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Jen McLaughlin: Between us

Mackenzie Forbes ist mit Anfang zwanzig eine erfolgreiche Countrysängerin, studiert nebenbei aber noch Psychologie. Sie hat schon viel erlebt in ihrem Leben: Mit 17 wurde sie berühmt, ihre Mutter hat einen Teil ihres Vermögens mit Drogen durchgebracht, was zu einer Scheidungsschlacht mit Macs Vater führte, der aber wenig später schon bei einem Unfall ums Leben kam.
Und weil sie bereits zwei schreckliche Erfahrungen mit (potenziellen) Freunden und Paparazzi hinter sich hat, will sie während des Spring Break unerkannt in Key West dafür sorgen, dass ihre Jungfräulichkeit Geschichte ist, ohne dass die Presse davon Wind bekommt.
Austin ist Mitte zwanzig und hat ebenfalls eine schreckliche Kindheit hinter sich: Sein Vater war Alkoholiker, misshandelte Frau und Kinder und war für den Tod der Mutter verantwortlich. Nun trägt Austin seit vielen Jahren die Verantwortung für seine jetzt 16-jährige Schwester. Als Barkeeper sorgt er für den Unterhalt seiner kleinen „Familie“.
Doch er kann es kaum glauben, als eines Tages die berühmte Sängerin Mackenzie Forbes vor ihm steht und ihm zu verstehen gibt, dass sie eine Nacht mit ihm verbringen will …

„Between us“ ist Band 1 einer Trilogie mit dem Titel „Sex on the Beach“ zu der drei unterschiedliche Autorinnen eigene Geschichte aus demselben „Universum“ beitragen: Jen McLaughlin (Band 1: Between us; 148 Seiten), Jennifer Probst (Band 2: Beyond me) und Jenna Bennett (Band 3: Before you). Die Kurzgeschichten erzählen die Love Storys dreier Freundinnen, die sich während des Spring Break in Florida amüsieren und unverbindlichen Sex haben wollen. Dass alle drei dabei die große Liebe finden, versteht sich an dieser Stelle von selbst und muss wohl nicht explizit erwähnt werden. Und dass die Figuren nur eindimensionale Schönheiten sind, vermutlich auch nicht.

Band 1 handelt von Mackenzie Forbes, die nach dem Rosenkrieg ihrer Eltern und dem frühen Unfalltod ihres Vaters allein dasteht. Sie hat als Fünfzehnjähre die TV-Sendung Who Sings It Best gewonnen, ihre ersten Musikvideos mit 16 gemacht und ist seither ein erfolgreicher Countrystar – oder auch: America’s Sweetheart. Obwohl sie in ihren Videos nicht allzu zugeknöpft auftritt, ist sie mit 21 immer noch Jungfrau. Ihr Vater hat ihr schon früh eingebläut, wie wichtig ihr Image für das Musikbusiness ist: Never step out of line. Never get caught doing something bad. And never misbehave in public. Schon zweimal hat sie versucht, ihrer Jungfräulichkeit „abzuhelfen“, doch beide jungen Männer haben sie für Geld und Ruhm an die Presse verraten, sodass eigentlich niemand auf den Gedanken kommt, dass sie noch unberührt ist.
Doch jetzt hat sie beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Sie hat ihre zwei besten Freundinnen eingeladen, während des Spring Break mit ihr nach Florida zu reisen – und dort will sie sich (mit gefärbten Haaren, um unerkannt zu bleiben) für einen unverbindlichen One-Night-Stand einen gut aussehenden Mann suchen. Ihre Wahl fällt auf Austin Murphy, der – rein äußerlich – das genaue Gegenteil von ihr ist: groß, muskulös und tätowiert. Eben ein echter Badboy.
Doch Austin ist nicht nur Barkeeper, sondern auch Sänger, und natürlich erkennt er Mackenzie sofort, verrät ihr dies jedoch nicht. Wie sie hat auch er eine schwierige Kindheit und Jugend hinter sich – sogar noch schlimmer als Mackenzie: Sein Vater war ein Schläger und Säufer, der die Schuld am Tod der Mutter trägt. Als er nicht nur Austin verprügelte, sondern auch dessen jüngere Schwester Rachel, setzte dieser sich zur Wehr. Das Ganze eskalierte schließlich im Selbstmord des Vaters, der sich vor den Augen von Rachel eine Kugel in den Kopf gejagt hat – nicht ohne vorher auf sie zu schießen. Da sie damals erst 14 Jahre alt war, kümmert er sich seither um sie. Er hat die Schule abgebrochen, seinen Traum, Sänger zu werden, an den Nagel gehängt und jobbt als Barkeeper in Key West. Trotz all meiner Kritikpunkte an dieser Geschichte konnte ich Ashton durchaus auch sehr positive Seiten abgewinnen. Als es nämlich darum geht, ob er ein gemeinsames Leben mit Mackenzie in Betracht zieht, macht er ihr sofort deutlich, dass seine Schwester für ihn Priorität hat und dass er nicht bereit ist, sie (erneut) aus der gewohnten Umgebung zu reißen.
Als die berühmte Countrysängerin Mackenzie Forbes vor ihm steht und ihm Avancen macht, kann er dennoch sein Glück kaum fassen. Zwar kommt es zum obligatorischen Missverständnis, als sie erfährt, dass Austin ihre Verkleidung durchschaut hat, aber sie beschließt, ihm dennoch zu vertrauen – und ihre Jungfräulichkeit an ihn zu verlieren. In der ersten Nacht lehnt er ihr Angebot heldenhaft ab, denn sie hat schon ein paar Cocktails intus, und er will ihre Willigkeit nicht auszunutzen. In der zweiten Nacht geschieht es dann aber. Und natürlich ist der Sex weltbewegend, Sterne explodieren vor ihren Augen (nope, das habe ich mir nicht ausgedacht – steht so im Buch), und die Nacht ist viel zu kurz für all das, was die beiden alles tun wollen. 🙂 Weshalb sich der One-Night-Stand zu einer More-Nights-Einrichtung mit großartigem Sex und noch viel mehr Spaß und Kennen- bzw. Liebenlernen entwickelt, denn:

He kissed the tip of my nose, then sobered up. „You really love me?“
„I really do. I think I have since the first time you kissed me, but it took me this long to be sure. I didn’t want to rush into anything, or rush you into anything before you were ready.“

Mackenzie ist schon nach drei Tagen bereit, ihr Studium in Chicago und ihre Freunde hinter sich zu lassen, um mit Austin und seiner Schwester ein neues Leben zu beginnen. Höflich gesprochen war ich darüber etwas irritiert, bis mir klar wurde, dass wir es hier ja mit einer für ältere Teens verfassten Kurzgeschichte zu tun haben, und natürlich bricht dort die große Liebe schon beim ersten Blick aus und natürlich hält diese Liebe für alle Zeiten und natürlich zieht man mit Sack und Pack gleich beim Geliebten hat. Sorry, dass ich nicht gleich erkannt habe, dass nicht die Geschichte bzw. die handelnden Figuren ein Problem haben, sondern ich.
Und natürlich ist Austin ja nur rein äußerlich ein echter Badboy, aber in Wahrheit natürlich ein durch und durch vertrauenswürdiger, großherziger [insert noch viele andere positive Adjektive] Bruder, der nur für den Lebensunterhalt als Barkeeper arbeitet, aber in Wahrheit natürlich ein richtig guter Sänger ist, der gleich in Mackenzies Vorprogramm auftreten darf, und noch nie hat er sich einer Frau so geöffnet, wie er sich ihr in den wenigen Tagen öffnet. Was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht: There was something in the way he made me feel, the way he treated me, that told me he wasn’t like any other man. He would be the guy I measured every other guy up against in the future, and they’d all be found lacking. Äh, ja, natürlich.

Mein Fazit: Ehrlich? Dazu muss ich jetzt noch was sagen? Wenn ihr 15 seid, findet ihr die Geschichte bestimmt wahnsinnig romantisch. Wenn ihr älter seid, wisst ihr, dass diese Anhäufung von positiven Stereotypen im wahren Leben nicht vorkommt. Und ich habe mich noch nicht einmal dazu geäußert, dass ich es nicht besonders verantwortungsvoll finde, wenn Autorinnen in Kurzgeschichten für (ältere) Teens anonymen Sex propagieren …

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Adrian J. Walker: Am Ende aller Zeiten

Edgar Hill ist Mitte dreißig und er hat sein Leben gründlich satt. Er ist unzufrieden mit sich und seinem Alltag in Schottland als Angestellter, Familienvater und Eigenheimbesitzer. Seinen beiden kleinen Töchtern steht er recht distanziert gegenüber, die Beziehung zu seiner Frau ist abgekühlt. Stattdessen flüchtet er sich in das Feierabendbier und den Fernseher. Er fragt sich: War das sein Leben? Hat das alles irgendwann einmal ein Ende? Er ahnt nicht, dass sich die Katastrophe bereits anbahnt.
Als das Ende kommt, kommt es von oben: Ein dramatischer Asteroidenschauer, den die Regierungen der Welt bis zum Vorabend vor den Menschen geheimgehalten haben, verwüstet (nicht nur) die Britischen Inseln. Das Chaos ist gigantisch, die Katastrophe total. Ganze Städte werden ausgelöscht. Straßen, das Internet, die Zivilisation selbst gehören plötzlich der Vergangenheit an. England liegt in Schutt und Asche. Ist dies der Weltuntergang?
Edgar und seine Familie können sich in ihren Keller retten und werden eine Woche später von militärischen Suchtrupps gefunden. Während es zunächst den Anschein hat, als … , werden die vier während der Evakuierung voneinander getrennt, und ihm bleibt nur eine Wahl: Will er Frau und Kinder jemals wiedersehen, muss er innerhalb von etwa drei Wochen 500 Meilen weit laufen, um das rettende Schiff zur Südhalbkugel zu erwischen – durch ein zerstörtes Land, von Edinburgh nach Cornwall.
Zusammen mit einer Handvoll Gefährten begibt sich Edgar Hill auf einen Lauf durch ein sterbendes Land. Doch sein Weg ist gefährlich: Im postapokalyptischen England kämpft jeder gegen jeden ums blanke Überleben.

„Am Ende aller Zeiten“ ist schon rein äußerlich ein Hingucker. Das Buch des Australiers erinnert an ein Notizbuch mit einem schon strapzierten Gummizug, der an mehreren Stellen festgetuckert wurde, und dieser „Gummizug“ wurde auf das Cover des Buches aufgeprägt, was sich sehr schön anfühlt, wenn man darüberstreicht (ja, ich habe es mehrmals getan :-)).

