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Sandra Regnier: Pan-Trilogie

regnier pan-trilogieAls der über alle Maßen gut aussehende Leander „Lee“ FitzMor an ihrer Schule auftaucht, ist die siebzehnjährige Felicity Morgan wahrscheinlich das einzige Mädchen, das sich nicht für ihn interessiert. Schließlich hat sie wirklich ganz andere Probleme, als sich über den Frauenschwarm den Kopf zu zerbrechen. Da wären zum einen der schlecht laufende Pub ihrer Mutter, in dem sie fast jede Nacht aushelfen muss, zum anderen der in illegale Machenschaften hineingezogene Bruder und nicht zuletzt ihr Übergewicht und ihre blöde Zahnspange.
Doch was sie nicht weiß: Es gibt eine jahrhundertealte Prophezeiung, die besagt, dass Fay entweder die Rettung oder aber der Untergang der Elfenwelt bedeutet. Mit ihrer Geburt sollen die sogenannten Insignien Pans verschwunden sein, und nur ihr sei es vergönnt, diese wiederzufinden. Doch das ist noch nicht alles: Sie ist laut Prophezeiung auch dazu bestimmt, einen illegitimen (Halb-)Elfen zu heiraten: Lee.
Nicht nur die Elfen haben lange auf ihre Geburt gewartet. Auch die mit ihnen verfeindeten Drachen(-Kinder) sind im Besitz einer Prophezeiung, und darin heißt es, dass die Seite, für die sich Fay entscheidet, auch den Kampf zwischen den beiden Parteien gewinnen wird. Und so findet sie sich schließlich gegen ihren Willen in einer uralten Auseinandersetzung zwischen Elfen und Drachen wieder …

Ich bin durch eine Rezension in einem Blog über die Trilogie gestolpert und war froh zu sehen, dass man alle drei Bände zusammen als E-Book erwerben kann. Ich hätte mich wahrscheinlich auch sehr geärgert, wenn die Trilogie noch nicht abgeschlossen gewesen wäre oder ich nach der Beendigung eines Buches erst noch das nächste hätte kaufen müssen, denn die Bände 1 und 2 enden mit Cliffhangern. Und bevor ich meinen spitzen Stift hervorhole und ein paar deutliche Worte zu einigen Dingen sage, die mich gestört haben, möchte ich vorausschicken, dass ich die Geschichte wirklich mochte und sie in zwei Tagen verschlungen habe. Ich bin Romantikerin genug, dass eine schön geschriebene Geschichte über eine geweissagte Liebesbeziehung zwischen einem (zunächst) normalen Mädchen und einem (Halb-)Elfen auf jeden Fall mein Interesse weckt. Und eigentlich hat die Geschichte mich auch nicht enttäuscht. Natürlich war vorauszusehen, dass es ein Happy End geben würde (und auch nahezu ohne einen bitteren Beigeschmack, wie das heutzutage in dystopischen oder Fantasy-Trilogien üblich ist). Aber das war auch nicht schlimm – die bis dahin erlebten Abenteuer sind es, die zählen. 🙂 Und die Figuren, die diese Abenteuer erleben.

Felicity (aka Fay) ist 17, leicht übergewichtig, Zahnspangenträgerin und lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter. Ihre beiden älteren Geschwister sind bereits ausgezogen. Anne ist verheiratet, hat ein Kind und erkannt, dass das wohl alles ist, was sie in ihrem Leben zu erwarten hat. Auch Philip bekommt sein Leben nicht auf die Reihe; er ist ein Spieler, der Felicity durch seine Schulden in Gefahr bringt. Und Felicity selbst? Sie träumt davon, Lehrerin zu werden, steht aber Nacht für Nacht hinter dem Tresen im Pub ihrer Mutter und taucht fast jeden Morgen unausgeschlafen und ungeduscht im Unterricht auf. Alles andere als eine Retterin der übernatürlichen Welt. Aber gerade dadurch schafft die Autorin natürlich ein hohes Identifikationspotenzial für die Leserin – sie ist vermutlich die personifizierte Mary Sue (no offense), denn viele von uns sind oder fühlen sich zu dick, die Haare liegen nicht, wir rennen Träumen hinterher, und wer wäre nicht das Objekt der Liebe eines gigantisch gut aussehenden Elfen jungen Mannes? Und würde sich nicht auch gern als etwas Besonderes entpuppen?

Und Lee ist nicht nur ein extrem gut aussehender Zeitgenosse, er ist auch noch eine Art James Bond von Anderwelt, der immer wieder Zeitreisen unternimmt, um irgendwelche historischen Ereignisse zu korrigieren oder Kriminalfälle zu lösen. Und natürlich liegen ihm die Frauen (und Elfinnen und Nymphen und vermutlich auch alles andere) regelrecht zu Füßen. Wenn die Autorin dies einige hundert Mal weniger erwähnt hätte, wäre es mir sicher auch klar gewesen. 🙂 Im Gegensatz zu Felicity weiß er, dass sie füreinander bestimmt sind; deshalb wird er Schüler an ihrem College, um sie näher kennenzulernen. Und während er aufgrund ihres Aussehens zunächst enttäuscht ist, verliebt er sich natürlich nach und nach in sie, als er merkt, wie selbstlos und loyal sie ist.

