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Mary Calmes: All Kinds of Tied Down (Marshals #1)

Deputy US Marshal Miro Jones wird von seinen Kollegen dafür geschätzt, dass er auch in haarigen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt und sich immer an die Vorschriften hält. Deshalb hat man ihm einen Partner zugeteilt, der das genaue Gegenteil von ihm ist. Ian Doyle ist ein Ex-Special-Forces-Soldat und eher ein „Erst schießen, dann fragen“-Typ. Doch wider Erwarten sind aus den beiden so verschiedenen Männern in den vergangenen drei Jahren gute Freude geworden, die sich blind vertrauen. Miro weiß, dass Ian ihm trotz seiner unkonventionellen Vorgehensweise immer Rückendeckung geben wird. Doch mittlerweile wünscht er sich noch viel mehr von seinem Partner …

„All Kinds of Tied Down“ ist Band 1 der sogenannten Marshal-Reihe (die im Deutschen unter dem Namen „Verliebte Partner“ erhältlich ist), auf die ich als Fan der sog. „Cut & Run“-Serie von Madelaine Urban und Abigail Roux aufmerksam wurde. Auch hier geht es um zwei völlig verschiedene Männer, die (zunächst gegen ihren Willen) Partner werden und sich zusammenraufen müssen. Allerdings setzt „All Kinds of Tied Down“ bereits zu einem Zeitpunkt ein, in dem die beiden beste Freunde geworden sind und den anderen trotz oder gerade wegen seiner Unterschiedlichkeit schätzen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Miro. Dieser ist in unterschiedlichen Pflegefamilien aufgewachsen, hat aber nach einigen kleineren Delikten die Kurve noch bekommen und nicht nur die Schule beendet, sondern auch ein Studium begonnen. Dort hat er seine vier besten Freunde oder vielmehr beste Freundinnen kennengelernt, die heute seine wahre Familie sind. Er ist homosexuell und hat – Stereotyp-Alarm – eine Schwäche für edle Klamotten. Für meinen Geschmack wird viel zu häufig erwähnt, dass sein Mantel X Dollar gekostet hat und von Marke XYZ stammt oder seine weichen und für den Job völlig ungeeigneten Stiefel von ZYX stammen und XY Dollar gekostet haben. Na ja. Schon von Beginn an gesteht uns Ich-Erzähler Miro, dass er in seinen Partner völlig verliebt ist – und durch die wirklich nicht allzu dezent eingestreuten Hinweise Zaunpfähle wissen wir ebenfalls, dass sein Partner Ian auch mehr als nur freundschaftliche Zuneigung für ihn empfindet.
Ian hat zwar eine feste Freundin, aber es ist für den Leser von vornherein offensichtlich, dass die beruflich erfolgreiche Emma und der Green Baret wenig gemein haben und nicht wirklich zusammenpassen. Abgesehen von der Tatsache, dass die beiden auch im Bett nicht harmonieren, hat Emma eher eine Schwäche für Anzugträger und edle Restaurants – im Gegensatz zu dem T-Shirt und Cargohosen tragenden Ian. Ganz abgesehen davon, dass Ian zwar beruflich alles im Griff hat, emotional aber ganz offensichtlich auf Miro angewiesen ist, gefühlt nirgendwo ohne seinen Partner hingeht und immer wieder das Bedürfnis verspürt, diesen zu berühren (Zaunpfahl!).
Daneben ist das Buch angefüllt mit witzigen Freunden, großartigen Kollegen, einem verständnisvollen, aber toughen schwulen Boss – die beiden netten Männer scheinen auch primär nur von netten Zeitgenossen umgeben zu sein.
Und einer statitisch unwahrscheinlichen Menge an homosexuellen Kollegen.

Ein großer Schwachpunkt der Geschichte ist die Tatsache, dass die Handlung an sich eher auf schwachen Füßen steht. Gefühlte 140 Seiten lang (ca. die Hälfte des Buches) besteht die Handlung aus Mini-Episoden à la „Dann sind wir mit einem Haftbefehlt zu XYZ gefahren und haben den örtlichen Behörden geholfen, ihn festzunehmen“. Vorher wird lediglich einmal ein Serienmörder Craig Hartley erwähnt, der sich einiger Zeit im Knast sitzt, aber offenbar einen Fan hat, der seine Morde nach dessen Vorlage durchführt. Hartley hat ein … deutliches Interesse an Miro und bringt diesen dazu, ihn regelmäßig im Gefängnis zu besuchen. Aber in diesem ersten Band läuft dieser Handlungsstrang noch ins Leere … Ein zweiter – der wichtige – Handlungsstrang berichte von Miros und Ians Fahrt nach Tennessee, wo sie einen Zeugen davor bewahren müssen, von einem Killerkommando ermordet zu werden. Drake Ford, so der Name des jugendlichen Zeugen, hat einen Mafia-Mord mitangesehen und soll nun aussagen und mit seinem Freund in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden. Was natürlich nicht ohne die obligatorische Verfolgungsjagd mitsamt Schießerein vonstatten geht. Aber abgesehen von diesem Handlungsstrang, der erst ab ca. 54 % des Buches langsam einsetzt, sind die bis dahin geschilderten Episoden reine Füller, eine Aneinanderreihung von unwesentlichen Details – oder um es mit anderen Worten zu sagen: Man hätte das Buch deutlich straffen können!

