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Susan Ee: Angelfall – Nacht ohne Morgen

susan ee angelfall nacht ohne morgenVor sechs Wochen sind die Engel auf die Erde gekommen. Doch sie haben nicht Frieden und Freude, sondern Elend und Zerstörung mit sich gebracht: Weltweit liegen die Städte in Trümmern und die Menschen trauen sich vor Angst kaum noch auf die Straße.
Auch die siebzehnjährige Penryn kämpft mit ihrer schizophrenen Mutter und ihrer im Rollstuhl sitzenden Schwester Paige ums Überleben. Als sie eines Nachts unterwegs sind, werden die drei Zeugen, wie ein Engel mit weißen Flügeln von einer Gruppe anderer Engel angegriffen wird. Nachdem diese seine Flügel abgeschnitten haben und ihm den Todesstoß versetzen wollen, greift Penryn wider besseres Wissen ein. Es gelingt ihr zwar, den schwer verletzten Engel zu retten, doch ihre Mutter ist verschwunden – und ihre Schwester wurde von einem der Angreifer entführt.
Penryn macht sich auf den Weg zum Horst, dem Hauptquartier der Engel, in San Francisco, um ihre Schwester zu befreien. Doch dafür braucht sie Hilfe – und die kommt ausgerechnet von Raffe, dem flügellosen Engel. Dieser ist bereit, sich mit einem der verhassten Menschenkinder zu verbünden, um sich vielleicht doch noch mithilfe seiner himmlischen Brüder die abgeschnittenen Flügel wieder annähen zu lassen …

„Angelfall – Nacht ohne Morgen“ ist Teil 1 von Susan Ees „Angelfall“-Trilogie und ein wahrer Pageturner, den ich innerhalb eines Tages verschlungen hatte. Die Autorin wirft uns direkt in die Geschichte hinein. Die Welt von „Angelfall“ ist postapokalyptisch zerbrochen und voller entsetzlicher Schrecken – nur die Stärksten können am Leben bleiben. Die Engel sind aus dem Himmel und der Hölle auf die Erde gekommen – und sie sind alles andere als barmherzige Boten Gottes oder knuddlige Amore. Sie sind erbarmungslose Krieger, die alles vernichten, was sich ihnen in den Weg stellt – was sieh hier wollen, erfährt man übrigens nicht -, und nach dem Tod ihres Anführers in politische Grabenkämpfe verwickelt sind. Actionreich führt uns Ee durch die düstere Handlung, in die aber durch Penryns Opferbereitschaft immer wieder Licht hineinfällt und Hoffnung. Bis, ja bis die Geschichte am Ende nach vielen Überraschungen, actionreichen Begegnungen und unerwarteten Wendungen und Verrate noch einen erschütternden Bruch zum Horror nimmt, als Penryn im Horst eine fürchterliche Entdeckung macht: Wesen, die noch tödlicher sind als die Engel.

Erzählerisch wirft uns Ee ins kalte Wasser: Wir erfahren sofort, was in den vergangenen Wochen geschehen ist – Naturgewalten, Angriffe, Zerstörung, Tod und Leid … Und wir lernen auf diese Weise beinahe nebenbei auch gleich die ersten drei Figuren kennen: die Mutter, die unter paranoider Schizophrenie leidet und einen Bibel-Knacks hat, die eine ganz eigene Sicht der Realität besitzt und überall Dämonen sieht, immer wieder verschwindet und offenbar für die „Behinderung“ ihrer jüngsten Tochter verantwortlich ist. Diese, die siebenjährige Paige, sitzt nach einem … Unfall mit zwei Jahren im Rollstuhl, ist aber ein sehr lieber Mensch mit einem großen Herzen.
Und schließlich die furchtlose, toughe Penryn (aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird), die alles tut, um auch den letzten Rest ihrer Familie am Leben zu halten. Bis sie den Fehler begeht, einem Engel, den seine himmlischen Brüder gerade töten wollen, helfend zur Seite zu stehen.
Raffe ist zwar ein erfahrener Krieger (und wer erkennt hier nicht sofort, dass er es mit einem bekannten Erzengel zu tun hat …) und aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit auch eine Ausgeburt an Arroganz. Doch Penryns Entschlossenheit und Kampfbereitschaft sowie ihre Loyalität nicht nur zu ihrer Familie, sondern auch zu ihm, einem Feind, lässt ihn nicht kalt. Die Ich-Erzählerin erklärt zwar immer wieder, wie sehr sie Engel hasst, aber jeder Leser weiß spätestens nach der zweiten oder dritten Erwähnung seiner überirdischen Schönheit, seines muskulösen Körpers oder seiner dunkelblauen Augen, dass ihn hier (auch) eine Liebesgeschichte erwartet. Aber da ich eine rettungslose Romantikerin mit einer Schwäche für HEA-Geschichten bin und Susan Ee mir diese Love Story in diesem Einsteigerband sehr dezent und überaus unkitschig liefert (endlich schlägt die Liebe mal nicht wieder der Blitz ein), während sie ihr primäres Augenmerk auf dem Horror dieser Welt voller Engel richtet, sehe ich ihr das gerne nach.

