Veröffentlicht in Belletristik

C. S. Pacat: Die Rückkehr des Prinzen (Die Prinzen, Band 3)

Die PrinzenDamianos von Akielos ist zurück – seine wahre Identität ist allen bekannt. Nun muss er dem einen gegenübertreten, auf dessen Unterstützung er angewiesen ist. Und dem sein Herz gehört: Prinz Laurent, dem wahren König des Nachbarreiches Vere – und Bruder von Auguste, der vor einigen Jahren von Damianos in einer Schlacht getötet wurde.
Gleichzeitig haben im Süden, in Akielos, Damianos‘ Halbbruder Kastor und Laurents Onkel, der Regent von Vere, ihre Truppen gesammelt, um ihre jeweiligen Länder endgültig an sich zu reißen.
Wird es Damianos und Laurent gelingen, Streitigkeiten und Missverständnisse auszuräumen? Die Verschwörungen aufzudecken? Und sich ihren Widersachern erfolgreich zu stellen?

„Die Rückkehr des Prinzen“ ist Band 3 der Fantasy-Trilogie „Die Prinzen“ der Australierin C. S. Pacat. Und ich muss sagen: Das Warten auf das Erscheinen des Sammelbandes hat sich gelohnt.
Die Handlung setzt dort ein, wo „Das Duell der Prinzen“ geendet hat: Damianos‘ bester Freund Nikandros hat Laurent seine Unterstützung im Kampf gegen den Regenten angeboten – und als er in der veretischen Festung Ravenel eintrifft, erkennt er in Laurents rechter Hand Damen den wahren König von Akielos. Als diese Neuigkeit unter den Soldaten Veres verständlicherweise für große Unruhe sorgt, nehmen Damianos und Nikandros die Festung ein. Es gelingt, die beiden Truppen zu vereinen und – wie mit Laurent vereinbart, der ihnen vorausgezogen ist – nach Charcy zu ziehen, um dort gegen die Soldaten des Regenten zu kämpfen. Dort als Laurent und seine Männer nicht zur Schlacht gegen die Truppen des Regenten erscheinen, vermutet Nikandros, dass man dem Thronfolger nicht vertrauen kann – doch natürlich ist alles anders, als erwartet, und die beiden Prinzen führen ihre Männer schließlich doch Richtung Akielos, um Damianos‘ Thron zurückzuerobern und Rache an ihren Widersachern zu nehmen. Der Weg dorthin ist geplastert mit Hinterhalten, Verschwörungen, Täuschungen …

Stattdessen zeigt sich wieder und wieder, was die ungewöhnliche Beziehung der beiden Protagonisten ausmacht: Damianos ist etwas hitzköpfig, aber zutiefst loyal – Laurents Handeln ist von Hintergedanken geprägt, und selbst seine Hintergedanken haben Hintergedanken. Jedes Mal, wenn man meint, dass man ihn durchschaut hat, dass man die Handlung durchschaut hat, zeigt sich, dass alles doch ganz anders ist. Dennoch präsentiert uns Pacat diese Figur im Abschlussband der Trilogie etwas menschlicher, wärmer. Es stellt sich heraus, dass Laurent von Beginn an die wahre Identität seines Sklaven Damen kannte, was auch erklärt, warum er diesen einerseits verächtlich misshandelt (misshandeln lässt), warum er aber andererseits auch mehr als nur einmal dessen Ratschlägen Beachtung schenkt, da er sich bewusst ist, dass Damen – auch wenn er ein Gegner ist – doch ein erfahrender Anführer ist. Darüber hinaus stößt Laurent in diesem Buch auch so manches Mal an seine Grenzen, da sein Onkel sich ebenso gut auf Ränke versteht wie er selbst – aber das tut der Figur keinen Abbruch, da es Zeit wurde, dass es auch bei Laurent etwas mehr menschelt. Das Einzige, das man hinsichtlich der übrigen Figuren bemängeln könnte, ist, dass außer Laurent und Damianos alle anderen Akteure ausgesprochen blass bleiben, und das gilt – allen voran – auch für Kastor und den Regenten. Es kommt zwar zu einem actionreichen Showdown, aber der bleibt etwas hinter all den Erwartungen, die Pacat in den Vorgängerbänden im Leser geweckt hat (hinsichtlich Kastors Kampfeskraft oder der Verschlagenheit des Regenten), zurück.