Die Geschichte selbst ist aber auch sehr gut und packend erzählt. Es fiel mir immer wieder schwer, das Buch aus der Hand zu legen, obwohl es zwangsläufig viele unangenehme Szenen enthält. Man glaubt es kaum, dass es sich bei „Am Ende aller Zeiten“ wirklich um einen Erstling handelt! Wenn man wollte, könnte man höchstens kritisieren, dass der Wechsel von grausamen, spannenden Szenen zu Atempausen – für den Leser und für Ed und seine kleine Gruppe – sich zu durchschaubar vollzieht. Walker (wenn hier mal nicht der Name Programm ist!) beschreibt die Umwelt so ausführlich, wie es notwendig ist, aber keinen Satz mehr. Das Gleiche gilt auch für gelegentliche Rückblicke in Eds Kindheit: Der Leser erfährt das, was er über Ed wissen muss (wie er zu dem wurde, der er heute ist, und dass er schon in seiner Kindheit „prophetische“ Träume davon hatte, dass er einmal ganz allein sein würde), aber auch nicht mehr als nötig. Auch die Welt nach dem Einschlag der Asteroiden wird zwar sehr realitätsnah und sehr düster beschrieben, aber nicht mit einer derartigen detaillierten „Freude“ an der Grausamkeit und der Zerstörung, wie man sie bspw. bei The Walking Dead findet. Walker interessiert vielmehr , wie die „Gesellschaft danach“ aussieht: kalt. Grausam.

Was mich immer wieder berührt, wenn ich postapokalyptische Romane lese: Die Autoren sind sich erschreckend einig darin (ja, ich weiß, das macht das Wesen einer Dystopie aus …), dass die Menschheit sich unweigerlich negativ entwickeln wird. Gibt es eigentlich überhaupt einen Autoren, der glaubt, dass in der Menschheit auch nur ein Hauch von Menschlichkeit steckt?! Bei Walker ist dies auch der Fall: Schon bevor das Unglück eintrifft, beginnt der Kampf um Lebensmittel und (Über-)Lebensraum, und daran ändert sich  zwangsläufig auch nach der Katastrophe nichts. Die Menschen rotten sich zusammen, denn in der neuen Welt kann ein Einzelner kaum überleben. Man rottet sich zusammen, um Lebensmittel zu sichern, um stärker zu sein als andere Überlebende, die denselben Kampf ausfechten. Und schnell zeigt sich, dass die Überlebenden vor nichts, aber auch gar nichts zurückschrecken, um ihr neugefundenes Stück vom Kuchen zu verteidigen. Und erstaunlicherweise hat mich noch nicht einmal die Episode mit der Bauernfamilie und ihren Schweinen überrascht – spätestens seit Deadwood wissen wir ja, was man mit Schweinen so alles anfangen kann …

Ein wenig enttäuscht war ich darüber, wie wenig Raum die Tatsache einnimmt, dass die kleine Gruppe Überlebender, die gemeinsam mit Ed auf dem Weg nach Cornwall ist, die weite Strecke läuft. Ja, das wird erwähnt, und es gibt auch immer einmal kurze Passagen, in denen die Auswirkungen des Laufens auf Ed beschrieben werden. Aber der Werbetext auf der U4 des Buches versprach mehr, oder: „Zusammen mit einigen wenigen Gefährten begibt sich Edgar Hill auf einen Ultra-Marathon durch ein sterbendes Land.“ Ja, die Gruppe muss laufen, um Cornwall bis zum Weihnachtstag zu erreichen, aber für die eigentliche Geschichte ist nur der Zeitfaktor wichtig, aber nicht unbedingt, dass die Gruppe rennt. Korrigiert mich, wenn ich mich irre. Einen viel größeren und wichtigeren Raum nehmen die zahllosen Begegnungen auf dem Weg, der wiederholte Kampf, die Opferbereitschaft der verschworenen Gruppe und Edgars Erkenntnis ein, dass er nun „seinen Hintern hochkriegen muss“, wenn er seine Familie wiedersehen will. Protagonist Ed bietet vor diesem Hintergrund mit seinem Phlegma und seiner Neigung, sich nach der Arbeit mit einem Bierchen vor den Fernseher zu flüchten, hohes identifikationspotenzial – und wenn man sich darauf einlässt auch Gedankenanstöße fürs eigene Leben und die eigenen Prioritäten.

Ein auch sehr nachdenkenswerter Aspekt: Die Asteroideneinschläge betreffen überwiegend die nördliche Halbkugel und die dort lebenden Menschen müssen in Ländern der Südhalbkugel „Asyl“ suchen. Dies kehrt doch die aktuellen Ereignisse sehr anschaulich um – und natürlich ist es auch hier so, dass nur eine begrenzte Menge an Überlebenden dort aufgenommen werden!

Mein Fazit: Ein wirklich packender Erstling, der schon Lust macht, den nächsten Roman des Autors zu lesen, der wohl im September 2017 unter dem Titel „The Last Dog on Earth“ auf Englisch erscheint.

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Anne Fortier: Die geheimen Schwestern

fortier-geheime-schwesternDiana Morgan ist vom Mythos der Amazonen fasziniert. Bei Grabungen in der Wüste stößt sie auf die Spur der ersten Königin der Amazonen, Myrina. Ihr Versuch, ihre „Schwestern“ zu befreien, die von griechischen Kriegern entführt wurden, führt Myrina schließlich in den berühmtesten Konflikt der Antike – den Trojanischen Krieg.
Nun macht sich Diana mit Nick Barran, dem undurchsichtigen Leiter der Grabung, auf die Suche nach dem legendären Schatz, den die Amazonen beim Fall von Troja retten konnten. Aber sie wird dabei ausspioniert und gejagt. Ohne zu wissen, ob sie Nick trauen kann, folgt Diana der Spur der Amazonen von der Ägäis über Deutschland bis an den Rand der Welt – eine Suche, die ihr Leben auf immer verändern wird. Immer getrieben von der Frage: Was wäre, wenn die Legende wahr wäre?