Mein Fazit: Hier stimmt alles: das Tempo, in dem die Geschichte erzählt wird. Die vielschichtigen Charaktere. Die Mischung aus Dystopie, Fantasy, Horror, Liebesgeschichte. Die Luft blieb mir in vielen Szenen schlicht weg – ein sehr gelungenes Debüt! Und überhaupt: Es müsste verboten werden, dass Verlage sechs oder zwölf Monate mit der Veröffentlichung einer Fortsetzung warten! Das fällt wirklich schon in die Rubrik Folter!

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Cassandra Clare: Clockwork Angel (Chroniken der Schattenjäger 1)

London, 1878. Die elternlose junge Tessa ist nach dem Tod ihrer Tante aus New York nach London gereist. Ihr Bruder Nathaniel – ihr letzter Verwandter – hat seine Heimat bereits vor einigen Monaten verlassen, um in England ein neues Leben zu beginnen, und hat seiner Schwester ein Ticket für die Schiffspassage zukommen lassen. In London angekommen, wird Tessa jedoch nicht von ihrem Bruder erwartet, sondern von den Dunklen Schwestern, die sie wochenlang in ihrem Haus einsperren und dazu zwingen, sich mithilfe kleiner Gegenstände in deren (tote) Eigentümer zu verwandeln. Lange glaubt Tessa, dass es sich hier um eine Verwechslung handeln muss – schließlich ist sie ein ganz normaler Mensch und wie soll sie sich da in jemand anderen verwandeln können?! -, doch plötzlich tritt die Verwandlung ein, und die junge Frau muss erkennen, dass sie alles andere als menschlich ist. Sie ist ein Gestaltwander. Und nun soll sie mit dem Magister vermählt werden, so die Dunklen Schwestern, ihrem Herrn.
Zur gleichen Zeit treibt in den dunklen Straßen von Englands Hauptstadt ein mysteriöser Mörder sein Unwesen. Die Schattenjäger Will und James begeben sich auf seine Spur, die sie geradewegs ins Haus der Dunklen Schwestern führt. Als die Schattenjäger dieses stürmen und alles tun, um die beiden Schwestern zu vernichten, stoßen sie auch auf deren Gefangene Tessa. Sie bringen diese in das Institut und helfen ihr dabei, sich von den Schrecken zu erholen. Damit gerät die junge Frau aber gleichzeitig in den immerwährenden Kampf zwischen Vampiren, Hexenmeistern und anderen übernatürlichen Wesen.
Dennoch hilft sie den Schattenjägern dabei, herauszufinden, wer hinter ihrer Entführung und einer Verschwörung steckt, in die die sogenannten Klockwerk-Wesen verwickelt sind, hat sie doch noch immer nichts von ihrem Bruder gehört, der auch irgendwie in die ganze Sache verwickelt ist. Dabei lernt sie den silberhaarigen James kennen, hinter dessen zerbrechlicher Schönheit sich ein tödliches Geheimnis verbirgt, und auch Will, der mit seinen Launen jeden auf Distanz hält – jeden, außer Tessa. Tessa ist völlig hin- und hergerissen und weiß nicht, wem sie trauen soll. Schließlich sind die Schattenjäger ihre natürlichen Feinde …

