Veröffentlicht in Belletristik

Samantha Kane: The Courage to Love (Brothers in Arms 1)

Samantha KaneLondon, 1813: Seit ihr Ehemann vor drei Jahren auf der iberischen Halbinsel im Kampf gegen die französischen Truppen von Napoleon ums Leben kommen ist, schlägt Kate Collier sich als Mätresse reicher Männer durch. Doch als Lord Robertson, ihr letzter „Beschützer“, sie auf schreckliche Weise missbraucht, zieht sie sich aus der Gesellschaft zurück und kümmert sich nur noch um ihr Kleidergeschäft und ihre Nichte Veronica.
Da kehren Jason Randall und Anthony Richards – zwei Kameraden ihres verstorbenen Mannes – nach London zurück und haben nur noch ein Ziel vor Augen: die junge Frau zu erobern. Auch Kate liebt die beiden schon lange, doch spätestens nach ihrer schrecklichen Erfahrung mit Robertson wird Kate von der Gesellschaft geschnitten – und ist nicht länger willens, sich einem Mann anzuvertrauen, geschweige denn zwei Männern. Doch sie kann Jason und Tony einfach nicht widerstehen und beginnt, die Freundschaft mit den beiden, die sich schließlich zu einer Liebesbeziehung entwickelt, zu genießen.
Aber Robertson ist nicht bereit, sie kampflos den beiden ehemaligen Soldaten zu überlassen …

„The Courage to Love“ ist der erste Band der „Brothers in Arms“-Reihe der Amerikanerin Samantha Kane, die zu den bekanntesten Autorinnen erotischer (historischer) Liebesromane gehört, für die sie bereits eine ganze Reihe von Auszeichnungen erhalten hat. Die Autorin ist durchaus eine gute Erzählerin, die recht süffig und anschaulich schreibt. Allerdings sind die Regency-Aspekte ihrer literarischen Welt etwas unterrepräsentiert und die Sprache ist zu modern; wer mehr über die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts wissen will (Wie hat man damals gelebt? Wie sah das Leben der unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten aus? Welche Gepflogenheiten gab es? Wie sah London in dieser Zeit aus? etc.) sollte zu einem anderen Autor greifen. Meines Erachtens könnten diese Romane auch zu fast jeder anderen Zeit und an anderen Orten spielen. Hinzu kommt auch, dass es zu wenige Rahmenbeschreibungen gibt, aber zu viele 6szenen – die zwar geschmackvoll beschrieben sind, aber einfach zu gehäuft auftreten und auf Kosten einer guten Geschichte gehen.

Was aber das Besondere dieser „Brothers in Arms“-Reihe ist: Ein Grundmotiv zieht sich – mit der einen oder anderen Variation – durch alle 13 Romane dieser Serie: Eine Gruppe von Männern hat auf der iberischen Halbinsel in der britischen Armee gemeinsam gegen Napoleon gekämpft und dort einen „besonderen Weg“ gefunden, um mit den Schrecken fertigzuwerden: Entweder haben zwei von ihnen eine Beziehung miteinander begonnen oder sie haben sich vor Ort eine Frau geteilt. Nach dem Krieg beschließen sie nun, diesen Lebensstil aufrechtzuerhalten und sich eine Ehefrau zu suchen, die ihnen nicht nur ein respektables Leben in der Gesellschaft und Nachkommen ermöglicht, sondern auch bereit ist, ihr Leben auf diese ungewöhnliche Weise zu teilen.

Wenn man „The Courage to Love“ mit einer gewissen Portion suspension of disbelieve liest, muss man sagen, dass es Samantha Kane recht gut gelingt, eine solche Beziehung bzw. eine solche ungewöhnliche Partnerschaft auf eine Weise zu beschreiben, die relativ glaubwürdig wirkt – zumindest hat man als Leserin wirklich das Gefühl, dass die Figuren nicht nur um der Liebesszenen willen miteinander agieren, sondern weil sie eine tiefe Zuneigung füreinander empfinden. Protagonisten dieser ersten Geschichte sind zum einen Lord Jason Randall und Anthony Richards. Die beiden kennen sich aus ihrer Zeit in der Armee und beginnen damals, eine spanische Prostituierte miteinander zu teilen, die im Tross der britischen Truppen lebt. Zum einen tun sie dies, um dem Gefühl der inneren Abgestumpftheit aufgrund der ständigen Kampferfahrungen bzw. der Erfahrungen mit dem Tod etwas entgegenzusetzen; zum anderen fühlen sich beide zueinander hingezogen (ohne sich dies aber selbst, geschweige denn dem anderen einzugestehen) und sehen in diesem Dreier die einzige Möglichkeit, einander doch nahezukommen. Aber sie teilen noch etwas miteinander: die Liebe zu Kate Collier, der Ehefrau ihres Kameraden Harry, die für sie zu diesem Zeitpunkt aber noch unantastbar ist. Als Harry umkommt und der Krieg einige Monate später zu Ende ist, sehen sie ihre Chance gekommen – doch als sie Kate in London aufsuchen, müssen sie feststellen, dass diese bereits die Mätresse eines reichen Mannes ist. Und an ihrem schlechten Timing ändert sich auch in den darauffolgenden Jahren nichts, wenn sie immer wieder einmal von ihren Reisen in die britische Hauptstadt zurückkehren und den Kontakt suchen wollen.

Was sie nicht wissen: Kate pflegt diesen Lebensstil nicht aus freiem Willen, sondern weil dies die einzige Möglichkeit ist, um sich und ihre Nichte Veronica durchzubringen (hier kommt aufseiten der beiden Männer m. E. eine gehörige Portion Naivität ins Spiel). Und bis zu ihrem dritten Beschützer kann sie damit auch recht gut leben – doch dieser (Robertson) nutzt die Situation aus und lässt zu, dass seine Freunde Kate an einem „geselligen“ Abend vergewaltigen. Seither lebt Kate sehr zurückgezogen und in ärmlichen Verhältnissen. Das Schöne an dieser Figur: Obwohl sie eine wirklich schreckliche Erfahrung gemacht hat und unter den Erinnerungen leidet, lässt sie sich davon nicht unterkriegen und versucht, ihr Leben wieder neu zu gestalten und sich eine eigene Zukunft unabhängig von einem Mann aufzubauen.

