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Andrea Schwarz: Kurz & Gott. Himmelwärts

schwarz-himmelwaertsAndrea Schwarz (Jahrgang 1955) gehört zu den meistgelesenen christlichen Autorinnen unserer Zeit. In „Kurz & Gott – Himmelwärts“ hat der adeo Verlag Gedankenfetzen, Alltagsgebete und Stoßseufzer aus 35 Jahren zusammengestellt.
 
 
schwarz-himmelwaerts2Schon rein optisch ist das kleine Büchlein ein echtes Vergnügen – und ein tolles Geschenk. Die kurzen Texte sind großzügig gesetzt. Fast jede Seite hat eine andere Farbe. Aber das Besondere: Andrea Schwarz‘ Kurztexte werden von sehr ansprechenden Bleistiftskizzen von Eberhard Münch begleitet, dessen Arbeiten ich seit Jahren sehr schätze.
Aber auch inhaltlich ist das Buch sehr stark. In den Kurztexten kommen die unterschiedlichsten Aspekte des persönlichen Glaubens zum Tragen: Freude, Zweifel, Dank, Fragen, (Zukunfts-)Angst, Vertrauen … Schwarz ist eine exakte Beobachterin des Alltags, in dem sie immer wieder Gottes Spuren entdeckt. Wenn man sie als spiritueller Mensch auf sich wirken lässt, findet man sich in vielen der Gedankensplitter wieder. Und Zeit muss man sich für dieses Buch wirklich nehmen. Man sollte es auf sich wirken lassen, immer wieder eine Denkpause einlegen …

Mein Fazit: Mit Leichtigkeit gelingt es Andrea Schwarz, Tiefgang und Einfachheit zusammenzuführen. Das Buch war für mich eine wirklich positive Entdeckung!

gelegentlich
holt mich
mein Dunkel ein

da tut das Leben weh
der Schmerz zerreißt mich
ich sehe den Weg nicht mehr

und dann
vergess ich
manchmal

dass du mitten im Dunkel
schweigend
neben mir sitzt

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Shakespeares Sonette

shakespeare sonnetteDer berühmteste Liebesgedichte-Zyklus der Weltliteratur ist so zeitlos wie modern. In der klassischen Form des Sonetts führt der Dichter einen furiosen Dialog mit seinen Umworbenen: dem „schönen Jüngling“ und der „dunklen Dame“. Wütend schreibt er gegen die Endlichkeit des Fleisches und seiner Passion an. Doch nur in der Kunst und der Dichtung sind Schönheit und Leidenschaft der Zerstörung und Vergänglichkeit entzogen. (Werbetext)

Es war faszinierend, „Shakespeares Sonette“ in der Ausgabe von dtv zu lesen. Und ein wahrer Genuss. Gedichte allgemein, aber sicher diese Klassiker im Besonderen, kann man nicht so lesen wie andere Bücher, das habe ich schnell gemerkt. Daher habe ich die 154 Sonette an 154 Abenden hintereinander gelesen. Einige von ihnen erschließen sich dem Leser schon beim ersten Lesen. Andere muss man mehrfach lesen, um sich ihren Sinn zu erschließen – und macht beim wiederholten Lesen eine Entdeckung nach der anderen. Und wieder andere sind wie ein guter Wein: Man liest sie mehrfach und lässt sie sich auf der Zunge zergehen, weil die verwendeten Bilder auch aus Sicht der Moderne so großartig und noch so aktuell sind. Es geht ums Älterwerden, um sehnsüchtige oder enttäuschte Liebe, um das Finden der richtigen Worte für die Dichtkunst, um das Hinterlassen von etwas Bleibendem, wenn man „gegangen“ ist … Als Leser findet man sich in erstaunlich vielen Gedanken wieder.

Die Übersetzerin Christa Schwenke hat kongeniale Arbeit geleistet. Sie musste ja nicht nur die richtige Übersetzung anfertigen, sondern sah sich auch vor die Herausforderung gestellt, Reim und Rhythmus wiederzugeben, deutschsprachige Bilder für die verwendeten Metaphern aus Nautik, Alchemie oder Astronomie zu finden. Wow! Da wird das Lesen wirklich zu etwas Besonderem!

