucado sehr – aber ich war schon lange nicht mehr so begeistert von einem religiösen Buch wie bei „Du bist reich beschenkt“.

Veröffentlicht in Sachtitel

Flor Namdar: Liebe statt Furcht

namdar-liebestattfurchtEs war keine sorgfältig abgewogene Entscheidung, kein bewusstes Abschiednehmen. Vielmehr war es das entkräftete Loslassen eines Schiffbrüchigen, der tagelang auf den Wogen eines tosenden Meeres getrieben hatte, festgeklammert an eine Planke seines gesunkenen Schiffes, zu leer, um zu hoffen, zu ausgekühlt, um irgendetwas zu empfinden, nur erfüllt von dem einen Gedanken: „Es soll aufhören!“
Ich suchte das Vergessen und stürzte mich kopfüber in die Finsternis. Aber die Finsternis hielt mich nicht. Sie wollte oder durfte es nicht!
Mit einem Mal war da ein Licht. Konnte dies der Tod sein?
Etwas lag auf meiner Brust und wie aus weiter Ferne drangen Stimmen an mein Ohr: „Lebt sie noch?“
„Nein … ich glaube, sie ist tot.“
Das Gewicht auf meiner Brust war nicht schwer, sondern süß und leicht. Es bewegte sich. Verschwommen erkannte ich das kleine Gesicht meiner weinenden Tochter.
„Sie lebt noch!“, rief eine Stimme.
„Bist du sicher?“
„Wir müssen den Notarzt rufen!“
Ich achtete kaum auf diese Worte. Ich sah nur meine Tochter. Und tief in mir flüsterte ich zu einem Gott, an den ich in meinem Herzen längst nicht mehr glaubte: „Nie wieder! Nie wieder werde ich so etwas tun.“

Als Tochter einer kurdischen Sunnitin und eines persischen Schiiten verbringt Flor Namdar* eine unbeschwerte, privilegierte Kindheit in ihrer Heimat Iran. Trotz der religiösen Unterschiede führt das nie zu Problemen in der Familie – jeder ist auf seine Weise sehr gläubig. Doch als junges Mädchen gerät sie in die Wirren der Islamischen Revolution. Die Familie verliert ihre gesellschaftliche Stellung, lebt in zwei kleinen, heruntergekommenen Zimmern in großer Armut.
Sie ist noch ein Teenager, als sie von einem anderen Flüchtling einen Heiratsantrag bekommt, diesen aber ablehnt. Mit diesem Gesichtsverlust kommt der potenzielle Bräutigam aus kulturellen Gründen nicht klar und versucht, Selbstmord zu begehen. Woraufhin seine Familie die Schuld bei ihr sucht und ihr nach dem Leben trachtet.
Um dieser lebensgefährlichen Situation zu entkommen, flüchtet sie sich in eine unglückliche Ehe mit einem entfernten Verwandten. Doch die Ehe ist zutiefst unglücklich. Sie fühlt sich in der neuen Stadt sehr einsam; außerdem sieht die Ehe mit ihrem Mann so ganz anders aus als die liebevolle, von Vertrauen und Wertschätzung geprägte Ehe, die sie von ihren Eltern kennt.
Als sie schwanger ist, kehrt zu unter einem Vorwand zu ihren Eltern zurück und beschließt, dort zu bleiben. Doch ihr Mann kann dies nicht zulassen – und macht ihr das Leben schwer. Hinzu kommen dann auch noch Depressionen angesichts ihrer schrecklichen Lage.
All diese schrecklichen Erfahrungen führen dazu, dass sie ihren muslimischen Glauben schließlich ablegt (ohne aber jemandem etwas davon zu sagen):

Dem fordernden Gott, der trotz all meiner Bemühungen, eine fromme Muslima zu sein, nur schwieg und mich ständig zu bestrafen schien, diesem Gott kehrte ich schließlich den Rücken.