In dieser Situation machen ihr Jason und Tony ein ungewöhnliches Angebot: Kate, die die beiden Männer auch bereits seit Kriegszeiten liebt, soll Jason heiraten, der sich als Adliger gewissen gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenübersieht und unbedingt eine Frau braucht. Und da er und Tony Kate beide lieben, wäre sie eine geeignete Kandidatin für eine Dreierbeziehung. Dies ist die Stelle, von der ich etwas weniger begeistert war: Obwohl Kate das Angebot zunächst ablehnt und die beiden Männer auch recht schnell erfahren, welches schreckliche Erlebnis Kate gezeichnet hat, drängen sie sie meines Erachtens viel zu stark zum ersten 6. Und das ist selbst angesichts der Zuneigung zwischen allen dreien imho unverantwortlich – es hat etwas von: Zwang ist in Ordnung, wenn man sich nur wirklich liebt. Und natürlich entdeckt Kate, dass ihr diese ungewöhnliche Art Beziehung mehr als nur zusagt – im Kontext der Geschichte ist das natürlich schön und bringt am Ende auch allen dreien Heilung, aber vom Konzept her kann ich es einfach nicht gutheißen.

Nichtsdestotrotz würde ich behaupten, dass es Samantha Kane gelingt, diese ungewöhnliche Beziehungskonstellation gut und ausgewogen zu beschreiben. Bei Dreierkonstellationen besteht ja die Gefahr, dass eine Figur nur das fünfte Rad am Wagen ist, dass sich eine von ihnen zurückgesetzt fühlt und (emotional) zu kurz kommt, aber ich habe den Eindruck, dass dies in diesem Roman nicht der Fall ist.

Ebenfalls ein großes Plus des Romans: Eine Reihe der Figuren, die in den weiteren Bänden der Serie eine tragende Rolle spielen werden, tritt in „The Courage to Love“ bereits am Rande auf und wecken definitiv mein Interesse an ihren jeweiligen Geschichten (z. B. Kates Nichte Veronica, die eine der drei Protagonisten von „Love’s Fortress“ ist).

Mein Fazit: Der Roman ist wirklich nur etwas für Fans von MMF-Literatur, Fans historischer Liebesromane finden die entsprechenden Szenen unter Umständen etwas zu grafisch. Dennoch ist der Roman unterhaltsam zu lesen (wenn man über Kanes Umgang mit Missbrauch hinwegsehen kann) und macht Lust, auch die Geschichten der Nebenfiguren zu lesen.

Advertisements
Veröffentlicht in Belletristik

Sabrina Paige: Her Bodyguard

Alexandra ist die Tochter des Königs von Protrovia – aber sie liebt Partys und Alkoholexzesse mehr als ihre Aufgaben als Prinzessin. Keiner ihrer Bodyguards hat es bislang mehr als 18 Tage mit ihr ausgehalten. Da bittet ihr Bruder einen alten Armeefreund um Hilfe. Max hat Albert in Afghanistan das Leben gerettet und nimmt dessen Angebot, der Bodyguard seiner Schwester zu werden, nur zu gern an, laufen seine Eltern doch Gefahr, ihr Haus an die Bank zu verlieren.
Doch Alex macht ihm das Leben mehr als nur schwer. Unablässig versucht sie, Wege zu finden, wie sie ihm und dem Palast entkommen kann, um mit ihren Freunden zu feiern. Doch gleichzeitig fühlt sie sich immer mehr zu ihrem Bodyguard hingezogen, der sich von ihrer arroganten Art nicht einschüchtern lässt …

„Her Bodyguard“ ist Band 2 in einer zweiteiligen Minireihe der amerikanischen Autorin Sabrina Paige (und die Fortsetzung von „Prince Albert“), deren Ich-Erzähler zum einen Prinzessin Alexandra „Alex“ von Protrovia ist und zum anderen ihr amerikanischer Bodyguard Max Donnelly.
Alex erinnert sehr stark an Prinzession Eleanor aus „The Royals“: Sie ist selbstbewusst, wild, arrogant, liebt Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll – und Kleidung zu tragen, die alles andere als angemessen oder jugendfrei ist. Und sie liebt es, die Regeln zu brechen.
Im Gegensatz zu ihr ist Max Donnelly ein bodenständiger Junge vom Land. Er kommt aus Kentucky, hat für sein Land in Afghanistan gekämpft, wo er auch Prinz Albert kennengelernt und ihm das Leben gerettet hat, und er lebt (wieder) bei seinen Eltern, um ihnen dabei zu helfen, ihr Haus nicht zu verlieren. Dies ist auch der Grund, warum er das Angebot des Prinzen annimmt, seine Schwester zu bewachen.
Diese Gegensätze sollten eigentlich viel Stoff für humorvolle Szenen und Dialoge bieten, sollten dafür sorgen, dass Alex ein wenig mehr Bodenhaftung bekommt und Max vielleicht einen Schuss Wildheit. Dass die beiden sich zueinander hingezogen fühlen würde, dass sie sich verlieben und sicher auch Sex haben werden – daran zweifelt niemand, der dieses Buch kauft. Aber was geschieht? Max beginnt irgendwann, sich wie ein Höhlenmensch zu verhalten. Er schreibt ihr vor, was sie zu tragen (oder nicht zu tragen) hat, was sie zu tun und zu lassen hat, wann sie zu reden und wann zu schweigen hat. Als er dann die Handschellen und die Fesseln herausholt und sie übers Knie legt, hat die Autorin leider mein Interesse verloren. Die Beschreibungen dieser schon exzessiven Dominanzspielchen war einfach nicht mehr mein Ding. Darüber konnten mich dann auch „sanftere“, romantischere Passagen nicht hinwegtrösten, in denen die beiden sich wirklich besser kennenlernen und der Protagonist sich tatsächlich so verhält, wie ich es von ihm erwartet hatte. Warum verkaufen uns nur so viele AutorInnen von erotischer Literatur Caveman-Geschichten, in denen sich eine selbstbewusste Frau, die auf eigenen Beinen steht, plötzlich in ein hilfloses Dummchen verwandelt, wenn das Alpha-Männchen sie in seine Höhle schleppt, als die großße Liebe?!
Der einzige Lichtblick war für mich die „Eiskönigin“, Bellas Mutter, die vor der Heirat mit Alex‘ Vater, dem König von Protrovia, steht. Sie ist die Einzige, die am Ende erkennt, dass die die beiden jungen Menschen sich wirklich lieben und eine Chance verdienen – und das, obwohl sie wirklich in den Augen der Prinzessin eine berechnende Amerikanerin ist, die ihren Vater nur wegen des Titels heiratet.