Komplettiert wird das Figurenkabinett noch von ihren Freunden sowie von Ciaran und Eamon, zwei von Lees Vettern. Vor allem Ciaran entpuppt sich im Verlauf der Geschichte als ein doch viel facettenreicher Charakter, als ursprünglich angenommen (mehr kann ich nicht sagen … Spoileralarm); Eamon dient zumindest ansatzweise als eine Ecke eines Liebesdreiecks, das aber nicht wirklich sehr ausgeprägt ist.

Erzähltechnisch war ich, wie gesagt, froh, dass mir gleich alle Bände der Trilogie vorlagen. In Band 1 werden die Charaktere eingeführt, es wird deutlich, dass Fay besondere Fähigkeiten besitzt (aber nicht, warum), eine Prophezeiung wird erwähnt … aber mehr auch nicht. Ich wäre sicher enttäuscht gewesen, wenn mir nur dieses erste Buch zur Verfügung gestanden hätte. Zum einen kam es mir so vor, als hätte man einiges durchaus straffen können. Zum anderen gab es hier ein Problem, das es oft in Romanen gibt: Die Hauptakteure reden nicht miteinander. Lee redet um den heißen Brei herum, wenn Fay gezielt nachhakt, antwortet er ausweichend. Und Fay wiederum erlebt seltsame Dinge, redet aber mit niemandem darüber, selbst als deutlich wird, dass Lee ihr vielleicht weiterhelfen kann. In anderen Kapiteln der Trilogie hat das übrigens besser geklappt, wenn Lee Fay davon abhält, aus einer Situation zu flüchten. In diesen Situationen besteht er darauf, dass sie über bestimmte Probleme sprechen. Das kommt in Romanen viel zu selten vor. Stattdessen muss man dann als Leser erleben, dass die Protagonisten viele Kapitel brauchen, bis sich Missverständnisse geklärt haben.

In Band 2 erfährt man dann mehr, unsere Heldin geht auf (weitere historische) Reisen, es gibt Action und Humor (ich sage nur: keine Unterwäsche!) und unerwartete Wendungen, und ich habe die Kapitel wirklich verschlungen. Natürlich gibt es auch das obligatorische Hin und Her zwischen Fay und Lee: Einerseits kann sie sich nicht seinem Charme entziehen, ist aber andererseits auch abgeturnt, weil er in ihrer Gegenwart mit allen Frauen flirtet, die ihm über den Weg laufen. Wenig erwachsen, wenn man bedenkt, dass er schon über 300 Jahre alt ist (hatte ich ja noch gar nicht erwähnt). Ganz zu schweigen davon, dass es mir schleierhaft war, wie er erwarten kann, dass sie sich – wie von der Prophezeiung angekündigt – in ihn verliebt, wenn klar ist, dass er seine Zuneigung so breitflächig verteilt. Aber natürlich verliebt er sich ja wirklich in sie und flirtet nur aus beruflichen Gründen mit anderen Frauen. Ähem. Als Leserin weiß man natürlich, dass aus den beiden noch etwas werden wird, aber rein realistisch betrachtet, machen die es sich auch sehr schwer. Stichwort mangelnde Kommunikation: Lee verschwindet wochenlang, und Fay sieht in diversen Visionen, dass er angekettet in einer Höhle hängt. Warum spricht sie nicht wenigstens mit Ciaran darüber? Wenn ihre Verzweiflung wirklich so groß ist, wie man uns glauben machen will, warum wendet sie sich dann nicht an den Elfen, den sie tagtäglich in der Schule trifft?!

In Band 3 spielen dann die Insignien Pans eine größere Rolle – allerdings fand ich diesen Teil etwas überstürzt und verwirrend. Sind es nun drei oder vier oder sogar sieben? Welches sind die echten, welches Fälschungen? Und natürlich endet die Geschichte dann auch mit einer großen Entscheidungsschlacht, den obligatorischen Verrätern und Opfertoden … Man sitzt wirklich auf der Stuhlkante, weil diese letzten Kapitel sehr actionreich sind, sich vieles aufklärt, und natürlich kriegen sich unsere beiden Helden auch und leben glücklich bis an ihr Lebensende … 😉

Auch wenn in diesen Absätzen viel Kritik mitschwingt, habe ich die Geschichte wirklich sehr genossen und würde sie weiterempfehlen – ich würde auch auf jeden Fall zur Trilogie-Ausgabe greifen. Die Autorin hatte viele schöne Einfälle und Wendungen, die Zeitreisen waren sehr schön beschrieben (gerne mehr davon!), und die Figuren boten ein hohes Identifikationspotenzial, wenn sie sicher auch nicht allzu facettenreich waren. Aber das war okay, wenn ich so etwas lesen möchte, greife ich nicht zu YA-Fantasy. Auch die Schreibe der Autorin ist angenehm. Leicht und ohne allzu viele Beschreibungen, aber die Geschichte richtet sich ja auch an Teens ab 14 Jahren, die fühlen sich hier sicher zu Hause.

