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Tahereh Mafi: Zerstöre mich

In „Ich fürchte mich nicht“ ist Juliette die Flucht aus den Fängen des Reestablishments gelungen – indem sie dessen Anführer Warner eine Kugel in die Schulter jagte. Sie glaubte ihn tot zurückzulassen, doch Warner ist nur schwer verletzt. Und nimmt den Leser in „Zerstöre mich“ mit auf eine faszinierende Reise.
Denn Warner scheint hassenswert – grausam, gefühlskalt, berechnend – und ist doch voller innerer Zweifel, hin- und hergerissen zwischen seiner Erziehung durch seinen grausamen Vater und seiner Liebe zu Juliette, die er unbedingt wiedersehen muss – auch wenn sie ihn offensichtlich verabscheut. Und so kämpft der noch geschwächte Warner zum einen darum, die Disziplin auf der Militärbasis aufrecht zu erhalten, während er andererseits mit aller Macht darauf hinarbeitet, Juliette wieder in seine Gewalt zu bringen. Bis sein Vater, Oberbefehlshaber des Reestablishments, in Warners Basis auftaucht. Und als Warner dessen Pläne für Juliette erfährt, wird ihm klar, dass er sich endgültig entscheiden muss …

Die dystopische Trilogie von Tahereh Mafi war im Herbst 2015 für mich ein großes Lese-Highlight – und Liebe auf den ersten Blick. Meine Rezensionen dazu findet ihr hier: Ich fürchte mich nicht (Band 1), Rette mich vor dir (Band 2) und Ich brenne für dich (Band 3). Da Warner darin einen sehr interessanten Protagonisten abgab, war es keine Frage, dass ich auch die Kurzgeschichte „Zerstöre mich“ lesen würde, die die Ereignisse zwischen Band 1 und 2 aus seiner Sicht schildert. Er bleibt ja in der Trilogie über weite Strecken sehr mysteriös und undurchschaubar, daher war es interessant zu sehen, was in der Interaktion mit Juliette und vor allem mit seinem Vater, dem Oberbefehlshaber, in seinem Kopf vor sich geht. Und genau das erfährt man als Leser auch in dieser etwa 80 Seiten langen Kurzgeschichte.

Dass er trotz seiner Kälte einen gewissen Sinn für Humor hat, wird schon durch den Einstieg deutlich:

Ich wurde angeschossen. Und ich muss sagen: Eine Schusswunde ist wesentlich unangenehmer, als ich vermutet hätte.

Was dann aber auffällt, ist, dass der Schreibstil der Geschichte deutlich von dem der Trilogie abweicht. Und das ergibt ja auch durchaus Sinn. Der überbordende, chaotische Stil der Trilogie  spiegelt sehr schön die Innenwelt von Juliette, der Ich-Erzählerin, wider. Als wir in die Geschichte einsteigen, hat Juliette 264 Tage Einzelhaft hinter sich, wird seit vier Jahren in Anstalten und Gefängnissen gequält, und genau so ist auch ihre Sprache: Halbsätze, Wortfetzen, Gedankensplitter, sehr reduziert. Ihre Zerrissenheit wird darüber hinaus im Roman (bzw. in der kompletten Serie) immer wieder durch durchgestrichene Sätze kenntlich gemacht. Aber je mehr Zeit sie mit Adam und den Rebellen verbringt, desto stärker verwandelt sich auch ihre Sprache und wird zunehmend „normaler“.
Bei Warner ist dies anders. Er ist aufgrund seiner Erziehung und der Umstände ein äußerst strukturiert denkender, fühlender und handelnder Charakter. Unordnung jeder Art kann er nicht ertragen; sie ist für ihn ein persönlicher Angriff auf seine Person. Und da seine Gedanken geordnet, klar strukturiert und schnörkellos sind, ist es sein Stil ebenfalls:

Mein Hirn ist ein Lagerhaus sorgsam geordneter Emotionen. Ich sehe förmlich vor mir, wie es Bilder und Gedanken aussortiert. Was mir nicht weiterhilft, wird weggepackt.

Bei Warner fällt auf, dass sein Erzählstil zunächst sehr geordnet ist, dann aber allmählich etwas unstrukturierter wird – in dem Maße, in dem er auch die Macht über seine Außen- bzw. Innenwelt ein Stückchen weit verliert:

In meinem Gesicht brechen Risse auf, pflanzen sich über die Arme fort, über den Brustkorb, die Beine.