Mein Fazit: Das Buch ist wirklich nur für Leserinnen geeignet, die eine Schwäche für diese  Art „Dominanz-Literatur“ haben. Schade, ich wollte es nämlich wirklich mögen!

Veröffentlicht in Belletristik

Sabrina Paige: Prince Albert

PaigeBelle Kensington hat zwei Jahre für eine Wohltätigkeitsorganisation in Afrika verbracht. Jetzt ist sie in die USA zurückgekehrt, um ihren langjährigen Verlobten zu heiraten. Doch kurz vor der Hochzeit erfährt sie, dass dieser schon seit einer Weile eine Affäre mit ihrer Trauzeugin hat, und ergreift die Flucht. In dieser Situation läuft sie einem gutaussehenden Unbekannten über den Weg, mit dem sie sich betrinkt – und den sie spontan heiratet.
Ein Jahr später reist sie nach Protrovia, wo sie erfährt, dass ihre verwitwete Mutter plant, den dortigen König zu heiraten. Noch überraschter ist sie, als sie erfährt, dass ihr zukünftiger Stiefbruder – der Kronprinz – kein Geringerer ist als ihr unbekannter Mann, den sie seit damals nicht mehr gesehen hat.
Prinz Albert ist ein berüchtigter Playboy, der seine Freiheit und die Frauen liebt. Doch als er feststellt, als es sich bei seiner konservativen Stiefschwester, die ihre Zeit lieber mit Charitys in Afrika verbringt als im Luxus des Königshofs, um die Unbekannte handelt, die er vor einem Jahr in Las Vegas geheiratet hat, beschließt er, die Gelegenheit zu nutzen und seine Frau zu verführen …

Prince Albert ist der erste Band einer zweiteiligen Miniserie über die beiden Königskinder Albert und Alexandra. Als Leser macht man oft die Erfahrung, dass sich der Werbetext eines Buches sehr interessant liest, die Handlung und die Verwicklungen der Geschichte sich dann aber – zur eigenen Enttäuschung – als mehr als nur haarsträubend entpuppen. Bei Prince Albert ist dies anders. Hier warnt die Autorin schon im Vorfeld:

„It’s the most ridiculous, over-the-top, and totally implausible story I’ve written. And I hope you love it. The country, Protrovia, is fictional. And there’s more sex than you might be used to from my books. For that, well, I can’t say I’m all that sorry.“

Und all das ist bzw. hat die Geschichte auch. Ganz zu schweigen von der unendlichen Anzahl an Klischees, die sich in dieser klassischen Bad-Boy- bzw. Aschenputtel-Geschichte versammeln:
Die Beschreibung des Protagonisten ist definitiv etwas übertrieben: Prinz Albert (was für ein schrecklicher Name!) ist ein extrem gut aussehender, gut gebauter, arroganter, notorischer Womanizer, der ständig neue Frauen abschleppt; „love ‚em and leave ‚em“ ist wohl sein Motto. Und er ist es gewöhnt, dass sich ihm die schönsten Frauen zu Füßen werfen. Bei einem Trip nach Las Vegas begegnet er zufällig einer ebenso gut aussehenden jungen Frau: Isabella Kensington.
Diese hat gerade ihren Verlobten in flagranti mit ihrer Trauzeugin erwischt, hat sich betrunken und läuft auf ihrer Flucht vor ihrer eigenen Feier im Casino dem schönsten Mann über den Weg, den sie je gesehen hat. Allein sein Anblick verursacht ihr schon weiche Knie und feuchte Träume. Die beiden beschließen, die Nacht miteinander zu verbringen – in seiner Limousine durch Las Vegas zu fahren, sich zu betrinken und zu unterhalten. Am Ende der Nacht finden sie sich in einer der typischen Hochzeitskapellen vor einem falschen Elvis wieder, der sie zu Mann und Frau erklärt. Dann trennen sich ihre Wege, bevor sie sich überhaupt ihren vollständigen Namen genannt haben (warum wird m. W. nie erklärt).
Isabella ist in vieler Hinsicht (natürlich) das genaue Gegenteil von Albie: Sie stammt zwar aus einer sehr reichen amerikanischen Industriellen-Familie, lebt aber ein eher ruhiges, zurückgezogenes Leben und hat sich in den vergangenen beiden Jahren für eine Wohltätigkeitsorganisation in Afrika engagiert. Sie ist natürlich auch extrem gut aussehend, hasst aber im Gegensatz zu Albie das Licht der Öffentlichkeit. Niemals würde sie auch nur auf den Gedanken kommen, etwas zu tun, das ihrem verstorbenen Vater oder ihrer Familie Schande macht.
Bis sie sich nach einer feuchtfröhlichen Nacht mit einem ihr Unbekannten verheiratet, der sich ein Jahr später als ihr zukünftiger Stiefbruder und Kronprinz des fiktiven Landes Protrovia entpuppt. Vom ersten Blick an kann sie sich auch hier seinem sexy Lächeln und seinem sexy Körper nicht entziehen. Und schon entwickelt sich die selbstbewusste, zielorientierte, engagierte junge Frau in eine beinahe hirnlose hormongesteuerte Sexpuppe, die bei jeder sich bietenden und sich eigentlich nicht bietenden Gelegenheit die Röcke hebt, um ihrem Prinzen zu Willen zu sein. Und natürlich ist der Sex der beste, den sie je hatte, und noch nie waren ihre Höhepunkte so großartig wie mit Albie.
Und auch Albie ist auf den ersten Blick hin und weg von seiner zukünftigen Stiefschwester. Zwar beginnt die Verführung für ihn nur als Spiel, doch schon bald ist er bereit, allen anderen Frauen zu entsagen, um seine „Frau“ zu erobern. Dank Bella entwickelt er sich – wie man spätestens in einer nachgeschobenen Kurzgeschichte erfährt – zu einem treusorgenden Ehemann und Vater.
Versteht mich nicht falsch: Ich habe kein Problem damit, wenn in einem Buch so manches Klischee auftaucht, wenn zwei Menschen sich in Romanen Hals über Kopf verlieben oder sich auch meinetwegen gleich sexuell (so oft habe ich dieses Wort in meinen Rezis noch nie verwendet) zueinander hingezogen fühlen. Aber warum müssen sich Protagonisten dann immer auch gleich so out of character verhalten? Gerade bei den Protagonistinnen ist dies festzustellen: Mauerblümchen, „normale“ selbstständige Frauen oder auch selbstbewusste Alpha-Frauen entwickeln sich viel zu oft zu hilflosen Weibchen, sobald sie einem gut gebauten Alpha-Männchen begegnen. Alles lassen sie mit sich machen, auf alles lassen sie sich ein; selbst auf Dinge, die sie eigentlich ablehnen. Ich will an dieser Stelle nicht damit argumentieren, dass solche Entwicklungen weit von der Realität entfernt sind, es sind schließlich nur Geschichten. Aber solche Storys werfen die Emanzipation um Jahrzehnte zurück …