Was mich an dieser Trilogie aber aus handwerklicher Sicht geärgert hat: Sie wurde grottenschlecht Korrektur gelesen. Sorry, wenn ich das so deutlich sage. Ich habe kein Problem damit, wenn mal ein Komma fehlt oder ein Rechtschreibfehler auftritt – niemand ist perfekt, und die Trilogie ist ja mit knapp 900 Seiten sehr umfangreich. Aber ich habe schon seit Langem kein Buch mehr gelesen, in dem so viele Kommata fehlten oder so offensichtlich falsch gesetzt waren! Ganz zu schweigen von „normalen“ Rechtschreibfehlern in Form von fehlenden Buchstaben oder fehlenden Wörtern. Hinzu kommen noch grammatikalische Fehler und ein Deppenapostroph … Was mich aber am meisten verärgert hat: die in Buch 1 und 2 inflationäre Verwendung von „die Augen rollen“. Nicht genug, dass die handelnden Figuren dies gefühlt ständig tun, diesen Begriff gibt es schlicht im Deutschen nicht (und die Autorin ist Deutsche!). Er geht auf das englische „to roll one’s eyes“ zurück, der aber im Deutschen mit „die Augen verdrehen“ übersetzt wird. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Überkreuzen der Arme, was einige Figuren hin und wieder tun. Nein, im Deutschen überkreuzt man die Arme nicht, man verschränkt sie. Solche Sachen hätten spätestens im Lektorat überarbeitet werden müssen, was aber offensichtlich nicht geschehen ist. Das gilt ebenfalls für einige andere sprachliche Unschönheiten. Schade. Auch hier gilt: Ich erwarte keine Perfektion – gerade im Jugendliteraturbereich nicht. Und jeder von uns hat Wendungen, die er einfach gern und oft benutzt, und solche, auf die er „allergisch“ reagiert. Hier wurde aber imho einfach nachlässig gearbeitet.

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Deborah Harkness: Die Seelen der Nacht

Deborah HarknessDie junge Amerikanerin Diana Bishop ist Historikerin mit Leib und Seele. Dass in ihr zudem das Blut eines uralten Hexengeschlechts fließt, dass ihre Eltern ebenfalls mächtige Hexen waren und eine Vorfahrin zu den in Salem getöteten Frauen gehört, versucht sie im Alltag mit aller Kraft zu ignorieren. Doch als Diana in der altehrwürdigen Bodleian-Bibliothek in Oxford ein magisches Manuskript in die Hände fällt, kann sie ihre Herkunft nicht länger verleugnen. Seit Jahrhunderten sind Hexen, Dämonen und Vampire auf der Suche nach diesem Manuskript, erhoffen die einen sich davon Aufschluss über die Herkunft übersinnlicher Wesen, halten andere es für das „Ur-Zauberbuch“ überhaupt und erhoffen sich wiederum andere Hinweise darauf, wie sie andere Übersinnliche töten können. Diana ist es als Einziger bislang gelungen, das Buch wenigstens kurzzeitig in ihren Besitz zu bekommen. Nun heften sich Vampire, Dämonen und Hexen an ihre Fersen, um ihr das geheime Wissen zu entlocken – wenn nötig mit Gewalt.
Hilfe erfährt Diana ausgerechnet von Matthew Clairmont, Naturwissenschaftler, 1.500 Jahre alter Vampir – und der Mann, der Diana bald schon mehr bedeuten wird als ihr eigenes Leben … Für beide unerwartet, verlieben sie sich ineinander. Was eigentlich nicht weiter schlimm wäre, gäbe es da nicht ein Gesetz, das Verbindungen zwischen unterschiedlichen Übersinnlichen verbietet. Aufgestellt wurde das Gesetz vor 1.000 Jahren, um einen lange währenden Krieg zu beenden. Über die Einhaltung des Gesetzes wacht die Kongregation, eine Gruppe von neun mächtigen Übersinnlichen, die alles tun werden, um die Verbindung von Diana und Matthew zu zerstören. Selbst wenn sie dafür einen Krieg auslösen und die Entdeckung durch Menschen riskieren.

Ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten viele gute und sehr gute Bücher gelesen, aber Deborah Harkness hat mit ihrem Erstlingsroman „Die Seelen der Nacht“ etwas geschafft, das schon lange kein Buch mehr geschafft hat: Ich bin morgens später zur Arbeit gefahren, um „noch ein Kapitel mehr“ lesen zu können, habe auf den Fernseher verzichtet, um „noch ein Kapitel mehr“ lesen zu können, bin abends später schlafen gegangen, um „noch ein Kapitel mehr“ lesen zu können. 😉 Der Roman bietet anspruchsvollere Unterhaltung, aber vor allem all das, was die gängigen Fantasy-/Urban-Fantasy-Romane nicht bieten: glaubwürdig gezeichnete, vielschichtige Charaktere, eine gut durchdachte, spannende Handlung, in der die Helden sich nicht in Kapitel 1 zueinander hingezogen fühlen und spätestens in Kapitel 5 miteinander im Bett landen – und dann noch das gewisse Etwas, das einen guten Fantasy von einem sehr guten unterscheidet. Im Fall von „Die Seelen der Nacht“ ist das der Metaliteratur-Aspekt. Man spürt sofort, dass die Amerikanerin Deborah Harkness eine anerkannte Historikerin ist, die sich sehr gut im Bereich Wissenschaftsgeschichte und Medizin auskennt – und auch wirklich etwas von Wein versteht. Aber es gelingt ihr, ihr Wissen auf eine Weise einfließen zu lassen, dass man beispielsweise selbst Hunger bekommt – sie beschreibt das Aroma von Wein, die Geschichte unterschiedlicher Weine und die damit einhergehenden Gerichte so lecker und nachvollziehbar, dass man gleich selbst eine Flasche guten Roten öffnen möchte. 🙂 Dann wieder lässt sie ihren Helden so faszinierend von Begegnungen mit historischen Figuren berichten, dass man zum einen mehr über diese erfährt, als man aus einem gewöhnlichen Geschichtsbuch erfahren würde, zum anderen wird die historische Persönlichkeit aber wirklich auf unterhaltsame Weise lebendig. Man spürt richtiggehend, dass die Autorin ihren Beruf und seine Geschichte über alles liebt. Es kommt dem Leser am Ende so vor, als sei er wirklich in die Welt der Kreuzritter, der Alchimisten und der Wissenschaftler eingetaucht und ein Stückchen klüger geworden (und was kann man sich schon mehr wünschen, als auf unterhaltsame Weise etwas zu lernen?). Und schließlich handelt es sich bei Diana und Matthew um zwei Wissenschaftler, die im altehrwürdigen Oxford lehren – vermutlich wäre „Die Seelen der Nacht“ sogar als Reiseführer geeignet, würde man das Buch auf eine Reise nach England mitnehmen. So anschaulich beschreibt Harkness die Universitätsgebäude, die Restaurants und Cafés und vor allem die unterschiedlichen Bibliotheken. Großartig!

Aber auch die Charaktere an sich sind, wie gesagt, glaubwürdig gezeichnet. Bis zu einem gewissen Grad kann sich auch Harkness den Stereotypen zwangsläufig nicht entziehen, aber wer möchte schon eine Geschichte über hässliche Vampire und mit Warzen übersäte Hexen lesen, die nur deshalb zusammenarbeiten, weil sie sich abstoßend finden? 🙂 Diana und Matthew sind facettenreiche Charaktere, die eine glaubwürdige Geschichte haben, welche ihr Verhalten im Verlauf des Romans schlüssig erklärt. Dianas Eltern – beide mächtige Hexen – wurden auf brutale Weise ermordet, als Diana sieben Jahre alt war. Ihr Glaube, dass deren magische Kräfte dafür verantwortlich waren, und die Tatsache, dass das Mädchen in ihrem eigenen Leben sieht, in welcher Weise diese Fähigkeiten andere Menschen/Übersinnliche beeinflussen, hat dafür gesorgt, dass sie sich weigert, ihre Kräfte einzusetzen (natürlich gibt es auch humorvolle Ausrutscher), und sich mit so etwas Nüchternem wie Wissenschaftsgeschichte beschäftigt. Aber natürlich lassen sich solche Kräfte nicht auf ewig verleugnen, sondern suchen sich ihren Weg nach draußen – und das bringt Diana in Kontakt mit Ashmole 782, ein altes Buch über Alchemie, das sich als mehr entpuppt und den Stein ins Rollen bringt.

Matthew hingegen ist ein 1.500 Jahre alter, zurückgezogen lebender Vampir aus einer alten französischen Familie, der schon seit Generationen (auf die eine oder andere Weise) in Oxford studiert und forscht. Als er merkt, welches Manuskript Diana in „seiner“ Bibliothek entdeckt hat und dass daraufhin unzählige übersinnliche Wesen in Oxford aufkreuzen, beschließt er, die störrische junge Frau zu beschützen. Und gerade das Einfühlungsvermögen, mit dem Deborah Harkness dieses Kennenlernen und das Näherkommen der beiden Protagonisten beschreibt, ist in meinen Augen etwas ganz Besonderes. Sie beweist, dass ein Autor eben nicht die Hammermethode (sprich: seitenlang in allen Details beschriebenen 6) braucht, um zwei Figuren zueinanderzubringen. So viel sei verraten: Unsere beiden Helden haben bis zum Ende des Romans nicht ein einziges Mal 6, obwohl sie an einem Punkt sogar heiraten. Und das ist auch gar nicht schlimm, denn hier stimmt alles andere! Und wahrscheinlich haben die LeserInnen, die sich darüber beklagen, dass die beiden Protagonisten sich (gefühlt stundenlang) über ein paar Flaschen Wein und einem Menü in ihrem winzigen Zimmer in Oxford über Nichtigkeiten unterhalten, schlicht nicht gemerkt, dass diese Szene erotischer ist als die Beschreibung eines Aktes selbst. Aber keine Sorge: Ganz ohne hormonelle „Anfälle“ kommt auch diese Geschichte nicht aus. 😉

Aber die Story an sich ist eben so packend geschildert, dass man die Bettszenen als Leser auch gar nicht vermisst. Ob jemand nun zu diesem Buch greift, weil er Literatur liebt, sich für Wissenschaftsgeschichte oder die Geschichte der Menschheit und all ihre kriegerischen Auseinandersetzungen interessiert oder schlicht Romane über Vampire, Hexen und andere übersinnliche Wesen schätzt: Hier ist für jeden etwas dabei!