Ach ja, die obligatorischen 6zenen gibt es ebenfalls, angefangen von der üblichen „Waaas? Du liebst mich? Komm, lass dich an einem öffentlichen Ort hinter die Büsche ziehen, damit ich dir einen BJ geben kann“-Szene bis zu „Standardszenen“, in denen wir erfahren, dass es bei Ian und Emma im Bett deshalb so mies läuft, weil der Exsoldat nicht gern die Führung übernimmt, falls ihr versteht, was ich meine.

Mein Fazit: Auch wenn es nach diesen Ausführungen nicht so klingt: Die Beziehungsseite von „All Kinds of Tied Down“ ist sehr unterhaltsam und vor allem warmherzig. Ich  mag die witzigen Dialoge und die innige Freundschaft der beiden Männer, aber wenn ich ehrlich bin, ist vieles daran sehr stereotyp. Und die eigentliche Story viel zu langatmig.  

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Leta Blake: Will & Patrick’s Endless Honeymoon


Hirnchirurg Patrick McCloud hätte nie gedacht, dass er sich einmal verlieben und heiraten würde. Zwei Jahre nach ihrer Heirat in Las Vegas finden Will und Patrick nun endlich Zeit, in die Flitterwochen zu fahren. Patrick ist fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass alles perfekt ist. Will investiert Zeit und Geld, um anderen zu helfen, allen voran seiner ungewöhnlichen, chaotischen Familie. Da hat er es doch verdient, dass sich auch einmal jemand um ihn kümmert – und ihn vor all dem Drama in seiner Familie bewahrt. Doch natürlich ist das nicht so einfach …

„Will & Patrick’s Endless Honeymoon“ ist die Fortsetzung der „Will & Patrick Wake Up Married“-Reihe, die davon erzählt, wie sich die beiden Protagonisten nach einer durchzechten Nacht in Las Vegas als Ehepaar wiederfinden und dann beschließen, doch zusammenzubleiben. Es war schön, noch einmal zu den beiden zurückzukehren, allerdings hätte ich mir zum einen mehr Tiefgang und zum anderen eine charakterliche Weiterentwicklung von Will gewünscht. Wer keine Probleme mit so vielen 6szenen – vor allen Dingen detailliert beschriebenen – hat, aber nicht so viel Wert auf eine kurze Story legt, dem wird dieses Buch sicher gefallen, denn die Autorin steigt bereits mit einer solchen Szene ein. Und zwischendurch gibt es nur wenig echte Handlung. Auch hätte ich mir gewünscht, dass Will endlich ein wenig erwachsener und selbstbewusster wird. Ja, seine Familie liegt ihm sehr am Herzen, das ist ein wunderbarer Charakterzug. Aber dass sich ein erwachsener Mann derart von seiner Mutter und seinen Geschwistern führen lässt … Hinzu kam, dass er augenscheinlich in gewisser Weise immer noch an dem Exlover hängt, der in in die Alkoholsucht getrieben hat. Auf Dauer fand ich dies etwas nervtötend. Aber Gott sei Dank gibt es ja Patrick, der den Menschen in ihrer beiden Leben deutliche Grenzen setzt. Patrick ist mit seinen autistischen Zügen ein echt sympatischer Charakter. Das zwischenmenschliche Miteinander in Beruf und Privatleben bereitet diesem weiterhin Probleme – aber gerade das macht ihn zu einem liebenswerten Protagonisten. Und sorgt für die eine oder andere humorvolle Szene.

Positiv fällt auf, dass Wills Diabetes weiterhin thematisiert wird (ich hege die Vermutung, dass es jemand im Leben der Autorin gibt, der ebenfalls damit zu tun hat, das vermittelte Wissen geht nämlich über die bloße Erwähnung der Erkrankung hinaus), allerdings hätte ich mir gewünscht, dass Leta Blake ihr Augenmerk weniger auf das ständige Messen des Blutzuckerspiegels nach den zu detaillierten 6szenen richtet und mehr auf das Erzählen einer wirklich guten, gehaltvollen Geschichte.

Mein Fazit: Etwas Nettes für zwischendurch, aber keine wirklich gute Geschichte.

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Cameron Dane: Brokedown Hearts

Cameron DaneDavid Joyner hat wegen Stalkings einige Zeit im Gefängnis gesessen und kehrt nach der Haftentlassung in seine Heimatstadt zurück. Er findet einen Job in einem Tierasyl und versucht, ein unauffälliges Leben zu führen und niemandem zur Last zu fallen. Da fällt ihm eines Tages ein Mann auf, der im selben Motel wie er wohnt. Sofort fühlt er sich zu diesem hingezogen und fürchtet, dass er wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen wird.
Was er nicht weiß: Der Privatdetektiv Ben Evans wurde von dem Freund von Davids Opfer engagiert, den ehemaligen Häftling zu observieren. Ist er wieder in die Stadt zurückgekehrt, um die Beziehung der beiden zu zerstören? Doch schon als Ben David zum ersten Mal sieht, ist es um ihn geschehen. Er kann die sexuelle Anziehung, die er für den jungen Mann empfindet, einfach nicht unterdrücken …

„Brokendown hearts“ ist der 4. Band der „Forster Siblings“-Reihe der amerikanischen Schriftstellerin Cameron Dane. Schon die Vorgänger „A Forstered Love“ und „Something New“ schildern M/M- oder M/M/F-Beziehungen und zeichnen sich durch recht detailliert geschilderte Sexszenen aus („Snowfall“ – Band 3 – ist mir leider nicht bekannt); das ist hier nicht anders. Allerdings hat die Autorin etwas geschafft, das selten geschieht: Ich habe das Buch wütend zugeschlagen und werde es auch nicht beenden.

Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen erzählt sie die Geschichte von zwei Männern, die sich in dem Augenblick, in dem sie sich – aus der Ferne! – zum ersten Mal sehen, sofort sexuell zueinander hingezogen fühlen. Die Autorin erwähnt wiederholt, dass beide kaum an sich halten können, wenn sie sich begegnen. Jedes Mal sind sie kurz davor, dem anderen die Klamotten vom Leib zu reißen und über ihn herzufallen. Sorry, aber dieses Menschen- bzw. Männerbild finde ich eher abstoßend. Hier wird m. E. der Eindruck erweckt, Menschen seien rein triebgesteuerte Wesen, die nur unter Aufbietung all ihrer Kräfte davon abgehalten werden, wie Tiere übereinander herzufallen.

Zweitens – und das war für mich der ausschlaggebende Grund – hat einer der beiden – David – in der Vergangenheit irgendetwas erlebt, das ihn noch heute belastet bzw. dafür verantwortlich ist, dass er Probleme damit hat, gesunde Beziehungen nicht nur zu Männern einzugehen. Was, hat sich mir leider nicht mehr erschlossen – ich vermute aber stark, es handelt sich dabei um Missbrauch. Auch hat sich seine Familie von ihm abgewandt, als sie erfahren hat, dass er homosexuell ist. Ben, der zweite Protagonist, hat ebenfalls zwischenmenschliche Probleme. Diese werden offenbar durch „abwegige“ sexuelle Bedürfnisse verursacht, zumindest hält er sie für abwegig. Als es dann zur ersten sexuellen Begegnung der beiden kommt – als Ben offenbar seine Triebe nicht mehr unter Kontrolle hat –, fällt  Ben regelrecht über David her. Dieser sagt wiederholt Nein und versucht, sich gegen Ben zur Wehr zu setzen. Doch sein Gegenüber hört einfach nicht auf; es fehlt eigentlich nur noch, dass er sagte: „Du willst es doch auch.“

David started to struggle, but Ben shook his head, denying him freedom. With a cry of denial David tried to roll away. […] A reserve of strength released a flood of adrenaline into David’s blood, dizzying in its concentration, and David battled to get free once more. As strong as an ox, though, Ben didn’t so much as waver on top of David. Ben pushed his jeans down to his thighs and slit his bare dick against David’s buttocks. With first contact, David cried out, redoubled his efforts, and acted like a bull trying to buck a strong rider from his back.

„I need it. I need you“, stößt Ben nur immer wieder hervor, damit David ihn gewähren lässt. Und schließlich leistet er auch nicht länger Widerstand; schließlich „braucht“ Ben es ja. Er empfindet nicht länger Ablehnung und Schmerz, sondern Lust und findet das, was gerade geschieht, gar nicht mehr so schlimm. Und eigentlich will David es ja auch: „I think I’m ready for this. God help me, I think I really want this.“ Ich glaub, es hackt!? Sorry, aber wenn ich diese Szene mit einem weiblichen und einem männlichen Akteur gelesen hätte, würde ich nicht eine Sekunde zögern, die Begegnung als Vergewaltigung zu bezeichnen, denn genau damit haben wir es hier zu tun – und deshalb werde ich diese Szenen, von denen es, so meine Vermutung, mehrere gibt, auch genau so nennen: Vergewaltigung. Und da ich davon ausgehe, dass auch im weiteren Verlauf der Geschichte die Grenze zwischen Schmerz und Lust eine eher schmale ist, und die Autorin ihren Lesern verkaufen wird, dass das okay ist, solange es die wahre Liebe ist, werde ich das Buch nicht beenden. An anderer Stelle habe ich gelesen, dass Cameron Dane am Ende die Botschaft vermittelt, dass die beiden Seelenverwandte sind und einfach nicht ohne einander leben können – das ist die einzige „Entschuldigung“, die sie für Bens Verhalten vorbringt.

Mein Fazit: Ich kann dieses E-Book aus den genannten Gründen nicht empfehlen.

 

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Samantha Kane: The Courage to Love (Brothers in Arms 1)

Samantha KaneLondon, 1813: Seit ihr Ehemann vor drei Jahren auf der iberischen Halbinsel im Kampf gegen die französischen Truppen von Napoleon ums Leben kommen ist, schlägt Kate Collier sich als Mätresse reicher Männer durch. Doch als Lord Robertson, ihr letzter „Beschützer“, sie auf schreckliche Weise missbraucht, zieht sie sich aus der Gesellschaft zurück und kümmert sich nur noch um ihr Kleidergeschäft und ihre Nichte Veronica.
Da kehren Jason Randall und Anthony Richards – zwei Kameraden ihres verstorbenen Mannes – nach London zurück und haben nur noch ein Ziel vor Augen: die junge Frau zu erobern. Auch Kate liebt die beiden schon lange, doch spätestens nach ihrer schrecklichen Erfahrung mit Robertson wird Kate von der Gesellschaft geschnitten – und ist nicht länger willens, sich einem Mann anzuvertrauen, geschweige denn zwei Männern. Doch sie kann Jason und Tony einfach nicht widerstehen und beginnt, die Freundschaft mit den beiden, die sich schließlich zu einer Liebesbeziehung entwickelt, zu genießen.
Aber Robertson ist nicht bereit, sie kampflos den beiden ehemaligen Soldaten zu überlassen …