Nachdem ich meiner Empörung nun Luft gemacht habe: Es gibt auch ein paar positive Dinge über die Geschichte zu sagen: Sie ist humorvoll, liest sich wirklich gut und bietet neben den Shenanigans zwischen Albie und Bella auch noch eine richtige Handlung – die zwar nur eine Nebenrolle spielt, aber immerhin vorhanden ist. Auch einige Nebenfiguren sind nicht uninteressant: Albie hat eine lebenslustige Schwester namens Alexandra, die eher ein Partygirl ist, sich aber zu ihrem Bodyguard Max hingezogen fühlt (ihre Geschichte kann man dann in einem zweiten Buch mit dem Titel „Her Bodyguard“ nachlesen). Ihr Verhältnis zu ihrem Bruder Albie ist ausgesprochen innig. Und auch Bellas Mutter scheint mehr zu sein als nur eine Eiskönigin, die es bloß auf den Titel abgesehen hat und darauf, dass Bella ihr diesen Chance ja nicht verbaut (allerdings tritt diese Facette ihres Wesens in der schon erwähnten Fortsetzung deutlicher zutage).

Mein Fazit: Wer eine Schwäche für Geschichten mit vielen Sexszenen hat, in denen die Protas des Öfteren übereinander herfallen, in denen der Mann die Hosen anhat und die Frau sich ihm hingibt: Dann seid ihr mit „Prince Albert“ gut bedient. 😉 Wer Geschichten über selbstbewusste Frauen lesen will, die nicht gleich weiche Knie bekommen, wenn sie einem gut aussehenden Mann begegnen: Ihr solltet lieber etwas anderes lesen.

 

Veröffentlicht in Belletristik

Sarah J. Maas: Kriegerin im Schatten (Throne of Glass #2)

Celaena hat sich in einem unerbittlichen Wettkampf gegen ihre Konkurrenten durchgesetzt und ist nun Champion des Königs. Nach seinen Vorgaben soll sie unliebsame Gegner beseitigen, die dessen grausame Herrschaft beenden wollen. Doch statt sie aus dem Weg zu räumen, warnt Celaena seine Feinde und ermöglicht ihnen so die Flucht. Dieses Geheimnis verbirgt sie zunächst selbst vor Chaol, zu dem sie sich gegen ihren Willen immer mehr hingezogen fühlt. Wie sehr kann sie ihm vertrauen? Schließlich ist Chaol der Captain der königlichen Leibgarde.

Aber auch Celaenas Verbündete Nehemia und Prinz Dorian von Adarlan haben ihre Geheimnisse. Nehemia scheint mit Archer Finn, einem alten Freund von Celaena, in eine Verschwörung gegen den König verwickelt zu sein, hilft der Assassinin aber weiterhin, Wyrdzeichen zu lernen, um dem Mysterium um die Macht des Königs auf die Spur zu kommen. Und Kronprinz Dorian entdeckt, dass er magische Fähigkeiten besitzt – etwas, das seinen Tod bedeuten könnte, wenn jemand davon erfährt …

„Kriegerin im Schatten“ ist Band 2 der „Throne of Glass“-Fantasyserie von Sarah J. Maas. Das Buch hat mich stärker überzeugt als sein Vorgänger „Die Erwählte“. Celaena wurde zwar im 1. Band als die berüchtigste Assassinin des Landes eingeführt, aber spüren konnte ich davon wenig. Auch plätscherte die (nicht wirklich vorhandene) Handlung im Einsteigerroman noch recht vor sich hin. Band 2 hat mich jedoch stärker gepackt. Die Geschichte nimmt jetzt deutlich an Fahrt auf. Sie ist vielfältiger und füllt auch tatsächlich ein so umfangreiches Buch. Sprachlich gibt es immer noch einige unschöne Passagen/Begrifflichkeiten – Sätze, in denen z. B. zweimal das Wort „heute“ vorkommt, und die Autorin/Übersetzerin scheint auch eine nervtötende Vorliebe für das Verb „rasen“ zu haben (könnten wir das bitte so langsam mal durch „eilen“, „hasten“, „stürmen“ oder „rennen“ ersetzen?!) –, aber die Geschichte hat mich so mitgerissen, dass ich darüber hinweglesen konnte. Schön auch, dass man endlich etwas mehr über die Geschichte des Landes erfährt (nachzulesen auf den Seiten 386-389), was aber auch nötig ist, da die Jagd nach den Wyrdschlüsseln ja glaubwürdig motiviert sein muss.