„Die geheimen Schwestern“ ist nach „Julia“ das zweite Buch der Kanadierin Anne Fortier – und wieder einmal zeigt sich m. E., dass Autorinnen, die eine gewisse historische Bildung mitbringen (wie z. B. Deborah Harkness, Diana Gabaldon), mit die genialsten Bücher/Romane überhaupt schreiben. Sie vermitteln zumindest mir am Ende immer das Gefühl, dass ich nicht nur eine spannende, richtig gut geschriebene Geschichte gelesen, sondern auch etwas über die Historie gelernt habe. Anne Fortier zeigt sich auch in diesem Buch als großartige Erzählerin eines Pageturners, die ihre Geschichten sehr temporeich schreibt und mehr liefert als nur eine simple Liebesgeschichte – wobei es diese natürlich auch gibt. Ein kleiner Kritikpunkt sei jedoch erlaubt: Der Sprachstil der beiden Erzählebenen (siehe nächster Absatz) ähnelt sich zu sehr; hier hätte ich mir gewünscht, dass die antike Geschichte auch einen etwas antikeren Sprachduktus bekommt.

„Die geheimen Schwestern“ besteht aus zwei unterschiedlichen Erzähl-/Zeitebenen, die einander zumindest über weite Strecken Kapitel für Kapitel abwechseln und in erzählerischer Hinsicht meisterhaft verwoben sind. Der erste Erzählstrang entführt den Leser in die Vergangenheit (ca. 1250 v. Chr.), und zwar nach Nordafrika (Algerien).  Dort beginnt die Geschichte der ersten Amazonenkönigin: Myrina. Nach dem Tod der Mutter und der Erblindung ihrer Schwester Lilli in Folge einer Erkrankung sucht Myrina Hilfe im Tempel der Mondgöttin, wo die beiden schließlich auch als jungfräuliche Priesterinnen aufgenommen werden. Nachdem der Tempel von griechischen Angreifern überfallen wurde (unter der Führung des Sohnes von König Agamemnon aus Mykene), die nicht nur das Standbild der Mondgöttin, sondern auch eine Reihe von Priesterinnen gestohlen haben, beschließen Myrina und ihre Schwestern, sich an deren Verfolgung zu machen. Dabei hilft ihnen Prinz Paris, der mit seinen Mannen gerade auf dem Heimweg nach Troja ist. Als Myrina, ihre Schwestern und einige andere Frauen aus Ephesos (wo Paris‘ Tante Otrere lebt) schließlich dort eintreffen, ahnen sie nicht, dass sie den Untergang der Stadt heraufbeschworen haben.

Wie man unschwer erkennt, führt Fortier in ihrem Roman die Geschichte der Amazonen und die des Trojanischen Krieges zusammen – aber mit einigen Variationen, die die Geschichte doch von der altbekannten Erzählung Homers unterscheiden: Paris verliebt sich bei Fortier nicht unsterblich in Helena und ist sich deren wahrer Identität nicht bewusst; die unglückselige Seherin in diesem Roman trägt nicht den Namen Kassandra und ist auch keine Tochter von Priamos; Troja fällt auch nicht durch die Täuschung mit dem hölzernen Pferd … Nichtsdestotrotz ändert sich an einer Sache nichts: Troja ist am Ende der Geschichte untergegangen. Wenn man sich nur ein wenig für Mythologie oder klassische Literatur interessiert, hat man zumindest eine Menge Freude daran, die Parallelen herauszufinden oder sich auf die Jagd nach den durchaus nachvollziehbaren, glaubwürdigen Variationen zu machen.

Hauptfigur dieses Handlungsstranges, der für mich persönlich noch der „bessere“ oder zumindest kreativere und „rundere“ war, ist Myrina, die im ersten Kapitel 18 Jahre alt und eine erfahrene Jägerin ist. Sie ist eine wirklich starke Frauenfigur – obwohl sie viel Leid und Tragik erlebt, gibt sie doch den Kampf nie auf und bleibt trotz aller Schwierigkeiten loyal. Ihre Mutter ist eine ehemalige Priesterin der Mondgöttin, die für einen Mann den Tempel verlassen hat und nun ungebunden in einem kleinen Ort im Hinterland lebt, wo man sie aufgrund ihrer Kenntnisse als Heilerin für eine Hexe und Hure hält. Als in dem kleinen Ort eine Seuche ausbricht, der viele zum Opfer fallen, wird die Mutter getötet und die beiden Töchter werden vertrieben. Schon hier zeigt sich, dass Myrina bereit ist, alles zu tun, was getan werden muss, um ihr Überleben und das ihrer Schwester zu sichern, und wenn sie sich dafür an unbekannte Orte und in gefährliche Situationen begeben muss. Vor diesem Hintergrund ist es dann auch kein Wunder, dass sie nach dem zweiten Unglück im Tempel der Mondgöttin die Initiative ergreift, ihre überlebenden „Schwestern“ hinter sich versammelt und in das unbekannte Mykene aufbricht, wo die Entführer und Mörder der Priesterinnen zu Hause sind. Sie ist auch sehr zufrieden damit, allein zu sein und unabhängig für ihre „Schwestern“ zu kämpfen – bis sie den jungen Paris kennenlernt, der ihr bei ihrem Unterfangen zur Seite steht und das Kämpfen beibringt (wie auch seine Tante Otrere, die einen kleinen „Frauenstaat“ anführt). Mehr Spoiler gibt es nicht. 😉 Festzuhalten bleibt aber hier: Die männlichen Helden der sehr bekannten Geschichte um Troja kommen beinahe zu kurz – und falls man die Originalvorlage von Homer und andere griechische Mythen nicht kennt, entgehen dem Leser u. U. zahllose Anspielungen.