„The Courage to Love“ ist der erste Band der „Brothers in Arms“-Reihe der Amerikanerin Samantha Kane, die zu den bekanntesten Autorinnen erotischer (historischer) Liebesromane gehört, für die sie bereits eine ganze Reihe von Auszeichnungen erhalten hat. Die Autorin ist durchaus eine gute Erzählerin, die recht süffig und anschaulich schreibt. Allerdings sind die Regency-Aspekte ihrer literarischen Welt etwas unterrepräsentiert und die Sprache ist zu modern; wer mehr über die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts wissen will (Wie hat man damals gelebt? Wie sah das Leben der unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten aus? Welche Gepflogenheiten gab es? Wie sah London in dieser Zeit aus? etc.) sollte zu einem anderen Autor greifen. Meines Erachtens könnten diese Romane auch zu fast jeder anderen Zeit und an anderen Orten spielen. Hinzu kommt auch, dass es zu wenige Rahmenbeschreibungen gibt, aber zu viele 6szenen – die zwar geschmackvoll beschrieben sind, aber einfach zu gehäuft auftreten und auf Kosten einer guten Geschichte gehen.

Was aber das Besondere dieser „Brothers in Arms“-Reihe ist: Ein Grundmotiv zieht sich – mit der einen oder anderen Variation – durch alle 13 Romane dieser Serie: Eine Gruppe von Männern hat auf der iberischen Halbinsel in der britischen Armee gemeinsam gegen Napoleon gekämpft und dort einen „besonderen Weg“ gefunden, um mit den Schrecken fertigzuwerden: Entweder haben zwei von ihnen eine Beziehung miteinander begonnen oder sie haben sich vor Ort eine Frau geteilt. Nach dem Krieg beschließen sie nun, diesen Lebensstil aufrechtzuerhalten und sich eine Ehefrau zu suchen, die ihnen nicht nur ein respektables Leben in der Gesellschaft und Nachkommen ermöglicht, sondern auch bereit ist, ihr Leben auf diese ungewöhnliche Weise zu teilen.

Wenn man „The Courage to Love“ mit einer gewissen Portion suspension of disbelieve liest, muss man sagen, dass es Samantha Kane recht gut gelingt, eine solche Beziehung bzw. eine solche ungewöhnliche Partnerschaft auf eine Weise zu beschreiben, die relativ glaubwürdig wirkt – zumindest hat man als Leserin wirklich das Gefühl, dass die Figuren nicht nur um der Liebesszenen willen miteinander agieren, sondern weil sie eine tiefe Zuneigung füreinander empfinden. Protagonisten dieser ersten Geschichte sind zum einen Lord Jason Randall und Anthony Richards. Die beiden kennen sich aus ihrer Zeit in der Armee und beginnen damals, eine spanische Prostituierte miteinander zu teilen, die im Tross der britischen Truppen lebt. Zum einen tun sie dies, um dem Gefühl der inneren Abgestumpftheit aufgrund der ständigen Kampferfahrungen bzw. der Erfahrungen mit dem Tod etwas entgegenzusetzen; zum anderen fühlen sich beide zueinander hingezogen (ohne sich dies aber selbst, geschweige denn dem anderen einzugestehen) und sehen in diesem Dreier die einzige Möglichkeit, einander doch nahezukommen. Aber sie teilen noch etwas miteinander: die Liebe zu Kate Collier, der Ehefrau ihres Kameraden Harry, die für sie zu diesem Zeitpunkt aber noch unantastbar ist. Als Harry umkommt und der Krieg einige Monate später zu Ende ist, sehen sie ihre Chance gekommen – doch als sie Kate in London aufsuchen, müssen sie feststellen, dass diese bereits die Mätresse eines reichen Mannes ist. Und an ihrem schlechten Timing ändert sich auch in den darauffolgenden Jahren nichts, wenn sie immer wieder einmal von ihren Reisen in die britische Hauptstadt zurückkehren und den Kontakt suchen wollen.

Was sie nicht wissen: Kate pflegt diesen Lebensstil nicht aus freiem Willen, sondern weil dies die einzige Möglichkeit ist, um sich und ihre Nichte Veronica durchzubringen (hier kommt aufseiten der beiden Männer m. E. eine gehörige Portion Naivität ins Spiel). Und bis zu ihrem dritten Beschützer kann sie damit auch recht gut leben – doch dieser (Robertson) nutzt die Situation aus und lässt zu, dass seine Freunde Kate an einem „geselligen“ Abend vergewaltigen. Seither lebt Kate sehr zurückgezogen und in ärmlichen Verhältnissen. Das Schöne an dieser Figur: Obwohl sie eine wirklich schreckliche Erfahrung gemacht hat und unter den Erinnerungen leidet, lässt sie sich davon nicht unterkriegen und versucht, ihr Leben wieder neu zu gestalten und sich eine eigene Zukunft unabhängig von einem Mann aufzubauen.

In dieser Situation machen ihr Jason und Tony ein ungewöhnliches Angebot: Kate, die die beiden Männer auch bereits seit Kriegszeiten liebt, soll Jason heiraten, der sich als Adliger gewissen gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenübersieht und unbedingt eine Frau braucht. Und da er und Tony Kate beide lieben, wäre sie eine geeignete Kandidatin für eine Dreierbeziehung. Dies ist die Stelle, von der ich etwas weniger begeistert war: Obwohl Kate das Angebot zunächst ablehnt und die beiden Männer auch recht schnell erfahren, welches schreckliche Erlebnis Kate gezeichnet hat, drängen sie sie meines Erachtens viel zu stark zum ersten 6. Und das ist selbst angesichts der Zuneigung zwischen allen dreien imho unverantwortlich – es hat etwas von: Zwang ist in Ordnung, wenn man sich nur wirklich liebt. Und natürlich entdeckt Kate, dass ihr diese ungewöhnliche Art Beziehung mehr als nur zusagt – im Kontext der Geschichte ist das natürlich schön und bringt am Ende auch allen dreien Heilung, aber vom Konzept her kann ich es einfach nicht gutheißen.