Die Figur der Celaena gibt in diesem Buch eine glaubwürdigere Assassinin ab. Zwar investiert sie ihren Lohn als Champion des Königs immer noch primär in typisch weibliche Dinge („Celaenas Lohn als Champion des Königs war beachtlich und sie gab ihn bis auf den letzten Cent aus. Für Schuhe, Hüte, Tuniken, Kleider, Schmuck, Waffen, Haarschmuck und Bücher. Ganze Stapel. So viele Bücher, dass Philippa ein neues Regal bringen lassen musste.“) und hat eine Schwäche fürs Ausschlafen und Essen, aber durch die Beschreibung unterschiedlicher Einsätze oder Kämpfe bekomme ich zumindest einen besseren Eindruck davon, warum sie so gefürchtet wird. Ihr fehlt zwar immer noch etwas Selbstdisziplin und Verschlagenheit, und sie ist auch oft erstaunlich naiv („Um Erileas Wohl betete Celaena, dass der König nie auch nur von Wyrdzeichen gehört hatte.“ Ähm, ja, an unterschiedlichen Stellen im Schloss finden sich Wyrdzeichen, dass der König diese in all den Jahren noch nicht entdeckt hat oder die Geschichte seines eigenen Landes nicht kennt – eher unwahrscheinlich), aber ihre Reaktion auf einen Todesfall oder einen Verrat (no spoilers …) verschafft mir als Leser eine Ahnung davon, inwiefern sie auch in der Lage ist, ihre Emotionen abzustellen, wenn es darauf ankommt. Allerdings ist sie eine so große Sympathieträgerin, dass sie unter ihren Taten leiden muss, damit sie weiter die edle Heldin bleibt. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass sie etwas mehr Entschlossenheit besäße, da sie zwar ihre Opfer gehen lässt und sich im Auftrag des Königs auf die Spur von Verschwörern begibt, aber damit verfolgt Celaena nicht wirklich ein Ziel … Sie ist sich bewusst, dass sie nicht frei ist – und es auch nie war -, aber selbst wenn sie frei wäre, wüsste sie vermutlich nicht, was sie mit dieser Freiheit anfangen sollte.
Chaol und Dorian bekommen in diesem zweiten Buch etwas mehr zu tun, aber vor allem der Captain der Leibgarde bleibt noch etwas blass. Wir erfahren, dass er täglich mit Celaena joggen geht, dass er die Wachen einteilt und kontrolliert – und dass er (zumindest) edelmütig auf die junge Frau verzichtet, weil er erkennt, dass sein Freund Dorian ebenfalls in sie verliebt hat. Allerdings muss er dann auch den Preis für seine schon penetrante Loyalität zahlen. Zum Ende des Buches hin bekommt man als Leser den Eindruck, dass er endlich aufgewacht ist …
Ein unangenehmes Erwachen erlebt auch Dorian. Er weiß zwar, welche Art Mensch sein Vater ist, wagt es aber zu keiner Zeit, auch nur innerlich dagegen zu rebellieren. Es gibt in „Kriegerin im Schatten“ (endlich) einen kleinen Plottwist, was seine Person angeht, die dazu führt, dass er wenigstens im Verborgenen aus seiner festgelegten Rolle ausbricht. Ich hoffe auch hier, dass er in den Folgebänden weitere Facetten bekommt.
Die letzte interessante Figur ist Prinzessin Nehemia, zu der ich an dieser Stelle allerdings nicht zu viel verraten will. Auch wenn sie die Einzige ist, die wirklich gegen den König aufsteht (Spoiler, ggf. markieren), ist ihr verfrühter Tod eine Verschwendung einer guten Figur. Natürlich war der Tod aus dramaturgischen Grünen notwendig – um Celaena zum Handeln/Aufstand zu bewegen -, aber ich hätte einfach gern mehr über ihre Fähigkeiten, ihre Geschichte erfahren.

Auch die Romantik spielt in diesem Buch eine etwas größere Rolle. In Band 1 deutete sich ja eine Verbindung zwischen Celaena und Dorian an. Allerdings schob die Assassinin dieser Zuneigung rasch einen Riegel vor – eine Beziehung zwischen ihr und dem Kronprinzen hätte nie eine Zukunft. Eine erstaunlich erwachsene Einsicht. In diesem Buch wendet sie sich nun Chaol zu, was sich aber ebenfalls in „Die Erwählte“ schon angedeutet hatte. Allerdings bleibt die Autorin hier auch in Stereotypen stecken, wenn sie die beiden Protas sich erst sträuben lässt – und dann bricht die alles verzehrende Liebe aus, die aber nach kürzester Zeit durch einen Schicksalsschlag zerbricht. Man könnte ja miteinander reden, einander vergeben … Eine erwachsene Form der Liebe hat offenbar in dieser Serie (noch) keinen Raum.

Mein Fazit: „Kriegerin im Schatten“ ist m. E. inhaltlich stärker als „Die Erwählte“. Die Entwicklung sowohl der drei zentralen Figuren als auch der Handlung macht mich auf die Fortsetzung wirklich neugierig, obwohl die Wendung/Offenbarum am Ende des Romans nun wirklich keine Überraschung war.

Veröffentlicht in Belletristik

Annis Bell: Die Tote von Rosewood Hall

Rosewood Hall, Februar 1860: Lord Henry Pembroke hat sich alle Mühe mit der Ausrichtung eines Balls für seine geliebte Nichte Lady Jane in Rosewood Hall gegeben. Auf der Gästeliste stehen die begehrtesten Junggesellen der Londoner Gesellschaft, denn der Lord möchte die Zukunft seiner Nichte, die für ihn wie eine Tochter ist, gesichert wissen. Er ist sich bewusst, dass er nicht mehr lange zu leben hat und dass sein einziger Sohn und dessen geldgierige Ehefrau Jane entweder an den nächstbesten „verhökern“ oder auf die Straße setzen werden.
Doch der Abend nimmt einen gänzlich anderen Verlauf als geplant …
Ein schwer verletztes Mädchen stolpert in der winterlichen Ballnacht durch den Park von Rosewood Hall und wird von Lady Jane entdeckt. Jane, eine unkonventionelle und selbstbewusste junge Frau, bringt die Namenlose im Wintergarten unter. Mit ihrem letzten Atemzug bittet die Sterbende Jane darum, ihre Freundin Mary zu finden und vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren. Das Schicksal der gequälten Kreatur geht Jane nah, und sie verspricht, zu helfen.
Unerwartete Unterstützung findet Jane durch Captain David Wescott, einen verschwiegenen, eher düster wirkenden, aber auch attraktiven Mann. Dieser unterbreitet Jane jedoch auch ein Angebot: Da er der dritte Sohn eines einflussreichen Adligen ist, hat der ehemalige Offizier weder Erbe noch Titel zu erwarten. Da Jane einen Titel und einflussreiche Freunde hat, bietet er ihr einen Handel ein: Als seine Ehefrau wird sie weiter ihre Freiheiten (und auch ihr Vermögen) genießen können, soll ihn aber im Gegenzug zu Empfängen begleiten und den gesellschaftlichen Rahmen für Treffen mit Geschäftsfreunden gestalten.

