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Titus Müller: Der den Sturm stillt

mueller der den sturm stilltTitus Müller hat sich in seinem neuen Band mit Erzählungen die Frage gestellt: Jesus zu begegnen und ihn zu erleben – was hat das für die Menschen zu seiner Zeit bedeutet? Seine Antwort: Es war schockierender, berührender und lebensumwälzender, als wir heutzutage meinen! Dabei verbindet er gekonnt historische Hintergründe und emotionales Mit-dabei-Sein zu einem Leseerlebnis, das es ermöglicht, die Bibel in einem ganz neuen Licht zu sehen: als wären wir dabei.

Wenn man regelmäßig sonntags in die Kirche oder eine Gemeinde geht und mehr als nur einen Blick in die Bibel geworfen hat, hat man die biblischen Geschichten dutzendfach in Predigten gehört oder gelesen. Es besteht die „Gefahr“, dass sie abgegriffen klingen und uns kaum noch etwas sagen. Und das gilt auch für Jesus selbst: Wir glauben, ihn zu kennen, das, was er getan hat. Aber die wirkliche Brisanz der Dinge, die er vor zweitausend Jahren gesagt und getan hat, ist uns oft nicht bewusst. Die Bibel berichtet nur knapp, und wir übersehen beim Lesen häufig, wie umwälzend und verrückt und großartig und schockierend die Begebenheiten waren, die geschildert werden. Titus Müller hat die Hintergründe recherchiert und sich in die Situationen hineingedacht. Er erzählt sie emotional packend, so, wie sie die Beteiligten damals erlebt haben könnten:
Was hat es bedeutet, wenn Jesus während der Wasser-Dankesfeier im Tempel dazwischenrief, dass bei ihm lebendiges Wasser zu bekommen sei? Wie kam es bei den Leuten damals an, dass er einen Zöllner am Zollhaus ansprach und ihn einlud, sein Jünger zu werden? Was bedeutete es für einen römischen Hauptmann, das Legionslager zu verlassen und zu Jesus zu gehen und ihn zu bitten, seinen Diener zu heilen? Und wie reagierten die Leute in der Trauergemeinde, als Jesus einer Witwe, die gerade ihren einzigen Sohn zu Grabe trug, sagte: „Weine nicht“?
Mit diesem Buch berühren die Geschichten der Bibel Menschen wieder neu.

Einige der 25 Geschichten:
Die Weisen aus dem Morgenland
Die Hirten im Stall
Versuchung Jesu
Der Hauptmann von Kapernaum
Berufung des Matthäus
Ährenraufen am Sabbat
Johannes der Täufer wird hingerichtet
Jesus fragt die Jünger: Wer bin ich?
Jesus erweckt den verstorbenen Sohn der Witwe von Nain wieder zum Leben
Die Frau am Jakobsbrunnen
Lebendiges Wasser
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
Der barmherzige Samariter
Einzug in Jerusalem und Tempelreinigung
Auferstehung
Jesus erscheint den Jüngern und beauftragt Petrus neu
Petrus wird zu den Heiden nach Cäsarea gesandt

Mein Fazit: Ich stelle wieder einmal fest, dass ich Titus Müller dann am meisten schätze, wenn er die „kleinen“ Geschichten erzählt und sich in den Alltag von Menschen hineindenkt oder einen etwas „anderen“ Blick auf das Leben wirft. Und genau das tut er in „Der den Sturm stillt“. Ich hatte einige Aha-Momente bei Geschichten, von denen ich dachte, ich kenne sie in- und auswendig – und hatte spätestens, als Titus erzählt, wie es nach der Auferstehung zu einem Vier-Augen-Gespräch zwischen Jesus und Petrus kommt, einen Kloß im Hals.

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Diana Gabaldon: Die Hand des Teufels

Dieser Kurzgeschichtenband enthält drei Geschichten über Lord John Grey:

In „Lord John und die Flammen der Hölle“ wird John Grey von Robert Gerald – einem jungen Verwandten seines Club-Freundes Quarry – um ein vertrauliches Gespräch gebeten, doch bevor es dazu kommt, wird Gerald vor den Augen von Grey und Quarry ermordet. Grey bringt in Erfahrung, dass ein mysteriöser Bund an den jungen Mann herangetreten war. Um herauszufinden, ob es um eine politische Verschwörung oder etwas anderes geht, sucht auch Grey den Kontakt zu den Mitgliedern des Bundes. Ohne zu wissen, dass sein Leben in Erfahrung ist …

„Lord John und der magische Pakt“ entführt den Leser in das Jahr 1757 nach Grundwitz, Preußen, wo die Engländer gemeinsam mit Hannoveranern und Preußen gegen die vereinten Truppen Österreichs und Sachsens kämpfen. Doch die englischen Truppen sind in Aufruhr, als das Gerücht aufkommt, dass eine Hexe die Männer nachts mit einem Fluch belegt. Der eher pragmatische Grey glaubt jedoch nicht an das Übersinnliche und stellt eigene Nachforschungen an …

In „Lord John und der Geistersoldat“ findet sich Grey dann 1758 vor einem Tribunal wieder – ist doch eine unter seinem Kommando stehende Kanone explodiert und hat eine ganze Reihe von Soldaten mit in den Tod gerissen. Grey ist schnell klar, dass man es eigentlich auf seine beiden Brüder abgesehen hat, von denen einer die Munition für diese (und andere britische) Kanone geliefert hat. Doch Grey muss sich nicht nur gegen die politischen Wirren zur Wehr setzen, die Schwester eines jungen Mädchens, das gemeinsam mit einem Offizier durchgebrannt ist, der bei der Explosion der Kanone ums Leben kam, gebeten, den Verbleib der Verschwundenen in Erfahrung zu bringen.

Lord John Grey ist eine Figur aus Diana Gabaldons Highlander-Saga um den Schotten Jamie Fraser – und darüber hinaus (zumindest in den späteren Bänden der Serie) Ziehvater dessen unehelichen Sohnes. Die Romane dieses Kurzgeschichtenbandes sind zwar weniger gruselig, wie in den Werbetexten des Verlages beworben, aber nichtsdestotrotz schildert uns die Autorin eine zutiefst sympathische Hauptfigur, die man einfach mögen MUSS. John Grey war während James Frasers Zeit in einem schottischen Gefängnis für die Institution verantwortlich und hat sich damals auch in den jungen Schotten verliebt – Grey ist nämlich homosexuell, was in den Geschichten zumindest klar angedeutet wird (wenn es auch keine Liebesszenen gibt), da ein solches Verhalten im 18. Jahrhundert undenkbar und auch strafbar war – vergleichbar mit Sodomie. Wenn es auch in den Geschichten nicht um die übliche Wer-kriegt-wen-Storyline geht, so schafft Gabaldon doch eine humorvolle, warme Atmosphäre, und man fragt sich, ob Grey nicht doch irgendwann noch sein Glück findet.

Fazit: Wer mehr über Jamie und Claire wissen will, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Wer John Grey jedoch ins Herz geschlossen hat, wird hier mit drei vergnüglichen Geschichten belohnt.