Zwei Punkte haben mich bei dem Ganzen jedoch gestört: Der Showdown vollzieht sich etwas zu hastig, das Ende kommt zu plötzlich. Etwa 250 Seiten lang ziehen unsere Helden durch Südvere und Akielos, bereiten ihre Männer auf den Kampf vor, kommen einander (noch) näher – und dann überschlagen sich die Ereignisse und innerhalb von etwa 60 Seiten klärt sich (fast) alles im Thronraum ohne irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen. Aber das Schlimmste: Nachdem man die letzte Zeile gelesen hat, schlägt man die Seite um und erwartet eine Art Epilog, ein paar Passagen, die dem Leser helfen, zu Atem zu kommen, den eigenen Herzschlag zu beruhigen, die etwas über das verraten, was nach dem Sturz der beiden (falschen) Könige und dem Aufstieg der Prinzen geschieht – aber nichts dergleichen. Ich dachte wirklich, dass in meinem Buch einige Seiten fehlen. An dieser Stelle scheint die Geschichte einfach etwas unausgewogen zu sein. Es hätte die Autorin wirklich nicht viel gekostet, ihrer Geschichte ein etwas „runderes“ Ende zu geben. Seither ist natürlich eine Kurzgeschichte mit dem Titel „The Summer Palace“ erschienen, die einiges davon erklärt, aber da diese Geschichte recht … gehaltlos ist, war ich doch etwas enttäuscht.
Dennoch muss man neidlos anerkennen, dass Pacat eine wirklich gute Erzählerin ist. Ihr gelingt es wirklich, die beiden Länder Vere und Akielos vor dem Auge des Lesers lebendig werden zu lassen – ob es nun um die Episoden in den Festungen oder adligen Schlössern geht oder simple Beschreibungen der (ländlichen) Reise der beiden Verschwörer.
Eine weitere Enttäuschung bot mir die deutsche Übersetzung des Buches. Teilweise liest sie sich, höflich gesprochen, etwas unrund und unschön. Zum Beispiel, als erwähnt wird, dass jemand den Verkehr regelt. Was sehr schwierig ist, da es in der Welt von Vere/Akielos überhaupt keine Autos gibt, und in dem betreffenden Kontext auch keine Kutschen/Wagen gemeint sind. Auch strotzt das Buch teilweise vor Rechtschreib- bzw. Zeichensetzungsfehlern. Hier wurde offenbar mit ganz heißer Nadel gestrickt. Oder man wollte nicht mehr Arbeitszeit in eine Serie investieren, die die (finanziellen) Erwartungen nicht erfüllt hat. Sorry, wenn ich so hart bin, aber da ich für dieses Buch Geld hingeblättert habe, bin ich darüber etwas unglüklich.

Mein Fazit: Trotz meiner Kritik eine unbedingte Leseempfehlung. Und da die von Pacat verwendete Sprache recht einfach ist, ist das Buch auch für alle geeignet, die in der englischen Sprache nicht perfekt zu Hause sind und die Geschichte im Original lesen möchten. Weiß zufällig jemand, was die Autorin als Nächstes zu schreiben plant?

 

Advertisements
Veröffentlicht in Belletristik

C. S. Pacat: Das Duell der Prinzen (Die Prinzen, Band 2)

Durch eine Intrige ist es Laurents Onkel gelungen, ihn um seine wichtigsten Provinzen zu bringen – und ihn an die südliche Grenze von Vere zu schicken, um einen Krieg gegen Akielos zu verhindern bzw. alles zu tun, damit die Grenzgebiete auf eine Auseinandersetzung vorbereitet sind. Da Damen ahnt, dass sich seine Lage im Schloss in Laurents Abwesenheit nur verschlimmern wird, bittet er darum, dass der Prinz ihn mitnimmt. Worin dieser nach einer Weile auch einwilligt. Damen erkennt rasch, dass der Regent Laurent nur unter einem Vorwand in den Süden schickt, in Wahrheit setzt er alles daran, seinen Neffen auf dem Weg dorthin endgültig aus dem Weg zu räumen – und die Schuld Akielos in die Schuhe zu schieben, um den nahenden Krieg zu fördern. Doch Damen wird auch klar, dass er Laurent unterschätzt hat, der Damens Rat und seine militärische Erfahrung zunehmend zu schätzen weiß und ebenfalls Verbündete um sich sammelt.
Auf diese Weise kommen die beiden Prinzen sich inmitten der Planungen und Intrigen und der kämpferischen Auseinandersetzungen zunehmend näher. Aus Misstrauen wird Respekt. Und schließlich mehr …