„Clockwerk Angel“ ist der Auftaktband zu einer neuen Trilogie der Bestsellerautorin Cassandra Clare, der wir auch die „Chroniken der Unterwelt“ (bislang: „City of Bones“, „City of Ashes“, „City of Glass“) zu verdanken haben. Der Roman erzählt im Grunde eine Episode aus der Vorgeschichte der Schattenjäger und der Leser begegnet darin einigen der handelnden Figuren der Chroniken bzw. den Vorfahren der Schattenjäger um Jace Wayland. Die Handlung ist wie gewohnt sehr gut und packend erzählt (gehört aber auch nicht gerade zur anspruchsvollen Literatur), sodass man das Buch streckenweise wirklich nicht aus der Hand legen möchte, wenn die Geschichte erst einmal ins Rollen gekommen ist, was zugegebenermaßen einige Seiten dauert. Interessant war, dass die Autorin sich zum ersten Mal nicht nur auf die übersinnlichen Wesen beschränkt, die man bereits aus den anderen Romanen kennt, sondern mit den Klockwerk-Figuren auch Steampunk-Elemente integriert hat, was das Ganze noch etwas vielfältiger macht. Im Großen und Ganzen gelingt es Cassandra Clare durchaus, eine gewisse düstere Atmosphäre zu schaffen und den Leser auch immer wieder einmal auf die falsche Spur zu führen.
Tessa ist eine glaubwürdige, facettenreiche Figur und entspricht mit ihrem ruhigen, zurückhaltenden Wesen durchaus in gewisser Weise den gesellschaftlichen Vorgaben des viktorianischen Zeitalters. Dennoch ist sie neugierig und entdeckungslustig genug, um die Handlung voranzubringen. James Carstairs fiel mir wohltuend auf, da er endlich einmal kein strahlender Held ist (wenn er auch überirdisch gut aussieht, aber so etwas verzeihe ich gerne :-)), sondern eine faszinierende Lebensgeschichte mitbringt und auch die dunklen Seiten des Lebens kennt und diese nicht einfach so wegstecken kann, wie es viele literarische Helden der YA-Literatur gerne tun. Will Herondale hingegen ist genau das: ein strahlender Held. Man ahnt zwar, dass er ein Geheimnis verbirgt, welches der Handlung/der Figur etwas Tiefe verleihen könnte, aber mehr auch nicht. Insgesamt hat mich aber seine „Ich bin ja sooo toll!“-Einstellung und diese mal extrem feindselige, dann aber auch wieder ungemein charmante Haltung gegenüber Tessa ab einem gewissen Punkt nur noch gestört. Dennoch würde ich behaupten, dass die Hauptfiguren des Romans komplex genug gezeichnet sind, um glaubwürdig zu wirken.
Mein Fazit: Ich fand den Auftaktband zur „Chroniken der Schattenjäger“ nicht ganz so faszinierend und packend wie die „Chroniken der Unterwelt“ – aber durchaus gut genug, um schon ganz gespannt zu sein auf die Fortsetzung.

PS: In einem Postskriptum noch eine Anmerkung zu zwei Dingen, die mir das Lesevergnügen stellenweise etwas verdorben haben: Als Kunde gehe ich eigentlich davon aus, dass so gravierende Zeichensetzungsfehler im U4-Text eines Buches, das 20 Euro kostet, nichts zu suchen haben! Dadurch wirkt die Herstellung des Buches, das im Innenteil relativ fehlerlos ist, doch etwas hingehuscht. Mehr gestört hat mich persönlich aber, dass „Clockwork“ im Buch durchgängig mit „Klockwerk“ übersetzt wird. Das wirkt nicht nur sprachlich unschön, sondern auch, als hätte es ein unerfahrender Übersetzer verpatzt und der verantwortliche Lektor hätte dann auch noch tief und fest geschlafen (was sicher nicht der Fall ist). Für das englische Wort „Clockwork“ gibt es aber durchaus adäquate deutsche Worte, die besser gepasst hätten.