Aber ihre persönliche Situation wird so unerträglich, dass sie beschließt, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Doch Flor wird gerettet. Und dann geschieht etwas, das ihr Leben völlig auf den Kopf stellt: Sie begegnet Jesus. Flor will bei einem Juwelier eigentlich nur einige Schmuckstücke anpassen lassen, als dieser – ein Christ – ihr eine Frage stellt und sie sich plötzlich fragt, woran diese Christen eigentlich glauben. Sie besucht eine christliche Kirche und merkt sofort, dass dieser Jesus so ganz anders ist als Mohammed und Allah. Man muss nicht lange Reinigungsrituale über sich ergehen lassen, bevor man in seine Nähe kommt. Man ist willkommen, wie man ist. Auch die Atmosphäre in ihrer Gemeinde ist viel fröhlicher und freier, als sie es von Moscheen kennt.
Und als Flor Jesus kennenlernt, verändert sich ihr Leben von einem Moment auf den anderen. Ihre Depressionen sind weg, sie sieht viel positiver in die Zukunft, kann die Probleme, die sie mit ihrem Exmann hat, viel gelassener angehen …

Über Umwege landet Flor schließlich in Deutschland (wo die Menschen alle schrecklich nackt herumlaufen, wie sie gleich feststellt) und arbeitet mit einer amerikanischen Missionarin unter Kurden. Es dauert eine Weile, bis sie sich hier eingelebt hat, aber dann gelingt es ihr, ihre Tochter nachzuholen, und sie fängt an, unter muslimischen Flüchtlingen zu arbeiten.
Und hier wird das Buch sicher besonders aktuell, denn sie geht auch auf die Probleme ein, die diese Menschen hier in der neuen Kultur haben. Sie geht auf den Vorwurf ein, dass die muslimischen Flüchtlinge ja nur deshalb behaupten, Christen zu sein, um ein Bleiberecht zu bekommen. Auf diese Weise weckt sie ein tieferes Verständnis der Lebenswirklichkeit vieler Flüchtlinge. Und vor allem schildert sie auch das Schicksal von Frauen, die hier in unser Land kommen … Das Buch leistet meines Erachtens einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Islamdebatte, der den Islam aus der Innensicht zeigt und weder verharmlost noch verteufelt.

Mein Fazit: Vorab die wahrscheinlich wichtigste Information: Ich hasse Biografien! Ich lese keine Biografien! Eigentlich! Aber bei „Liebe statt Fucht“ habe ich eine Ausnahme gemacht, weil ich das Vergnügen hatte, die Autorin persönlich kennenzulernen, die sich als ungemein optimistische, fröhliche Frau entpuppte! Die obige Geschichte ist nämlich nicht nur außergewöhnlich und spannend, sie ist auch wahr! Sie schildert das Leben einer starken Frau, die aus einer patriarchalischen Welt voller archaischer Regeln mutig ausbricht und unbeirrt Jesus nachfolgt. Beim Lesen habe ich eine ganze Bandbreite an Emotionen durchgemacht: Ich war traurig und deprimiert darüber, wie ihr Leben verläuft, war wütend über die negativen Seiten ihrer (patriarchialischen) Kultur, in der Frauen oftmals nur Eigentum des Mannes sind, habe mich gefreut, als sich ihr Leben endlich zum Positiven gewandelt hat …
Wenn ihr gern Lebensbilder lest, die stark von religiösen Überzeugungen geprägt sind, kann ich euch dieses Buch sehr empfehlen.

_________
* Bei „Flor Namdar“ handelt es sich nicht um den richtigen Namen der Autorin; Flor hat sich für die Verwendung eines Pseudonyms entschieden – weniger, um sich selbst, als vielmehr um ihre Tochter und die Mitglieder ihrer Gemeinde zu schützen. Daher wurden auch die Ortsangaben in Deutschland verändert.