„Das Duell der Prinzen“ ist Band 2 der „Die Prinzen“-Trilogie der australischen Schriftstellerin C. S. Pacat. Die deutsche Ausgabe der Teile 1 und 2 erschienen – offenbar aufgrund des mangelnden Erfolgs von Band 1 – nur noch als E-Book. Aber Gott sei Dank entschied sich der Heyne Verlag schließlich dafür, die komplette Reihe im Frühjahr 2017 in einem Sammelband herauszubringen!
Während ich (und auch Damen) von einigen Passagen von „Der verschollene Prinzen“ gelinde gesagt etwas irritiert war (alle Szenen, in denen sich der … ungewöhnliche Umgang mit Sklaven zeigte und die oft mehr mit Missbrauch zu tun hatten), hat mich Band 2 überzeugt. Die Story ist wesentlich actionreicher und damit dynamischer als Band 1, in dem es überwiegend um die Gepflogenheiten und Intrigen am veretischen Hof ging – ausschließlich Sex und Politik war auf Dauer doch etwas zu wenig. In „Das Duell der Prinzen“ verlegt sich die Handlung von den höfischen Räumlichkeiten auf andere Landstriche Veres und es kommt wiederholt zu Überfällen und Schlachten und neue Völker bzw. Gruppen treten auf den Plan.
Die Geschichte setzt da an, wo Band 1 endete: Laurent zieht mit einem kleinen Trupp Männer – und mit Damen – in die südlichen Gebiete des Landes Vere. Es ist dort angeblich zu Angriffen akielischer Truppen gekommen und Laurent soll die ihm noch gebliebene Länderei Acquitart befestigen. Allerdings weiß Laurent, dass dieser Befehl seines Onkels eine Falle ist. Zum einen ist die dortige Festung heruntergekommen, zum anderen gibt ihm der Regent einige Männer mit, die unterwegs für Ärger sorgen und Laurents eigene Soldaten gegen diesen aufbringen sollen. Doch Gott sei dank hat Laurent Damen an seiner Seite und beschließt, diesem mehr Vertrauen zu schenken. Da Pacat sich hier als großartige Erzählerin entpuppt – endlich -, erwarten den Leser viele Intrigen, unerwartete Wendungen und eine so vielschichtige Handlung, dass man wirklich aufpassen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren. Oft fühlt sich der Leser ähnlich planlos wie Damen, der Laurents Handeln das eine oder andere Mal nicht durchschauen kann und überrascht erkennt, dass dieser cleverer ist als angenommen und wieder einmal unerwartete Verbündete gewonnen hat.
Da Damen die militärische Ausbildung von Laurents Männern übernimmt und den Prinzen auch in militärischen Angelegenheiten berät, vertieft sich die Zuneigung der beiden mit jedem Kapitel. Und so wächst nicht nur Damens Respekt für Laurent und dessen Winkelzüge, auch der veretische Prinz ist zunehmend bereit, sich auf seinen akielischen Sklaven zu verlassen und diesem zu vertrauen. Unweigerlich nimmt auch die erotische Spannung zwischen den beiden Protagonisten zu und neben dem Respekt und dem Vertrauen wächst nun auch die Zuneigung zwischen den beiden Figuren. Diese graduelle Entwicklung wird von C. S. Pacat nachvollziehbar geschildert – zumindest haben wir es hier nicht mit einem der unzähligen Romane zu tun, in dem sich die Protagonisten (egal, ob männlich oder weiblich) treffen und gleich ineinander verliebt sind, und das, ohne sich wirklich zu kennen.

Mein Fazit: Band 2 der „Die Prinzen“-Trilogie ist deutlich facettenreicher als der Vorgänger und damit imho auch das bislang klar stärkere Buch der Reihe. Eine kleine Warnung: Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger.

Veröffentlicht in Belletristik

C. S. Pacat: Der verschollene Prinz (Die Prinzen, Band 1)

pacat der verschollene prinzEigentlich ist der Kriegerprinz Damianos der rechtmäßige Erbe des Königreiches Akielos, doch nach dem Tod des Vaters ergreift sein Halbbruder Kastor die Macht, tötet Damens Sklaven und alle Mitwisser und verkauft seinen Bruder in die Sklaverei – ausgerechnet in das verfeindete Königreich Vere. Damen wird Leibsklave des Kronprinzen Laurent. Dieser ist eitel, arrogant und grausam, und er steht für alles, was Damen hasst. Doch Laurent weiß augenscheinlich überhaupt nicht, wen er wirklich vor sich hat – wenn er es wüsste, würde er seinen neuen Sklaven nicht nur Gehorsam lehren, sondern wahrscheinlich sogar töten, hat Damianos doch seinen (Laurents) geliebten älteren Bruder im Krieg getötet.

Bis zu Laurents Volljährigkeit in einigen Monaten wird Vere noch von seinem Onkel regiert – und dieser ist nicht bereit, die Macht abzugeben. Und so lernt Damen in den folgenden Wochen und Monaten, dass sich hinter der eitlen Maske des Thronerben ein gerissener Taktiker verbirgt, der im Stillen einen ständigen Überlebenskampf führt, da sein Onkel ihm immer wieder nach dem Leben trachtet. Schon bald weiß Damen nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: seinen eigenen Thron zurückzugewinnen oder an Laurents Seite zu kämpfen und das Geheimnis der Verschwörung zu lüften, die Laurent das Leben kosten könnte und ihn selbst seinen Thron …

pacat-die-prinzen-trilogie

„Der verschollene Prinz“ ist das erste Buch der Australierin C. S. Pacat und der Einstieg in ihre „Die Prinzen“-Trilogie, von der Band 1 zunächst als Taschenbuch im Heyne Verlag erschien, Band 2 nur noch als E-Book und Band 3 zunächst gar nicht – bis Heyne dann im Frühjahr 2017 die gesamte Geschichte in einem Sammelband veröffentlicht hat („Der verschollene Prinz“, „Das Duell der Prinzen“ sowie „Die Rückkehr des Prinzen“).

Der Roman gehört in den Bereich der Fantasy (sicher keine High Fantasy, aber das hat mein Vergnügen nicht getrübt), und hier ist er insofern eine Ausnahmeerscheinung, als die beiden Hauptfiguren (homosexuelle) Männer sind, die sich zueinander hingezogen fühlen. Im Bereich der Gay Romance gibt es natürlich ein paar Fantasy-Geschichten, aber die, die mir bislang untergekommen sind, hatten lange nicht die literarische Qualität und auch die Charaktere waren nicht so detailliert ausgeformt wie in Pacats Geschichte. Aber falls jemand hier eine Empfehlung hat, wäre die willkommen.