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Cassandra Clare: City of Ashes (Chroniken der Unterwelt 2)

„City of Ashes“ setzt dort ein, wo „City of Bones“ geendet hat:

Valentin hat einen jungen Hexenmeister bezahlt, damit dieser Agramon, den Dämon der Angst, heraufbeschwört – was der junge Magier mit dem Leben bezahlen wird. Dem Schattenjäger selbst kann der Dämon nichts anhaben, da Valentin im Besitz des Kelches der Engel ist, was ihm Macht über den Dämon verleiht.
Nachdem ihre Mutter nach der Entführung durch Valentin im Krankenhaus in einer Art Koma liegt, lebt Clary mittlerweile bei Luke, während Jace nach den Ereignissen von „City of Bones“ von Maryse Lightwood aus dem Institut geworfen wird und ebenfalls zunächst bei Luke unterkommt, als er einen Streit in einer Werwolfbar vom Zaun bricht. Die Ereignisse überschlagen sich, als die Inquisitorin nach New York kommt, um die Ereignisse um Valentin zu untersuchen. Nachdem Jace sie verärgert hat (und da er der Sohn von Valentin ist), lässt sie ihn in der Stadt der Stille ins Gefängnis werfen. Eines Nachts vernimmt er die Schreie der Stillen Brüder, die das Schwert der Engel (ein weiteres Heiligtum der Schattenjäger) hüten. Valentin ist in die City of Bones eingedrungen, hat die Bruderschaft ermordet und das Schwert an sich genommen – ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Vernichtung der Ordnung der Schattenhüter -, nicht jedoch, ohne vorher Jace das Angebot unterbreitet zu haben, an seiner Seite zu kämpfen. Jace lehnt ab.
Clary, Isabelle und Alec gelingt es schließlich, ihn zu befreien, er wird jedoch von der Inquisitorin bei Magnus Bane (dem Hexenmeister von Brooklyn) unter Hausarrest gestellt. Dennoch beschließen sie, der Einladung der Elfenkönigin an den Lichten Hof zu folgen, um sich deren Unterstützung im Kampf gegen Valentin zu versichern. Doch leider geht das Treffen nicht so aus, wie die Freunde sich dies erhofft haben. Stattdessen endet es in einem Streit zwischen Jace und Clary – und Simons verzweifelter Entscheidung, sich in das Hauptquartier der örtlichen Vampire zu begeben, was wiederum mit seiner Verwandlung in ein Geschöpf der Nacht endet …
Jace sucht Valentin auf, um mehr über dessen Pläne zu erfahren, und dieser bietet ihm erneut auf, auf seiner Seite zu kämpfen. Und abermals lehnt Jace ab. Schließlich kommt es zu einem Showdown zwischen Valentin und seinen Dämonen auf der einen und den Schattenjägern auf der anderen Seite, den nicht nur viele mit dem Leben bezahlen müssen, sondern der auch für Clare und Simon einige überraschende Wendungen mit sich bringt.

„City of Ashes“ ist der zweite Roman in den Chroniken der Unterwelt. Er ist wieder sehr gut geschrieben (sprachlich besser als vieles, was sonst auf dem Markt ist), actionreich und packend. Auch dieser Roman ist frei von Längen – und mit seinen knapp 480 Seiten immer noch zu kurz. 🙂 Die relevanten Charaktere bekommen neuen Facetten und dürfen sich glaubwürdig weiterentwickeln: Clary wird langsam zu einer Schattenjägerin, entdeckt ihre besonderen Fähigkeiten und beschließt, sich im Beziehungsdreieck (Clary – Simon – Jace) für Simon zu entscheiden, nachdem ans Licht gekommen ist, dass sie und Jace offenbar Geschwister sind. Dennoch ist diese Situation für alle Beteiligten schwierig und endet für Simon mit der sehr überstürzten, dummen Entscheidung, einen Selbstmordversuch zu unternehmen (indem er sich in das Vampirhauptquartier begibt), als er erkennen muss, dass Clarys Liebe weiterhin Jace gehört. Dieser muss sich nicht nur mit der verbotenen Zuneigung zu Clary auseinandersetzen, sondern auch mit dem Misstrauen vonseiten der Inquisitorin und der Ablehnung durch seine Ziehmutter Maryse. Seine Ziehschwester Isabelle hingegen darf in diesem Roman lernen, dass andere Mädchen/Frauen nicht unbedingt Konkurrenz sind, sondern verlässliche Freunde sein können, während ihr Bruder Alec im Verborgenen seine Beziehung zu Magnus Bane vertieft. Kurzum: Cassandra Clare hat Charaktere geschaffen, mit denen man wirklich mitfühlen, mitleiden und mitkämpfen kann – und zwar nicht nur mit den beiden Hauptfiguren, sondern auch mit den Nebenfiguren.

