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Julie Kagawa: Drachenzeit (Talon #1)

kagawa-talon1Strand, Meer, Partys – einen herrlichen Sommer lang darf Ember Hill das Leben eines ganz gewöhnlichen kalifornischen Mädchens leben! Danach muss sie in die strenge Welt des Talon-Ordens zurückkehren – und kämpfen. Denn Ember verbirgt ein unglaubliches Geheimnis: Sie ist ein Drache in Menschengestalt, auserwählt, um gegen die Todfeinde der Drachen, die Krieger des Geheimordens St. Georg, zu kämpfen.
Garret ist einer jener Krieger, und er hat Ember sofort als Gefahr erkannt. Doch je näher er ihr kommt, umso mehr entflammt er für das ebenso schöne wie mutige Mädchen. Und plötzlich stellt er alles, was er je über Drachen gelernt hat, infrage …

„Drachenzeit“ ist Band 1 der Talon-Reihe von Julie Kagawa. Lange standen die bislang schon lieferbaren Bücher auf meiner Wunschliste; an Weihnachten bekam ich die ersten 3 Bände geschenkt. Und meine Erwartungen waren hoch. Kagawas „Plötzlich Fee“-Reihe habe ich vor einem Jahr innerhalb weniger Tage verschlungen; ihre „Unsterblich“-Reihe habe ich schon zweimal gelesen, und das wird nicht das letzten Mal gewesen sein. Aber an „Drachenzeit“ bin ich gescheitert.
Ich hatte teilweise das Gefühl, dass es gar nicht Julie Kagawa ist, die mir hier neue Abenteuer über Drachen und Drachenjäger schildert, sondern ein Teeniemädel, das ihre Teeniefantasien zu Papier bringt. Versteht mich nicht falsch: Die Geschichte ist durchaus sehr gut und flüssig geschrieben. Aber die Zeichnung der Figuren und die Welt der Drachen – praktisch Fehlanzeige.
Kagawas Stärke sind eigentlich immer die großartigen (jungen) Frauenfiguren. Echte Kämpferinnen, die ihre Welt erobern, die nicht nur Damsels in Distress sind, sondern selbst zupacken können und nicht von einem Mann gerettet werden müssen. Und vor allem sind sie keine Weibchen, deren Leben sich nur um den Mann ihrer Träume dreht. Zugegebenermaßen sind sie in allen Büchern der Autoren recht perfekt, aber hier war es noch schlimmer. Doch in „Drachenzeit“ wird mir eine Mädchenfigur geliefert, die mehr als nur perfekt ist. Sie ist hübsch, intelligent und innerhalb kürzester Zeit in der Lage, auf einem Surfbrett die tollsten Wellen zu bezwingen. Ich erwarte sicher nicht, dass Ember sich als eine kleine Lara Croft entpuppt, aber da sie ein Drache ist, hätte ich mir hier deutlich mehr Facetten gewünscht. Und als sie Garret kennenlernt, muss ich kapitellang Beschreibungen über ihre Gefühle für den geheimnisvollen jungen Mann durchlesen – seine Augen, sein Körper … Und natürlich ist es Instalove, als Garret sie kennenlernt: Hat er vorher noch unter Einsatz seines Lebens gefährliche Drachen vernichtet, entwickelt er sich hier in einen hormongesteuerten Jungen zurück, der nur noch Augen für „sie“ hat. Und hatte ich schon erwähnt, wie toll und gutaussehend er ist?! Bei beiden Figuren hätte ich mir einfach deutlich mehr Tiefgang erwartet. Und daran ändert sich eigentlich wenig, als Riley auf der Bildfläche auftritt und der obligatorische Love Triangle seinen Anfang nimmt – ein junger Mann, zu dem sich Embers innerer Drache natürlich sofort hingezogen fühlt, denn er ist ja ach so geheimnisvoll und toll und wild und frei …
Die Drachenwelt ist das zweite Problem, das ich mit diesem Roman hatte: Ich meine, hallo!, die Hauptfiguren sind Drachen – also schildere mir bitte eine glaubwürdig konstruierte Drachenwelt: Wie sehen die aus? Welche Fähigkeiten haben die? Wo kommen die her? Was hat sich in ihrer Historie ereignet? Welches gesellschaftliche System haben die? Was macht man als Drache so Hunderte von Jahren lang? Gibt es Kunst und Poesie oder nur Wirtschaft und Politik? Ähnliches gilt auch für die Drachentöter des Geheimordens St. Georg: Wo kommen die her? Gehören die zur Regierung? Wie kommt es, dass die Menschheit nichts von den Drachenkämpfen mitbekommt? All das fehlt mir zum ersten Mal in einem Buch von Kagawa. Stattdessen war das Einzige, das ich immer vor mir sah, ein weißer Sandstrand, die Sonne Kaliforniens und das große Meer; gespickt mit der einen oder anderen Party. Mehr Kopfkino lief bei mir leider nicht.
Und diese fehlende „Romanwelt“ führte dazu, dass auch die Handlung fast nur vor sich hinplätschert. Und jetzt kommt mein Geständnis: Nachdem die Handlung auch nach gut 300 Seiten wirklich nur vor sich hindümpelte und ich abends auch einfach keine Lust hatte, mir noch Dutzende von Seiten mit Teenieschwärmereien anzutun, habe ich beschlossen, das Buch zur Seite zu lesen und mir erst einmal einen anderen Titel von meinem SUB zu schnappen. Ich werde dem Buch sicher noch einmal eine Chance geben, weil ich die Autorin, wie gesagt, sehr schätze. Aber jetzt ist es einfach nicht dran.