Veröffentlicht in Sachtitel

Das Schottland Buch

schottlandbuchDramatisch durchbricht die Sonne den Frühnebel und taucht die Moorlandschaft der Highlands in erdig-sanfte Farben. Rau zeigt sich die See an den steilen Küsten der Hebrideninseln. Mystisch spiegeln sich Burgruinen in einem der idyllischen Lochs, aus denen ein plötlich auftauchendes Seeungeheuer nicht überraschen würde. Schottland lässt sofort viele Bilder vor dem inneren Auge entstehen. Schroffe Felsküsten, tiefblaue Seen und einsame Hochmoore, geheimnisvolle Steinkreise und sgenumwobene Burgen, Clansmen und Kilts, Dudelsäcke und Whiskydestillerien – das sind nur einige der Stichwörter, die den unvergleichlichen Zauber Schottlands beschreiben. Von den lebendigen Metropolen der Central Lowlands, der Festivalhauptstadt Edinburgh und dem Trendsetter Glasgow, bis zu den wenig besiedelten Highlands faszinieren uns die grandiose Natur, die reiche Kultur und Geschichte dieses Landes ebenso wie das Traditionsbewusstsein, der Humor und der Charme seiner Menschen.
DAS SCHOTTLAND BUCH lädt zu einer faszinierenden Reise durch das Land ein und offenbart dessen ganze Vielschichtigkeit in brillanten Farbbildern und informativen Texten. Ausklappbare Panoramabilder bieten spektakuläre Ansichten ausgewählter Highlights.

Treffend malt der U4-Text des Buches ein Bild dessen, was Leser und Betrachter im SCHOTTLAND BUCH erwartet: großartige Fotos all der Landschaften, Bauten, Kulturen und Historien, die man mit diesen nördlichem Ende Großbritanniens in Verbindung bringt. Kleine Fotos, ganzseitige Fotos, doppelseitige Fotos – und zehn Panoramabilder, die sich ausklappen lassen und über vier Buchseiten ausbreiten.
Geografisch beginnt der Bildband in den Central Lowlands mit den Großstädten Glasgow und Edinburgh und ihren Umgebungen. Hier gibt es neben Fotos der Städte auch Bilder und Berichte von Museen, Galerien, Kultureinrichtungen, Regierungs- und in architektonischer oder historischer Hinsicht interessanten Industriegebäuden. Gespickt ist das Ganze mit kurzen Informationen zu den Besonderheiten des jeweiligen Motives – sei es ein Verkehrsmuseum, eine Werft oder ein Konzerthaus.
Anschließend geht es in die Southern Uplands mit ihren Abbeys, bekannten Burgen und Schlössern (z. B. Caerlaverlock Castle) oder Naturschutzgebieten. Hier kommen auch diejenigen auf ihre Kosten, die sich für Landwirtschaft, Vogelkunde oder Wälder interessieren.
Danach bringt uns der Reiseführer in den Nordosten des Landes und beschreibt Sehenswertes zwischen Dunnottar Castle im Süden, Elgin im Norden und Braemar im Westen. In diesem Teil des Buches kommen vor allem die Schottland-Fans auf ihre Kosten, die – wie ich – die Cairngorm Mountains für das schönste Fleckchen Erde halten und zum Wandern dorthin reisen. Oder all diejenigen, die den Whisky bzw. Castle Trail machen wollen. Sprich: Hier gibt es sehr viele Landschaftsmotive und Fotos von bekannten Schlössern (Balmoral Castle, Craigievar Castle, Huntley Castle u. v. m.) sowie eine kurze Stippvisite beim schottischen Whisky.
Im nächsten Teil geht es wieder an die Westküste – in das Gebiet Argyll and Bute mit seinen vielen Inselchen.
Die bekannten Highlands sowie die Isle of Skye folgen direkt danach: Ullapool im Norden, das ikonische „Highlander-Schloss“ Eilean Donan oder auch das landschaftlich wunderschöne Glen Coe (unter anderem!) gibt es hier zu sehen.
Den Abschluss in diesem wirklich atemberaubend schönen Bildband bilden die Hebriden sowie Orkney- und Shetlandinseln. Und auch hier mangelt es nicht an Hintergrundinfos über Tweed, Schafe, Steinkreise und vieles mehr.

Mein Fazit: DAS SCHOTTLAND BUCH ist der wahrscheinlich schöne Bildband, den ich jemals in der Hand hatte. Vermutlich hat der Kunth Verlag einen Deal mit dem schottischen Tourist Board – ich verspüre nämlich das dringende Bedürfnis, meinen Job zu kündigen, die Koffer zu packen und auszuwandern … Ich habe Heimweh.

