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Julie Kagawa: Plötzlich Fee – Sommernacht (1)

kagawa-ploetzlich-fee1Schon immer hatte Meghan das Gefühl, dass irgendetwas in ihrem Leben nicht stimmt. Aber als sie an ihrem sechzehnten Geburtstag einen geheimnisvollen Jungen entdeckt, der sie aus der Ferne beobachtet, und als ihr bester Freund sich auf einmal merkwürdig verhält, muss sie erkennen, dass offenbar ein besonderes Schicksal auf sie wartet. Doch nie hätte sie geahnt, was wirklich dahintersteckt: Sie ist die Tochter des sagenumwobenen Feenkönigs Oberon, dem Herrscher des Sommerreiches.
Als ihr kleiner Bruder entführt und durch einen Wechselbalg ersetzt wird, überschlagen sich die Ereignisse. Ihr bester Freund Robbie entpuppt sich als Puck, den sie bis dahin nur für eine literarische Figur aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ gehalten hat. Er hilft ihr, nach Nimmernie zu gelangen, in die Feenwelt, wo sich beide auf den Weg in das Winterreich begeben, denn sie vermuten, dass Oberons Rivalin Königin Mab hinter dem Verschwinden des kleinen Jungen steckt. Und schon gerät sie zwischen die Fronten eines schon lange währenden magischen Krieges.
Ehe sie sich’s versieht, verliebt sie sich unsterblich in den jungen Ash – den dunklen, beinahe unmenschlich schönen Prinzen des Winterreiches. Er weckt in Meghan Gefühle, die sie beinahe vergessen lassen, dass er ihr Todfeind ist. Wie weit ist Meghan bereit zu gehen, um ihre Freunde, ihre Familie und ihre Liebe zu retten?

„Plötzlich Fee – Sommernacht“ ist Band 1 der „Plötzlich Fee“-Reihe der Amerikanerin Julie Kagawa. Und ein echter Pageturner. Doch vor dem „Good“ erst einmal das „Bad“:
Das Schema des Buches ist nichts Neues – im Gegenteil: Willkommen im Land der literarischen Klischees. Ein unscheinbares, aber unglaublich naives Teeniemädel entpuppt sich als wunderschönes übernatürliches Wesen (in diesem Fall ein Feenhalbblut) mit besonderen Kräften, dank derer sie die Welt vor dem Untergang bewahrt. Unglücklicherweise handelt sie genau so, wie die 16-jährigen Mary Sue in solchen Romanen sich immer verhält: Sie betritt eine für sie völlig neue Welt, aber statt auf den Rat von Puck zu hören, der ihr immer wieder sagt: „Das solltest du nicht tun … tu das auf keinen Fall … Du solltest niemals …“, weiß sie es natürlich besser und ist für einen Großteil der Schwierigkeiten, die ihr zustoßen, selbst verantwortlich. Allerdings wirft man ihr dies nie vor. Ihr zur Seite stehen – Achtung, Love Triangle! – zwei unglaublich gut aussehende Jungs, die natürlich bis über beide Ohren in das Mädchen verliebt sich. Für welchen von beiden wird sie sich entscheiden? Natürlich für den, der besonders gefährlich daherkommt, der besonders kalt und abweisend zu ihr ist. Großartiges Vorbild für die jugendliche Leserin! *thumbs up* (Ironie-Modus) Aber für beide Jungs gilt: Wer wird einen heldenhaften Tod sterben oder für seinen heldenhaften Verzicht wie belohnt? Charakterentwicklung? Fehlanzeige. Mmpf.
Nichtsdestotrotz hatte ich viel Spaß beim Lesen – Asche auf mein Haupt. Ich schätze einfach Julie Kagawas Stil sehr, den ich bereits aus ihren „Unsterblich“-Romanen kenne. Sie schreibt nicht allzu komplex, sondern sehr locker und bildhaft und versteht es, eine neue Welt (oder in diesem Fall Welten) zu erschaffen, die vor dem inneren Auge des Lesers Wirklichkeit werden. Wunderhübsche Feen, gefährliche, verführerische Satyrn, brutale Dunkerwichtel, Wesen, die an Spinnen oder Äste erinnern … Die Bevölkerung von Kagawas Feenwelt ist bunt und faszinierend und gefährlich. Dabei bedient sie sich übrigens u. a. bei „Sommernachtstraum“, „Alice im Wunderland“, „Narnia“ oder auch „Eragon“.
Die Story an sich ist actionreich und kommt nahezu ohne Längen aus. Die Heldin erlebt zahllose Abenteuer – wenn sie auf ihre Begleiter hören würde, wären es aber sicher nur halb so viele. 😉