Nichtsdestotrotz würde ich behaupten, dass es Samantha Kane gelingt, diese ungewöhnliche Beziehungskonstellation gut und ausgewogen zu beschreiben. Bei Dreierkonstellationen besteht ja die Gefahr, dass eine Figur nur das fünfte Rad am Wagen ist, dass sich eine von ihnen zurückgesetzt fühlt und (emotional) zu kurz kommt, aber ich habe den Eindruck, dass dies in diesem Roman nicht der Fall ist.

Ebenfalls ein großes Plus des Romans: Eine Reihe der Figuren, die in den weiteren Bänden der Serie eine tragende Rolle spielen werden, tritt in „The Courage to Love“ bereits am Rande auf und wecken definitiv mein Interesse an ihren jeweiligen Geschichten (z. B. Kates Nichte Veronica, die eine der drei Protagonisten von „Love’s Fortress“ ist).

Mein Fazit: Der Roman ist wirklich nur etwas für Fans von MMF-Literatur, Fans historischer Liebesromane finden die entsprechenden Szenen unter Umständen etwas zu grafisch. Dennoch ist der Roman unterhaltsam zu lesen (wenn man über Kanes Umgang mit Missbrauch hinwegsehen kann) und macht Lust, auch die Geschichten der Nebenfiguren zu lesen.

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Sabrina Paige: Her Bodyguard

Alexandra ist die Tochter des Königs von Protrovia – aber sie liebt Partys und Alkoholexzesse mehr als ihre Aufgaben als Prinzessin. Keiner ihrer Bodyguards hat es bislang mehr als 18 Tage mit ihr ausgehalten. Da bittet ihr Bruder einen alten Armeefreund um Hilfe. Max hat Albert in Afghanistan das Leben gerettet und nimmt dessen Angebot, der Bodyguard seiner Schwester zu werden, nur zu gern an, laufen seine Eltern doch Gefahr, ihr Haus an die Bank zu verlieren.
Doch Alex macht ihm das Leben mehr als nur schwer. Unablässig versucht sie, Wege zu finden, wie sie ihm und dem Palast entkommen kann, um mit ihren Freunden zu feiern. Doch gleichzeitig fühlt sie sich immer mehr zu ihrem Bodyguard hingezogen, der sich von ihrer arroganten Art nicht einschüchtern lässt …

„Her Bodyguard“ ist Band 2 in einer zweiteiligen Minireihe der amerikanischen Autorin Sabrina Paige (und die Fortsetzung von „Prince Albert“), deren Ich-Erzähler zum einen Prinzessin Alexandra „Alex“ von Protrovia ist und zum anderen ihr amerikanischer Bodyguard Max Donnelly.
Alex erinnert sehr stark an Prinzession Eleanor aus „The Royals“: Sie ist selbstbewusst, wild, arrogant, liebt Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll – und Kleidung zu tragen, die alles andere als angemessen oder jugendfrei ist. Und sie liebt es, die Regeln zu brechen.
Im Gegensatz zu ihr ist Max Donnelly ein bodenständiger Junge vom Land. Er kommt aus Kentucky, hat für sein Land in Afghanistan gekämpft, wo er auch Prinz Albert kennengelernt und ihm das Leben gerettet hat, und er lebt (wieder) bei seinen Eltern, um ihnen dabei zu helfen, ihr Haus nicht zu verlieren. Dies ist auch der Grund, warum er das Angebot des Prinzen annimmt, seine Schwester zu bewachen.
Diese Gegensätze sollten eigentlich viel Stoff für humorvolle Szenen und Dialoge bieten, sollten dafür sorgen, dass Alex ein wenig mehr Bodenhaftung bekommt und Max vielleicht einen Schuss Wildheit. Dass die beiden sich zueinander hingezogen fühlen würde, dass sie sich verlieben und sicher auch Sex haben werden – daran zweifelt niemand, der dieses Buch kauft. Aber was geschieht? Max beginnt irgendwann, sich wie ein Höhlenmensch zu verhalten. Er schreibt ihr vor, was sie zu tragen (oder nicht zu tragen) hat, was sie zu tun und zu lassen hat, wann sie zu reden und wann zu schweigen hat. Als er dann die Handschellen und die Fesseln herausholt und sie übers Knie legt, hat die Autorin leider mein Interesse verloren. Die Beschreibungen dieser schon exzessiven Dominanzspielchen war einfach nicht mehr mein Ding. Darüber konnten mich dann auch „sanftere“, romantischere Passagen nicht hinwegtrösten, in denen die beiden sich wirklich besser kennenlernen und der Protagonist sich tatsächlich so verhält, wie ich es von ihm erwartet hatte. Warum verkaufen uns nur so viele AutorInnen von erotischer Literatur Caveman-Geschichten, in denen sich eine selbstbewusste Frau, die auf eigenen Beinen steht, plötzlich in ein hilfloses Dummchen verwandelt, wenn das Alpha-Männchen sie in seine Höhle schleppt, als die großße Liebe?!
Der einzige Lichtblick war für mich die „Eiskönigin“, Bellas Mutter, die vor der Heirat mit Alex‘ Vater, dem König von Protrovia, steht. Sie ist die Einzige, die am Ende erkennt, dass die die beiden jungen Menschen sich wirklich lieben und eine Chance verdienen – und das, obwohl sie wirklich in den Augen der Prinzessin eine berechnende Amerikanerin ist, die ihren Vater nur wegen des Titels heiratet.