„Die Tote von Rosewood Hall“ ist Band 1 der bislang dreiteiligen Serie um Lady Jane. Der Roman spielt im viktorianischen England, ist der Gattung der Cozy Mystery zuzurechnen und durchaus gut geschrieben. Nachdem ich es begonnen hatte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Natürlich ist die Geschichte an sich relativ durchschaubar, wenn man schon viele Krimis gelesen hat. Aber nichtsdestotrotz versteht es die Autorin, zwei Handlungsstränge glaubwürdig zu schildern. Zum einen die Geschichte um Jane, ihre Ehe mit dem mysteriösen David Wescott und der Suche nach Mary, zum anderen die Ereignisse um Mary (aus Marys Sicht), ihre Zeit im Waisenhaus – und das, was danach geschieht. Es gibt zwar eine Handvoll Stellen, an denen der Roman sprachlich ausgebessert werden könnte, aber im Großen und Ganzen gelingt es Bell, Cornwall, das Waisenhaus oder auch das viktorianische London vor dem inneren Auge des Lesers lebendig werden zu lassen.
Das Buch hat trotz „schwerer“ Themen (Morphiumsucht, Kinderhandel bzw. Missbrauch/Misshandlung von Kindern) auch einen feinen Humor, der den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringt:

Die Kutsche schien ihr viel zu klein, und die Luft war drückend, aber das lag an dem Korsett, das Hettie ihr heute viel zu eng geschnürt hatte.
„Du siehst sehr schön aus, Jane.“
Sie warf ihm unter gesenkten Lidern einen ärgerlichen Blick zu. „Ich bekomme zwar kaum Luft, aber danke. Falls ich in Ohnmacht zu fallen drohe, darfst du mir Riechsalz verabreichen.“

Einige Kritikpunkte hätte ich jedoch in erzählerischer (inhalticher) Hinsicht: Die Ereignisse um Janes geldgierigen Vetter Matthew wurden m. E. ein wenig schnell abgehandelt bzw. oberflächlich behandelt. Matthew erbt nach Henry Pembrokes Tod Titel und Besitztümer und versucht unter den Einflüsterungen seiner Ehefrau auch,  in den Besitz eines Hauses in Cornwall zu gelangen, das Jane von ihren verstorbenen Eltern geerbt hat. Im Roman schreibt er Jane einen Brief, in dem er von alten Schuldbriefen ihres Vaters berichtet und ihr deutlich macht, dass das Gesetz auf seiner Seite ist. Jane beschließt daraufhin, ihn auf ihrem Weg nach London aufzusuchen und noch einmal mit ihm zu reden. Doch dieses Ereignis fehlt oder besser gesagt, es wird mit dem schlichten Hinweis abgehandelt, dass sie dies tut – mehr wird nicht berichtet. Da die „Verschwörung“ des Vetters zu Beginn des Buches eine relativ wichtige Rolle spielt und Jane auch in ihrem Entschluss bestärkt, David Wescott zu heiraten, wirkt es wenig befriedigend, dass er im weiteren Verlauf (mit Ausnahme des Briefes) nicht mehr auftaucht.
Weiterhin gibt es auch eine widersprüche Information über David Wescott. Als Janes Freundin Allison ihr diesen (aus der Ferne) vorstellt, erklärt sie, er sei der zweite Sohn des Duke of St. Amand; Lord Henry hingegen berichtet ihr, er sei der dritte Sohn des Duke. Hier scheint der Autorin ein Fehler unterlaufen zu sein, denn ich glaube nicht, dass einer der beiden sich seiner Sache nicht sicher ist. Lord Henry kennt David schon sehr lange – und eine Frau, die einen Ehemann für ihre Freundin sucht, ist erfahrungsgemäß besser über dessen sozialen Status informiert als die NSA über ihre Staatsfeinde. 😉
Ein dritter Kritikpunkt inhaltlicher Art hängt mit folgender Aussage zusammen: „… je öfter Jane inszwischen die Einheimischen sprechen hörte, desto überzeugter war sie, dass Rosie aus dieser Region stammte.“ Da „Rosie“ im Sterben lag und nicht viel gesprochen hat und darüber hinaus nicht in Cornwall, sondern einem anderen County aufgefunden wurde, ist es wenig wahrscheinlich, dass Jane ihre Herkunft kennt. Ganz zu schweigen davon, dass es im Roman auch in Cornwall eine gefühlte unendliche Anzahl an Waisenhäusern zu geben scheint … Zweifellos wird dieser Hinweis nur aus dramaturgischen Gründen eingefügt, denn er muss die Handlung in Gang bringen und Jane ihre ersten Abenteuer erleben lassen.

Neben der erzählerischen Qualität ist aber auch die Protagonistin sehr glaubwürdig geschildert. Lady Jane ist sehr klug, neugierig (wissbegierig?), hat viel Charme, weint vielleicht ein wenig zu häufig für meinen Geschmack (zumindest scheint sie in Wescotts Gegenwart ständig in Tränen auszubrechen) und ist selbstbewusst – aber ohne diese „Ich schaff das schon alleine“-Haltung, die oft bei Figuren in historischen Frauenromanen festzustellen ist. Sie ist auch in der Lage, neue Situationen mutig anzupacken, aber das bedeutet nicht, dass sie sich nicht danach sehnt, ihren Mann an ihrer Seite zu haben, dessen Gegenwart ihren Worten oft Nachdruck (und mehr Glaubwürdigkeit) verleihen würde. Natürlich bringt sie sich auch hin und wieder in Situationen, in denen sie ohne Rücksprache mit ihrem Mann handelt und in die Bredouille gerät. Aber viel häufiger findet man im Roman den Hinweis, dass sie ihren Mann um Rat oder Hilfe bitten will: „Doch Jane vertraute ihrem Instinkt, der ihr sagte, dass es für zwei Frauen ohne bewaffneten männlichen Schutz zu gefährlich war, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Es wäre schlichtweg dumm, eine solche Drohung zu ignorieren.“ Das gefiel mir sehr gut, denn ich habe wenig für penetrant selbstbewusste Frauenfiguren übrig, die meinen, mit dem Kopf durch die Wand zu müssen und alles ohne Hilfe schaffen zu können – vor allem, was historische Romane angeht, in denen ein solches Verhalten undenkbar wäre. Außerdem bringt mir Janes Erkenntnis, dass sie hin und wieder Unterstützung braucht, und ihre Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, diese Figur noch viel näher, denn dadurch wirkt sie sehr lebensecht, müssen wir doch auch immer wieder erkennen, dass wir mit unserer Weisheit am Ende sein und die Unterstützung anderer benötigen.
Captain David Wescott bleibt jedoch ein wenig blass – aber ich nehme zugunsten der Autorin einfach einmal an, dass er so lange für die Leser ein Mysterium bleiben wird, wie er das auch für seine Ehefrau ist. Was man in diesem Roman über ihn erfährt, ist, dass er ein praktischer Zeitgenosse ist, der ständig die Augen zusammenzukneifen, böse zu gucken und die Stirn zu runzeln scheint – zumindest wenn er Zeit mit Jane verbringt. 😉 Er gewährt nur wenigen Menschen Einblick in sein Inneres, ihm gehen aber Ehre und Ehrlichkeit über alles. Nachdem seine militärische Karriere zu Ende ist, scheint er nun eine Karriere im Geheimdienst begonnen zu haben, über die wir in den Folgeromanen zweifellos mehr erfahren werden. Dass die beiden Protagonisten zwar ursprünglich nur eine Vernunftehe führen wollen, sich aber doch ineinander verlieben – damit war zu rechnen, und dieser Aspekt der Handlung wird auch durchaus mit viel Fingerspitzengefühl eingeführt. Hier hätte ich mir sogar noch ein wenig mehr „Prickeln“ gewünscht. 😉
Zwei weitere wichtige Figuren sind in dieser Hinsicht auch Janes Zofe Hetty, die ein wenig zu gern dem süßen Konfekt zuspricht, auf den ersten Blick eher furchtsam wirkt, aber durchaus in der Lage ist, sich zur Wehr zu setzen oder Jane zu verteidigen, wenn es darauf ankommt. Ihr „Gegenspieler“ auf Davids Seite ist dessen Kammerdiener (und wohl ehemaliger Adjutant) Blount, der Jane auf Wescotts Anweisung hin immer wieder im Auge behält und aus brenzligen Situationen rettet.