Fazit: Unbedingte Leseempfehlung! Und am besten gleich den abschließenden Band „City of Glass“ mitbestellen, damit die Wartezeit nach Beendigung von Band 2 nicht so lang ist. 🙂

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Cassandra Clare: City of Bones (Chroniken der Unterwelt 1)

Die fünfzehnjährige Clary führt mit ihrer Mutter Jocelyn ein ganz normales Leben in New York. Als sie jedoch eines Abends mit ihrem besten Freund Simon in den Club „Pandemonium“ geht, erlebt sie etwas, das ihr Leben für immer verändern wird. Sie wird Zeuge, wie drei Jugendliche, die über und über mit seltsamen Tattoos bedeckt sind, einen anderen Jungen in einen Hinterhalt locken und ihn ermorden. Die Leiche verschwindet wie von selbst. Doch das ist nicht alles: Der hinzugekommene Simon und die Mitarbeiter des Clubs können die Jugendlichen im Gegensatz zu ihr nicht sehen.
Wenig später versucht ihre Mutter, sie mit fadenscheinigen Ausreden zu einem spontanen Urlaub zu überreden – ein Urlaub, der eher an eine Flucht erinnert. Doch Clary weigert sich und rennt weg, um sich mit Simon zu treffen. Als sie wiederkommt, ist ihre Mutter verschwunden und die gemeinsame Woche verwüstet. Und Clary wird von einem Monster angegriffen und verliert das Bewusstsein.
Als sie drei Tage später wieder zu sich kommt, hat Jace – einer der Jugendlichen – sie in das sogenannte Institut gebracht. Das New Yorker „Hauptquartier“ der Schattenjäger, die Jagd machen auf Dämonen, die in die Welt eindringen, und andere „Wesen“, die den großen Vertrag zwischen Unterwelt und Welt verletzen.
Clary erfährt kurz darauf, dass auch ihre Mutter Jocelyn eine Schattenjägerin war, die bei einem Aufstand auf der falschen Seite stand und schon in New York lebte, als sie noch mit Clary schwanger war. Darüber hinaus hat sie Magnus Bane – den mächtigsten Hexenmeister der Stadt – gebeten, alle zwei Jahre das Gedächtnis ihrer Tochter zu „versiegeln“, damit diese von ihrem Schattenjäger-Erbe verschont bleibt. Und Clarys Vater ist auch nicht tot, wie ihre Mutter ihr immer weismachen wollte – er ist das Oberhaupt der Verschwörung und auf der Suche nach dem Kelch der Engel, um mit seiner Hilfe neue Schattenjäger zu erschaffen und alle Schattenwesen zu vernichten …