DAS SCHOTTLAND BUCH
Gebunden mit Schutzumschlag, 29,5 x 23,1 cm, 312 Seiten
490 Abbildungen
€[D] 29,95
ISBN 978-3-95504-214-1

(zum Vergrößern auf das jeweilige Bild klicken)
schottlandbuch2.schottlandbuch3
schottlandbuch4.schottlandbuch5
schottlandbuch7.schottlandbuch8
schottlandbuch6

Veröffentlicht in Sachtitel

Jefferson Bethke: Jesus war kein Christ

bethke-jesus-war-kein-chrsitWas ist, wenn Jesus nicht etwa deshalb zu uns kam, um uns dabei zu helfen, der zerbrochenen Welt zu entfliehen und im Himmel ein „himmlisches Leben“ zu führen, sondern diese wiederherzustellen? Bestsellerautor Jefferson Bethke sagt: „Wir Christen haben die genialste Botschaft, die es jemals gab, doch wir erzählen sie gar nicht (richtig).“ Also erzählt Bethke sie in seinem neuen Buch selbst auf eine erfrischende, ungewöhnliche Art und Weise. Er präsentiert Gottes Geschichte aus dem Alten und dem Neuen Testament genauso herausfordernd und packend, wie sie es damals für die Zeitgenossen und in ihrem Kulturkreis war – und der Leser spürt: Diese Geschichte ist heute noch genauso relevant und anziehend wie damals.
Und Bethke macht deutlich: Die lebensveränderte Botschaft von Jesus hat noch heute die Kraft, die Welt auf den Kopf zu stellen!

Ich kenne Jefferson Bethke bereits durch sein Buch „Warum ich Religion hasse. Aber Jesus liebe“, deshalb war ich gespannt, wie es mit dem jungen Autoren weitergeht. Und er hat mich nicht enttäuscht. Im Gegenteil. „It’s not what you think“ ist zwar ebenfalls „Schwarzbrot“, aber bei Weitem nicht so trocken wie sein erstes Buch. „It’s not what you think“ ist meiner Auffassung nach um Längen besser, da es weniger „verkopft“ ist, sondern ganz dicht dran an unserem (Glaubens-)Alltag. Bethke stellt Bezüge zwischen dem Alten und dem Neuen Testament her, die mir so noch nicht untergekommen sind. Hier macht sicher auch ein alter Hase viele Neuentdeckungen.

Im 1. Kapitel präsentiert er z. B. die Gute Nachricht auf eine Art und Weise, wie ich es noch nie gehört habe. Er sagt: Du kannst nicht über Jesus und die Gute Nachricht sprechen, wenn du nicht bis zum 1. Buch Mose zurückgehst und die Gesamtzusammenhänge, in denen beides beides steht, berücksichtigst. Sehr erfrischend und einladend und mit einem großen Herz für Menschen, die keinen Bezug zum christlichen Glauben haben! Oder Kapite Nr. 5, in dem es um den Sabbat geht – nicht darum, am Sonntag gar nichts zu tun, sondern darum, sich im Alltag Raum für Ruhe und Stille zu nehmen – nicht, weil das eines der Gebote ist, sondern weil wir es für unser Wohlbefinden brauchen.

Bethke wendet sich m. E. primär an Christen, die er auffordert, vertraute Auffassungen über den „Nächsten“, über Himmel, über Anbetung, über das Königreich Gottes zu hinterfragen. Er wirft dabei viele der Regeln und Vorgaben und Bilder, die im Laufe der Jahrhunderte Einzug in unseren Kirchen und Gemeinden gehalten haben, über Bord (bzw. er versucht, die Brille der Moderne abzulegen) und kehrt wieder zu den Basics  zurück: wie die unterschiedlichen Botschaften und Geschichten in der damaligen Zeit aufzufassen waren. Wenn mehr Menschen sie auf diese Weise präsentieren würden, könnten viel mehr Menschen etwas mit dem christlichen Glauben anfangen.