Mein Fazit: Das Buch ist wirklich nur für Leserinnen geeignet, die eine Schwäche für diese  Art „Dominanz-Literatur“ haben. Schade, ich wollte es nämlich wirklich mögen!

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Sabrina Paige: Prince Albert

PaigeBelle Kensington hat zwei Jahre für eine Wohltätigkeitsorganisation in Afrika verbracht. Jetzt ist sie in die USA zurückgekehrt, um ihren langjährigen Verlobten zu heiraten. Doch kurz vor der Hochzeit erfährt sie, dass dieser schon seit einer Weile eine Affäre mit ihrer Trauzeugin hat, und ergreift die Flucht. In dieser Situation läuft sie einem gutaussehenden Unbekannten über den Weg, mit dem sie sich betrinkt – und den sie spontan heiratet.
Ein Jahr später reist sie nach Protrovia, wo sie erfährt, dass ihre verwitwete Mutter plant, den dortigen König zu heiraten. Noch überraschter ist sie, als sie erfährt, dass ihr zukünftiger Stiefbruder – der Kronprinz – kein Geringerer ist als ihr unbekannter Mann, den sie seit damals nicht mehr gesehen hat.
Prinz Albert ist ein berüchtigter Playboy, der seine Freiheit und die Frauen liebt. Doch als er feststellt, als es sich bei seiner konservativen Stiefschwester, die ihre Zeit lieber mit Charitys in Afrika verbringt als im Luxus des Königshofs, um die Unbekannte handelt, die er vor einem Jahr in Las Vegas geheiratet hat, beschließt er, die Gelegenheit zu nutzen und seine Frau zu verführen …

Prince Albert ist der erste Band einer zweiteiligen Miniserie über die beiden Königskinder Albert und Alexandra. Als Leser macht man oft die Erfahrung, dass sich der Werbetext eines Buches sehr interessant liest, die Handlung und die Verwicklungen der Geschichte sich dann aber – zur eigenen Enttäuschung – als mehr als nur haarsträubend entpuppen. Bei Prince Albert ist dies anders. Hier warnt die Autorin schon im Vorfeld:

„It’s the most ridiculous, over-the-top, and totally implausible story I’ve written. And I hope you love it. The country, Protrovia, is fictional. And there’s more sex than you might be used to from my books. For that, well, I can’t say I’m all that sorry.“

Und all das ist bzw. hat die Geschichte auch. Ganz zu schweigen von der unendlichen Anzahl an Klischees, die sich in dieser klassischen Bad-Boy- bzw. Aschenputtel-Geschichte versammeln:
Die Beschreibung des Protagonisten ist definitiv etwas übertrieben: Prinz Albert (was für ein schrecklicher Name!) ist ein extrem gut aussehender, gut gebauter, arroganter, notorischer Womanizer, der ständig neue Frauen abschleppt; „love ‚em and leave ‚em“ ist wohl sein Motto. Und er ist es gewöhnt, dass sich ihm die schönsten Frauen zu Füßen werfen. Bei einem Trip nach Las Vegas begegnet er zufällig einer ebenso gut aussehenden jungen Frau: Isabella Kensington.
Diese hat gerade ihren Verlobten in flagranti mit ihrer Trauzeugin erwischt, hat sich betrunken und läuft auf ihrer Flucht vor ihrer eigenen Feier im Casino dem schönsten Mann über den Weg, den sie je gesehen hat. Allein sein Anblick verursacht ihr schon weiche Knie und feuchte Träume. Die beiden beschließen, die Nacht miteinander zu verbringen – in seiner Limousine durch Las Vegas zu fahren, sich zu betrinken und zu unterhalten. Am Ende der Nacht finden sie sich in einer der typischen Hochzeitskapellen vor einem falschen Elvis wieder, der sie zu Mann und Frau erklärt. Dann trennen sich ihre Wege, bevor sie sich überhaupt ihren vollständigen Namen genannt haben (warum wird m. W. nie erklärt).
Isabella ist in vieler Hinsicht (natürlich) das genaue Gegenteil von Albie: Sie stammt zwar aus einer sehr reichen amerikanischen Industriellen-Familie, lebt aber ein eher ruhiges, zurückgezogenes Leben und hat sich in den vergangenen beiden Jahren für eine Wohltätigkeitsorganisation in Afrika engagiert. Sie ist natürlich auch extrem gut aussehend, hasst aber im Gegensatz zu Albie das Licht der Öffentlichkeit. Niemals würde sie auch nur auf den Gedanken kommen, etwas zu tun, das ihrem verstorbenen Vater oder ihrer Familie Schande macht.
Bis sie sich nach einer feuchtfröhlichen Nacht mit einem ihr Unbekannten verheiratet, der sich ein Jahr später als ihr zukünftiger Stiefbruder und Kronprinz des fiktiven Landes Protrovia entpuppt. Vom ersten Blick an kann sie sich auch hier seinem sexy Lächeln und seinem sexy Körper nicht entziehen. Und schon entwickelt sich die selbstbewusste, zielorientierte, engagierte junge Frau in eine beinahe hirnlose hormongesteuerte Sexpuppe, die bei jeder sich bietenden und sich eigentlich nicht bietenden Gelegenheit die Röcke hebt, um ihrem Prinzen zu Willen zu sein. Und natürlich ist der Sex der beste, den sie je hatte, und noch nie waren ihre Höhepunkte so großartig wie mit Albie.
Und auch Albie ist auf den ersten Blick hin und weg von seiner zukünftigen Stiefschwester. Zwar beginnt die Verführung für ihn nur als Spiel, doch schon bald ist er bereit, allen anderen Frauen zu entsagen, um seine „Frau“ zu erobern. Dank Bella entwickelt er sich – wie man spätestens in einer nachgeschobenen Kurzgeschichte erfährt – zu einem treusorgenden Ehemann und Vater.
Versteht mich nicht falsch: Ich habe kein Problem damit, wenn in einem Buch so manches Klischee auftaucht, wenn zwei Menschen sich in Romanen Hals über Kopf verlieben oder sich auch meinetwegen gleich sexuell (so oft habe ich dieses Wort in meinen Rezis noch nie verwendet) zueinander hingezogen fühlen. Aber warum müssen sich Protagonisten dann immer auch gleich so out of character verhalten? Gerade bei den Protagonistinnen ist dies festzustellen: Mauerblümchen, „normale“ selbstständige Frauen oder auch selbstbewusste Alpha-Frauen entwickeln sich viel zu oft zu hilflosen Weibchen, sobald sie einem gut gebauten Alpha-Männchen begegnen. Alles lassen sie mit sich machen, auf alles lassen sie sich ein; selbst auf Dinge, die sie eigentlich ablehnen. Ich will an dieser Stelle nicht damit argumentieren, dass solche Entwicklungen weit von der Realität entfernt sind, es sind schließlich nur Geschichten. Aber solche Storys werfen die Emanzipation um Jahrzehnte zurück …