Und in brenzlige Situationen gerät Jane vor allem aufgrund ihrer Suche nach dem Waisenmädchen Mary. Die 11-Jährige lebt (bis zu dessen Flucht gemeinsam mit ihrem Bruder) unter schrecklichsten Bedigungen in einem Waisenhaus – Misshandlungen sind dort an der Tagesordnung. Mary ist ein sehr ruhiges Mädchen, das leider die Erfahrung machen muss, dass jedes Mädchen, mit dem sie sich eng befreundet – und dabei handelt es sich immer um ausgesprochen selbstbewusste Mädchen -, verschwindet. Zuerst Polly („Rosie“, die dort endet, wo auch Mary sich wenige Monate später wiederfinden wird), die zwar zunächst von Jane gerettet wird, aber dann verstirbt, und dann Fiona (die nach Australien verschifft wird). Doch trotz der schrecklichen Erfahrungen, die sie macht, lässt sie sich nicht unterkriegen, sondern gewinnt durch ihre Freundinnen Mut, sich ihrer schrecklichen Lage zu stellen. Oder vielleicht ist auch ihre Verzweiflung irgendwann so groß, dass sie willens ist, alles zu tun, um ihre Freiheit wiederzuerlangen … Eine sehr berührende Figur!

Mein Fazit: Schöner Schmöker (nicht zu dick), der sich an einem gemütlichen Nachmittag sehr gut verschlingen lässt! Er hat mir gut gefallen – so gut, dass ich gleich wissen möchte, wie es mit Jane und David weitergeht …

Veröffentlicht in Belletristik

Jen McLaughlin: Between us

Mackenzie Forbes ist mit Anfang zwanzig eine erfolgreiche Countrysängerin, studiert nebenbei aber noch Psychologie. Sie hat schon viel erlebt in ihrem Leben: Mit 17 wurde sie berühmt, ihre Mutter hat einen Teil ihres Vermögens mit Drogen durchgebracht, was zu einer Scheidungsschlacht mit Macs Vater führte, der aber wenig später schon bei einem Unfall ums Leben kam.
Und weil sie bereits zwei schreckliche Erfahrungen mit (potenziellen) Freunden und Paparazzi hinter sich hat, will sie während des Spring Break unerkannt in Key West dafür sorgen, dass ihre Jungfräulichkeit Geschichte ist, ohne dass die Presse davon Wind bekommt.
Austin ist Mitte zwanzig und hat ebenfalls eine schreckliche Kindheit hinter sich: Sein Vater war Alkoholiker, misshandelte Frau und Kinder und war für den Tod der Mutter verantwortlich. Nun trägt Austin seit vielen Jahren die Verantwortung für seine jetzt 16-jährige Schwester. Als Barkeeper sorgt er für den Unterhalt seiner kleinen „Familie“.
Doch er kann es kaum glauben, als eines Tages die berühmte Sängerin Mackenzie Forbes vor ihm steht und ihm zu verstehen gibt, dass sie eine Nacht mit ihm verbringen will …

„Between us“ ist Band 1 einer Trilogie mit dem Titel „Sex on the Beach“ zu der drei unterschiedliche Autorinnen eigene Geschichte aus demselben „Universum“ beitragen: Jen McLaughlin (Band 1: Between us; 148 Seiten), Jennifer Probst (Band 2: Beyond me) und Jenna Bennett (Band 3: Before you). Die Kurzgeschichten erzählen die Love Storys dreier Freundinnen, die sich während des Spring Break in Florida amüsieren und unverbindlichen Sex haben wollen. Dass alle drei dabei die große Liebe finden, versteht sich an dieser Stelle von selbst und muss wohl nicht explizit erwähnt werden. Und dass die Figuren nur eindimensionale Schönheiten sind, vermutlich auch nicht.