Mein Fazit: Wer dieses Buch nicht liest, ist selbst schuld. Unbedingte Leseempfehlung!

PS: Bei „Die Seelen der Nacht“ handelt es sich um Band 1 der „All Souls“-Trilogie. Der zweite Teil wird am 18. März 2013 unter dem Titel „Wo die Nacht beginnt“ auf Deutsch erscheinen.

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Walter Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär

„Ein Blaubär hat siebenundzwanzig Leben. Dreizehneinhalb davon werde ich in diesem Buch preisgeben, über die anderen werde ich schweigen. Ein Bär muß seine dunklen Seiten haben, das macht ihn attraktiv und mysteriös.
Man fragt mich oft, wie es früher war. Dann antworte ich: Früher gab es von allem viel mehr. Ja, es gab Inseln, geheimnisvolle Königreiche und ganze Kontinente, die heute verschwunden sind – überspült von den Wellen, versunken im ewigen Ozean. Denn die Meere steigen immer höher, sehr langsam, aber unerbittlich, bis eines Tages unser ganzer Planet von Wasser bedeckt sein wird – nicht umsonst steht mein Haus auf einer hohen Klippe, und nicht umsonst ist es ein immer noch seetüchtiges Schiff. Von diesen Inseln und Ländern will ich erzählen, und von den Wesen und Wundern, die mit ihnen versunken sind.
Ich müßte lügen (und es ist ja hinlänglich bekannt, daß das nicht meiner Natur entspricht), wenn ich behaupten würde, meine ersten dreizehneinhalb Leben wären ereignislos verlaufen. Ich sage nur: Zwergpiraten. Klabautergeister. Waldspinnenhexen. Tratschwellen. Stollentrolle. Finsterbergmaden. Eine Berghutze. Ein Riese ohne Kopf. Ein Kopf ohne Reise. Wüstengimpel. Eine gefangene Fata Morgana. Schlafwandelnde Yetis. Ein ewiger Tornado. Rikschadämonen. Vampire mit schlechten Absichten. Ein Prinz aus einer anderen Dimension. Ein Professor mit sieben Gehirnen. Eine Süße Wüste. Barbaren ohne Umgangsformen. Hundlinge. Ein Regenwaldzwerg mit Nahkampfausbildung. Denkender Sand. Fliegende Maulwürfe. Ein Monsterschiff. Eine Ofenhölle. Eine kulinarische Insel. Unterirdische Sandmänner. Kanaldrachen. Dramatische Lügenduelle. Dimensionslöcher. Voltigorkische Baßrüttler. Randalierende Bergzwerge. Die Unsichtbaren Leute. Nattifftoffen. Viereckige Sandstürme. Venedigermännlein. Nette Midgardschlangen. Eklige Kakertratten. Das Tal der verworfenen Ideen. Witschweine. Großfüßige Berten. Rosige Berge. Horchlöffelchen. Zeitschnecken. Teufelselfchen. Alraunen. Olfaktillen. Ein Malmström. Draks. Fatome. Gennf. Tödliche Gefahren. Ewige Liebe. Rettungen in allerletzer Sekunde …“ (S. 6-7)

Mit diesen Worten beginnt das Buch „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“, und was dann folgt, ist ein wahres Feuerwerk an verrückten, spannenden, abwegigen, witzigen, traurigen … Schilderungen der Abenteuer des blauben Bären, von dem niemand weiß, woher er eigentlich wirklich kommt. Die Geschichten sind innovativ und verrückt. Die Figuren und Ereignisse, die beschrieben werden (z. B. zwei Tratschwellen, die dem Blaubär aus lauter Langeweile das Sprechen beibringen; der Rettungssaurier, die Menschen aus allerhöchster Not rettet; die Feinschmeckerinsel, die eigentlich ein gigantisches Lebewesen ist, das seine Opfer zuerst mästet und dann frißt; der Schadrach il Allah – ein Tornado in Ziegelform), sind mehr als außergewöhnlich. Moers erschafft neue Wortgebilde, die jeden Autoren neidisch machen: der Prinz aus einer anderen Dimension, für dessen Namen die Buchstaben auf der oberen Reihe der Tastatur herhalten mußten (Qwert Zuiopü), die unerreichbare Stadt Anagrom Ataf (rückwärtsgelesen Fata Morgana) oder der Rettungssaurier, der bezeichnenderweise den Namen Deus X. Machina trägt (ein Begriff aus der Literaturwissenschaft). Das Ganze ist dann eine Mischung aus Märchen, Fantasy, Science Fiction, Abenteuerroman und einer großen Portion Gesellschaftskritik, von dem Bären mit einigen tiefsinnigen Sprüchen kommentiert wie: „Es gibt Augenblicke im Leben, in denen man überzeugt ist, daß sich das gesamte Universum in irgendeinem schummrigen Hinterzimmer getroffen und beschlossen hat, sich gegen einen zu verschwören.“
Obwohl das Buch großartig geschrieben ist, hat es mich relativ kalt gelesen und nicht wirklich über einen längeren Zeitraum gefesselt. Man verfolgt keinen „echten“ Roman mit einem traditionellen Spannungs- bzw. Handlungsbogen, sondern wird mit einer endlichen Anzahl von Kurzgeschichten konfrontiert, die man immer mal wieder hervorkramen kann, ohne wirklich den Anschluß der Handlung zu verlieren. Obwohl es eigentlich für Erwachsene geschrieben wurde, werden aber auch Kindern ihren Spaß an dem Buch haben.