Mein Fazit: Julie, was hast du da nur getan?!

 

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Sandra Regnier: Pan-Trilogie

regnier pan-trilogieAls der über alle Maßen gut aussehende Leander „Lee“ FitzMor an ihrer Schule auftaucht, ist die siebzehnjährige Felicity Morgan wahrscheinlich das einzige Mädchen, das sich nicht für ihn interessiert. Schließlich hat sie wirklich ganz andere Probleme, als sich über den Frauenschwarm den Kopf zu zerbrechen. Da wären zum einen der schlecht laufende Pub ihrer Mutter, in dem sie fast jede Nacht aushelfen muss, zum anderen der in illegale Machenschaften hineingezogene Bruder und nicht zuletzt ihr Übergewicht und ihre blöde Zahnspange.
Doch was sie nicht weiß: Es gibt eine jahrhundertealte Prophezeiung, die besagt, dass Fay entweder die Rettung oder aber der Untergang der Elfenwelt bedeutet. Mit ihrer Geburt sollen die sogenannten Insignien Pans verschwunden sein, und nur ihr sei es vergönnt, diese wiederzufinden. Doch das ist noch nicht alles: Sie ist laut Prophezeiung auch dazu bestimmt, einen illegitimen (Halb-)Elfen zu heiraten: Lee.
Nicht nur die Elfen haben lange auf ihre Geburt gewartet. Auch die mit ihnen verfeindeten Drachen(-Kinder) sind im Besitz einer Prophezeiung, und darin heißt es, dass die Seite, für die sich Fay entscheidet, auch den Kampf zwischen den beiden Parteien gewinnen wird. Und so findet sie sich schließlich gegen ihren Willen in einer uralten Auseinandersetzung zwischen Elfen und Drachen wieder …