Ich persönlich fand Band 1 etwas schwächer als die Fortsetzung, was ich darauf zurückführen würde, dass hier das Fundament der Geschichte gelegt wird und die Action erst einmal warten muss. Die Charaktere werden eingeführt, die Welt und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten beschrieben (und als Leserin muss man sich an so einiges gewöhnen, was die Sklavenhaltung und den Umgang mit Sex angeht), und es werden auch schon die Positionen der einzelnen Parteien dargelegt. Aber da die Gesellschaft von Vere ganz stark auf politischen Winkelzügen, Tarnung und Täuschung basiert, muss der Leser aufmerksam sein, um wirklich zu verstehen, wer mit wem warum verbündet oder verfeindet ist (wobei die „verfeindet“-Kategorie leichter einzuordnen ist). Dennoch lässt sich das Buch schnell lesen und beinhaltet im Anhang sogar noch eine Kurzgeschichte, in der man mehr über einen der Sklaven erfährt.

Damen und Laurent sind auch zwei sehr interessante Hauptfiguren. Damen heißt eigentlich Damianos und ist Thronerbe des mit Vere verfeindeten Königreiches Akielos. Nach dem Tod seines Vaters kommt es aber zum bösen Erwachen, als sein älterer (aber illegitimer) Bruder Kastor ihn in Ketten legen und als Sklaven nach Vere verbringen lässt. Anfänglich hält er (und auch der Leser) das nur für einen sehr bösen Scherz – dass mehr dahintersteckt, wird erst später deutlich. Dort wird er Leibsklave von Laurent, dem dortigen Thronfolger, der nur noch wenige Monate von seiner Mündigkeit entfernt ist. In der Zwischenzeit wird das Land von dessen Onkel regiert – und auch hier greift der unrechtmäßige Herrscher nach dem Thron und tut alles, um Laurent um seine Stellung – und sein Leben! – zu bringen. Damit würden die beiden Männer – Damen und Laurent – ideale Verbündete abgeben, aber: 1. Damen ist ein Sklave, 2. er ist der (rechtmäßige) Herrscher des verfeindeten Nachbarlandes, 3. Laurent misstraut allem und jedem und lässt niemanden an sich heran. So bringen die beiden diesen ersten Band der Trilogie damit zu, sich mit ihrer neuen Position abzufinden (Damen) bzw. zumindest ansatzweise Vertrauen zu lernen (Laurent und Damon). Und das macht die Autorin eigentlich sehr anschaulich, nachvollziehbar und glaubwürdig – Gott sei Dank fallen die beiden Helden nicht schon in Kapitel 4 übereinander her und entdecken in Kapitel 8, dass sie sich über alles lieben, wie es leider in viel zu vielen Romanen geschieht.

PS: Ich wurde übrigens durch das Cover des Einzelbandes auf diesen Roman aufmerksam – eine dezente s/w-Zeichnung, die sich wohltuend von den üblichen quietschbunten Covern abhebt und endlich einmal kein Pärchenmotiv bietet, sondern symbolträchtig auf das hinweist, was den Leser erwartet.

Veröffentlicht in Belletristik

Robin Schone: The Lady’s Tutor

London, 1886: Elizabeth Petre wurde mit siebzehn Jahren mit ihrem Mann Edward verheiratet. In den sechszehn Jahren ihrer kalten Ehe hat sie ihm zwei Söhne geschenkt und unterstützt den Schatzkanzler in seinen politischen Bestrebungen, in dem sie wohltätige Aufgaben und repräsentative Pflichten erfüllt. Als sie erkennt, dass ihr Mann eine Geliebte hat und weil sie sich auch selbst nach der Berührung eines Mannes sehnt, Edward aber treu bleiben will, beschließt sie, ihn zu verführen. Und sie kennt nur einen Mann, der sie die erotischen Geheimnisse der Liebe lehren kann.
Ramiel Devington, Lord Safyre, ist der Bastard einer englischen Gräfin und eines Scheichs ist sowohl in der britischen als auch der arabischen Kultur zu Hause – doch von der guten Gesellschaft wird er geschnitten. Als eines Tages die Frau des Schatzkanzlers um seine Hilfe bittet, kann er der Versuchung nicht widerstehen, sie mit sinnlichen Vergnügungen bekannt zu machen.
Aber schon bald geschieht, was beide nicht erwartet haben: Obwohl beide aus unterschiedlichen Welten kommen, fühlen sie sich zueinander hingezogen, und Elizabeth muss sich zwischen ihren familiären Verpflichtungen und einer verbotenen Leidenschaft entscheiden …