Mein Fazit: Ich bin mir der negativen Seiten durchaus bewusst (siehe oben), aber ich habe mich einfach köstlich unterhalten gefühlt. Und wenn man über das seitenlange Herumgejammere der Heldin ach ihres Schicksals (oder „Er liebt mich nicht“) etwas großzügig hinwegliest, bekommt man eine tolle, spannende Geschichte, die den Alltag versüßt. Ich habe einfach eine Schwäche für Liebesgeschichten und „tall, dark and handsome“. 😉

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Sandra Regnier: Pan-Trilogie

regnier pan-trilogieAls der über alle Maßen gut aussehende Leander „Lee“ FitzMor an ihrer Schule auftaucht, ist die siebzehnjährige Felicity Morgan wahrscheinlich das einzige Mädchen, das sich nicht für ihn interessiert. Schließlich hat sie wirklich ganz andere Probleme, als sich über den Frauenschwarm den Kopf zu zerbrechen. Da wären zum einen der schlecht laufende Pub ihrer Mutter, in dem sie fast jede Nacht aushelfen muss, zum anderen der in illegale Machenschaften hineingezogene Bruder und nicht zuletzt ihr Übergewicht und ihre blöde Zahnspange.
Doch was sie nicht weiß: Es gibt eine jahrhundertealte Prophezeiung, die besagt, dass Fay entweder die Rettung oder aber der Untergang der Elfenwelt bedeutet. Mit ihrer Geburt sollen die sogenannten Insignien Pans verschwunden sein, und nur ihr sei es vergönnt, diese wiederzufinden. Doch das ist noch nicht alles: Sie ist laut Prophezeiung auch dazu bestimmt, einen illegitimen (Halb-)Elfen zu heiraten: Lee.
Nicht nur die Elfen haben lange auf ihre Geburt gewartet. Auch die mit ihnen verfeindeten Drachen(-Kinder) sind im Besitz einer Prophezeiung, und darin heißt es, dass die Seite, für die sich Fay entscheidet, auch den Kampf zwischen den beiden Parteien gewinnen wird. Und so findet sie sich schließlich gegen ihren Willen in einer uralten Auseinandersetzung zwischen Elfen und Drachen wieder …

Ich bin durch eine Rezension in einem Blog über die Trilogie gestolpert und war froh zu sehen, dass man alle drei Bände zusammen als E-Book erwerben kann. Ich hätte mich wahrscheinlich auch sehr geärgert, wenn die Trilogie noch nicht abgeschlossen gewesen wäre oder ich nach der Beendigung eines Buches erst noch das nächste hätte kaufen müssen, denn die Bände 1 und 2 enden mit Cliffhangern. Und bevor ich meinen spitzen Stift hervorhole und ein paar deutliche Worte zu einigen Dingen sage, die mich gestört haben, möchte ich vorausschicken, dass ich die Geschichte wirklich mochte und sie in zwei Tagen verschlungen habe. Ich bin Romantikerin genug, dass eine schön geschriebene Geschichte über eine geweissagte Liebesbeziehung zwischen einem (zunächst) normalen Mädchen und einem (Halb-)Elfen auf jeden Fall mein Interesse weckt. Und eigentlich hat die Geschichte mich auch nicht enttäuscht. Natürlich war vorauszusehen, dass es ein Happy End geben würde (und auch nahezu ohne einen bitteren Beigeschmack, wie das heutzutage in dystopischen oder Fantasy-Trilogien üblich ist). Aber das war auch nicht schlimm – die bis dahin erlebten Abenteuer sind es, die zählen. 🙂 Und die Figuren, die diese Abenteuer erleben.

Felicity (aka Fay) ist 17, leicht übergewichtig, Zahnspangenträgerin und lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter. Ihre beiden älteren Geschwister sind bereits ausgezogen. Anne ist verheiratet, hat ein Kind und erkannt, dass das wohl alles ist, was sie in ihrem Leben zu erwarten hat. Auch Philip bekommt sein Leben nicht auf die Reihe; er ist ein Spieler, der Felicity durch seine Schulden in Gefahr bringt. Und Felicity selbst? Sie träumt davon, Lehrerin zu werden, steht aber Nacht für Nacht hinter dem Tresen im Pub ihrer Mutter und taucht fast jeden Morgen unausgeschlafen und ungeduscht im Unterricht auf. Alles andere als eine Retterin der übernatürlichen Welt. Aber gerade dadurch schafft die Autorin natürlich ein hohes Identifikationspotenzial für die Leserin – sie ist vermutlich die personifizierte Mary Sue (no offense), denn viele von uns sind oder fühlen sich zu dick, die Haare liegen nicht, wir rennen Träumen hinterher, und wer wäre nicht das Objekt der Liebe eines gigantisch gut aussehenden Elfen jungen Mannes? Und würde sich nicht auch gern als etwas Besonderes entpuppen?