„City of Bones“ ist der erste Band aus den „Chroniken der Unterwelt“ der amerikanischen Autorin Cassandra Clare (Künstlername), erschien im April 2007 und war sowohl in den USA als auch im deutschsprachigen Raum ein großer Erfolg. Er gehört in das Genre Urban Fantasy und versammelt alle Wesen, die man aus dem Bereich der Fantasy so kennt: Hexen, Magier, Vampire, Werwölfe, Elben und viele mehr … Die Grundthemen – Kampf Gut gegen Böse, Ehre und Verrat, Verlust und Liebe – sind sicher nicht neu, aber Clare webt diese in einen ungemein faszinierenden, packenden, actionreichen Fantasyroman ein, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Die Autorin stürzt den Leser sofort in das Geschehen, ohne erst seitenlang eine Exposition zu bemühen. Was der Leser wissen muss, erfährt er gemeinsam mit der Heldin, wenn die Zeit gekommen ist. Das bewahrt den Roman vor unschönen Längen. Clares Beschreibungen von Handlung oder Umwelt sind darüber hinaus sehr anschaulich und ihre Charaktere agieren trotz gewisser Stereotype glaubwürdig. Der Schreibstil ist flüssig, sehr lebendig und durchaus anspruchsvoll genug für Young Adult Literature.
Obwohl die Charaktere wie üblich ausgesprochen gutaussehend sind (sie bedient selbst das Stereotyp, dass die Heldin sich für durchschnittlich hält, aber natürlich doch gutaussehend und mutig ist) und im Grunde keine nennenswerte Entwicklung durchmachen, sondern höchstens einmal ein Tief erleben dürfen, nimmt man dies der Autorin nicht übel, da die Figuren zutiefst sympathisch sind und ihre Probleme und Erfahrungen sich mit der Erfahrungswelt des jugendlichen Leser decken (gerade wenn es um Probleme mit den Eltern oder erste Verliebtheit geht). Übrigens sind (mindestens) zwei der Figuren homosexuell, was im Bereich der Fantasy gewöhnlich ein no go ist.
Fazit: Unbedingt lesen! Und am besten gleich die Fortsetzungen „City of Ashes“ und „City of Glass“ bestellen, damit die Wartezeit nach Beendigung von Band 1 nicht so lang ist. 🙂

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Lauren Kate: Fallen

Seit ihrem siebten Lebensjahr sieht Luce immer wieder mysteriöse Schatten, die sie beobachten, ihr folgen oder ihr sogar zu drohen scheinen. Obwohl ihre Eltern sie immer wieder zu Psychotherapeuten schicken und sie mit Medikamenten vollpumpen, weil sie vermuten, dass ihre Tochter krank ist, ändert das nichts an der Situation – bis Luce irgendwann beschließt, ihnen einfach nichts mehr davon zu erzählen, und so tut, als habe sie erkannt, dass sie sich alles nur eingebildet hat.
Mit siebzehn Jahren lebt Luce schon einige Jahre in einem Nobelinternat, als es zu einem schlimmen Unfall kommt, bei dem ein anderer Schüler sein Leben verliert. Alle glauben, dass Luce hinter den Ereignissen steckt, und so stecken ihre Eltern sie in ein Erziehungsheim. Als Luce an ihrem ersten Tag im Heim – das mehr an ein Gefängnis erinnert – den gutaussehenden Daniel trifft, kann sie das Gefühl nicht abschütteln,dass sie ihn schon irgendwoher kennt. Er ist für sie der einzige Lichtblick an einem Ort, an dem Handys verboten sind, die Schüler alle irgendwie verkorkst sind und man nonstop unter Beobachtung steht. Doch Daniel will nichts mit ihr zu tun haben – das gibt er ihr immer wieder zu verstehen.
Aber Luce gibt nicht auf und beginnt, mit Hilfe einer anderen Schülerin Nachforschungen anzustellen. Was sie dabei herausfindet, ist so unwahrscheinlich, dass sie es kaum glauben kann. Hinzu kommt, dass die Schatten sie auch in dieses Heim verfolgen und ihr das Leben zunehmend schwer machen. Und wieder geschieht ein Unglück …