Veröffentlicht in Sachtitel

Max Lucado: Before Amen

lucado before amenWir alle beten.
Wir beten, wenn wir nicht schwach werden wollen oder Geduld brauchen. Wenn es so aussieht, als sei die Geschwulst bösartig. Wenn das Geld zu Ende ist, der Monat allerdings noch lange nicht. Wenn unsere Ehe zerbricht. Das sind Situationen, in denen wir uns an Gott wenden. Oft auch, wenn wir nicht einmal an ihn glauben.
Aber wenn wir Christen sind, wissen wir eigentlich, dass wir anders beten sollten. Häufiger. Besser. Mit mehr Feuer, Glauben und Inbrunst.
Und doch gibt es Dinge, die uns immer wieder davon abhalten: Essen muss auf dem Tisch stehen, wenn die Kinder nach Hause kommen. Wir müssen Rechnungen bezahlen, Termine einhalten. Und sind wir in der Vergangenheit nicht immer wieder gescheitert, wenn wir versucht haben, regelmäßiger mit Gott im Gespräch zu sein? Ganz abgesehen davon, dass diese Gespräche viel zu oft viel zu einseitig waren und unsere Gebete eh nicht erhört wurden?!
Die gute Nachricht ist, dass wir nicht die Ersten sind, denen es so geht. Selbst die Jünger Jesu brauchten hier Hilfestellung. Eigentlich ist sogar das richtige Beten das einzige Mal, dass sie von Jesus eine Nachhilfestunde in Sachen Gottesbeziehung erhielten, indem er ihnen ein konkretes Gebet an die Hand gab. Nicht trocken und theoretisch, sondern alltagstauglich und lebensnah.
In „Before Amen“ begibt sich Bestsellerautor Max Lucado gemeinsam mit dem Leser auf eine Reise. Egal, ob wir schon unzählige Male versagt oder das Gefühl haben, dass wir einfach nicht fromm und unsere Gebete nicht ausgefeilt genug sind: Lucado erinnert immer wieder an eines: Das Gebet ist ein ehrliches Gespräch zwischen Gott und seinen Kindern. Und so geht es auch gar nicht um die richtigen Worte – nur um die richtige Haltung.

Ein neues Buch zum Thema „Beten“ – brauchen wir das überhaupt? Weiß man als Christ nicht sowieso alles darüber?
Max Lucados Buch besticht durch die Mischung von einfachen und tiefgehenden Inhalten. Er schreibt auf die ihm eigene seelsorgerliche Weise für Menschen, denen das Beten schwerfällt, die das Gefühl haben, dass ihr Beten einfach nichts „bringt“. Wir kennen sicher alle die Aufforderung aus dem 1. Thessalonicherbrief, dass wir ohne Unterlass beten sollen. Mithilfe von Max Lucados „Hosentaschengebet“ kann das gelingen. Es ist kurz und knackig, lässt sich aber auf viele Situationen anwenden. Es hilft den Lesern, sich Gott spontan und mühelos zuzuwenden – in allen Lebenslagen:

Vater,
du bist gut.
Ich brauche Hilfe. Heile mich und vergib mir.
Sie brauchen Hilfe.
Danke.
Im Namen Jesu. Amen.

Lucado bricht also das Vaterunser in seine Bestandteile auf und bringt diese in wenigen alltagstauglichen kurzen Sätzen auf den Punkt. Dann lädt er ein, auf frische und kindliche Weise zu beten ─ genau so, wie Jesus es den Menschen vermitteln wollte.
Was wir als Christen also brauchen, sind nicht noch mehr und umfassendere Erkenntnisse über dieses Thema. In der Hektik und dem Stress unseres Lebens, in der Zerbrochenheit und Unsicherheit unserer Welt brauchen einfache, klare Botschaften, die uns ermutigen. Wir brauchen Werkzeuge, mit denen wir unseren Verstand zur Ruhe bringen und uns auf Jesus ausrichten können. Die schenkt uns Max Lucado mit diesem ansprechenden und aufschlussreichen Buch über die Macht des einfachen Gebets.