Hauptfigur des zweiten Handlungsstranges bzw. der zweiten Erzählebene ist die 28-jährige Diana Morgan, die in Oxford Geschichte lehrt und über Amazonen forscht, wofür sie von ihren Wissenschaftskollegen eher belächelt wird. Ihr Interesse gilt schon seit ihrer Kindheit diesem Thema und wurde durch ihre Großmutter väterlicherseits geweckt. Diese lebte einige Zeit in Dianas Elternhaus und behauptete, eine Amazone zu sein – was ihr aber natürlich niemand abnahm. Schließlich verschwand sie und hinterließ ihrer Enkelin ein Tagebuch mit mysteriösen Zeichen. Als Diana nun von einem geheimnisvollen Mann aufgesucht wird, der ihr von einer Ausgrabung in Nordafrika erzählt, die angeblich den Beweis für die Existenz der Amazonen erbracht hat, lässt Diana alles stehen und liegen und macht sich auf den Weg dorthin. Und tatsächlich: Die Zeichen in einem verschütteten Gebäude berichten von den Ereignissen um einen Überfall auf den Tempel der Mondgöttin durch griechische Seeleute – und dass sich die Überlebenden auf die Suche nach ihren Schwestern gemacht haben. Damit beginnt eine Reise über Kreta, die Türkei, Deutschland nach Finnland – und sehr schnell zeigt sich, dass Diana nicht die Einzige ist, die auf der Suche nach den Amazonen ist. Schon bald findet sich Diana zwischen den Fronten wieder in einem Kampf zweier Gruppen – die eine macht aus Rache und Habgier Jagd auf die Amazonen, die andere will ihre Entdeckung verhindern.
Die Figur der Diana ist leider nicht ganz so vielschichtig wie die der Myrina, sie ist wesentlich häufiger die klassische Damsell in Distress, und auch ihre Liebesgeschichte ist wesentlich konventioneller gestrickt als die der Amazonenkönigin.

Begleitet wird die junge Wissenschaftlerin von Nick Barran, dem Leiter der afrikanischen Ausgrabung, der aber auch Mitglied einer Organisation zu sein scheint, die mit Oxford und der britischen Museumslandschaft verfeindet ist. Auch an dieser Stelle zeigt sich wieder etwas, das ich z. B. eher von den feministischen Romanen von Marion Zimmer-Bradley kenne: Die Frauenfiguren sind wesentlich vielschichtiger und ausführlicher geschildert; Männer sind nur insofern relevant, wie sie in Beziehung zu den Frauen stehen bzw. deren Handeln vorantreiben. Das konnte man an der Figur des Paris ablesen, und zeigt sich fast noch deutlicher bei Nick.

Mein Fazit: Ein großartiger Roman, den ich sogar noch stärker fand als Fortiers erstes Buch „Julia“.

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H. M. Ward: Christmas Kisses

ward-christmas-kissesSeit Jahren ist Holly Connelly in Ryan Darcy verliebt. Während sie sich von Beginn an keine Chancen ausrechnet, weil er zu den beliebtesten Schülern gehört, gibt sie die Hoffnung spätestens dann auf, als er eine Blondine nach der anderen vernascht. Abgesehen davon, dass sie nicht seinem Beuteschema entspricht, will sie auch keiner seiner One-Night-Stands werden. Schließlich beschließt sie nach dem Schulabschluss, eine Universität zu besuchen, die weit von ihrem Heimatort – und von dem verführerischen Ryan – entfernt ist.
Doch als sie in den Weihnachtsferien nach Hause zurückkehrt, trifft sie ihren Schwarm in einer Bar – und als die Straßen aufgrund eines Schneesturms gesperrt werden, ist sie gezwungen, die Nacht in seinem Studentenwohnheim zu verbringen. Was soll sie tun: Die Nacht mit ihm verbringen und riskieren, dass sie für ihn nicht mehr ist als eine Bettgeschichte – oder ihm widerstehen und diese Entscheidung den Rest ihres Lebens bereuen?

Manchmal braucht man einfach diese billigen E-Books, die wirklich nicht mehr versprechen als ein wenig prickelnder Unterhaltung. Doch leider gibt es gute Geschichten – und weniger gute. Und „Christmas Kisses“ gehört definitiv in die zweite Kategorie. Und eigentlich möchte ich auch nur wenig Lebenszeit auf eine Rezension verschwenden. 😉
„Christmas Kisses“ ist eine Young-Adult-Geschichte, die abwechselnd aus der Perspektive von Holly und von Ryan erzählt wird. Und genau das ist eines der Probleme: Im Grunde liest man eine Szene zunächst aus der Perspektive von Holly – nicht nur das Geschehen selbst, sondern auch ihre Historie mit dem geliebten Menschen, ihre Emotionen, ihre Zweifel … Dann folgt das Ganze aus der Sicht von Ryan: dasselbe Geschehen, die gleiche Historie, die gleichen Emotionen, die gleichen Zweifel … Und da es keinerlei Überraschungen gibt, ist das Ganze ausgesprochen langweilig und vor allem redundant. Beide Charaktere sind natürlich seit Jahren ineinander verliebt, beide bitten ihre Freunde, sie von irgendwelchen Dummheiten abzuhalten (was diese natürlich nicht tun), beide tragen gewisse Minderwertigkeitsgefühle mit sich herum, obwohl ihr Gegenüber natürlich denkt, dass sie vollkommen und so begehrenswert sind, dass sie sich nur unter Mühen davon abhalten können, sich die Kleider vom Leib zu reißen:

There’s no way to refuse him when he’s like this, it’s like he’s the sun, and although I know I’ll never survive, I want to dive straight into him.“

Und natürlich ist der Sex, zu dem es unweigerlich kommen wird, weltbewegend und nie da gewesen, und natürlich kommt es zu dem obligatorischen kurzen Missverständnis, aber sogleich gesteht man sich die große Liebe und wirft sein bisheriges Leben über den Haufen, um mit dem geliebten Menschen zusammen zu sein. Höchstgradig schmalzig: „I let her leave, taking my heart with her.“
Nichts gegen Liebesgeschichten, nichts gegen 6szenen, nichts gegen ein bisschen fluffigen Eskapismus (Es lebe der Eskapismus!), aber diese Geschichte hangelt sich von Klischee zu Klischee und dürfte höchstens Teenagerträume erfüllen oder die von jungen Frauen Anfang zwanzig.

Mein Fazit: Och nö.

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Lucinda Riley: Die Mitternachtsrose.

riley-mitternachtsroseInnerlich aufgelöst kommt die amerikanische Schauspielerin Rebecca Bradley im englischen Dartmoor an, wo ein altes Herrenhaus als Kulisse für einen Film dient, der in den 1920er Jahren spielt. Vor ihrer Abreise hat die Nachricht von Rebeccas angeblicher Verlobung eine Hetzjagd der Medien auf die junge Frau ausgelöst, doch in der Abgeschiedenheit von Astbury Hall kommt Rebecca allmählich zur Ruhe. Als sie jedoch erkennt, dass sie Lady Violet, der Großmutter des Hausherrn, frappierend ähnlich sieht, ist ihre Neugier geweckt.
Dann taucht Ari Malik auf: ein junger Inder, den das Vermächtnis seiner Urgroßmutter Anahita nach Astbury Hall geführt hat. Und gemeinsam kommen sie nicht nur Anahitas Geschichte auf die Spur, sondern auch dem dunklen Geheimnis, das wie ein Fluch über der Dynastie der Astburys zu liegen scheint …

„Die Mitternachtsrose“ ist der erste Roman von Lucinda Riley, den ich je gelesen habe. Da der Name der Autorin mit schöner Regelmäßigkeit in den Bestsellerlisten auftaucht, wollte ich einfach einmal wissen, was es damit auf sich hat. Meine erste Erkenntnis: Die Inhalte der Romane gleichen sich auf erstaunliche Weise; sie folgen dem gleichen Schema. In den meisten von ihnen kehrt eine (junge) Frau nach Jahren wieder nach Hause zurück und stößt dort auf ein Familiengeheimnis. Alternativ erlebt eine (junge) Frau einen Schicksalsschlag und flüchtet sich in ein schnuckliges vorzugsweise englisches Herrenhaus, wo sie auf ein schreckliches Familiengeheimnis stößt. Diese beiden Geschichten – die in der Vergangenheit und die in unserer fiktiven Gegenwart – werden dann abwechselnd erzählt. Nichts gegen (historische) Liebesgeschichten, aber wenn ich bei einer einzelnen Autorin eine derartige Häufung von Klischees finde, verspüre ich nicht das Bedürfnis, mehr von ihr zu lesen. Versteht mich nicht falsch: Ich habe das Buch gern gelesen und mich keine Minute gelangweilt. Riley ist durchaus eine tolle Erzählerin, hat einen angenehmen Stil, und so werden sowohl der indische Erzählstrang als auch der in England (der in der Gegenwart und auch in der Vergangenheit spielt) lebendig. Man wird glaubwürdig in das indische Darjeeling versetzt und erlebt auch die Blutleere des englischen Adels hautnah mit. Allerdings ist die grundlegende Idee nicht neu und kann vom Leser ausgesprochen schnell durchschaut werden, aber nichtsdestotrotz leidet man mit den Figuren mit.
Selbst wenn diese klischeehaft gestaltet sind. Da wäre die edle Inderin, wunderschön und mit einer besondern Gabe gesegnet (und damit meine ich nicht ihre Engelsgeduld). Das Schicksal führt sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer adligen Freundin (der Tochter eines Maharadschas) in ein englisches Internat, wo sie aber nach einiger Zeit sehr einsam ist, da ihre Freundin aufgrund ihrer Abstammung die Gunst der Altersgenossinnen genießt, sie selbst hingegen nicht. Dennoch bleibt sie ihrer Freundin treu und verliert nie ein böses Wort über diese (was mich zu der Erkenntnis führte, warum ich es nie in einen Roman schaffen werde 😉 ). Gleichzeitig lernt sie einen jungen Adligen kennen, den Erben von Astbury Hall – und nun bricht bei den morgendlichen Ausritten die große Liebe aus. Und zwar so … dezent, dass ich dies als erfahrene Leserin zwar wusste, aber nicht wirklich nachempfinden konnte. Vermutlich lag es an der obligatorischen bösen Mutter und ihren Intrigen, dass der Protagonist der historischen Erzählebene sich in dieses Mädchen verliebte, das so ganz anders ist, als die Frauen, von denen man erwartet, dass er sie erwählt. 😉
Der Protagonist wird von Riley zwar auch relativ eindimensional geschildert (ein Adliger, der sich seiner Verpflichtung bewusst ist und eine reiche Erbin heiratet, um den Familiensitz zu retten; ein schwacher Mensch, der sich bis zum Ende von seiner bigotten Mutter lenken lässt und ihrem Treiben zu keinem Zeitpunkt einen Riegel vorschiebt), aber da seine Geschichte ausgesprochen tragisch ist, galt ihm definitiv meine Sympathie.
Ähnlich eindimensional sind die beiden Protagonisten der Erzählebene, die in der Gegenwart spielt: Rebecca ist eine junge, wunderschöne erfolgreiche Schauspielerin (die natürlich die obligatorische schwierige/geheimnissvolle Kindheit mitbringt), die von ihrem ebenfalls weltberühmten Schauspieler-Freund einen Heiratsantrag gemacht bekommt und einfach nicht in der Lage ist, diesem zu gestehen, dass sie ihn (auch aufgrund seiner Charakterfehler) nicht wirklich liebt. Als er die Nachricht von der gemeinsamen Verlobung allerdings an die Presse durchsickern lässt, ergreift Rebecca die Flucht und nimmt ein Filmangebot in England an, wo sie auf Astbury Hall und bei seinem etwas seltsamen Besitzer Anthony ein vorübergehendes Zuhause findet. Als sich dann noch herausstellt, dass sie Anthonys geliebter Mutter (Ödipus, ick hör dir trapsen) zum Verwechseln ähnlich sieht, und sie in der Bibliothek ein altes Tagebuch seines Vaters findet, in dem dieser von seiner Liebe zur Inderin Anahita erzählt, ist ihre Neugier geweckt.
Der Prinz auf dem edlen Ross ist dann der junge Inder Ari, der nach dem Ende seiner letzten Beziehung und dem Tod seiner geliebten Urgroßmutter Anahita auf einer Art Selbstfindungstrip ist. Und auf der Suche nach dem verschollenen Sohn seiner Großmutter, der – so hat man dieser vor etwa 80 Jahren gesagt, ums Leben gekommen ist. Und da wir es hier mit einem sehr formelhaften, klischeehaften Roman zu tun haben, wissen wir ja, worauf das Ganze hinausläuft. 🙂
Unangenehm aufgefallen, sind mir zwei Unglaubwürdigkeiten: Zum einen wird Anahita immer wieder als besonders hellsichtige Frau geschildert, die kurz vor ihrem Tod sogar „weiß“, dass ihr vermeintlich toter Sohn an diesem bestimmten Tag nun wirklich verstorben ist. Allerding (markieren – Spoiler) hat sie laut Handlung vor vielen Jahren mehrfach beruflich mit ihm zu tun gehabt. Warum hat sie damals nicht auch „gewusst“, dass es sich dabei um ihren Sohn handelte?
Zum anderen wird im Roman mehrfach – und das ist einer der Aufhänger der Gegenwartshandlung – darauf hingewiesen, dass Rebecca Anthonys Mutter Violet wie aus dem Gesicht geschnitten ist. (markieren – Spoiler) Und da Rebecca selbst ihre Familie nicht kennt, sondern bei Pflegefamilien aufgewachsen ist, hat man natürlich als Leser bestimmte Erwartungen. Aber dieser Aspekt fällt völlig unter den Tisch. Es ist, als hätte die Autorin vergessen, dass sie hier etwas Wichtiges auflösen muss.
Eine Überraschung hat Lucinda Riley jedoch für den Leser bereit, bei der es um die Figur des Anthony geht. Und die Überraschung ist deutlich anders, als man vielleicht denkt. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht mehr verraten …