„The Lady’s Tutor“ ist ein erotischer Roman der amerikanischen Bestsellerautorin Robin Schone, die schon zahlreiche literarische Preise erhalten hat, darunter die Auszeichnung für ihr Lebenswerk im Bereich „Most Innovative Historical Romances“ (2008). Der Roman stammt aus dem Jahr 1999 – einer Zeit, in der die AutorInnen Gott sei Dank noch nicht der Auffassung waren, dass alle Frauen insgeheim das Bedürfnis verspüren, sich dem Mann sexuell unterzuordnen, oder dass die Tatsache, dass ein Mann seine Geliebte rücksichtslos behandelt, in Wahrheit ein Zeichen seiner Zuneigung ist. Im Gegenteil: „The Lady’s Tutor“ erzählt die Geschichte zweier Menschen, die einander Vergnügen bereiten und so auch selbst Vergnügen erleben. Zu sexuellen Handlungen kommt es erst nach knapp 2/3 des Buches, aber die bis dahin geschilderten Gespräche der beiden über das Thema „Lust“ sind imho erotischer als viele explizite Liebesszenen, die man in gängigen Liebesromanen detailliert nachlesen kann. Natürlich gilt das für die dann beschriebenen 6szenen umso mehr. 😉 Die Beschreibungen sind darüber hinaus nicht primitiv und vulgär, sondern ebenfalls sehr sinnlich. In „The Lady’s Tutor“ sind die 6szenen wirklich organischer Teil der Liebesgeschichte; hier gibt es keine Beschreibungen sexueller Vorgänge, um einer schwachen Geschichte noch ein wenig Würze zu verleihen, wie das leider oft in Erotikromanen der Fall ist. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Zwar kann sich die Autorin nicht völlig von Stereotypen freimachen (Ramiel hat natürlich keine sexuellen Begegnungen mehr mit anderen Frauen, nachdem er Elizabeth kennengelernt hat; er ist in gewissr Hinsicht eine gequälte Seele, die durch Elizabeth Heilung findet; die Protagonisten sind durch und durch gut, die Antagonisten sind durch und durch böse etc.), fühlte ich mich so gut unterhalten, dass ich bis tief in die Nacht hinein im Buch gelesen habe, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte.

Elizabeth ist eine überaus sympathische Heldin, die – ohne es zu wissen – von den Menschen, den sie am meisten vertraut, zutiefst betrogen wird. Ihr gesamtes Leben ist im Grunde eine Täuschung, ohne dass sie sich dessen bewusst wäre. Obwohl sie den Lebensweg eingeschlagen hat, der ihr aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung vorherbestimmt war (ihr Vater ist britischer Premierminister), und keine Chance hatte, sich ihren Ehemann auszusuchen, erfüllt sie ihre Rolle perfekt. Ihr Mann ist ein aufstrebender Politiker, der von ihrem Vater protegiert wird, und so ist sie gemeinsam mit ihrer Mutter in verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen tätig und nimmt gemeinsam mit  Edward an gesellschaftlichen Anlässen teil. Doch obwohl sie ihrem Mann eine treue Ehefrau sein und ihren Pflichten in jeder Hinsicht nachkommen will, hat er sie seit zwölf Jahren nicht mehr berührt (zwölf Jahre, fünf Monate, eine Woche und drei Tage, um genau zu sein) – seit der Zeugung ihres jüngsten Sohnes. Da ihr Mann nachts oft nicht nach Hause kommt, nimmt sie darüber hinaus an, dass er eine Geliebte hat, von der er das bekommt, was er bei ihr nicht suchen will. Deshalb ist sie bereit, über ihren Schatten zu springen, um den berüchtigten Lord Safyre um Hilfe zu bitten, der – so hat sie gehört – sich auf sexuelle Dinge so gut versteht, dass eine Frau ihrem Mann nie untreu werden würde, wenn er im Bett nur halb so gut wäre wie Ramiel Devington. Dieser lässt sich auf ihre Bitte ein und beginnt, die wohlerzogene Frau mithilfe von The Perfumed Garden von Scheich Nefzaoui (ein real existierendes Buch, offenbar das arabische Kamasutra) mit den sinnlichen Freuden bekannt zu machen. Es war schön zu sehen, wie die gut erzogene Frau sich irgendwann nicht mehr davor fürchtet, offene Fragen zu diesen Dingen zu stellen und ihre Meinung zu bestimmten Praktiken zu äußern. Und genauso, wie ihre falsche Scham in sexuellen Dingen schwindet, wird sie auch in anderen Dingen mutiger und ist bereit, ihr Leben stärker zu hinterfragen. Je selbstbewusster (im besten Sinne selbst-bewusst) sie wird und je mehr sie ihren Wert als Frau erkennt, desto weniger ist sie bereit, alles, was in ihrem Leben vor sich geht, einfach so hinzunehmen. Aber die Wahrheit ist schrecklicher, als sie ahnt.