Meine einzige Kritik: Bei einem so besonderen Werk hätte ich mir eine schönere Verpackung gewünscht. Der Satz im Innenteil ist recht einfach; hier hätte man imho dezent ein wenig mehr machen können – das Auge isst schließlich mit. Und auch der Umschlag könnte geschenkiger daherkommen – durch einen Leineneinband, eine Prägung oder ähnliches. Aber vermutlich hätte man dann die „magische Grenze“ von 10 Euro überschritten, die im Verlagsgeschäft als Geschenk-Grenze gilt.

Das bekannteste Sonett ist vermutlich Sonett CXVI:

Nie darf ein Hemmnis reiner Seelen Bund
Im Wege stehn. Die Lieb ist Liebe nicht,
Die schwankend wird, schwankt unter ihr der Grund,
Und schon an einem Treuebruch zerbricht.
Sie ist die Boje, die kein Sturm versenkt,
Die unerschüttert steht im Zeitenstrom,
Ist Leitstern, der verirrte Schiffe lenkt;
Was Liebe kann, ermißt kein Astronom.
Liebe ist nicht der Narr der Zeit, die zwar
Selbst Rosen fällt mit ihrem Sichelschlag;
Im flinken Lauf der Zeit unwandelbar
Besteht die Liebe bis zum Jüngsten Tag.
Dann Wenn, was hier steht, sich je als falsch ergibt,
Dann Dann schrieb ich nie, hat nie ein Mensch geliebt.

(c) Christa Schwenke
Aus: Shakespeares Sonette. München, dtv 2011

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Erich Fried: Gedichte

Politische Gedichte und Liebesgedichte, romantische Gedichte und entlarvende Gedichte, Zeitgeschehen und zeitlos, allgemein und persönlich, Wortspiele und Wortspielereien … Die Bandbreite der Gedichte von Erich Fried ist groß, und je nach persönlichem Geschmack, je nach Befinden, je nach Persönlichkeit ist für jeden etwas dabei. Der Dichter bricht dabei aus dem üblichen Versschema aus, sodass seine Verse schon allein durch die ungewöhnlichen Zeilenumbrüche und den Verzicht auf Zeichensetzung zum langsamen Lesen und Nachdenken einladen.
Fazit: Einen Gedichtband von Erich Fried zu besitzen ist eigentlich ein Muss.

 

 

Die Lüge von den kurzen Beinen
Die
Beine
der
größeren
Lügen
sind
gar
nicht
immer
so
kurz

Kürzer
ist
oft
das
leben
derer
die
an
sie
glaubten

Angst und Zweifel
Zweifle nicht
an dem
der dir sagt
er hat Angst

aber hab Angst
vor dem
der dir sagt
er kennt keinen Zweifel

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Erich Fried: Liebesgedichte

Wer glaubt, daß Liebesgedichte immer schmalzig und viel zu gefühlsbetont sein müssen, wird beim Lesen von Erich Frieds Gedichten eines besseren belehrt. Die Gedichte sind modern und doch zeitlos. Sie sind voller Begeisterung, traurig, melancholisch, intim, ungewöhnlich, manchmal leicht politisch und spielen mit den Worten … Auch Leser, die für (Liebes-)Gedichte wenig übrig haben, werden bestimmt ebenfalls bald ihr Lieblingsgedicht entdecken, denn dem Charme dieser Schöpfungen kann man sich nicht entziehen. Doch halt: Wer beim ersten Lesen den Eindruck hat, daß es einfache, lapidare Gedicht ohne Reim handelt, sollte sie noch einmal lesen: Hinter der vermeintlichen Simplizität verbirgt sich eine unglaubliche Tiefe und manchmal auch Traurigkeit.

 

Trennung

Der erste Tag war leicht
der zweite Tag war schwerer
Der dritte Tag war schwerer als der zweite

Von Tag zu Tag schwerer:
Der siebente Tag war so schwer
daß es schien er sei nicht zu ertragen

Nach diesem siebenten Tag
sehne ich mich
schon zurück

Ein Buch für Liebende. Unbedingt zu empfehlen.