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A. Lee Martinez: Diner des Grauens

Willkommen in Gil’s all night diner des Grauens, einem schäbigen Imbiss im verschlafenen Wüstennest Rockford irgendwo am Ende der Welt. Hierher verschlägt es die beiden Kumpels Earl und Duke mit ihrem uralten Pick-up. Eigentlich wollen sie nur einen Happen essen. Doch Loretta, die fette Imbissbesitzerin, bietet ihnen hundert Dollar, wenn sie nicht nur ihre Gasleitung flicken, sondern sich auch ihres Zombieproblems annehmen. Und weil Earl ein Vampir und Duke ein Werwolf ist und beide knapp bei Kasse sind, nehmen sie diesen Job an.
Doch die Zombiekühe und die Friedhofswächter, mit denen sie es zu tun bekommen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch ein Vampir kann sich unsterblich verlieben. Und eine mysteriöse Sekte setzt offenbar alles daran, uralte Götter wieder zum Leben zu erwecken. Doch was hat das alles mit dem Diner zu tun?

A. Lee Martinez wird in der Werbung als Mischung aus Douglas Adams und Terry Pratchett gefeiert. Tja, schlecht ist seine Story nicht, die Ideen sind ganz ordentlich, die Sprache witzig – aber er ist meilenweit von Adams‘ abstrusen Ideen und Neuschöpfungen entfernt und kann Pratchetts Umgang mit der Sprache und seiner Fähigkeit, allein durch Worte die wahnwitzigsten Bilder zu malen, nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. Das Buch liest sich durchaus flüssig, aber Martinez‘ Story ist einfach zu konventionell: Eine „Priesterin“ will ein uraltes Portal öffnen, um uralte Götter wieder den Zugang zu dieser Welt zu ermöglichen und das Ende der Realität, wie wir sie kennen, herbeizuführen. Hammer alles schon mal gelesen …
Es kommt auch keine richtige Spannung auf, weil man als Leser sofort darüber informiert wird, wer die „Gegenseite“ ist und was sie wann plant, und auch auf überraschende Wendungen wartet man vergebens. Das Ganze ist sehr dialoglastig, es fehlen Beschreibungen (und dass die Imbissbesitzerin fett ist, hatte ich auch nach den ersten fünf Erwähnungen verstanden), und die Figuren sind ausnahmeslos stereotyp.
Fazit: Ein nettes Buch „für zwischendurch“, aber wer etwas richtig Witziges lesen möchte, sollte direkt zu Pratchett oder Christopher Moore greifen. Und gute Horrorstorys mit Werwölfen und Vampiren gibt es wie Sand am Meer.

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Jasper Fforde: In einem andere Buch (Thursday Next Band 2)

Die LitAg-Spezialagentin Thursday Next, eben noch strahlende Heldin im Fall Jane Eyre, während dem sie den Superverbrecher Acheron Hades getötet und einen Mitarbeiter der mächtigen Goliath Company in Poes „Der Rabe“ eingesperrt hat, wird von allen Seiten in die Mangel genommen:
Ihr eigener Arbeitgeber – die SpecOps – läßt sie beschatten, weil man über Thursday an ihren Vater herankommen will, der früher bei der ChronoGarde gearbeitet hat, heute aber vor diesen auf der Flucht durch die Zeit ist.
Bei der Mammut-Herbstwanderung fällt ihr ein Oldtimer fast auf den Kopf, und Thursay gerät in einen Zug, in dem alle Mitreisenden Irma Cohen heißen und die Lösungsworte eines Kreuzworträtsels „streitsüchtige Thursday, goodbye“ ergeben.
Dann wird auch ihr eben erst erworbene Ehemann Landen von der ChronoGarde „genichtet“, indem deren Mitarbeiter in die Vergangenheit reisen und verhindern, daß Landen bei einem Unfall gerettet wird. Ein erster Rettungsversuch durch Thursday und ihren Vater scheitert. Doch Schitt-Hawse von Goliath macht Thursday ein Angebot: Wenn sie ihm hilft, seinen Bruder aus „Der Rabe“ zu befreien, wird man ihr ihren Ehemann zurückgeben.
Und obendrein geht am 12. Dezember die Welt unter, wenn sie und ihr ewig zeitreisender Vater nicht herausfinden, warum sich plötzlich alles in rosa Soße verwandelt.
Zum Glück findet Thursday in der exzentrischen Miss Havisham – einer der Hauptfiguren aus Dickens‘ „Große Erwartungen“ eine strenge Lehrerin, die ihr zeigt, wie man sich mit Hilfe von Jurisfiktion nicht nur aus dem Prozess von Kafka, sondern auch aus einer Waschanleitung für Angorapullover befreit.