Mein Fazit: Es mag vielleicht nicht wirklich so klingen, aber ich habe das Buch wirklich genossen. Wahrscheinlich, weil ich gewöhnlich keine Frauenromane über Familiengeheimnisse lese. Aber dennoch fühle ich mich nicht getrieben, noch weitere Bücher der Autorin zu lesen, da sie nach einem sehr ähnlichen Schema konzipiert zu sein scheinen.

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Kathryn Springer: Love on a Deadline

springer-love-on-a-deadlineVor zehn Jahren hat MacKenzie Davis ihre kleine Heimatstadt Red Leaf fürs Studium verlassen – und es nicht einen Augenblick bereut. Doch als ihr Vater, der Footballcoach der örtlichen Highschool, einen Herzinfarkt erleidet, kehrt sie nach Hause zurück, um sich um ihn zu kümmern. Ein Jahr ist seither vergangen und Mac hat sich bei einer größeren Zeitung für eine Anstellung beworben. Bis dahin jobbt sie beim örtlichen Käseblatt, für das sie aber nur über wenig aufregende Nachrichten aus der Gegend berichtet.
Bis eines Tages Hollis Channing zurückkehrt, die während ihrer Schulzeit die Anführerin der Chearleader war – und sich auch einen Spaß daraus gemacht hat, Mac das Leben schwerzumachen. Sie plant, in Read Leaf ihren Verlobten, einen prominenten Schauspieler, zu heiraten, und Macs Chef gibt ihr den Auftrag, über dieses Großereignis zu berichten.
Doch nicht nur Hollis kehrt zurück. Auch Ethan Channing ist wieder da, der Bruder der Braut – und der Junge, der Mac vor über zehn Jahren das Herz gebrochen hat.
Als Ethan einwilligt, seiner Schwester bei ihrer kurzentschlossenen Heirat zu helfen, hat er keine Ahnung, welche Aufgaben die Organisation eines solchen Tages mit sich bringt. Und in welchem Zustand das alte Haus der Familie ist, in dem seit zehn Jahren niemand mehr gelebt hat. Als er Mac dabei „erwischt“, wie sie Fotos des Hauses und der Anlagen schießt, überredet er sie, ihm zu helfen. Er kann gar nicht glauben, dass es sich bei der wunderschönen jungen Frau, die plötzlich vor ihm steht, um die eher unscheinbare Tochter des Coaches handelt, und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Doch wird Mac das Risiko eingehen, ihr Herz noch einmal an ihn zu verlieren?