„Fallen“ ist Buch 1 einer Fantasy-Romance-Tetralogie (Band 2 – Torment – erschien Ende September) und schon das Cover ist ein echter Hingucker! Aber der Inhalt dieser wahrlich ultimativen Lovestory steht dem in nichts nach – einfach überwältigend und spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Autorin packt den Leser bereits mit dem Prolog, der einige Zeit vor der eigentlichen Handlung spielt und bereits andeutet, in welcher Art Beziehung die Protagonisten zueinander stehen, ohne zu viel zu verraten. Obwohl das Buch in sich abgeschlossen ist, bleiben am Ende so viele Fragen offen, dass man die Autorin verflucht (sorry … :-)), weil man es nicht erwarten kann, den zweiten Teil und die Auflösung des Ganzen zu lesen.
Der Handlungsort ist genauso ungewöhnlich wie der Grundgedanke der Handlung (über den ich nichts schreiben werde, um nicht zu viel zu verraten, aber so viel sei gesagt: Er ist definitiv ungewöhnlich und m. W. so noch nicht da gewesen!): ein Heim für Schwererziehbare bzw. straffällige Jugendliche. Die bedrückende Atmosphäre des Heimes spiegelt sich dann auch wunderbar in den Beschreibungen der Räumlichkeiten bzw. der Umgebung wieder, sodass man die düstere Stimmung, die dort herrscht, sehr gut nachempfinden kann.
Die Figuren sind glaubwürdig beschrieben und mit ihren Fehlern und Macken, Sorgen und Freuden durchaus lebensnahm. Dabei gelingt es Kate, sie auch so komplex zu gestalten, dass man selbst am Ende nicht genau sagen kann, wer denn nun die Guten oder die Bösen sind oder ob die Grenzen nicht doch irgendwie verschwimmen.
Mein Fazit: Ein Must Read! Denn die gute Nachricht ist auch, dass Disney die Filmrechte an dem Stoff erworben hat, der durchaus wesentlich mehr Potenzial, Niveau und Komplexität hat als all die Twilight-Romane zusammengenommen (Achtung: Der Link enthält Spoiler!).

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Terry Pratchett/Neil Gaiman: Ein gutes Omen

pratchett_omen2Satan schickt seinen Sohn auf diese Erde, um damit den Weltuntergang herbeizuführen, den dieser einleiten wird, wenn er größer ist – der Kleine ist nämlich der Antichrist. Doch unglücklicherweise wird das Baby im Krankenhaus vertauscht und landet statt beim amerikanischen Botschafter in London bei einem britischen Beamten in der Provinz. Was aber von niemandem bemerkt wird.
Erzirafael und der Dämon Crowley leben jedoch beide seit 6.000 Jahre auf dieser Erde und haben sich ein wenig zu sehr an die Annehmlichkeiten der irdischen Zivilisation gewöhnt. Aus diesem Grund schließen sich beide zusammen, um den Weltuntergang zu verhindern.

Was dabei herauskommt, ist eine völlig abstruse Geschichte, bei der man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt. Hexenjäger sind mit Nadeln auf der Suche nach Hexen. Der Höllenhund wird zu einem reinrassigen Mischling. Atlantis steigt vom Meeresboden herauf. Außerirdische landen … Und irgendwie endet alles ganz anders, als es von Satan und erstaunlicherweise von Gott geplant war. Oder auch nicht …
Fazit: Eine echte Kaufempfehlung für Fans britischen Humors.

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Becca Fitzpatrick: Engel der Nacht

Als Nora ihm zum ersten Mal begegnet, weiß sie gleich, dass seine tiefschwarzen Augen mehr verbergen als offenbaren: Patch wirkt geheimnisvoll, fast unheimlich auf sie, und Nora ist zutiefst fasziniert von seiner rätselhaften Ausstrahlung. Doch zugleich macht Patch ihr auch Angst. Denn immer öfter hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden, und sie wird den Verdacht nicht los, dass Patch etwas damit zu tun haben könnte. Irgendetwas scheint mit ihm nicht zu stimmen. Wo kommt er her, warum fühlt sie sich so sehr zu ihm hingezogen – und diese Narbe auf seinem Rücken, was hat sie zu bedeuten?
Aber das ist nicht das Einzige, das ihr das Leben gerade schwermacht: Ein Unbekannter mit einer Skimaske läuft ihr vors Auto, jemand durchwühlt ihr Schlafzimmer, und auch sonst wird sie das Gefühl nicht los, dass jemand sie verfolgt. Steckt Patch dahinter?
Immer tiefer wird Nora verstrickt in Ereignisse, in denen Himmel und Hölle ganz nah beieinander liegen …