Und Lee ist nicht nur ein extrem gut aussehender Zeitgenosse, er ist auch noch eine Art James Bond von Anderwelt, der immer wieder Zeitreisen unternimmt, um irgendwelche historischen Ereignisse zu korrigieren oder Kriminalfälle zu lösen. Und natürlich liegen ihm die Frauen (und Elfinnen und Nymphen und vermutlich auch alles andere) regelrecht zu Füßen. Wenn die Autorin dies einige hundert Mal weniger erwähnt hätte, wäre es mir sicher auch klar gewesen. 🙂 Im Gegensatz zu Felicity weiß er, dass sie füreinander bestimmt sind; deshalb wird er Schüler an ihrem College, um sie näher kennenzulernen. Und während er aufgrund ihres Aussehens zunächst enttäuscht ist, verliebt er sich natürlich nach und nach in sie, als er merkt, wie selbstlos und loyal sie ist.

Komplettiert wird das Figurenkabinett noch von ihren Freunden sowie von Ciaran und Eamon, zwei von Lees Vettern. Vor allem Ciaran entpuppt sich im Verlauf der Geschichte als ein doch viel facettenreicher Charakter, als ursprünglich angenommen (mehr kann ich nicht sagen … Spoileralarm); Eamon dient zumindest ansatzweise als eine Ecke eines Liebesdreiecks, das aber nicht wirklich sehr ausgeprägt ist.

Erzähltechnisch war ich, wie gesagt, froh, dass mir gleich alle Bände der Trilogie vorlagen. In Band 1 werden die Charaktere eingeführt, es wird deutlich, dass Fay besondere Fähigkeiten besitzt (aber nicht, warum), eine Prophezeiung wird erwähnt … aber mehr auch nicht. Ich wäre sicher enttäuscht gewesen, wenn mir nur dieses erste Buch zur Verfügung gestanden hätte. Zum einen kam es mir so vor, als hätte man einiges durchaus straffen können. Zum anderen gab es hier ein Problem, das es oft in Romanen gibt: Die Hauptakteure reden nicht miteinander. Lee redet um den heißen Brei herum, wenn Fay gezielt nachhakt, antwortet er ausweichend. Und Fay wiederum erlebt seltsame Dinge, redet aber mit niemandem darüber, selbst als deutlich wird, dass Lee ihr vielleicht weiterhelfen kann. In anderen Kapiteln der Trilogie hat das übrigens besser geklappt, wenn Lee Fay davon abhält, aus einer Situation zu flüchten. In diesen Situationen besteht er darauf, dass sie über bestimmte Probleme sprechen. Das kommt in Romanen viel zu selten vor. Stattdessen muss man dann als Leser erleben, dass die Protagonisten viele Kapitel brauchen, bis sich Missverständnisse geklärt haben.

In Band 2 erfährt man dann mehr, unsere Heldin geht auf (weitere historische) Reisen, es gibt Action und Humor (ich sage nur: keine Unterwäsche!) und unerwartete Wendungen, und ich habe die Kapitel wirklich verschlungen. Natürlich gibt es auch das obligatorische Hin und Her zwischen Fay und Lee: Einerseits kann sie sich nicht seinem Charme entziehen, ist aber andererseits auch abgeturnt, weil er in ihrer Gegenwart mit allen Frauen flirtet, die ihm über den Weg laufen. Wenig erwachsen, wenn man bedenkt, dass er schon über 300 Jahre alt ist (hatte ich ja noch gar nicht erwähnt). Ganz zu schweigen davon, dass es mir schleierhaft war, wie er erwarten kann, dass sie sich – wie von der Prophezeiung angekündigt – in ihn verliebt, wenn klar ist, dass er seine Zuneigung so breitflächig verteilt. Aber natürlich verliebt er sich ja wirklich in sie und flirtet nur aus beruflichen Gründen mit anderen Frauen. Ähem. Als Leserin weiß man natürlich, dass aus den beiden noch etwas werden wird, aber rein realistisch betrachtet, machen die es sich auch sehr schwer. Stichwort mangelnde Kommunikation: Lee verschwindet wochenlang, und Fay sieht in diversen Visionen, dass er angekettet in einer Höhle hängt. Warum spricht sie nicht wenigstens mit Ciaran darüber? Wenn ihre Verzweiflung wirklich so groß ist, wie man uns glauben machen will, warum wendet sie sich dann nicht an den Elfen, den sie tagtäglich in der Schule trifft?!