Ich bin durch eine Rezension in einem Blog über die Trilogie gestolpert und war froh zu sehen, dass man alle drei Bände zusammen als E-Book erwerben kann. Ich hätte mich wahrscheinlich auch sehr geärgert, wenn die Trilogie noch nicht abgeschlossen gewesen wäre oder ich nach der Beendigung eines Buches erst noch das nächste hätte kaufen müssen, denn die Bände 1 und 2 enden mit Cliffhangern. Und bevor ich meinen spitzen Stift hervorhole und ein paar deutliche Worte zu einigen Dingen sage, die mich gestört haben, möchte ich vorausschicken, dass ich die Geschichte wirklich mochte und sie in zwei Tagen verschlungen habe. Ich bin Romantikerin genug, dass eine schön geschriebene Geschichte über eine geweissagte Liebesbeziehung zwischen einem (zunächst) normalen Mädchen und einem (Halb-)Elfen auf jeden Fall mein Interesse weckt. Und eigentlich hat die Geschichte mich auch nicht enttäuscht. Natürlich war vorauszusehen, dass es ein Happy End geben würde (und auch nahezu ohne einen bitteren Beigeschmack, wie das heutzutage in dystopischen oder Fantasy-Trilogien üblich ist). Aber das war auch nicht schlimm – die bis dahin erlebten Abenteuer sind es, die zählen. 🙂 Und die Figuren, die diese Abenteuer erleben.

Felicity (aka Fay) ist 17, leicht übergewichtig, Zahnspangenträgerin und lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter. Ihre beiden älteren Geschwister sind bereits ausgezogen. Anne ist verheiratet, hat ein Kind und erkannt, dass das wohl alles ist, was sie in ihrem Leben zu erwarten hat. Auch Philip bekommt sein Leben nicht auf die Reihe; er ist ein Spieler, der Felicity durch seine Schulden in Gefahr bringt. Und Felicity selbst? Sie träumt davon, Lehrerin zu werden, steht aber Nacht für Nacht hinter dem Tresen im Pub ihrer Mutter und taucht fast jeden Morgen unausgeschlafen und ungeduscht im Unterricht auf. Alles andere als eine Retterin der übernatürlichen Welt. Aber gerade dadurch schafft die Autorin natürlich ein hohes Identifikationspotenzial für die Leserin – sie ist vermutlich die personifizierte Mary Sue (no offense), denn viele von uns sind oder fühlen sich zu dick, die Haare liegen nicht, wir rennen Träumen hinterher, und wer wäre nicht das Objekt der Liebe eines gigantisch gut aussehenden Elfen jungen Mannes? Und würde sich nicht auch gern als etwas Besonderes entpuppen?

Und Lee ist nicht nur ein extrem gut aussehender Zeitgenosse, er ist auch noch eine Art James Bond von Anderwelt, der immer wieder Zeitreisen unternimmt, um irgendwelche historischen Ereignisse zu korrigieren oder Kriminalfälle zu lösen. Und natürlich liegen ihm die Frauen (und Elfinnen und Nymphen und vermutlich auch alles andere) regelrecht zu Füßen. Wenn die Autorin dies einige hundert Mal weniger erwähnt hätte, wäre es mir sicher auch klar gewesen. 🙂 Im Gegensatz zu Felicity weiß er, dass sie füreinander bestimmt sind; deshalb wird er Schüler an ihrem College, um sie näher kennenzulernen. Und während er aufgrund ihres Aussehens zunächst enttäuscht ist, verliebt er sich natürlich nach und nach in sie, als er merkt, wie selbstlos und loyal sie ist.

Komplettiert wird das Figurenkabinett noch von ihren Freunden sowie von Ciaran und Eamon, zwei von Lees Vettern. Vor allem Ciaran entpuppt sich im Verlauf der Geschichte als ein doch viel facettenreicher Charakter, als ursprünglich angenommen (mehr kann ich nicht sagen … Spoileralarm); Eamon dient zumindest ansatzweise als eine Ecke eines Liebesdreiecks, das aber nicht wirklich sehr ausgeprägt ist.