Wichtiger ist aber sicher, dass man durch „Zerstöre mich“ mehr über die Beweggründe seines Handelns erfährt und warum er Juliette eingekerkert und beobachtet hat: Seit seiner Kindheit wird er von seinem Vater misshandelt und missbraucht (emotional und verbal). Auf Juliette wurde er durch ihre Akten aufmerksam, die ihm verrieten, dass sie eine schreckliche Kindheit und Jugend hinter sich hatte und bereits seit über 260 Tagen eingekerkert war, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren; stattdessen wirkte sie äußerlich ruhig und gelassen. Bei seinem Vater und den Männern in seinem Umfeld behauptet er jedoch, sie aufgrund ihrer besonderen Gabe als innovative Waffe nutzen zu wollen.
Doch spätestens, als er (nach ihrer Flucht) ihr Tagebuch liest, erkennt er, wie ähnlich sie einander aufgrund ihrer Kindheitserfahrungen sind. Und sie hat etwas erkannt, das sonst niemand bislang erkannt hat:

Etwas in ihrem Blick gibt mir das Gefühl, wertlos zu sein – sie als Einzige scheint verstanden zu haben, dass ich innerlich komplett hohl bin. Sie hat die Risse in dem Panzer entdeckt, den ich tagtäglich tragen muss, und das lähmt mich.

Mein Fazit: Es wäre interessant gewesen, diese Geschichte vor Band 2 der Trilogie zu lesen. Aber vermutlich hätte dies ein wenig die Spannung genommen, ob Warner nun einer der Guten oder der Bösen ist. 🙂 Auf jeden Fall macht es mich erneut traurig, dass die Trilogie nach „Ich brenne für dich“ endete …

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Melissa Jagears: Engaging the Competition

jagears-engaging-competitionKansas, 1901: Harrison Gray war bereits als Junge in Charlotte „Charlie“ Andrews verliebt. Doch da die Rancher-Tochter schon damals allen zu verstehen gab, dass sie durchaus in der Lage war, ihren „Mann“ zu stehen, beschloss er, dass sie wohl niemanden braucht. Schon gar nicht jemanden wie ihn, der aufgrund seiner starken Kurzsichtigkeit auf einer Farm sicher keine große Hilfe wäre.
Zehn Jahre sind seither vergangen, als Harrison nach seinem Studium als Lehrer in seine Heimatstadt zurückkehrt. Und wieder bewundert er Charlie aus der Ferne – bis ihm sein Pfarrer davon erzählt, dass das Mädchen in Kürze einen Nachbarn heiraten wird, dessen Brüder als Unruhestifter bekannt sind. Aus einem ihm unerfindlichen Grund fällt ihm die Aufgabe zu, Charlie von diesem Vorhaben abzubringen.
Unglücklicherweise findet dieses unangenehme Gespräch während eines Wirbelsturms statt, in dem Harrisons Brille zu Bruch geht. Charlie und der junge Lehrer sind sich in wenigen Dingen einig, dennoch erklärt sie sich bereit, ihm beim Unterrichten zur Seite zu stehen, bis seine neue Brille eintrifft. Doch in zwei Wochen kann viel passieren …

„Engaging the Competition“ ist, falls ich mich nicht irre, die erste Geschichte von Melissa Jagears, die ich gelesen habe, und sie war auch wirklich unterhaltsam und kurzweilig.
Charlie ist einerseits eine etwas nervtötende Frauenfigur: Sie ist die Tochter eines Ranchers und kann schon seit ihrer Kindheit reiten, schießen und mit den Nutztieren umgehen, und zwar nicht weniger gut als die Männer. Das führt dazu, dass alles für sie ein Wettbewerb ist, ein Wettbewerb, in dem sie immer gewinnen muss. Und dass sie besser ist, lässt sie auch alle spüren. Was wiederum dazu führt, dass sie keine Freunde hat und als Fünfundzwanzigjährige noch unverheiratet ist.
Andererseits ist sie auch sehr sympathisch. Vor einem Jahr ist ihr Vater verstorben und seither kümmert sie sich eigenverantwortlich um die Farm. Und das, obwohl ihre Mutter so sehr unter dem Verlust ihres Mannes leidet, dass sie sich weigert, dessen Tod überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Außerdem macht ihr ein Nachbar das Leben schwer, indem er ihr die Arbeitskräfte abspenstig macht und Vieh stiehlt. Daher beschließt sie, zu tun, was sie tun muss, um die Farm zu retten: Sie will einen Bruder des verhassten Nachbarn heiraten.
Doch dann kehrt nach jahrelanger Abwesenheit Harrison Gray in seine kleine Heimatstadt zurück, Harrison, in den sie schon während ihrer Schulzeit verliebt war, der jedoch nach einem verlorenen Schießkampf auf Distanz gegangen war. Harrison ist auch derjenige, aus dessen Perspektive die Geschichte hauptsächlich erzählt wird. Im Gegensatz zur „anpackenden“, bodenständigen Charlie ist er ein echter Bücherwurm, der stark kurzsichtig und ohne seine Brille aufgeschmissen ist. Er ist zwar keine Damsel in Distress (dazu gibt es zu wenig „distress“), aber das eine oder andere Mal hatte ich so meine Probleme, ihn ernst zu nehmen. Gewöhnlich begegnen uns in solchen historischen Liebesromanen ja „richtige“ Kerle, und diesem Bild entspricht Harrison definitiv nicht. Aber nichtsdestotrotz ist er ein sympathischer Held.
Großes Thema dieser Kurzgeschichte ist sicher „Kommunikation“ – wir haben hier zwei Protagonisten, die sich schon in ihrer Jugend überaus sympathisch waren, aber nie miteinander darüber gesprochen haben. Und weil sich auch Jahre später nichts daran geändert hat, kommt es zu einer Reihe von Missverständnissen. Nicht nur, dass sie so nichts von der Zuneigung des jeweils anderen erfahren. Sie erfahren auch nichts davon, dass ihr Gegenüber eben nicht nur ein Bücherwurm ist bzw. einen guten Grund hat, eine Vernunftehe einzugehen.