In Band 3 spielen dann die Insignien Pans eine größere Rolle – allerdings fand ich diesen Teil etwas überstürzt und verwirrend. Sind es nun drei oder vier oder sogar sieben? Welches sind die echten, welches Fälschungen? Und natürlich endet die Geschichte dann auch mit einer großen Entscheidungsschlacht, den obligatorischen Verrätern und Opfertoden … Man sitzt wirklich auf der Stuhlkante, weil diese letzten Kapitel sehr actionreich sind, sich vieles aufklärt, und natürlich kriegen sich unsere beiden Helden auch und leben glücklich bis an ihr Lebensende … 😉

Auch wenn in diesen Absätzen viel Kritik mitschwingt, habe ich die Geschichte wirklich sehr genossen und würde sie weiterempfehlen – ich würde auch auf jeden Fall zur Trilogie-Ausgabe greifen. Die Autorin hatte viele schöne Einfälle und Wendungen, die Zeitreisen waren sehr schön beschrieben (gerne mehr davon!), und die Figuren boten ein hohes Identifikationspotenzial, wenn sie sicher auch nicht allzu facettenreich waren. Aber das war okay, wenn ich so etwas lesen möchte, greife ich nicht zu YA-Fantasy. Auch die Schreibe der Autorin ist angenehm. Leicht und ohne allzu viele Beschreibungen, aber die Geschichte richtet sich ja auch an Teens ab 14 Jahren, die fühlen sich hier sicher zu Hause.

Was mich an dieser Trilogie aber aus handwerklicher Sicht geärgert hat: Sie wurde grottenschlecht Korrektur gelesen. Sorry, wenn ich das so deutlich sage. Ich habe kein Problem damit, wenn mal ein Komma fehlt oder ein Rechtschreibfehler auftritt – niemand ist perfekt, und die Trilogie ist ja mit knapp 900 Seiten sehr umfangreich. Aber ich habe schon seit Langem kein Buch mehr gelesen, in dem so viele Kommata fehlten oder so offensichtlich falsch gesetzt waren! Ganz zu schweigen von „normalen“ Rechtschreibfehlern in Form von fehlenden Buchstaben oder fehlenden Wörtern. Hinzu kommen noch grammatikalische Fehler und ein Deppenapostroph … Was mich aber am meisten verärgert hat: die in Buch 1 und 2 inflationäre Verwendung von „die Augen rollen“. Nicht genug, dass die handelnden Figuren dies gefühlt ständig tun, diesen Begriff gibt es schlicht im Deutschen nicht (und die Autorin ist Deutsche!). Er geht auf das englische „to roll one’s eyes“ zurück, der aber im Deutschen mit „die Augen verdrehen“ übersetzt wird. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Überkreuzen der Arme, was einige Figuren hin und wieder tun. Nein, im Deutschen überkreuzt man die Arme nicht, man verschränkt sie. Solche Sachen hätten spätestens im Lektorat überarbeitet werden müssen, was aber offensichtlich nicht geschehen ist. Das gilt ebenfalls für einige andere sprachliche Unschönheiten. Schade. Auch hier gilt: Ich erwarte keine Perfektion – gerade im Jugendliteraturbereich nicht. Und jeder von uns hat Wendungen, die er einfach gern und oft benutzt, und solche, auf die er „allergisch“ reagiert. Hier wurde aber imho einfach nachlässig gearbeitet.

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Cassandra Clare: City of Ashes (Chroniken der Unterwelt 2)

„City of Ashes“ setzt dort ein, wo „City of Bones“ geendet hat:

Valentin hat einen jungen Hexenmeister bezahlt, damit dieser Agramon, den Dämon der Angst, heraufbeschwört – was der junge Magier mit dem Leben bezahlen wird. Dem Schattenjäger selbst kann der Dämon nichts anhaben, da Valentin im Besitz des Kelches der Engel ist, was ihm Macht über den Dämon verleiht.
Nachdem ihre Mutter nach der Entführung durch Valentin im Krankenhaus in einer Art Koma liegt, lebt Clary mittlerweile bei Luke, während Jace nach den Ereignissen von „City of Bones“ von Maryse Lightwood aus dem Institut geworfen wird und ebenfalls zunächst bei Luke unterkommt, als er einen Streit in einer Werwolfbar vom Zaun bricht. Die Ereignisse überschlagen sich, als die Inquisitorin nach New York kommt, um die Ereignisse um Valentin zu untersuchen. Nachdem Jace sie verärgert hat (und da er der Sohn von Valentin ist), lässt sie ihn in der Stadt der Stille ins Gefängnis werfen. Eines Nachts vernimmt er die Schreie der Stillen Brüder, die das Schwert der Engel (ein weiteres Heiligtum der Schattenjäger) hüten. Valentin ist in die City of Bones eingedrungen, hat die Bruderschaft ermordet und das Schwert an sich genommen – ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Vernichtung der Ordnung der Schattenhüter -, nicht jedoch, ohne vorher Jace das Angebot unterbreitet zu haben, an seiner Seite zu kämpfen. Jace lehnt ab.
Clary, Isabelle und Alec gelingt es schließlich, ihn zu befreien, er wird jedoch von der Inquisitorin bei Magnus Bane (dem Hexenmeister von Brooklyn) unter Hausarrest gestellt. Dennoch beschließen sie, der Einladung der Elfenkönigin an den Lichten Hof zu folgen, um sich deren Unterstützung im Kampf gegen Valentin zu versichern. Doch leider geht das Treffen nicht so aus, wie die Freunde sich dies erhofft haben. Stattdessen endet es in einem Streit zwischen Jace und Clary – und Simons verzweifelter Entscheidung, sich in das Hauptquartier der örtlichen Vampire zu begeben, was wiederum mit seiner Verwandlung in ein Geschöpf der Nacht endet …
Jace sucht Valentin auf, um mehr über dessen Pläne zu erfahren, und dieser bietet ihm erneut auf, auf seiner Seite zu kämpfen. Und abermals lehnt Jace ab. Schließlich kommt es zu einem Showdown zwischen Valentin und seinen Dämonen auf der einen und den Schattenjägern auf der anderen Seite, den nicht nur viele mit dem Leben bezahlen müssen, sondern der auch für Clare und Simon einige überraschende Wendungen mit sich bringt.

„City of Ashes“ ist der zweite Roman in den Chroniken der Unterwelt. Er ist wieder sehr gut geschrieben (sprachlich besser als vieles, was sonst auf dem Markt ist), actionreich und packend. Auch dieser Roman ist frei von Längen – und mit seinen knapp 480 Seiten immer noch zu kurz. 🙂 Die relevanten Charaktere bekommen neuen Facetten und dürfen sich glaubwürdig weiterentwickeln: Clary wird langsam zu einer Schattenjägerin, entdeckt ihre besonderen Fähigkeiten und beschließt, sich im Beziehungsdreieck (Clary – Simon – Jace) für Simon zu entscheiden, nachdem ans Licht gekommen ist, dass sie und Jace offenbar Geschwister sind. Dennoch ist diese Situation für alle Beteiligten schwierig und endet für Simon mit der sehr überstürzten, dummen Entscheidung, einen Selbstmordversuch zu unternehmen (indem er sich in das Vampirhauptquartier begibt), als er erkennen muss, dass Clarys Liebe weiterhin Jace gehört. Dieser muss sich nicht nur mit der verbotenen Zuneigung zu Clary auseinandersetzen, sondern auch mit dem Misstrauen vonseiten der Inquisitorin und der Ablehnung durch seine Ziehmutter Maryse. Seine Ziehschwester Isabelle hingegen darf in diesem Roman lernen, dass andere Mädchen/Frauen nicht unbedingt Konkurrenz sind, sondern verlässliche Freunde sein können, während ihr Bruder Alec im Verborgenen seine Beziehung zu Magnus Bane vertieft. Kurzum: Cassandra Clare hat Charaktere geschaffen, mit denen man wirklich mitfühlen, mitleiden und mitkämpfen kann – und zwar nicht nur mit den beiden Hauptfiguren, sondern auch mit den Nebenfiguren.