Im Gegensatz zu ihr kennt Ramiel Devington, Lord Safyre, schon relativ früh die Wahrheit über ihren Mann, hält diese aber vor Elizabeth geheim, um ihr nicht wehzutun. Er ist der Sohn einer britischen Adligen, die als Siebzehnjährige in Italien entführt und schließlich an einen Scheich verkauft wurde; obwohl sich die beiden ineinander verliebten, ging die Countess nach einigen mit ihrem wieder nach England zurück, weil das Leben in einem Harem zu gefährlich für sie war. Dennoch hat sie ihren Sohn, als dieser zwölf war, für einige Jahre zu seinem Vater zurückgeschickt, damit er auch dessen Kultur kennenlernt. Allerdings wurde Ramiel einige Jahre später nach einem schrecklichen Vorfall, über den er mit niemandem spricht, nach England zurückgeschickt. Obwohl er und seine Mutter von der „guten Gesellschaft“ geschnitten werden, ist der exotische Halbaraber bei den Frauen ausgesprochen beliebt und hat sich einen gewissen Ruf erworben, der auch Elizabeth zu ihm führt. 😉 Obwohl der verführerische Ramiel in der Tradition der „echten Kerle“ steht und die wohlerzogene Frau mit einer manchmal provozierenden Offenheit in die sinnlichen Vergnügungen einführt, legt er immer nur Respekt vor ihr und anderen Frauen an den Tag. An keiner Stelle entsteht auch nur der Eindruck, dass er Frauen dazu „missbraucht“, eigene Bedürfnisse zu erfüllen, oder ihnen zeigen will, „wie es geht“ (wie das leider heutzutage bei literarischen Helden der Fall ist).

Der Ausgang von Ramiels „erotischer Ausbildung“ ist der Leserin natürlich von Beginn an klar, aber durch den interessanten Weg dorthin, die Veränderungen, die sich in der Protaginistin vollziehen, und die überaus sympathischen Akteure nimmt man der Autorin dies nicht übel.

Mein Fazit: Wer einen wirklich schönen, geschmackvollen erotischen Roman lesen möchte, dem kann ich dieses Buch von Robin Schone nur empfehlen! Es macht wirklich Lust (pun intended) auf mehr von dieser Autorin.

Veröffentlicht in Belletristik

Jen McLaughlin: Between us

Mackenzie Forbes ist mit Anfang zwanzig eine erfolgreiche Countrysängerin, studiert nebenbei aber noch Psychologie. Sie hat schon viel erlebt in ihrem Leben: Mit 17 wurde sie berühmt, ihre Mutter hat einen Teil ihres Vermögens mit Drogen durchgebracht, was zu einer Scheidungsschlacht mit Macs Vater führte, der aber wenig später schon bei einem Unfall ums Leben kam.
Und weil sie bereits zwei schreckliche Erfahrungen mit (potenziellen) Freunden und Paparazzi hinter sich hat, will sie während des Spring Break unerkannt in Key West dafür sorgen, dass ihre Jungfräulichkeit Geschichte ist, ohne dass die Presse davon Wind bekommt.
Austin ist Mitte zwanzig und hat ebenfalls eine schreckliche Kindheit hinter sich: Sein Vater war Alkoholiker, misshandelte Frau und Kinder und war für den Tod der Mutter verantwortlich. Nun trägt Austin seit vielen Jahren die Verantwortung für seine jetzt 16-jährige Schwester. Als Barkeeper sorgt er für den Unterhalt seiner kleinen „Familie“.
Doch er kann es kaum glauben, als eines Tages die berühmte Sängerin Mackenzie Forbes vor ihm steht und ihm zu verstehen gibt, dass sie eine Nacht mit ihm verbringen will …

„Between us“ ist Band 1 einer Trilogie mit dem Titel „Sex on the Beach“ zu der drei unterschiedliche Autorinnen eigene Geschichte aus demselben „Universum“ beitragen: Jen McLaughlin (Band 1: Between us; 148 Seiten), Jennifer Probst (Band 2: Beyond me) und Jenna Bennett (Band 3: Before you). Die Kurzgeschichten erzählen die Love Storys dreier Freundinnen, die sich während des Spring Break in Florida amüsieren und unverbindlichen Sex haben wollen. Dass alle drei dabei die große Liebe finden, versteht sich an dieser Stelle von selbst und muss wohl nicht explizit erwähnt werden. Und dass die Figuren nur eindimensionale Schönheiten sind, vermutlich auch nicht.