Im Englischen gibt es das Sprichwort „Never judge a book by its cover“ – und wenn es ein Buch gibt, auf das dies zutrifft, dann „Engel der Nacht“, den Debütroman von Becca Fitzpatrick. Und zwar im negativen Sinne. „Engel der Nacht“ gehört in den derzeit so beliebten Bereich der Urban Fantasy – und da Engel „the next big thing“ sind, nachdem die Vampiridee (bis auf ganz wenige Ausnahmen) mittlerweile ausgesprochen ausgelutscht ist (pun intended), ist der Love Interest unserer Ich-Erzählerin natürlich auch ein Engel, wenn auch ein gefallener.
Der Roman gehört in die allzeit beliebte „Nettes Mädchen von Nebenan verliebt sich in einen Bad Boy“-Schublade. Denn im Grunde hat man die in „Engel der Nacht“ erzählte Geschichte schon hundertmal in dieser und anderen Variationen gelesen. Die Autorin bietet darüber hinaus auch nichts Neues. Die Figuren sind schablonenhaft, entwickeln sich überhaupt nicht und haben so wenige Ecken und Kanten, so wenig Tiefgang, dass ich mich die ganze Zeit fragte, warum er sich wohl in sie verliebt. Sie ist weder besonders hübsch noch clever, noch besitzt sie irgendwelche Fähigkeiten. Auch ist sie im Gegensatz zu anderen Heldinnen solcher Romane noch nicht einmal besonders schlagfertig. Himmel, bis zum Ende hatte ich noch nicht einmal das Gefühl, dass er sich um sie bemüht bzw. sorgt, weil er in sie verliebt ist. Er ist unablässig widerlich zu ihr – es gibt nicht eine Szene, die auch nur darauf hindeuten würde, dass es da auch nur den Funken Romantik geben könnte. Klar ist, dass er etwas von ihr will (was, erfährt man ja am Ende), aber dass er für sie sein Leben geben würde – dafür bietet der Roman nicht wirklich eine vernünftige oder zumindest glaubwürdige Erklärung. Und auch andersherum gilt: Warum sollte sie bereit sein, sich für ihn zu opfern? Bis zum Ende des Buches weist nichts darauf hin, dass er die große Liebe ihres Lebens (oder ähnliches) ist. Es ist nicht so, dass die Chemie zwischen den beiden nicht stimmt – es gibt überhaupt keine Chemie! Oder um es mit einer anderen Rezensentin des Buches zu sagen: „If the heroine is afraid of the hero for most of the book, and the hero even WANTS to hurt the heroine for most of said book, romance isn’t the word that comes to mind. Psycho works better.“ Amen, Schwester.
Auch die praktisch nicht wirklich existente Handlung selbst ist austauschbar und entspricht im Grunde dem, was man derzeit in Dutzenden von All-Age-Romanen aus dem Bereich Fantasy/Urban-Fantasy/Contemporary Fantasy findet. Nettes Mädchen von Nebenan verliebt sich in einen Bad Boy (siehe oben). Die Autorin macht sich noch nicht einmal die Mühe, eine ordentliche Mythologie zum Thema „Gefallene Engel“ zu entwickeln bzw. zu beschreiben. Sie lässt ihre Heldin schlicht eine Reihe unerklärlicher Erlebnisse machen, den Helden im einen Kapitel mal schrecklich anziehend, im nächsten schrecklich furchterregend finden – was streckenweise sehr redundant und langweilig wirkt. Und dann liefert sie uns einen Showdown, der so gehetzt wirkt (aber gleichzeitig so unglaublich oberflächlich geschrieben ist), dass man den Eindruck bekommt, ihr sei kurz vor Schluss eingefallen, dass ihr Buch zu lang werden würde, wenn sie die Ereignisse angemessen beschriebe.
Mein Fazit: Spart euch euer Geld lieber für ein wirklich gutes Buch auf!

PS: Falls jemand eine Idee hat, warum der Roman den Titel „Hush, hush“ trägt – ich wäre sehr interessiert, das zu erfahren … Mir erschließt er sich nämlich nicht.

PPS: Bitte unbedingt auch diese Rezension lesen! Wirklich, es lohnt sich.