Fazit: Unbedingte Leseempfehlung! Und am besten gleich den abschließenden Band „City of Glass“ mitbestellen, damit die Wartezeit nach Beendigung von Band 2 nicht so lang ist. 🙂

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Tad Williams: Der Blumenkrieg

Theo hat eine Pechsträhne, wie sie im Buche steht: Nicht nur, daß er irgendwie das Gefühl hat, „nicht von dieser Welt“ zu sein, daß er im Alter von 30 Jahren immer noch in einer erfolglosen Rockband singt – zu allem Überfluss wirft ihn seine Freundin aus der gemeinsamen Wohnung, nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten hat, und als er dann wieder bei seiner Mutter einzieht, wird bei dieser eine unheilbare Krankheit diagnostiziert. Obwohl sie sich nie allzu gut verstanden haben, sieht sich Theo verpflichtet, seine Mutter zu pflegen, und verliert darüber auch noch seinen Job als Sänger. Als er seine Mutter schließlich beerdigt hat, findet er in ihrem Nachlaß einen Hinweis auf seinen Onkel Eamonn, der ein Weltenbummler war und augenscheinlich seine Memoiren niedergeschrieben hat. Theo verkauft sein Elternhaus und erwirbt von dem Erlös eine abgelegene Jagdhütte. Dort schmökert er in den Erinnerungen seines Onkels, die aber eher Fiktion zu sein scheinen, beschreibt dieser doch eine Welt der Elfen und Goblins.
Nach einigen Tagen erfährt Theo, daß die neuen Besitzer seines Elternhauses brutal ermordet wurden, und hat plötzlich das Gefühl, daß ihn jemand beobachtet. Wenig später schwebt dann plötzlich eine etwa 15 Zentimeter große Elfenfrau namens Apfelgriebs vor ihm, die so gar nicht den traditionellen Vorstellungen von Elfen entspricht, sondern eine eher „blumige“ Sprache spricht und ein mehr als selbstbewußtes Verhalten an den Tag legt. Sie offenbart ihm, daß jemand hinter ihm her ist und daß ihr Elfenherr ihr befohlen hat, Theo in das Elfenland zu bringen. In diesem Augenblick steht auch schon ein Monster vor der Tür, das Theo offenbar töten will, so daß dieser nur wenig Einspruch erhebt, als Apfelgriebs ein Tor in die andere Welt öffnet und ihn auffordert, mit ihr hindurchzugehen.
Auf den ersten Blick scheint diese Welt einem Märchen entsprungen, denn hier leben Elfen, Trolle und zahllose andere Wesen, für die Theo nicht einmal einen Namen hat. Aber nicht alles entspricht seinen Vorstellungen von einem Märchenland, denn es gibt auch eine Art Wagen, Züge, Fabriken – und ein Parlament, in dem die verschiedenen Fraktionen der herrschenden Elfenklasse um die Vormachtstellung streiten. Allen voran die sechs herrschenden „Blumen“, das heißt Elfenclans. In diesen Konflikt wird Theo hineingezogen. Aus irgendeinem Grund haben es einige dieser Clans auf ihn abgesehen, während andere sich neutral verhalten oder bereit sind, die Interessen der Menschen zu unterstützen.
Theo lernt sehr schnell, daß er niemandem außer Apfelgriebs trauen kann, daß selbst die Elfen, die bereit sind, ihn bei sich aufzunehmen, eigene Pläne verfolgen. Und plötzlich wenden sich die Blumen gegeneinander und greifen zu Mitteln, die im Elfenland eigentlich verboten sind. Schließlich bricht ein neuer Krieg aus, und die Bewohner dieses Landes müssen lernen, daß auch vermeintlich gegnerische Wesen Verbündete sein können. Aber noch immer ahnt Theo nicht, was diese Auseinandersetzung mit ihm zu tun hat, bis er plötzlich vor jemandem steht, der eigentlich tot sein sollte …