Fazit: Eine geradlinige Kurzgeschichte, die sich nicht in irgendwelchen Nebensächlichkeiten verliert. Mit Protagonisten, die genügend Mängel haben, um glaubwürdig zu sein.

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Mary Connealy: Runaway Bride

connealy-runnaway-brideHouston/Texas, 1879: Carrie Vater ist ein Spieler – und bei seiner letzten Wette hat er Carrie an den reichen Kearse verloren. Carrie hat schon vor Wochen ihre Schwester Audra um Hilfe gebeten, die in Colorado lebt. Doch nun ist die Nacht vor der Hochzeit gekommen und immer noch ist keine Rettung in Sicht. Deshalb beschließt sie, gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder wegzulaufen und sich allein nach Colorado durchzuschlagen.
Nicht weit von ihrem Elternhaus entfernt laufen die beiden John Conroy in die Arme, einem Texas Ranger, der von einem Freund von Carries misslicher Lage erfahren hat und dieser bei ihrer Flucht helfen will.
Doch Kearse‘ Männer sind denn dreien auf den Fersen. Daher beschließen sie, nicht nach Colorado zu reiten, sondern nach Broken Wheel, wo John lebt und Freunde hat, die ihnen helfen können.
Aber die „Hilfe“, die diese im Sinn haben, sieht anders aus, als John gedacht hat: Sie schlagen vor, dass Carrie und John heiraten, damit Kearse sein Interesse an ihr verliert. Doch die beiden zögern: Können zwei Menschen, die sich erst seit zwei Wochen kennen, wirklich den Rest ihres Lebens miteinander verbringen?

In Mary Connealys kurzweiliger Liebesgeschichte lautet die Antwort natürlich Ja. Die Geschichte gehört zu ihren „Trouble in Texas/Kingcaid Brides“-Reihen, und wer diese kennt, trifft hier sicher einige alte Bekannte wieder. Ich kenne die Serie allerdings nicht, hatte aber trotzdem viel Freude an der Erzählung.
Carrie ist eine kluge, wohltuend normal wirkende junge Frau. Natürlich mit ihren blonden Haaren, den blauen Augen und der zierlichen Figur wunderschön – schließlich muss es einen guten Grund dafür geben, dass der wohlhabende Kearse sie als Einsatz bei einem Spiel akzeptiert  (ganz zu schweigen davon, dass er darüber hinaus noch mit anderen Männern hohe Summen darum gewettet hat, dass es ihm gelingen wird, die attraktive Blondine zum Traualtar zu führen). Dennoch ist sie nicht,  wie so oft in historischen Romanen, zu selbstbewusst, zu mutig, zu dickköpfig … Sie fürchtet sich davor, sich allein auf den Weg nach Colorado zu machen, ist aber bereit, dieses Risiko auf sich zu nehmen, um dem verhassten Mann zu entrinnen. Und sie ist bereit, ihren sechzehnjährigen Bruder Isaac mitzunehmen, damit dieser nicht länger dem schädlichen Einfluss des Vaters ausgesetzt ist. Doch schon nach wenigen Minuten stellt sie zu ihrem Glück fest, dass ihre Schwester Audra (die übrigens auch vom Vater zwangsverheiratet wurde, aber nach dem frühen Tod ihres Mannes in zweiter Ehe glücklich wiederverheiratet ist) ihr über Umwege doch Hilfe geschickt hat.
Der Texas Ranger John Conroy wurde von einem alten Kameraden darum gebeten, die Schwester einer entfernten Verwandten aus einer misslichen Lage zu befreien. Und John trifft gerade früh genug ein, um Carrie und ihrem Bruder noch über den Weg zu laufen. Gemeinsam machen die drei sich auf den beschwerlichen Weg nach Colorado, doch schon bald merken sie, dass ihnen Kearse‘ Männer auf der Spur sind. Deshalb beschließt er, Freunde um Unterstützung zu bitten, die wie er in Broken Wheel leben. Auf dem Weg dorthin kommen er und Carrie sich jedoch näher.
Die junge Frau fühlt sich bei ihm geborgen und sicher – und sie fühlt sich angezogen von dem großgewachsenen, schweigsamen Mann, der bereit ist, sein Leben für zwei ihm völlig Fremde zu riskieren. Und John gefällt die mutige junge Frau, die nicht klagt, obwohl Weg hart und entbehrungsreich ist. Dass sie wunderschön ist, schadet natürlich auch nicht. Doch eine Heirat kommt für  ihn aufgrund seines Berufes, der ihn oft lange von zu Hause wegführt, nicht infrage. Daher lehnt er an, als ihm sein Freund Vince genau das vorschlägt. Doch natürlich sträubt er sich nicht allzu lange …
Die Hochzeitsnacht ist übrigens eine nette Episode in der Geschichte: Weil John ein Ehrenmann ist, schlägt er Carrie vor, dass sie sich zunächst kennenlernen, bevor sie eine „richtige“ Hochzeitsnacht verbringen,  und so sitzen sie stundenlang in ihrem Zimmer und unterhalten sich über ihre Familien,  ihre Kindheit, ihre Träume:

He gave her a good-night kiss. She gave him one back. Then another.
And then she found that they knew each other quite well, after all.

Ein bisschen fremdartig mutet es schon an, dass hier ein Pärchen schon nach zwei Wochen heiratet. Aber zum einen hat man sicher zu dieser Zeit und in diesem Kontext (wilder Westen, wo das Leben der Menschen aufgrund der Gefahren oft kurz war) die Sache mit dem Heiraten etwas pragmatischer gesehen. Zum anderen versucht die Autorin auch gar nicht, uns die große Liebe auf den ersten Blick zu verkaufen.
Natürlich darf auch der für einen Western obligatorische Showdown nicht fehlen  – aber ebenso selbstverständlich ist, dass der Bösewicht und seine Mannen gegen ein paar aufrechte Männer keine Chancen haben. Und das ist nicht wirklich ein Spoiler. 😎

Mein Fazit: Nette Geschichte für zwischendurch, aber sicher nichts, das die Welt verändert oder das Genre der Kurzgeschichte revolutioniert. Die Geschichte hätte „runder“ gewirkt und deutlich an Tiefgang gewonnen, wenn die Autorin einen richtigen Roman daraus gemacht hätte. Das Richtige für Leute, die gern gehaltvolle Groschenromane lesen (was nicht abwertend gemeint sein soll).

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Stanislaw Lem: Die Sterntagebücher (Hörbuch).

lem-sterntagebuecher1„Ihr wollt, daß ich wieder etwas erzähle? Ja. Ich sehe, daß Tarantoga schon nach seinem Stenogrammblock greift … Warten Sie, Professor. Ich habe wirklich nichts zu erzählen. Wie? Nein, ich scherze nicht. Schließlich könnte ich ja auch mal Lust haben, einen Abend lang in eurer Gesellschaft zu schweigen. Weshalb? Nun, weshalb wohl! Meine Lieben … ich habe nie davon gesprochen, aber der Kosmos ist vor allem von solchen Wesen bevölkert wie wir. Nicht nur, daß sie menschenähnliche Gestalt haben, sie sind uns wie aus dem Gesicht geschnitten. Die Hälfte der bewohnten Planeten sind Erden, die einen etwas größer, die anderen kleiner, mit etwas kälterem oder etwas wärmerem Klima, aber was sind das schon für Unterschiede! Und ihre Bewohner … die Menschen – denn es sind schließlich Menschen – erinnern so sehr an uns, daß die Unterschiede nur die Ähnlichkeiten hervorheben. Daß ich nie darüber gesprochen habe? Wundert euch das? Überlegt doch mal.“ Aus den Erinnerungen Ijon Tichys

Als ich mir das Hörbuch „Sterntagebücher. Aus den Erinnungen Ijon Tichys“ zu Gemüte geführt habe, musste ich erst einmal erkennen, dass es sich hierbei nicht um Lems Sammlung mit den Storys „Aus den Sterntagebüchern Ijon Tichys“ handelt. Weit und breit keine Weltraumabenteuer zu Sicht. Keine exotischen Außerirdischen. Keine neuen Gesellschaftsmodelle. Kein oder nur ganz wenig von dem Humor, den man mir versprochen hatte. Stattdessen die Erkenntnis: Dieses Hörbuch enthält  ausschließlich die Zusatzgeschichten (Aus den Erinnerungen Tichys). Und diese haben es wirklich in sich!