Nachdem ich meiner Empörung nun Luft gemacht habe: Es gibt auch ein paar positive Dinge über die Geschichte zu sagen: Sie ist humorvoll, liest sich wirklich gut und bietet neben den Shenanigans zwischen Albie und Bella auch noch eine richtige Handlung – die zwar nur eine Nebenrolle spielt, aber immerhin vorhanden ist. Auch einige Nebenfiguren sind nicht uninteressant: Albie hat eine lebenslustige Schwester namens Alexandra, die eher ein Partygirl ist, sich aber zu ihrem Bodyguard Max hingezogen fühlt (ihre Geschichte kann man dann in einem zweiten Buch mit dem Titel „Her Bodyguard“ nachlesen). Ihr Verhältnis zu ihrem Bruder Albie ist ausgesprochen innig. Und auch Bellas Mutter scheint mehr zu sein als nur eine Eiskönigin, die es bloß auf den Titel abgesehen hat und darauf, dass Bella ihr diesen Chance ja nicht verbaut (allerdings tritt diese Facette ihres Wesens in der schon erwähnten Fortsetzung deutlicher zutage).

Mein Fazit: Wer eine Schwäche für Geschichten mit vielen Sexszenen hat, in denen die Protas des Öfteren übereinander herfallen, in denen der Mann die Hosen anhat und die Frau sich ihm hingibt: Dann seid ihr mit „Prince Albert“ gut bedient. 😉 Wer Geschichten über selbstbewusste Frauen lesen will, die nicht gleich weiche Knie bekommen, wenn sie einem gut aussehenden Mann begegnen: Ihr solltet lieber etwas anderes lesen.

 

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Sarah J. Maas: Kriegerin im Schatten (Throne of Glass #2)

Celaena hat sich in einem unerbittlichen Wettkampf gegen ihre Konkurrenten durchgesetzt und ist nun Champion des Königs. Nach seinen Vorgaben soll sie unliebsame Gegner beseitigen, die dessen grausame Herrschaft beenden wollen. Doch statt sie aus dem Weg zu räumen, warnt Celaena seine Feinde und ermöglicht ihnen so die Flucht. Dieses Geheimnis verbirgt sie zunächst selbst vor Chaol, zu dem sie sich gegen ihren Willen immer mehr hingezogen fühlt. Wie sehr kann sie ihm vertrauen? Schließlich ist Chaol der Captain der königlichen Leibgarde.

Aber auch Celaenas Verbündete Nehemia und Prinz Dorian von Adarlan haben ihre Geheimnisse. Nehemia scheint mit Archer Finn, einem alten Freund von Celaena, in eine Verschwörung gegen den König verwickelt zu sein, hilft der Assassinin aber weiterhin, Wyrdzeichen zu lernen, um dem Mysterium um die Macht des Königs auf die Spur zu kommen. Und Kronprinz Dorian entdeckt, dass er magische Fähigkeiten besitzt – etwas, das seinen Tod bedeuten könnte, wenn jemand davon erfährt …

„Kriegerin im Schatten“ ist Band 2 der „Throne of Glass“-Fantasyserie von Sarah J. Maas. Das Buch hat mich stärker überzeugt als sein Vorgänger „Die Erwählte“. Celaena wurde zwar im 1. Band als die berüchtigste Assassinin des Landes eingeführt, aber spüren konnte ich davon wenig. Auch plätscherte die (nicht wirklich vorhandene) Handlung im Einsteigerroman noch recht vor sich hin. Band 2 hat mich jedoch stärker gepackt. Die Geschichte nimmt jetzt deutlich an Fahrt auf. Sie ist vielfältiger und füllt auch tatsächlich ein so umfangreiches Buch. Sprachlich gibt es immer noch einige unschöne Passagen/Begrifflichkeiten – Sätze, in denen z. B. zweimal das Wort „heute“ vorkommt, und die Autorin/Übersetzerin scheint auch eine nervtötende Vorliebe für das Verb „rasen“ zu haben (könnten wir das bitte so langsam mal durch „eilen“, „hasten“, „stürmen“ oder „rennen“ ersetzen?!) –, aber die Geschichte hat mich so mitgerissen, dass ich darüber hinweglesen konnte. Schön auch, dass man endlich etwas mehr über die Geschichte des Landes erfährt (nachzulesen auf den Seiten 386-389), was aber auch nötig ist, da die Jagd nach den Wyrdschlüsseln ja glaubwürdig motiviert sein muss.