„In einem anderen Buch“ ist der zweite Band aus der „Thursday Next“-Reihe des Walisers Jasper Fforde und steht dem ersten Band „Der Fall Jane Eyre“ in nichts zurück. Das Buch strotzt nur so vor literarischen Anspielungen, skurrilen Besuchen in vielen Büchern der Weltliteratur, haarsträubenden Ereignissen und liebevoll gezeichneten Figuren. Mit rasanter Geschwindigkeit schreitet die Handlung fort, so daß man das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam und spannend und nimmt den Leser schon auf den ersten Seiten gefangen. Mit einer großen Portion Zeitkritik.
Ein Besuch auf der „Thursday Next“-Website lohnt sich übrigens. Dabei handelt es sich nämlich nicht um eine Website zur Buchserie, sondern über die Person Thursday Next – mit Links zu Merchandising, zu Thursdays Arbeitgeber der Goliath Corporation – und natürlich auch zum obligatorischen Forum. Eine witzige Mischung aus „Fiktion“ und Realität.

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Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte (Thursday Next Band 3)

Um sich vor Goliath- und SpecOps-Agenten zu verbergen und sich auf ihre Mutterschaft vorzubereiten, nimmt Thursday Next am sogenannten FigurenAustauschProgramm teil und zieht sich in den Brunnen der Manuskripte zurück – wo sie in einem gemütlichen Flug-/Hausboot in einem drittklassigen, unlesbaren Kriminalroman mit dem Titel Caversham Heights lebt und die Rolle der Kriminalassistentin Mary übernimmt. Ihre Mitbewohner sind zwei „Rohlinge“ – Figuren, die zunächst noch kein Geschlecht und keine Persönlichkeit haben, sich aber im Verlauf von Ffordes Roman weiterentwickeln werden. Während dieser Zeit nutzt Thursday die Gelegenheit, um den literarischen Figuren des Romans dabei zu helfen, die Handlung so abzuändern, daß der Roman doch irgendwann einmal gedruckt werden wird.
Gleichzeitig bereitet Thursday sich auf ihre JurisfiktionPrüfung vor, begleitet von der resoluten Miss Havisham aus Große Erwartungen, von der sie nicht nur lernt, wie man gegen Grammasiten kämpft, den Minotauris füttert oder wie man die Beziehungen der Figuren von Sturmhöhe in Wutberatungssitzungen bespricht. Aber das Leben im Brunnen der Manuskripte ist nicht ungefährlich: In der literarischen Welt ist ein Mörder unterwegs, der sich auf JurisfiktionAgenten spezialisiert hat und einen Kollegen nach dem anderen umbringt.
Schließlich erkennt Thursday, was dies alles mit dem neuen Betriebssystem UltraWordTM zu tun hat, das TextGrandCentral mit aller Gewalt einführen will – und welcher Bezug zu ihren alten Feinden aus der realen Welt besteht. Und so ganz nebenbei hilft sie zwei Figuren dabei, den Inhalt ihres Romans zu ändern, damit der Bösewicht eines schmalzigen Liebesromans endlich nicht mehr eines einsamen, entsetzlichen Todes sterben muß, sondern sein Happy End bekommt.

„Im Brunnen der Manuskripte“ ist der dritte Band aus der „Thursday Next“-Reihe des Walisers Jasper Fforde und steht den ersten beiden Bänden „Der Fall Jane Eyre“ und „In einem anderen Buch“ in nichts nach. Wie seine Vorgänger strotzt das Buch nur so vor literarischen Anspielungen, skurrilen Besuchen in vielen Büchern der Weltliteratur, haarsträubenden Ereignissen und liebevoll gezeichneten Figuren. Fforde eröffnet dem Leser ungewohnte, neue Blicke auf so bekannte Klassiker wie „Sturmhöhe“, „Große Erwartungen“ oder „Viel Lärm um nichts“. Doch damit nicht genug: Dieses Mal spottet der Autor noch über die neue deutsche Rechtschreibung:

„‚Der Schreibfehler ist also nur ein Symptom der Bedeutungsverzerrung?‘
‚Genau. Der Vyrus war weit verbreitet, bis Agent Johnson 1744 sein Wörterbuch vorlegte. Heute halten ihn Lavinia-Webster und der Oxford English Dictionary in Schach. In Frankreich ist er schon lange ausgestorben, und sogar in Deutschland hatte der verdienstvolle Agent Konrad Duden ihn nahezu gänzlich unter Kontrolle gebracht. Aber in letzter Zeit hat eine Clique von größenwahnsinnigen Qmiehs einen NeuSchreib-Vyrus in Umlauf gebracht, der gegen jede Vernunft resistent ist und auch schon einige literarische Werke zerstört haben soll. Die Deutschen können einem schon leid tun. Neulich stand ein ganzes Rudel am Tor und hat nach verloren gegangenen Adverbien gesucht. Ich hab‘ sie natürlich nicht reingelassen. […]'“

… und auch Microsoft mit seinen Word-Updates bekommt sein Fett weg. Ganz zu schweigen von den nervigen Spam-Fußnoten und den fiktiven Werbeanzeigen … 🙂 Und endlich erfährt man auch die Wahrheit über etwas, worüber Samuel Beckett seine Leser im unklaren gelassen hat: warum Godot niemals aufgetaucht ist.
Ein Besuch auf der „Thursday Next“-Website lohnt sich übrigens. Dabei handelt es sich nämlich nicht um eine Website zur Buchserie, sondern über die Person Thursday Next – mit Links zu Merchandising, zu Thursdays Arbeitgeber, der Goliath Corporation – und natürlich auch zum obligatorischen Forum. Eine witzige Mischung aus „Fiktion“ und Realität.

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Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre (Thursday Next 1)

Wußtet ihr, daß Charlotte Brontë für „Jane Eyre“ eigentlich kein Happy-End vorgesehen hatte? Daß Shakespeare eigentlich nur ein mittelmäßiger Schauspieler in London war, der nebenbei einen kleinen Getreidehandel in Stratford unterhielt (eine Nebeneinnahme, für die er sich aber schämte), aber mit Sicherheit niemals in der Lage gewesen wäre, „Hamlet“ oder andere Klassiker zu verfassen? Nein? Dann solltet ihr einen Blick in das Buch „Der Fall Jane Eyre“ des Walisers Jasper Fforde werfen.
Er schildert in seinem Roman eine alternative Welt, in der England sich seit 130 Jahren im Krieg mit dem zaristischen Rußland befindet (eine Auseinandersetzung um die Krim), in der Wales eine freie Republik ist – und in der Literatur so wichtig ist, daß es eine Spezialeinheit gibt, deren Aufgabe darin besteht, diese vor Fälschern zu schützen. Eine der Agentinnen von SO-27 ist Thursday Next.
Eines Tages tritt eine andere Geheimorganisation mit der Bitte an sie heran, den Oberschurken Acheron Hades zu identifizieren. Dieser war während ihrer Studienzeit einer der Professoren von Thursday, und da er die Fähigkeit besitzt, sich für Filmgeräte unsichtbar zu machen, weiß sonst niemand, wie er aussieht. Thursday willigt ein, doch schon ihr erster Einsatz endet in einer Katastrophe: Als es Acheron gelingt, das Originalmanuskript von Dickens‘ „Martin Chuzzlewit“ zu stehlen (und eine Nebenfigur daraus zu entführen), setzt man Thursday und ein Team auf seine Fährte. Es gelingt ihr, Hades zu stellen, dieser flieht jedoch, fügt ihr dabei eine schwere Verletzung zu – und tötet ihr Team. Aber damit nicht genug: Wenig später gelingt es Hades, in einem blutigen Handstreich das Manuskript von Charlotte Brontë „Jane Eyre“ an sich zu bringen – und die Hauptfigur selbst als Geisel zu nehmen.
Thursday gelingt es, heimlich die Grenze zu Wales zu überqueren und dort die Spur von Acheron wieder aufzunehmen. Acheron flüchtet in das Buch „Jane Eyre“ (Thursdays Onkel hat eine Maschine erfunden, mit der dies möglich ist – wie sonst wäre es Acheron gelungen, Jane Eyre selbst zu entführen?!), Thursday heftet sich an seine Fersen, und die beiden setzen ihren Kampf in der fiktiven Welt fort … an deren Ende nicht nur die Vernichtung Acherons steht, sondern auch ein Happy-End für Jane Eyre und ihren Geliebten Rochester.

Als ich im vergangenen Jahr eine Werbeanzeige für dieses Buch in einem dtv-Magazin las, wußte ich, daß ich dieses Buch lesen muß. Und der Verlag hat auch nicht zu viel versprochen. Fforde schildert eine urkomische neue Welt, in der man nichts allzu ernst nehmen sollte, in der man selbst Stereotype neu entdeckt und noch Spaß dabei hat, in der man seiner Liebe zur klassischen Literatur frönen kann, ausgestorbene Tiere geklont und wieder neu gezüchtet werden – und in der es Bücherwürmer gibt, die Präpositionen futtern und dabei Apostrophen und Et-Zeichen von sich geben bzw. Großbuchstaben und Sonderzeichen rülpsen (was man in den Dialogen der Figuren nachlesen kann …). Ich kann gar nicht erwarten zu erfahren, welche Abenteuer Thursday im zweiten Band erlebt.