Hier ist der große polnische SciFi-Autor Stanislaw Lem weniger humorvoll oder satirisch, sondern vielmehr (wissenschafts-)kritisch. Er geht in Form seiner Geschichten dem Gedanken nach, was geschieht, wenn man Wissenschaftsträume, SciFi-Träume Wirklichkeit werden lässt … und diese sich als Albträume entpuppen, wenn man sie vor der Durchführung nicht zu Ende gedacht hat bzw. wenn sie völlig ohne Aufsicht umgesetzt werden. Nahezu alle der sechs Geschichten haben mich traurig oder zumindest melancholisch und etwas nachdenklich zurückgelassen. Lem schildert darin Begegnungen zwischen Ijon Tichy und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen. Dadurch greift er zu seiner Zeit aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen auf und denkt diese konsequent – oder negativ – bis zum Ende durch. Wodurch sich diese auch heute noch als erstaunlich aktuell und brisant entpuppen.

Enthaltene Geschichten:

Tichy und Professor Corcoran: Tichy erhält eine Einladung von dem solipsistischen Professor Corcoran, der nur an die Existenz seines eigenen Ichs glaubt. Dazu hat er eine ganze Reihe von Elektronengehirnen erschaffen, die in großen Truhen „zu Hause“ und mit einem weiteren Rechner verbunden sind, der sie mit elektronischen Impulsen versorgt. Die Gehirne sind, so Corcoran, aber mehr als Computer. Es handelt sich um selbst-bewusste Rechenmaschinen, die glauben, dass sie ein reales Leben führen – der mit ihnen verbundene Rechner mit Datenbändern versorgt sie mit Informationen, auf die hin sie Entscheidungen fällen, Handlungen begehen, Emotionen empfinden. Corcoran hat also eine virtuelle Realität erschaffen, die die beteiligten Wesen aber als völlig real empfinden. Und seine Schlussfolgerung: Genau so läuft auch unsere Welt ab, die wir für real halten. Denn woher wissen wir, dass sie real ist und nicht nur eine geschickte Simulation? Und die einzige Rechenmaschine, die vermutet oder zu glauben weiß, dass ihre Realität nur eine Täuschung ist, gilt in ihrer „Realität“ als Wahnsinniger! „Matrix“ lässt grüßen!

Tichy und Professor Decantor: Tichy wird eines Tages von Professor Decantor aufgesucht. Dieser glaubt, eine Methode entwickelt zu haben, wie die Seele eines Menschen ewig existieren kann – wobei er unter Seele nichts Metaphysisches versteht, sondern alle Erfahrungen, Erlebnisse, Wesenszüge des Menschen. Da seine Methode mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden ist, bittet er Tichy um finanzielle Unterstützung. Was Tichy jedoch erfahren muss, schockiert ihn zutiefst: Der Augenblick, in dem die eigene Seele in einem Behältnis (das einem großen Diamant ähnelt) konserviert wird, ist auch der Augenblick des Todes. Der Betreffende verliert seine menschliche Hülle und alle Sinne zur Warnung seiner Welt. Wahrnehmungssinne – die Seele existiert blind, taub, stumm, ohne Tast- oder Geruchssin im völligen Nichts. Decantor hat zur Demonstration seiner Methode ein „Ansichtsexemplar“ mitgebracht. Doch bis zum Gespräch mit Tichy war ihm nicht wirklich in letzter Konsequenz bewusst, was er dem Menschen angetan hat, dessen Seele in dem Behältnis konserviert wurde: seine eigene Frau. Die Vorstellung, was diese in ihrem Gefängnis wohl erleidet, ist für Tichy so entsetzlich, dass er Decantor alles gibt, was er besitzt, um dann das Behältnis zu zerbrechen, sodass Decantors Frau endlich sterben kann. Hier lädt Lem zweifellos zum Nachdenken über den Tod ein und das, was vielleicht noch kommt.

Tichy und Professor Sasul: Tichy gerät beim Spazierengehen in ein starkes Unwetter und sucht Schutz in einem heruntergekommenen Anwesen. Dort lebt der alte Professor Sasul, der ihn erst nach einer langen Diskussion ins Haus lässt. Doch dann präsentiert der Eigenbrödler ihm stolz eine wissenschaftliche Errungenschaft: Es ist ihm gelungen, mithilfe künstlicher Eiweißmakromoleküle einen Menschen zu klonen, der nun in einem riesigen Aquarium in einer Spirituslösung konserviert ist. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit: Sasul hat die Natur übertroffen und ein Wesen erschaffen, dass unsterblich ist. Er hat sich selbst geklont. Und der Klon hat ihn getötet, sodass es sich bei der konservierten Leiche um den echten Sasul handelt. In dieser Geschichte geht es unschwer um das Klonen von Lebenwesen – mit allen seinen entsetzlichen Konsequenzen.