Erzähltechnisch war ich, wie gesagt, froh, dass mir gleich alle Bände der Trilogie vorlagen. In Band 1 werden die Charaktere eingeführt, es wird deutlich, dass Fay besondere Fähigkeiten besitzt (aber nicht, warum), eine Prophezeiung wird erwähnt … aber mehr auch nicht. Ich wäre sicher enttäuscht gewesen, wenn mir nur dieses erste Buch zur Verfügung gestanden hätte. Zum einen kam es mir so vor, als hätte man einiges durchaus straffen können. Zum anderen gab es hier ein Problem, das es oft in Romanen gibt: Die Hauptakteure reden nicht miteinander. Lee redet um den heißen Brei herum, wenn Fay gezielt nachhakt, antwortet er ausweichend. Und Fay wiederum erlebt seltsame Dinge, redet aber mit niemandem darüber, selbst als deutlich wird, dass Lee ihr vielleicht weiterhelfen kann. In anderen Kapiteln der Trilogie hat das übrigens besser geklappt, wenn Lee Fay davon abhält, aus einer Situation zu flüchten. In diesen Situationen besteht er darauf, dass sie über bestimmte Probleme sprechen. Das kommt in Romanen viel zu selten vor. Stattdessen muss man dann als Leser erleben, dass die Protagonisten viele Kapitel brauchen, bis sich Missverständnisse geklärt haben.

In Band 2 erfährt man dann mehr, unsere Heldin geht auf (weitere historische) Reisen, es gibt Action und Humor (ich sage nur: keine Unterwäsche!) und unerwartete Wendungen, und ich habe die Kapitel wirklich verschlungen. Natürlich gibt es auch das obligatorische Hin und Her zwischen Fay und Lee: Einerseits kann sie sich nicht seinem Charme entziehen, ist aber andererseits auch abgeturnt, weil er in ihrer Gegenwart mit allen Frauen flirtet, die ihm über den Weg laufen. Wenig erwachsen, wenn man bedenkt, dass er schon über 300 Jahre alt ist (hatte ich ja noch gar nicht erwähnt). Ganz zu schweigen davon, dass es mir schleierhaft war, wie er erwarten kann, dass sie sich – wie von der Prophezeiung angekündigt – in ihn verliebt, wenn klar ist, dass er seine Zuneigung so breitflächig verteilt. Aber natürlich verliebt er sich ja wirklich in sie und flirtet nur aus beruflichen Gründen mit anderen Frauen. Ähem. Als Leserin weiß man natürlich, dass aus den beiden noch etwas werden wird, aber rein realistisch betrachtet, machen die es sich auch sehr schwer. Stichwort mangelnde Kommunikation: Lee verschwindet wochenlang, und Fay sieht in diversen Visionen, dass er angekettet in einer Höhle hängt. Warum spricht sie nicht wenigstens mit Ciaran darüber? Wenn ihre Verzweiflung wirklich so groß ist, wie man uns glauben machen will, warum wendet sie sich dann nicht an den Elfen, den sie tagtäglich in der Schule trifft?!

In Band 3 spielen dann die Insignien Pans eine größere Rolle – allerdings fand ich diesen Teil etwas überstürzt und verwirrend. Sind es nun drei oder vier oder sogar sieben? Welches sind die echten, welches Fälschungen? Und natürlich endet die Geschichte dann auch mit einer großen Entscheidungsschlacht, den obligatorischen Verrätern und Opfertoden … Man sitzt wirklich auf der Stuhlkante, weil diese letzten Kapitel sehr actionreich sind, sich vieles aufklärt, und natürlich kriegen sich unsere beiden Helden auch und leben glücklich bis an ihr Lebensende … 😉

Auch wenn in diesen Absätzen viel Kritik mitschwingt, habe ich die Geschichte wirklich sehr genossen und würde sie weiterempfehlen – ich würde auch auf jeden Fall zur Trilogie-Ausgabe greifen. Die Autorin hatte viele schöne Einfälle und Wendungen, die Zeitreisen waren sehr schön beschrieben (gerne mehr davon!), und die Figuren boten ein hohes Identifikationspotenzial, wenn sie sicher auch nicht allzu facettenreich waren. Aber das war okay, wenn ich so etwas lesen möchte, greife ich nicht zu YA-Fantasy. Auch die Schreibe der Autorin ist angenehm. Leicht und ohne allzu viele Beschreibungen, aber die Geschichte richtet sich ja auch an Teens ab 14 Jahren, die fühlen sich hier sicher zu Hause.