Band 1 handelt von Mackenzie Forbes, die nach dem Rosenkrieg ihrer Eltern und dem frühen Unfalltod ihres Vaters allein dasteht. Sie hat als Fünfzehnjähre die TV-Sendung Who Sings It Best gewonnen, ihre ersten Musikvideos mit 16 gemacht und ist seither ein erfolgreicher Countrystar – oder auch: America’s Sweetheart. Obwohl sie in ihren Videos nicht allzu zugeknöpft auftritt, ist sie mit 21 immer noch Jungfrau. Ihr Vater hat ihr schon früh eingebläut, wie wichtig ihr Image für das Musikbusiness ist: Never step out of line. Never get caught doing something bad. And never misbehave in public. Schon zweimal hat sie versucht, ihrer Jungfräulichkeit „abzuhelfen“, doch beide jungen Männer haben sie für Geld und Ruhm an die Presse verraten, sodass eigentlich niemand auf den Gedanken kommt, dass sie noch unberührt ist.
Doch jetzt hat sie beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Sie hat ihre zwei besten Freundinnen eingeladen, während des Spring Break mit ihr nach Florida zu reisen – und dort will sie sich (mit gefärbten Haaren, um unerkannt zu bleiben) für einen unverbindlichen One-Night-Stand einen gut aussehenden Mann suchen. Ihre Wahl fällt auf Austin Murphy, der – rein äußerlich – das genaue Gegenteil von ihr ist: groß, muskulös und tätowiert. Eben ein echter Badboy.
Doch Austin ist nicht nur Barkeeper, sondern auch Sänger, und natürlich erkennt er Mackenzie sofort, verrät ihr dies jedoch nicht. Wie sie hat auch er eine schwierige Kindheit und Jugend hinter sich – sogar noch schlimmer als Mackenzie: Sein Vater war ein Schläger und Säufer, der die Schuld am Tod der Mutter trägt. Als er nicht nur Austin verprügelte, sondern auch dessen jüngere Schwester Rachel, setzte dieser sich zur Wehr. Das Ganze eskalierte schließlich im Selbstmord des Vaters, der sich vor den Augen von Rachel eine Kugel in den Kopf gejagt hat – nicht ohne vorher auf sie zu schießen. Da sie damals erst 14 Jahre alt war, kümmert er sich seither um sie. Er hat die Schule abgebrochen, seinen Traum, Sänger zu werden, an den Nagel gehängt und jobbt als Barkeeper in Key West. Trotz all meiner Kritikpunkte an dieser Geschichte konnte ich Ashton durchaus auch sehr positive Seiten abgewinnen. Als es nämlich darum geht, ob er ein gemeinsames Leben mit Mackenzie in Betracht zieht, macht er ihr sofort deutlich, dass seine Schwester für ihn Priorität hat und dass er nicht bereit ist, sie (erneut) aus der gewohnten Umgebung zu reißen.
Als die berühmte Countrysängerin Mackenzie Forbes vor ihm steht und ihm Avancen macht, kann er dennoch sein Glück kaum fassen. Zwar kommt es zum obligatorischen Missverständnis, als sie erfährt, dass Austin ihre Verkleidung durchschaut hat, aber sie beschließt, ihm dennoch zu vertrauen – und ihre Jungfräulichkeit an ihn zu verlieren. In der ersten Nacht lehnt er ihr Angebot heldenhaft ab, denn sie hat schon ein paar Cocktails intus, und er will ihre Willigkeit nicht auszunutzen. In der zweiten Nacht geschieht es dann aber. Und natürlich ist der Sex weltbewegend, Sterne explodieren vor ihren Augen (nope, das habe ich mir nicht ausgedacht – steht so im Buch), und die Nacht ist viel zu kurz für all das, was die beiden alles tun wollen. 🙂 Weshalb sich der One-Night-Stand zu einer More-Nights-Einrichtung mit großartigem Sex und noch viel mehr Spaß und Kennen- bzw. Liebenlernen entwickelt, denn:

He kissed the tip of my nose, then sobered up. „You really love me?“
„I really do. I think I have since the first time you kissed me, but it took me this long to be sure. I didn’t want to rush into anything, or rush you into anything before you were ready.“

Mackenzie ist schon nach drei Tagen bereit, ihr Studium in Chicago und ihre Freunde hinter sich zu lassen, um mit Austin und seiner Schwester ein neues Leben zu beginnen. Höflich gesprochen war ich darüber etwas irritiert, bis mir klar wurde, dass wir es hier ja mit einer für ältere Teens verfassten Kurzgeschichte zu tun haben, und natürlich bricht dort die große Liebe schon beim ersten Blick aus und natürlich hält diese Liebe für alle Zeiten und natürlich zieht man mit Sack und Pack gleich beim Geliebten hat. Sorry, dass ich nicht gleich erkannt habe, dass nicht die Geschichte bzw. die handelnden Figuren ein Problem haben, sondern ich.
Und natürlich ist Austin ja nur rein äußerlich ein echter Badboy, aber in Wahrheit natürlich ein durch und durch vertrauenswürdiger, großherziger [insert noch viele andere positive Adjektive] Bruder, der nur für den Lebensunterhalt als Barkeeper arbeitet, aber in Wahrheit natürlich ein richtig guter Sänger ist, der gleich in Mackenzies Vorprogramm auftreten darf, und noch nie hat er sich einer Frau so geöffnet, wie er sich ihr in den wenigen Tagen öffnet. Was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht: There was something in the way he made me feel, the way he treated me, that told me he wasn’t like any other man. He would be the guy I measured every other guy up against in the future, and they’d all be found lacking. Äh, ja, natürlich.

Mein Fazit: Ehrlich? Dazu muss ich jetzt noch was sagen? Wenn ihr 15 seid, findet ihr die Geschichte bestimmt wahnsinnig romantisch. Wenn ihr älter seid, wisst ihr, dass diese Anhäufung von positiven Stereotypen im wahren Leben nicht vorkommt. Und ich habe mich noch nicht einmal dazu geäußert, dass ich es nicht besonders verantwortungsvoll finde, wenn Autorinnen in Kurzgeschichten für (ältere) Teens anonymen Sex propagieren …

Veröffentlicht in Belletristik

C. S. Pacat: The Summer Palace (A Captive Prince Short Story #2)

pacat-kurzgeschichte„The Summer Palace“ setzt nach dem Ende der „Prinzen-Trilogie“ ein und fungiert gewissermaßen als eine Art ausführlicher Epilog. Lauren und Damen haben ihre Widersacher besiegt, Letzterer hat sich von seinen schweren Verletzungen erholt, beide beginnen, sich nun in ihrer jeweiligen neuen Stellung einzurichten, und treffen sich nun im Palast am Meer.