Tichys und der Physiker Molteris: Tichy wird eines Abends von einem Physiker namens Molteris aufgesucht, der behauptet, eine Zeitmaschine erfunden zu haben. Als der von ihm „Zeit-versetzte“ Gegenstand verschwindet, stellt sich heraus, dass Molteris zwar in der Lage ist, einen Gegenstand auf eine Zeitreise zu schicken, aber noch nicht, auch zu kontrollieren, ob er auch wirklich zum festgelegten Zeitpunkt ankommt. Daraufhin beschließt er, dreißig Jahre in die Zukunft zu reisen, um mithilfe neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse auch dieses Problem zu lösen. Doch Tichy wartet vergebens auf seine Rückkehr. Was die beiden nämlich nicht bedacht hatte: Ein Körper/Mensch, der in die Zukunft reist, tritt nicht aus der Zeit heraus, sondern unterliegt weiterhin ihren Bedingungen – altert also ebenfalls schneller. Woraus Tichy schließt, dass Molteris als alter Mann in der Zukunft gestrandet und wahrscheinlich verstorben ist.

Tichy und die Waschmaschinen-Tragödie: Tichy schildert den Konkurrenzkampf zwischen zwei amerikanischen Waschmaschinenherstellern, die ihren Maschinen immer mehr zusätzliche Funktionen mitgeben, die mit allem zu tun haben außer mit dem Waschen von Maschinen. Dadurch entsteht im Laufe der Zeit ein Robotergeschlecht mit Selbst-Bewusstsein – und eine Menge juristischer Probleme. Unter anderem kommt es schließlich durch einen Menschen, der selbst zum Roboter wird, zur Gründung eines Roboterstaates (eines Roboterplaneten?) im Weltall. Hier macht sich Lem – natürlich – Gedanken über die Weiterentwicklung der Roboter und mögliche negative Konsequenzen. Diese Geschichte macht nicht nur nachdenklich, sondern ist auch unglaublich witzig!

Tichy und die Anstalt des Doktor Vliperdius: Durch einen Zeitungsartikel wird Tichy auf eine Nervenheilanstalt für Roboter aufmerksam, in der einige der „gestörten“ Roboter landen, die im Zuge des Waschmaschinenherstellerkampfes entwickelt wurden. Er besucht diese – die auch von einem Roboter geführt wird – und unterhält sich mit einigen Patienten, die erstaunlich menschliche Probleme haben bzw. nicht wirklich erkennen, dass sie Maschinen sind. Und dabei trifft er eine Maschine, die das Gefühl hat, dass ihr ihr komplettes Leben vorgegaukelt wird … wodurch sich gewissermaßen der Kreis zur ersten Geschichte schließt.

Klick mich an!Noch etwas zum Hörbuch: Die Geschichten werden kongenial von Michael Schwarzmaier gelesen. Dieser hat eine wunderbare, angenehme Vorlesestimme und bemüht sich darum, den beiden unterschiedlichen Stimmen in jeder Geschichte eine eigene Farbe, eigene Charakteristika zu geben. Was aber gar nicht geht: Auf der CD-Hülle nicht anzugeben, welche Geschichten enthalten sind! Und dann noch nicht einmal ein Booklet mit diesen Informationen beizufügen! Dass ich es hier mit den Zusatzgeschichten zu tun hatte und nicht mit den Weltraumabenteuern, war noch nicht einmal dem Werbetext zu entnehmen!
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Kathryn Springer: Love on a Deadline

springer-love-on-a-deadlineVor zehn Jahren hat MacKenzie Davis ihre kleine Heimatstadt Red Leaf fürs Studium verlassen – und es nicht einen Augenblick bereut. Doch als ihr Vater, der Footballcoach der örtlichen Highschool, einen Herzinfarkt erleidet, kehrt sie nach Hause zurück, um sich um ihn zu kümmern. Ein Jahr ist seither vergangen und Mac hat sich bei einer größeren Zeitung für eine Anstellung beworben. Bis dahin jobbt sie beim örtlichen Käseblatt, für das sie aber nur über wenig aufregende Nachrichten aus der Gegend berichtet.
Bis eines Tages Hollis Channing zurückkehrt, die während ihrer Schulzeit die Anführerin der Chearleader war – und sich auch einen Spaß daraus gemacht hat, Mac das Leben schwerzumachen. Sie plant, in Read Leaf ihren Verlobten, einen prominenten Schauspieler, zu heiraten, und Macs Chef gibt ihr den Auftrag, über dieses Großereignis zu berichten.
Doch nicht nur Hollis kehrt zurück. Auch Ethan Channing ist wieder da, der Bruder der Braut – und der Junge, der Mac vor über zehn Jahren das Herz gebrochen hat.
Als Ethan einwilligt, seiner Schwester bei ihrer kurzentschlossenen Heirat zu helfen, hat er keine Ahnung, welche Aufgaben die Organisation eines solchen Tages mit sich bringt. Und in welchem Zustand das alte Haus der Familie ist, in dem seit zehn Jahren niemand mehr gelebt hat. Als er Mac dabei „erwischt“, wie sie Fotos des Hauses und der Anlagen schießt, überredet er sie, ihm zu helfen. Er kann gar nicht glauben, dass es sich bei der wunderschönen jungen Frau, die plötzlich vor ihm steht, um die eher unscheinbare Tochter des Coaches handelt, und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Doch wird Mac das Risiko eingehen, ihr Herz noch einmal an ihn zu verlieren?