Was mich an dieser Trilogie aber aus handwerklicher Sicht geärgert hat: Sie wurde grottenschlecht Korrektur gelesen. Sorry, wenn ich das so deutlich sage. Ich habe kein Problem damit, wenn mal ein Komma fehlt oder ein Rechtschreibfehler auftritt – niemand ist perfekt, und die Trilogie ist ja mit knapp 900 Seiten sehr umfangreich. Aber ich habe schon seit Langem kein Buch mehr gelesen, in dem so viele Kommata fehlten oder so offensichtlich falsch gesetzt waren! Ganz zu schweigen von „normalen“ Rechtschreibfehlern in Form von fehlenden Buchstaben oder fehlenden Wörtern. Hinzu kommen noch grammatikalische Fehler und ein Deppenapostroph … Was mich aber am meisten verärgert hat: die in Buch 1 und 2 inflationäre Verwendung von „die Augen rollen“. Nicht genug, dass die handelnden Figuren dies gefühlt ständig tun, diesen Begriff gibt es schlicht im Deutschen nicht (und die Autorin ist Deutsche!). Er geht auf das englische „to roll one’s eyes“ zurück, der aber im Deutschen mit „die Augen verdrehen“ übersetzt wird. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Überkreuzen der Arme, was einige Figuren hin und wieder tun. Nein, im Deutschen überkreuzt man die Arme nicht, man verschränkt sie. Solche Sachen hätten spätestens im Lektorat überarbeitet werden müssen, was aber offensichtlich nicht geschehen ist. Das gilt ebenfalls für einige andere sprachliche Unschönheiten. Schade. Auch hier gilt: Ich erwarte keine Perfektion – gerade im Jugendliteraturbereich nicht. Und jeder von uns hat Wendungen, die er einfach gern und oft benutzt, und solche, auf die er „allergisch“ reagiert. Hier wurde aber imho einfach nachlässig gearbeitet.

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Glenna McReynolds: Stein und Efeu

Wales, 1198: Ceridwen und Dain haben Carn Merioneth verlassen und sind in den Norden gereist. Merioneth wird von den Quicken-Tree übernommen, die Anstrengungen unternehmen, die zerstörte Burg (und somit Drachen und Zeit-Wehre) vor der Außenwelt zu verbergen. Zurück bleibt auch Mychael, der immer stärker spürt, daß Drachenblut in ihm fließt. Doch immer noch tritt der erhoffte Friede nicht ein.
Nun droht von anderer Seite Gefahr: Die Dockalfar – Dunkelelben -, die sich vor Hunderten von Jahren gegen die anderen Elben gewandt und gemeinsame Sache mit dem Trollkönig gemacht hatten, versuchen, sich wieder Zugang zum Zeit-Wehr zu verschaffen. Caerlon, ihr Magier, erweckt den Trollkönig Slott wieder, und beginnt, seine Skraelings (unmenschliche Wesen, die nur zwei Dinge können: kämpfen und fressen – egal, ob Freund oder Feind) in der Umgebung und in den Höhlen unterhalb von Merioneth zu sammeln. Er plant, mit seinen Truppen durch das Zeit-Wehr in der Vergangenheit zu reisen, um die damalige Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Dazu hat er Ailfinn Mapp entführt, die einzige Prydion-Magierin, die unerschöpfliches Wissen und Macht hat. Darüber hinaus greift das Dharkkum um sich, eine schwarze Masse, die alles verschlingt und dem Leben ein Ende machen wird. Und dann gibt es da noch Nennius, einen alten Bekannten von Caradocs Priester, der diesem das Geheimnis der Drachen verraten hatte. Nennius stammt ursprünglich aus der Zukunft und wurde aus Strafe für seine Vergehen, ins 12. Jahrhundert verbannt – und er will nur eines: in die Zukunft reisen und sich an seinen Feinden rächen.
Schließlich schließen sich die Elben-Gruppen zusammen und kämpfen in den Höhlen von Merioneth gegen Dockalfar, Troll und Skraelings. Eine wichtige Rolle spielen dabei Mychael und Llynya, ein Ätherwesen, das auch gewisse Macht besitzt und die mit vereinten Kräften die Drachen zur Rettung herbeirufen und die Feinde besiegen.
Doch Ailfinn, Rhuddlan, Owain (ein Gefährte von Morgan), Varga und Wei (zwei Elben) gehen während des Kampfes gegen das Dharkum verloren.
Und Morgan ab Kynan fällt endlich aus dem Zeit-Wehr. Doch in welcher Zeit ist er gelandet?