Dass die australische Autorin C. S. Pacat sich dazu entschlossen hat, der Trilogie noch eine Kurzgeschichte von ca. 30 Seiten (im englischen Original) anzufügen, war durchaus eine gute Idee. Da die Trilogie nach dem Showdown im letzten Kapitel doch etwas abrupt endet, ohne den Leser noch einmal durchatmen zu lassen, in dem sie ihm auf wenigstens ein, zwei Seiten schildert, was nach dem Showdown in Ios mit den handelnden Personen und in politischer Hinsicht geschieht.

Aber als Kurzgeschichte (und als solche wird sie ja verkauft) funktioniert „The Summer Palace“ meines Erachtens nicht wirklich. Ich hatte mir erhofft, dass die Handlung der Trilogie noch etwas weitergeführt wird oder dass die Darstellung der beiden Protagonisten noch etwas vertieft wird. Aber leider geschieht genau das nicht wirklich. Stattdessen liefert die Autorin nur ausführliche Waschszenen und ein wenig 6 – der allerdings auch nicht besonders … aufregend war.

Mein Fazit: Ich schreibe nur ungern etwas Negatives über eine Trilogie, die ich wirklich mochte. Aber leider kam mir die Kurzgeschichte nur wie austauschbare Fanfiction vor, die auch ein beliebiger Hobbyautor hätte schreiben können.

Veröffentlicht in Belletristik

H. M. Ward: Christmas Kisses

ward-christmas-kissesSeit Jahren ist Holly Connelly in Ryan Darcy verliebt. Während sie sich von Beginn an keine Chancen ausrechnet, weil er zu den beliebtesten Schülern gehört, gibt sie die Hoffnung spätestens dann auf, als er eine Blondine nach der anderen vernascht. Abgesehen davon, dass sie nicht seinem Beuteschema entspricht, will sie auch keiner seiner One-Night-Stands werden. Schließlich beschließt sie nach dem Schulabschluss, eine Universität zu besuchen, die weit von ihrem Heimatort – und von dem verführerischen Ryan – entfernt ist.
Doch als sie in den Weihnachtsferien nach Hause zurückkehrt, trifft sie ihren Schwarm in einer Bar – und als die Straßen aufgrund eines Schneesturms gesperrt werden, ist sie gezwungen, die Nacht in seinem Studentenwohnheim zu verbringen. Was soll sie tun: Die Nacht mit ihm verbringen und riskieren, dass sie für ihn nicht mehr ist als eine Bettgeschichte – oder ihm widerstehen und diese Entscheidung den Rest ihres Lebens bereuen?

Manchmal braucht man einfach diese billigen E-Books, die wirklich nicht mehr versprechen als ein wenig prickelnder Unterhaltung. Doch leider gibt es gute Geschichten – und weniger gute. Und „Christmas Kisses“ gehört definitiv in die zweite Kategorie. Und eigentlich möchte ich auch nur wenig Lebenszeit auf eine Rezension verschwenden. 😉
„Christmas Kisses“ ist eine Young-Adult-Geschichte, die abwechselnd aus der Perspektive von Holly und von Ryan erzählt wird. Und genau das ist eines der Probleme: Im Grunde liest man eine Szene zunächst aus der Perspektive von Holly – nicht nur das Geschehen selbst, sondern auch ihre Historie mit dem geliebten Menschen, ihre Emotionen, ihre Zweifel … Dann folgt das Ganze aus der Sicht von Ryan: dasselbe Geschehen, die gleiche Historie, die gleichen Emotionen, die gleichen Zweifel … Und da es keinerlei Überraschungen gibt, ist das Ganze ausgesprochen langweilig und vor allem redundant. Beide Charaktere sind natürlich seit Jahren ineinander verliebt, beide bitten ihre Freunde, sie von irgendwelchen Dummheiten abzuhalten (was diese natürlich nicht tun), beide tragen gewisse Minderwertigkeitsgefühle mit sich herum, obwohl ihr Gegenüber natürlich denkt, dass sie vollkommen und so begehrenswert sind, dass sie sich nur unter Mühen davon abhalten können, sich die Kleider vom Leib zu reißen:

There’s no way to refuse him when he’s like this, it’s like he’s the sun, and although I know I’ll never survive, I want to dive straight into him.“

Und natürlich ist der Sex, zu dem es unweigerlich kommen wird, weltbewegend und nie da gewesen, und natürlich kommt es zu dem obligatorischen kurzen Missverständnis, aber sogleich gesteht man sich die große Liebe und wirft sein bisheriges Leben über den Haufen, um mit dem geliebten Menschen zusammen zu sein. Höchstgradig schmalzig: „I let her leave, taking my heart with her.“
Nichts gegen Liebesgeschichten, nichts gegen 6szenen, nichts gegen ein bisschen fluffigen Eskapismus (Es lebe der Eskapismus!), aber diese Geschichte hangelt sich von Klischee zu Klischee und dürfte höchstens Teenagerträume erfüllen oder die von jungen Frauen Anfang zwanzig.

Mein Fazit: Och nö.