„Love on a Deadline“ ist Band 9 einer Reihe von in sich abgeschlossenen Hochzeitserzählungen unterschiedlicher Autorinnen, die unter dem Titel „A Year of Weddings“ im konfessionellen amerikanischen Zondervan Verlag erschienen sind. Um es vorab zu sagen: Die Geschichte bietet alles in allem nette Unterhaltung – ein Hauch Humor, viel Romantik (aber keine 6szenen).
Da es sich, wie gesagt, um eine Erzählung handelt, kann man nur wenig Charakterentwicklung erwarten. MacKenzie war während ihrer Schulzeit das, was man im Englischen als Tomboy bezeichnet – was sicher darauf zurückzuführen ist, dass sie nach dem Tod der Mutter von ihrem Vater, der Footballcoach an der örtlichen Highschool ist, großgezogen wurde und ihn zu allen Spielen begleitet hat. Darunter hat während ihrer Schulzeit ihr Image sehr gelitten. Vor allem die reiche Hollis Channing und ihr Freundeskreis haben ihr das Leben sehr schwer gemacht – und da die Channings auch noch Macs Nachbarn waren, war dies für sie besonders belastend. Erschwerend kam noch hinzu, dass sie heimlich in Ethan, den Star der Schule und Hollis‘ Bruder, verliebt war. An Tag ihrer Promfeier sah es so aus, als würde aus beiden ein Paar werden – doch Ethan erschien nicht zur Feier. Und damit waren auch Macs Pläne geplatzt. Bevor die beiden sich aussprechen können, waren die Channings nach dem Tod des Familienoberhaupts weggezogen und Mac verließ zum Studium die Stadt. Auch als sie jetzt Ethan wiedersieht, ist sie bereits auf dem Sprung, hat sie doch eine Anstellung bei einer großen Zeitung in Aussicht. Doch sie muss schnell erkennen, dass sich an ihren Gefühlen für Ethan nichts verändert hat.
Natürlich geht es Ethan ähnlich: Auch er fand Mac schon vor zehn Jahren ausgesprochen sympathisch – und als er sie jetzt wiedersieht und sie sich zu einer wunderschönen jungen Frau gemausert hat, verliert er (natürlich) gleich sein Herz an sie. Und die Leserin verliert ihres an Ethan. Er wird nämlich als sympathischer Zeitgenosse geschildert, ein hilfsbereiter junger Mann, der sich bereit erklärt, die Hochzeit seiner Schwester auf die Beine zu stellen.
Dass diese Geschichte ein Happyend haben wird, daran zweifelt natürlich niemand – und (natürlich) sind auch alle Missverständnisse schnell aus dem Weg geräumt. Eine Liebeserzählung von ca. 120 Seiten bietet eben nicht viel Raum für Charakterentwicklung oder eine tiefgehende Geschichte. Was mich jedoch störte: Es gibt in diesem Buch keine Grautöne, keine „normalen“ Menschen mit ernsthaften Schwächen oder körperlichen Unschönheiten; alle sind unglaublich nett und … gut. Selbst Hollis hat sich dort ihren Verlobten in eine sehr nette junge Frau verwandelt, die ihr Fehlverhalten von damals eingesehen hat und nun um Vergebung bittet.
Was der Autorin jedoch gelingt: den Charme einer Kleinstadtgemeinschaft zu vermitteln, wo jeder jeden kennt und man sich gegenseitig hilft, wenn Hilfe nötig ist. Das war tatsächlich ein Aspekt, der mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat und der mich an den Kleinstadtcharme in Serien wie „Gilmore Girls“ erinnert hat. Auf diese Weise vermittelt die Autorin dann auch, was wirklich zählt im Leben, was wichtiger ist als beruflicher Erfolgt oder Ansehen: Beziehungen zu Menschen, die einen so annehmen, wie man ist; die einen auch dann noch tragen, wenn man selbst nicht weiterkann.

Mein Fazit: Ich mochte die Geschichte durchaus und habe mich auch nicht gelangweilt. Sie ist genau das Richtige für jemanden, der eine altmodische, süße Liebesgeschichte lesen will. Allerdings hätte ich mich geärgert, wenn man mir diese Geschichte nicht kostenlos zur Verfügung gestellt, sondern ich sie hätte kaufen müssen.