Die Figur der Celaena gibt in diesem Buch eine glaubwürdigere Assassinin ab. Zwar investiert sie ihren Lohn als Champion des Königs immer noch primär in typisch weibliche Dinge („Celaenas Lohn als Champion des Königs war beachtlich und sie gab ihn bis auf den letzten Cent aus. Für Schuhe, Hüte, Tuniken, Kleider, Schmuck, Waffen, Haarschmuck und Bücher. Ganze Stapel. So viele Bücher, dass Philippa ein neues Regal bringen lassen musste.“) und hat eine Schwäche fürs Ausschlafen und Essen, aber durch die Beschreibung unterschiedlicher Einsätze oder Kämpfe bekomme ich zumindest einen besseren Eindruck davon, warum sie so gefürchtet wird. Ihr fehlt zwar immer noch etwas Selbstdisziplin und Verschlagenheit, und sie ist auch oft erstaunlich naiv („Um Erileas Wohl betete Celaena, dass der König nie auch nur von Wyrdzeichen gehört hatte.“ Ähm, ja, an unterschiedlichen Stellen im Schloss finden sich Wyrdzeichen, dass der König diese in all den Jahren noch nicht entdeckt hat oder die Geschichte seines eigenen Landes nicht kennt – eher unwahrscheinlich), aber ihre Reaktion auf einen Todesfall oder einen Verrat (no spoilers …) verschafft mir als Leser eine Ahnung davon, inwiefern sie auch in der Lage ist, ihre Emotionen abzustellen, wenn es darauf ankommt. Allerdings ist sie eine so große Sympathieträgerin, dass sie unter ihren Taten leiden muss, damit sie weiter die edle Heldin bleibt. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass sie etwas mehr Entschlossenheit besäße, da sie zwar ihre Opfer gehen lässt und sich im Auftrag des Königs auf die Spur von Verschwörern begibt, aber damit verfolgt Celaena nicht wirklich ein Ziel … Sie ist sich bewusst, dass sie nicht frei ist – und es auch nie war -, aber selbst wenn sie frei wäre, wüsste sie vermutlich nicht, was sie mit dieser Freiheit anfangen sollte.
Chaol und Dorian bekommen in diesem zweiten Buch etwas mehr zu tun, aber vor allem der Captain der Leibgarde bleibt noch etwas blass. Wir erfahren, dass er täglich mit Celaena joggen geht, dass er die Wachen einteilt und kontrolliert – und dass er (zumindest) edelmütig auf die junge Frau verzichtet, weil er erkennt, dass sein Freund Dorian ebenfalls in sie verliebt hat. Allerdings muss er dann auch den Preis für seine schon penetrante Loyalität zahlen. Zum Ende des Buches hin bekommt man als Leser den Eindruck, dass er endlich aufgewacht ist …
Ein unangenehmes Erwachen erlebt auch Dorian. Er weiß zwar, welche Art Mensch sein Vater ist, wagt es aber zu keiner Zeit, auch nur innerlich dagegen zu rebellieren. Es gibt in „Kriegerin im Schatten“ (endlich) einen kleinen Plottwist, was seine Person angeht, die dazu führt, dass er wenigstens im Verborgenen aus seiner festgelegten Rolle ausbricht. Ich hoffe auch hier, dass er in den Folgebänden weitere Facetten bekommt.
Die letzte interessante Figur ist Prinzessin Nehemia, zu der ich an dieser Stelle allerdings nicht zu viel verraten will. Auch wenn sie die Einzige ist, die wirklich gegen den König aufsteht (Spoiler, ggf. markieren), ist ihr verfrühter Tod eine Verschwendung einer guten Figur. Natürlich war der Tod aus dramaturgischen Grünen notwendig – um Celaena zum Handeln/Aufstand zu bewegen -, aber ich hätte einfach gern mehr über ihre Fähigkeiten, ihre Geschichte erfahren.

Auch die Romantik spielt in diesem Buch eine etwas größere Rolle. In Band 1 deutete sich ja eine Verbindung zwischen Celaena und Dorian an. Allerdings schob die Assassinin dieser Zuneigung rasch einen Riegel vor – eine Beziehung zwischen ihr und dem Kronprinzen hätte nie eine Zukunft. Eine erstaunlich erwachsene Einsicht. In diesem Buch wendet sie sich nun Chaol zu, was sich aber ebenfalls in „Die Erwählte“ schon angedeutet hatte. Allerdings bleibt die Autorin hier auch in Stereotypen stecken, wenn sie die beiden Protas sich erst sträuben lässt – und dann bricht die alles verzehrende Liebe aus, die aber nach kürzester Zeit durch einen Schicksalsschlag zerbricht. Man könnte ja miteinander reden, einander vergeben … Eine erwachsene Form der Liebe hat offenbar in dieser Serie (noch) keinen Raum.

Mein Fazit: „Kriegerin im Schatten“ ist m. E. inhaltlich stärker als „Die Erwählte“. Die Entwicklung sowohl der drei zentralen Figuren als auch der Handlung macht mich auf die Fortsetzung wirklich neugierig, obwohl die Wendung/Offenbarum am Ende des Romans nun wirklich keine Überraschung war.