Nach seinem aufwendigen SciFi-Werk „Otherland“ hat Tad Williams mit „Der Blumenkrieg“ nun endlich wieder einen einbändigen, allerdings immer noch über 800 Seiten starken Fantasy-Schmöker vorgelegt, in dem er den Leser in die Welt der Elfen, Goblins und pferdeköpfigen Wesen entführt. Wer allerdings erwartet, eine heile Welt vorzufinden oder die traditionellen Vorstellungen dieser Wesen, der ist auf dem Holzweg. Tad Williams schildert eine Märchenwelt, die sich im Grunde gar nicht so sehr von der unseren unterscheidet. Es gibt Autos, Bars und Szenekneipen, Bahnhöfe und Züge, ein wahres Moloch von Stadt und eine mehr oder weniger gut funktionierende Industrie.
Je weiter die Industrialisierung in der Menschenwelt voranschritt, desto schwächer wird die Magie in der Elfenwelt, so daß auch die Elfen gezwungen waren, eine Art industrielle Revolution durchzumachen. Und wie auch in der Menschenwelt gibt es kein mehr oder weniger harmonisches Miteinander der Lebewesen mehr, sondern je weiter die Industrielisierung voranschritt, desto stärker prägten sich auch die gesellschaftlichen Gegensätze aus. Es gibt eine herrschende aristokratische Elite von Elfen (die sechs Blumen-Familien), daneben noch diverse niedere Elfen, die bestimmte Dienste verrichten oder – im schlimmsten Fall – in der Fabrik „arbeiten“ und durch ihre magischen Fähigkeiten die „Stromversorgung“ im Land gewährleisten. Dies alles eröffnet Tad Williams natürlich wunderbar die Gelegenheit, unserer Gesellschaft einen wenig schönen Spiegel vorzuhalten und Seitenhiebe auszuteilen.
Auch die von Tad Williams liebevoll gezeichneten Figuren sind sehr interessant und kreativ. Er hat ihnen Namen gegeben, die entweder zu ihrer jeweiligen sozialen Schicht bzw. Aufgabe passen und so die Erwartungshaltung des Lesers erfüllen oder dieser diametral widersprechen. Beispielsweise „Kleiderhaken“ (ein Goblin), „Püppchen“ (eine Ogerin), Martha Moosphlox (die Besitzerin des Gasthauses Feuchtbiotop) oder „Flügelstutzer“ (ein Cocktail). Kleine Anekdoten über die Entstehung von Namen spicken und ergänzen die faszinierende Handlung des Buches noch. An dieser Stelle auch ein dickes Lob an den Übersetzer; es war sicher nicht einfach, sich all diese Begriffe auszudenken.
So, wie auch die Elfenwelt ausgesprochen ungewöhnlich ist, so ist auch der Protagonist Theo ein alles andere als gewöhnlicher Held. Er ist eher ein Antiheld, der mit einem ständigen Staunen im Gesicht durch diese für ihn ungewöhnliche Welt läuft, dumme Fragen stellt und am liebsten jedem Streit aus dem Weg gehen möchte. Statt dessen würde er am liebsten nur Musik machen oder in Kneipen herumhängen. Das macht ihn aber gleichzeitig sehr sympathisch. Er ist genauso unwissend wie der Leser und endlich mal ein Held, mit dem man sich identifizieren möchte, da er alles andere als übermenschlich ist.

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Glenna McReynolds: Stein und Efeu

Wales, 1198: Ceridwen und Dain haben Carn Merioneth verlassen und sind in den Norden gereist. Merioneth wird von den Quicken-Tree übernommen, die Anstrengungen unternehmen, die zerstörte Burg (und somit Drachen und Zeit-Wehre) vor der Außenwelt zu verbergen. Zurück bleibt auch Mychael, der immer stärker spürt, daß Drachenblut in ihm fließt. Doch immer noch tritt der erhoffte Friede nicht ein.
Nun droht von anderer Seite Gefahr: Die Dockalfar – Dunkelelben -, die sich vor Hunderten von Jahren gegen die anderen Elben gewandt und gemeinsame Sache mit dem Trollkönig gemacht hatten, versuchen, sich wieder Zugang zum Zeit-Wehr zu verschaffen. Caerlon, ihr Magier, erweckt den Trollkönig Slott wieder, und beginnt, seine Skraelings (unmenschliche Wesen, die nur zwei Dinge können: kämpfen und fressen – egal, ob Freund oder Feind) in der Umgebung und in den Höhlen unterhalb von Merioneth zu sammeln. Er plant, mit seinen Truppen durch das Zeit-Wehr in der Vergangenheit zu reisen, um die damalige Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Dazu hat er Ailfinn Mapp entführt, die einzige Prydion-Magierin, die unerschöpfliches Wissen und Macht hat. Darüber hinaus greift das Dharkkum um sich, eine schwarze Masse, die alles verschlingt und dem Leben ein Ende machen wird. Und dann gibt es da noch Nennius, einen alten Bekannten von Caradocs Priester, der diesem das Geheimnis der Drachen verraten hatte. Nennius stammt ursprünglich aus der Zukunft und wurde aus Strafe für seine Vergehen, ins 12. Jahrhundert verbannt – und er will nur eines: in die Zukunft reisen und sich an seinen Feinden rächen.
Schließlich schließen sich die Elben-Gruppen zusammen und kämpfen in den Höhlen von Merioneth gegen Dockalfar, Troll und Skraelings. Eine wichtige Rolle spielen dabei Mychael und Llynya, ein Ätherwesen, das auch gewisse Macht besitzt und die mit vereinten Kräften die Drachen zur Rettung herbeirufen und die Feinde besiegen.
Doch Ailfinn, Rhuddlan, Owain (ein Gefährte von Morgan), Varga und Wei (zwei Elben) gehen während des Kampfes gegen das Dharkum verloren.
Und Morgan ab Kynan fällt endlich aus dem Zeit-Wehr. Doch in welcher Zeit ist er gelandet?