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Kage Baker: Die Frauen von Nell Gwynne’s

baker-frauen-nell-gwynnesLady Beatrice ist eine Tochter aus gutem Hause. Ihr Vater, ein britischer Offizier, ist in Indien stationiert, kommt jedoch mit allen seinen Männern auf einem Einsatz ums Leben – Lady Beatrice, die ihn dorthin begleitet hat, wird gefangen genommen, missbraucht. Doch es gelingt ihr, ihre Entführer zu töten und nach mithilfe alter Freunde ihres Vaters nach England zurückzukehren. Doch aufgrund der Tragödie ist sie dort im frühviktorianischen London nicht länger willkommen. Sie ist gezwungen, der einzigen Beschäftigung nachzugehen, die sich einer Frau wie ihr eröffnet.
Doch Lady Beatrice ist kein gewöhnliches leichtes Mädchen und so wird sie sehr bald für das diskrete Etablissement „Nell Gwynne’s“ rekrutiert. „Nell Gwynne’s“ ist weit mehr als nur das beste und exklusivste Bordell in Whitehall. In Wirklichkeit ist es die Schwesterorganisation der „Spekulativen Gesellschaft der Gentlemen“, bei der es sich wiederum um eine Art Geheimdienst handelt.
Als ein Mitglied dieser Gesellschaft auf einem Sondereinsatz vermisst wird, nehmen Lady Beatrice und ihre „Schwestern“ die Ermittlungen auf …

„Die Frauen von Nell Gwynne’s“ ist eine unterhaltsame Steampunk-Krimi-Erzählung, sehr kurzweilig und actionreich. Sie wirkt gut geschrieben und lässt sich innerhalb von ein, zwei Stunden durchaus verschlingen. Bei der Beschreibung und dem Einsatz der Gadgets fühlt man sich so manches Mal an „James Bond“ erinnert. Die für den Steampunk so typischen anachronistischen technologischen Spielereien, die den „Ermittlerinnen“ zur Verfügung stehen, scheinen direkt aus dem Fundus eines frühviktorianischen Q entsprungen zu sein. Und vermutlich ist das das einzig Positive, das man über diese Erzählung sagen kann. Das Büchlein hat zwar 160 Seiten, aber da der Verlag eine relativ großzügige Schriftgröße verwendet hat und alle Kapitel auf einer rechten Seite beginnen und die vorangehende Seite ggf. vakat ist, nimmt die eigentliche Geschichte deutlich weniger Umfang in Anspruch.

Die Geschichte an sich hätte durchaus Potenzial, aber da es sich dabei, wie gesagt, nur um eine Erzählung handelt, kommen viele Elemente einer guten Geschichte zu kurz: Eingehendere Charakterbeschreibungen der handelnden Figuren gibt es keine. Alles konzentriert sich auf das eine Abenteuer, in dessen Rahmen eine Reihe von „Mitarbeiterinnen“ des Edelbordells „Nell Gwynne’s“ den Auftrag erhält, zum einen den verschwundenen Mitarbeiter einer Secret-Service-artigen Gesellschaft zu finden – und zum anderen herauszubekommen, was es mit der geheimnisvollen technologischen Erfindung auf sich hat, die ein britischer Adliger meistbietend an Vertreter ausländischer Mächte verkaufen will. Als Prostituierte in einem Edelbordell erlangen sie dazu Zugang – und durch eine Orgie gelangen sie auch bis in die Schlafzimmer der betreffenden Herren. Allerdings sind diese Passagen zwar amüsant, aber in etwa so prickelnd und erotisch wie eine Wetterstandsmeldung. Auch hier hätte man definitiv mehr aus der Geschichte herausholen können.

Aufgrund der Inhaltsangabe könnte man darüber hinaus annehmen, dass Lady Beatrice die Hauptfigur ist. Ihre Lebensgeschichte wird dem Leser breit präsentiert. Und diese ist auch wirklich sehr faszinierend und bietet Stoff für einen eigenen Roman.  Aber im weiteren Verlauf der Handlung wäre es völlig gleichgültig, ob eine Leiche von ihr gefunden wird oder von einer ihrer Kolleginnen, ob sie einen Gegner ausschaltet oder ihre Vorgesetzte … Nominell ist sie die Protagonistin – faktisch ist sie es nicht. Betrachtet man die Geschichte im Gesamten, müsste man sogar sagen, dass ihre Lebensgeschichte für die eigentliche Handlung völlig gleichgültig ist. Dass sie aufgrund ihrer Vergangenheit emotional distanziert und abgebrüht ist, dass sie bereit ist, auch Unangenehmes zu tun, Menschen auszuschalten oder zu vernichten – das ist sicher etwas, das sowohl ihre Vorgesetzte als auch ihre Kolleginnen auszeichnet. Und von einer besonderen Intelligenz, die erwähnt wird, ist auch wenig zu spüren – zumindest nicht unbedingt mehr als z. B. Mrs. Corvey, die Leiterin des Bordells.

Auf der Wikipedia-Seite zur mittlerweile verstorbenen Autorin kann man lesen, dass sie nach ihrem Tod posthum für diese Kurzgeschichte sowohl mit dem Nebula Award als auch mit dem Locus Award ausgezeichnet wurde. Warum, ist mir ehrlich gesagt ein großes Rätsel.

Mein Fazit: Eine Verschwendung von Lebenszeit und hart verdientem Geld. 😉