Eine pralle Geschichte, mit der sich die Autorin endlich vom Gabaldon-Vorbild löst und mit Elben und Drachen und anderen Fabelwesen eine ganz neue Welt erschafft. Das Buch hat sicherlich seine Längen (vor allem in den Beschreibungen der Höhlengänge) und die erneute Erwähnung von Caradoc, der von den Dockalfar gefangengenommen wird, ist schlicht und ergreifend überflüssig. Sein Part hätte genausogut von einer anderen Figur ausgefüllt werden können. Auch die Liebesgeschichte zwischen Mychael und Llynya erinnert verdächtig an die von Dain und Ceridwen, aber dennoch ist das Buch vor allem in der zweiten Hälfte sehr spannend und unterhaltsam.

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Glenna McReynolds: Kelch und Schwert

Wales, 1183: Während Rhiannon, Nemeton und Rhuddlan in den unterirdischen Höhlen von Merioneth ein geheimnisvolles Ritual durchführen, wird die Burg überfallen und alle Bewohner werden getötet. Alle, mit Ausnahme von Mychael, Ceridwen (den beiden Kindern von Rhiannon) und Moriath (Nemetons Tochter). Moriath bringt den Sohn in ein Mönchskloster, Ceridwen zu Nonnen und verschwindet dann spurlos.

1198: Ceridwen wird von Morgan ab Kynan aus dem Süden von Wales nach Merioneth gebracht, um dort den Schloßherren Caradoc zu heiraten und eine Allianz zu besiegeln. Und eben dieser Caradoc ist für den Tod ihrer Eltern verantwortlich. Ihr gelingt jedoch verletzt die Flucht, und sie wird von dem geheimnisvollen Dain Lavrans, einem Magier, gefangengenommen. Dieser erkennt, daß Ceridwen auch magische Kräfte besitzt, von denen sie jedoch nicht weiß – sie besitzt „den Schlüssel“ zum Tor zu Zeit und Raum und kann zwei mächtige Drachen rufen.
Dain, der zusammen mit Morgan und Caradoc auf einem der Kreuzzüge von Richard Löwenherz war und in der Gefangenschaft Schreckliches erlitten hat, verliebt sich in Ceridwen und weigert sich, diese an Caradoc auszuliefern. Durch seinen Kontakt zu den Quicken-Tree (einer Art Waldelben) erfährt Dain immer mehr über das Geheimnis, das Ceridwen umgibt. Die junge Frau hat sich ebenfalls in Dain verliebt, und in der Nacht von Beltaine kommen die beiden Liebenden schließlich zusammen.
Doch Caradoc bleibt nicht untätig und entführt Ceridwen, denn er will sich ihre Fähigkeiten selbst zunutze machen. In den tiefen Höhlen von Merioneth kommt es schließlich zu einem entscheidenden, erbitterten Kampf zwischen den verfeindeten Gruppen. Mychael taucht wie aus dem Nichts auf und hilft seiner Schwester bei der Auseinandersetzung mit dem Gegner. Doch dann stürzt Morgan in eines der Zeit-Wehre und verschwindet … in der Zeit.

Wenn man das Cover betrachtet, ahnt man schon, was einen erwartet: einen historischen Roman mit viel Liebe. Zu deutlich ist der Roman von der äußern Gestaltung an den Bestseller „Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon angelehnt. „Never change a winning team“, hat sich wohl der Verlag gedacht. Und der Leser wird auch nicht enttäuscht. Ihn erwartet ein gutgeschriebener historischer Roman mit einer netten Liebesgeschichte (sorry, aber mit Jamie und Claire können die beiden nicht einmal annähernd mithalten). Was das Ganze jedoch deutlich von Gabaldon abhebt, ist der Fantasy-Aspekt, in dem der Roman ganz stark auf Elben, Drachen, Zeit-Wehre eingeht, was ausgesprochen faszinierend und neu ist. Wer einen unterhaltsamen Roman für den Urlaub sucht, ist mit „Kelch und Schwert“ gut beraten und wird nicht enttäuscht werden.