Band 1 handelt von Mackenzie Forbes, die nach dem Rosenkrieg ihrer Eltern und dem frühen Unfalltod ihres Vaters allein dasteht. Sie hat als Fünfzehnjähre die TV-Sendung Who Sings It Best gewonnen, ihre ersten Musikvideos mit 16 gemacht und ist seither ein erfolgreicher Countrystar – oder auch: America’s Sweetheart. Obwohl sie in ihren Videos nicht allzu zugeknöpft auftritt, ist sie mit 21 immer noch Jungfrau. Ihr Vater hat ihr schon früh eingebläut, wie wichtig ihr Image für das Musikbusiness ist: Never step out of line. Never get caught doing something bad. And never misbehave in public. Schon zweimal hat sie versucht, ihrer Jungfräulichkeit „abzuhelfen“, doch beide jungen Männer haben sie für Geld und Ruhm an die Presse verraten, sodass eigentlich niemand auf den Gedanken kommt, dass sie noch unberührt ist.
Doch jetzt hat sie beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Sie hat ihre zwei besten Freundinnen eingeladen, während des Spring Break mit ihr nach Florida zu reisen – und dort will sie sich (mit gefärbten Haaren, um unerkannt zu bleiben) für einen unverbindlichen One-Night-Stand einen gut aussehenden Mann suchen. Ihre Wahl fällt auf Austin Murphy, der – rein äußerlich – das genaue Gegenteil von ihr ist: groß, muskulös und tätowiert. Eben ein echter Badboy.
Doch Austin ist nicht nur Barkeeper, sondern auch Sänger, und natürlich erkennt er Mackenzie sofort, verrät ihr dies jedoch nicht. Wie sie hat auch er eine schwierige Kindheit und Jugend hinter sich – sogar noch schlimmer als Mackenzie: Sein Vater war ein Schläger und Säufer, der die Schuld am Tod der Mutter trägt. Als er nicht nur Austin verprügelte, sondern auch dessen jüngere Schwester Rachel, setzte dieser sich zur Wehr. Das Ganze eskalierte schließlich im Selbstmord des Vaters, der sich vor den Augen von Rachel eine Kugel in den Kopf gejagt hat – nicht ohne vorher auf sie zu schießen. Da sie damals erst 14 Jahre alt war, kümmert er sich seither um sie. Er hat die Schule abgebrochen, seinen Traum, Sänger zu werden, an den Nagel gehängt und jobbt als Barkeeper in Key West. Trotz all meiner Kritikpunkte an dieser Geschichte konnte ich Ashton durchaus auch sehr positive Seiten abgewinnen. Als es nämlich darum geht, ob er ein gemeinsames Leben mit Mackenzie in Betracht zieht, macht er ihr sofort deutlich, dass seine Schwester für ihn Priorität hat und dass er nicht bereit ist, sie (erneut) aus der gewohnten Umgebung zu reißen.
Als die berühmte Countrysängerin Mackenzie Forbes vor ihm steht und ihm Avancen macht, kann er dennoch sein Glück kaum fassen. Zwar kommt es zum obligatorischen Missverständnis, als sie erfährt, dass Austin ihre Verkleidung durchschaut hat, aber sie beschließt, ihm dennoch zu vertrauen – und ihre Jungfräulichkeit an ihn zu verlieren. In der ersten Nacht lehnt er ihr Angebot heldenhaft ab, denn sie hat schon ein paar Cocktails intus, und er will ihre Willigkeit nicht auszunutzen. In der zweiten Nacht geschieht es dann aber. Und natürlich ist der Sex weltbewegend, Sterne explodieren vor ihren Augen (nope, das habe ich mir nicht ausgedacht – steht so im Buch), und die Nacht ist viel zu kurz für all das, was die beiden alles tun wollen. 🙂 Weshalb sich der One-Night-Stand zu einer More-Nights-Einrichtung mit großartigem Sex und noch viel mehr Spaß und Kennen- bzw. Liebenlernen entwickelt, denn:

He kissed the tip of my nose, then sobered up. „You really love me?“
„I really do. I think I have since the first time you kissed me, but it took me this long to be sure. I didn’t want to rush into anything, or rush you into anything before you were ready.“

Mackenzie ist schon nach drei Tagen bereit, ihr Studium in Chicago und ihre Freunde hinter sich zu lassen, um mit Austin und seiner Schwester ein neues Leben zu beginnen. Höflich gesprochen war ich darüber etwas irritiert, bis mir klar wurde, dass wir es hier ja mit einer für ältere Teens verfassten Kurzgeschichte zu tun haben, und natürlich bricht dort die große Liebe schon beim ersten Blick aus und natürlich hält diese Liebe für alle Zeiten und natürlich zieht man mit Sack und Pack gleich beim Geliebten hat. Sorry, dass ich nicht gleich erkannt habe, dass nicht die Geschichte bzw. die handelnden Figuren ein Problem haben, sondern ich.
Und natürlich ist Austin ja nur rein äußerlich ein echter Badboy, aber in Wahrheit natürlich ein durch und durch vertrauenswürdiger, großherziger [insert noch viele andere positive Adjektive] Bruder, der nur für den Lebensunterhalt als Barkeeper arbeitet, aber in Wahrheit natürlich ein richtig guter Sänger ist, der gleich in Mackenzies Vorprogramm auftreten darf, und noch nie hat er sich einer Frau so geöffnet, wie er sich ihr in den wenigen Tagen öffnet. Was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht: There was something in the way he made me feel, the way he treated me, that told me he wasn’t like any other man. He would be the guy I measured every other guy up against in the future, and they’d all be found lacking. Äh, ja, natürlich.

Mein Fazit: Ehrlich? Dazu muss ich jetzt noch was sagen? Wenn ihr 15 seid, findet ihr die Geschichte bestimmt wahnsinnig romantisch. Wenn ihr älter seid, wisst ihr, dass diese Anhäufung von positiven Stereotypen im wahren Leben nicht vorkommt. Und ich habe mich noch nicht einmal dazu geäußert, dass ich es nicht besonders verantwortungsvoll finde, wenn Autorinnen in Kurzgeschichten für (ältere) Teens anonymen Sex propagieren …

Veröffentlicht in Belletristik

C. S. Pacat: The Summer Palace (A Captive Prince Short Story #2)

pacat-kurzgeschichte„The Summer Palace“ setzt nach dem Ende der „Prinzen-Trilogie“ ein und fungiert gewissermaßen als eine Art ausführlicher Epilog. Lauren und Damen haben ihre Widersacher besiegt, Letzterer hat sich von seinen schweren Verletzungen erholt, beide beginnen, sich nun in ihrer jeweiligen neuen Stellung einzurichten, und treffen sich nun im Palast am Meer.

Dass die australische Autorin C. S. Pacat sich dazu entschlossen hat, der Trilogie noch eine Kurzgeschichte von ca. 30 Seiten (im englischen Original) anzufügen, war durchaus eine gute Idee. Da die Trilogie nach dem Showdown im letzten Kapitel doch etwas abrupt endet, ohne den Leser noch einmal durchatmen zu lassen, in dem sie ihm auf wenigstens ein, zwei Seiten schildert, was nach dem Showdown in Ios mit den handelnden Personen und in politischer Hinsicht geschieht.

Aber als Kurzgeschichte (und als solche wird sie ja verkauft) funktioniert „The Summer Palace“ meines Erachtens nicht wirklich. Ich hatte mir erhofft, dass die Handlung der Trilogie noch etwas weitergeführt wird oder dass die Darstellung der beiden Protagonisten noch etwas vertieft wird. Aber leider geschieht genau das nicht wirklich. Stattdessen liefert die Autorin nur ausführliche Waschszenen und ein wenig 6 – der allerdings auch nicht besonders … aufregend war.

Mein Fazit: Ich schreibe nur ungern etwas Negatives über eine Trilogie, die ich wirklich mochte. Aber leider kam mir die Kurzgeschichte nur wie austauschbare Fanfiction vor, die auch ein beliebiger Hobbyautor hätte schreiben können.