Veröffentlicht in Sachtitel

Jefferson Bethke: Warum ich Religion hasse. Und Jesus liebe.

bethke warum ich religion hasseDer junge Amerikaner Jefferson Bethke hat das Buch imho hauptsätzlich für Christen geschrieben, die sich mit ihrem Glauben und ihrer Gemeinde (kritisch) auseinandersetzen wollen. Darüber hinaus könnte ich mir aber auch vorstellen, dass es zumindest am christlichen Glauben Interessierte anspricht – denn es räumt mit einigen Vorurteilen auf (mit anderen allerdings nicht :-)). Bethke steht hier in der Tradition derer, die die (organisierte) Religion kritisch sehen, aber die Person Jesus faszinierend und nachahmenswert finden:

„Wir haben den echten Jesus verloren – oder zumindest haben wir ihn gegen einen neueren, ungefährlicheren, keimfreien, unwirksameren eingetauscht. Wir haben eine christliche Subkultur geschaffen – mit ihren ganz eigenen Bräuchen, Regeln, Ritualen, Vorbildern und Produkten –, die nicht das Geringste mit dem wilden, revolutionären Glauben des biblischen Christseins zu tun hat. Der Jesus, den unsere Subkultur anbetet, wäre niemals gekreuzigt worden – dazu ist er viel zu nett.“

Als ich Jefferson Bethke zum ersten Mal „über den Weg gelaufen“ bin, war das im vergangenen Jahr auf einer Jugendkonferenz in Hessen. Dort hat er Performance Poetry gemacht, also in Form eines rhythmischen, aber nicht zwingend reimenden Gedichts verschiedene christliche Inhalte vermittelt. Und es war erstaunlich, wie großartig es ihm gelungen ist, auf diese Weise tiefschürfende Dinge zu vermitteln – alle saßen auf der Stuhlkante und hingen ihm an den Lippen!
Bekannt wurde Bethke durch sein „Gedicht“ „Why I hate religion but love Jesus“, das man sich u. a. auf Youtube anschauen kann (ich habe es unten mal verlinkt) – wo es schon weit über 28 Mio. mal angeklickt wurde. Und genau dessen Gedanken liegen auch diesem ersten Buch von Jefferson zugrunde, in dem er in jedem Kapitel die Denkweise von Religion den Denkweisen von Jesus gegenüberstellt:
Er macht zum Beispiel deutlich: Religion ist der Mensch, der sich nach Gott ausstreckt – Christentum aber Gott, der sich nach dem Menschen ausstreckt. Er zeigt, dass Religion Feindbilder schafft, Jesus aber Freunde. Dass Religion unfrei macht und verletzt, Jesus aber befreit und heilt. Dass Religion nach Fehlern sucht, Jesus aber Unterschiede feiert. Dass Religion an die Errettung Bedingungen stellt, Jesus uns aber schon gerettet hat, bevor wir überhaupt gemerkt haben, dass wir das brauchen. Dass Religion Regeln aufstellt, nach denen einige drinnen sind und andere draußen, dass bei Jesus aber alle Hilfe brauchen. Er zeigt, wie schnell man „religiös“ ist, wenn man versucht, gewisse christliche Verhaltensweisen an den Tag zu legen und aus eigener Kraft „gut“ zu sein – dass es schlicht nicht funktioniert; dass die Gefahr eines Doppellebens besteht, wenn man nach außen den Schein wahrt, aber im Verborgenen ein ganz anderes Leben führt. Bethke beschreibt also Zerrbilder des Glaubens und lenkt den Blick des Lesers auf das „Original“.

Man könnte Bethke nun vorwerfen, dass er die Kirche hasst und mit seiner Botschaft die Kirche schlechtmacht, aber das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt was, was er übrigens in einem kongenialen Abschlusskapitel deutlich macht: „Die Kirche“, sagt er, „ist das Mittel, durch das Gott eine verlorene Welt erreichen will. Sie ist das Krankenhaus für Sünder. Wenn man sagte, dass man Jesus liebt, aber die Kirche hasst, dann ist das, als würde ein Verlobter sagen, er liebe seine zukünftige Frau, aber die Kinder würde er hassen.“

Bethke hat einen kurzen, knackigen Schreibstil – kein Wort ist hier zu viel. Er schreibt „jugendlich“, ohne anbiedernd zu sein. Dennoch ist das Buch „knackfromm“ – wer also ein evangelistisches Verteilbuch sucht, sollte sich dessen bewusst sein.