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Markus Heitz: Die Mächte des Feuers

Ein alternatives Europa, 1925: Die Historie der Menschheit ist etwas anders verlaufen, als wir sie kennen: Die Revolutionen bzw. Aufstände in Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland sind etwas anders verlaufen, und so werden diese Nationen noch heute von Königen und Zaren regiert. Hingegen ist der technische Fortschritt schon etwas weiter vorangeschritten, und das ist auch gar nicht so schlecht, denn nicht nur die royalen Herrscher haben überlebt, nein, auch die Nachfahren der Dinosaurier treiben noch auf dem Land, im Wasser und in der Luft überall auf der Welt ihr Unwesen: die Drachen. Eine Abteilung der katholischen Kirche – das Officium – hat sich ganz dem Kampf gegen die Ungeheuer verschrieben und sendet die Nachfahren der sogenannten christlichen Drachenheiligen aus, um auf unterschiedlichste Weise den Ungeheuern den Garaus zu machen.
Auch Silena ist eine Drachentöterin – sie ist eine Nachfahrin des Heiligen Gregor und jagt die Drachen in pfeilschnellen Jagdflugzeugen. Als ihre beiden Brüder – vermeintlich – durch einen Angriff von Drachen ums Leben kommen, verlangt das Officium von Silena, dass sie die Drachenjagd aufgibt und stattdessen lieber für die Weiterführung ihrer Blutlinie sorgt. Doch Silena hat keine Lust, Hausfrau und Mutter zu werden, sie will nur eines: den Tod ihrer Brüder rächen.
Derweil braut sich über Europa großes Unheil zusammen. Nicht nur die Drachen haben augenscheinlich beschlossen, nicht länger im Verborgenen zu leben. Auch andere mystische Wesen treten plötzlich in Erscheinung. Mit Hilfe zweiter „Seher“ begibt sich Silena schließlich in den Kampf …

Markus Heitz gelingt es, Fantasy mit (einer veränderten historischen) Realität zu verschmelzen und den Leser durch eine actionreiche Geschichte zu jagen. Aber dennoch lässt sich das Gefühl nicht abschütteln, dass der Autor zu viel wollte. Sprechende Drachen (die auch noch weitere ungewöhnliche Fähigkeiten besitzen), Gargoyles, Seher bzw. Personen mit übersinnlichen Fähigkeiten, eine alternative Historie (wie man sie z. B. aus den Romanen von Jasper Fforde kennt), Love Story, Verschwörungstheorie, viele Handlungsstränge, die nicht aufgelöst werden … All das steht gleichberechtigt nebeneinander und buhlt um die Aufmerksamkeit des Lesers, sodass immer wieder die Gefahr gegeben ist, dass dieser entweder den Anschluss verpasst und sich bis zum Ende nicht von seiner Verwirrung erholt – oder ganz aufgibt und das Buch in die Ecke wirft.
Auch geht die Kreativität des Autors leider oft auf Kosten der Charakterdarstellung. Eigentlich bleiben alle Figuren relativ eindimensional, und man weiß als Leser nicht so recht, mit wem man denn nun „mitfühlen“ soll/darf/muss. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Silena die Hauptfigur des Buches ist, ist dies wenig befriedigend, da diese Figur sehr künstlich agiert und man ihr deutlich abspürt, dass sie von einem Mann erdacht wurde. Ihr Verhalten entspricht nur wenig dem einer „richtigen“ Frau (selbst wenn man davon ausgeht, dass Silena nur eine Romanfigur ist oder – etwas wohlwollender – eine Frau in einem „Männerberuf“). Alle anderen Figuren sind noch viel flacher geschildert …

Fazit: Das Buch ist nettes „Popcornkino“: Unterhaltsam, aber mit geringem Nährwert.