Eine pralle Geschichte, mit der sich die Autorin endlich vom Gabaldon-Vorbild löst und mit Elben und Drachen und anderen Fabelwesen eine ganz neue Welt erschafft. Das Buch hat sicherlich seine Längen (vor allem in den Beschreibungen der Höhlengänge) und die erneute Erwähnung von Caradoc, der von den Dockalfar gefangengenommen wird, ist schlicht und ergreifend überflüssig. Sein Part hätte genausogut von einer anderen Figur ausgefüllt werden können. Auch die Liebesgeschichte zwischen Mychael und Llynya erinnert verdächtig an die von Dain und Ceridwen, aber dennoch ist das Buch vor allem in der zweiten Hälfte sehr spannend und unterhaltsam.

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Glenna McReynolds: Kelch und Schwert

Wales, 1183: Während Rhiannon, Nemeton und Rhuddlan in den unterirdischen Höhlen von Merioneth ein geheimnisvolles Ritual durchführen, wird die Burg überfallen und alle Bewohner werden getötet. Alle, mit Ausnahme von Mychael, Ceridwen (den beiden Kindern von Rhiannon) und Moriath (Nemetons Tochter). Moriath bringt den Sohn in ein Mönchskloster, Ceridwen zu Nonnen und verschwindet dann spurlos.

1198: Ceridwen wird von Morgan ab Kynan aus dem Süden von Wales nach Merioneth gebracht, um dort den Schloßherren Caradoc zu heiraten und eine Allianz zu besiegeln. Und eben dieser Caradoc ist für den Tod ihrer Eltern verantwortlich. Ihr gelingt jedoch verletzt die Flucht, und sie wird von dem geheimnisvollen Dain Lavrans, einem Magier, gefangengenommen. Dieser erkennt, daß Ceridwen auch magische Kräfte besitzt, von denen sie jedoch nicht weiß – sie besitzt „den Schlüssel“ zum Tor zu Zeit und Raum und kann zwei mächtige Drachen rufen.
Dain, der zusammen mit Morgan und Caradoc auf einem der Kreuzzüge von Richard Löwenherz war und in der Gefangenschaft Schreckliches erlitten hat, verliebt sich in Ceridwen und weigert sich, diese an Caradoc auszuliefern. Durch seinen Kontakt zu den Quicken-Tree (einer Art Waldelben) erfährt Dain immer mehr über das Geheimnis, das Ceridwen umgibt. Die junge Frau hat sich ebenfalls in Dain verliebt, und in der Nacht von Beltaine kommen die beiden Liebenden schließlich zusammen.
Doch Caradoc bleibt nicht untätig und entführt Ceridwen, denn er will sich ihre Fähigkeiten selbst zunutze machen. In den tiefen Höhlen von Merioneth kommt es schließlich zu einem entscheidenden, erbitterten Kampf zwischen den verfeindeten Gruppen. Mychael taucht wie aus dem Nichts auf und hilft seiner Schwester bei der Auseinandersetzung mit dem Gegner. Doch dann stürzt Morgan in eines der Zeit-Wehre und verschwindet … in der Zeit.

Wenn man das Cover betrachtet, ahnt man schon, was einen erwartet: einen historischen Roman mit viel Liebe. Zu deutlich ist der Roman von der äußern Gestaltung an den Bestseller „Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon angelehnt. „Never change a winning team“, hat sich wohl der Verlag gedacht. Und der Leser wird auch nicht enttäuscht. Ihn erwartet ein gutgeschriebener historischer Roman mit einer netten Liebesgeschichte (sorry, aber mit Jamie und Claire können die beiden nicht einmal annähernd mithalten). Was das Ganze jedoch deutlich von Gabaldon abhebt, ist der Fantasy-Aspekt, in dem der Roman ganz stark auf Elben, Drachen, Zeit-Wehre eingeht, was ausgesprochen faszinierend und neu ist. Wer einen unterhaltsamen Roman für den Urlaub sucht, ist mit „Kelch und Schwert“ gut beraten und wird nicht enttäuscht werden.