„Love on a Deadline“ ist Band 9 einer Reihe von in sich abgeschlossenen Hochzeitserzählungen unterschiedlicher Autorinnen, die unter dem Titel „A Year of Weddings“ im konfessionellen amerikanischen Zondervan Verlag erschienen sind. Um es vorab zu sagen: Die Geschichte bietet alles in allem nette Unterhaltung – ein Hauch Humor, viel Romantik (aber keine 6szenen).
Da es sich, wie gesagt, um eine Erzählung handelt, kann man nur wenig Charakterentwicklung erwarten. MacKenzie war während ihrer Schulzeit das, was man im Englischen als Tomboy bezeichnet – was sicher darauf zurückzuführen ist, dass sie nach dem Tod der Mutter von ihrem Vater, der Footballcoach an der örtlichen Highschool ist, großgezogen wurde und ihn zu allen Spielen begleitet hat. Darunter hat während ihrer Schulzeit ihr Image sehr gelitten. Vor allem die reiche Hollis Channing und ihr Freundeskreis haben ihr das Leben sehr schwer gemacht – und da die Channings auch noch Macs Nachbarn waren, war dies für sie besonders belastend. Erschwerend kam noch hinzu, dass sie heimlich in Ethan, den Star der Schule und Hollis‘ Bruder, verliebt war. An Tag ihrer Promfeier sah es so aus, als würde aus beiden ein Paar werden – doch Ethan erschien nicht zur Feier. Und damit waren auch Macs Pläne geplatzt. Bevor die beiden sich aussprechen können, waren die Channings nach dem Tod des Familienoberhaupts weggezogen und Mac verließ zum Studium die Stadt. Auch als sie jetzt Ethan wiedersieht, ist sie bereits auf dem Sprung, hat sie doch eine Anstellung bei einer großen Zeitung in Aussicht. Doch sie muss schnell erkennen, dass sich an ihren Gefühlen für Ethan nichts verändert hat.
Natürlich geht es Ethan ähnlich: Auch er fand Mac schon vor zehn Jahren ausgesprochen sympathisch – und als er sie jetzt wiedersieht und sie sich zu einer wunderschönen jungen Frau gemausert hat, verliert er (natürlich) gleich sein Herz an sie. Und die Leserin verliert ihres an Ethan. Er wird nämlich als sympathischer Zeitgenosse geschildert, ein hilfsbereiter junger Mann, der sich bereit erklärt, die Hochzeit seiner Schwester auf die Beine zu stellen.
Dass diese Geschichte ein Happyend haben wird, daran zweifelt natürlich niemand – und (natürlich) sind auch alle Missverständnisse schnell aus dem Weg geräumt. Eine Liebeserzählung von ca. 120 Seiten bietet eben nicht viel Raum für Charakterentwicklung oder eine tiefgehende Geschichte. Was mich jedoch störte: Es gibt in diesem Buch keine Grautöne, keine „normalen“ Menschen mit ernsthaften Schwächen oder körperlichen Unschönheiten; alle sind unglaublich nett und … gut. Selbst Hollis hat sich dort ihren Verlobten in eine sehr nette junge Frau verwandelt, die ihr Fehlverhalten von damals eingesehen hat und nun um Vergebung bittet.
Was der Autorin jedoch gelingt: den Charme einer Kleinstadtgemeinschaft zu vermitteln, wo jeder jeden kennt und man sich gegenseitig hilft, wenn Hilfe nötig ist. Das war tatsächlich ein Aspekt, der mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat und der mich an den Kleinstadtcharme in Serien wie „Gilmore Girls“ erinnert hat. Auf diese Weise vermittelt die Autorin dann auch, was wirklich zählt im Leben, was wichtiger ist als beruflicher Erfolgt oder Ansehen: Beziehungen zu Menschen, die einen so annehmen, wie man ist; die einen auch dann noch tragen, wenn man selbst nicht weiterkann.

Mein Fazit: Ich mochte die Geschichte durchaus und habe mich auch nicht gelangweilt. Sie ist genau das Richtige für jemanden, der eine altmodische, süße Liebesgeschichte lesen will. Allerdings hätte ich mich geärgert, wenn man mir diese Geschichte nicht kostenlos zur Verfügung gestellt, sondern ich sie hätte kaufen müssen.

Veröffentlicht in Belletristik

Melissa McClone: Picture Perfect Love

mcclone picture perfect loveDie Fotografin Jenna Harrison möchten dafür sorgen, dass Brautpaare ihren Hochzeitstag ganz besonders in Erinnerung behalten, daher tut sie alles, um die Paare so schön wie möglich in Szene zu setzen. Doch ihr eigenes Herz wurde vor zwei Jahren gebrochen, als ihr Verlobter sie am Tag vor der Hochzeit verlassen hat. Und noch heute erinnert das ungetragene Hochzeitskleid in ihrem Schrank sie daran, dass Beziehungen nicht ganz so perfekt sind, wie sie durch ihre Linse aussehen. Doch so langsam kann auch sie wieder daran glauben, dass sie eines Tages die große Liebe finden wird.
Ashton Vance ist Anwalt – und der Mann, der Jenna vor dem Traualtar stehen ließ. Damals wurde in den sozialen Medien ein peinliches gephotoshopptes Bild veröffentlicht, das seine Hoffnungen auf seinen Traumjob zerstörte. Nur zu gern hat er damals seiner Familie geglaubt, die ihm erklärte, dass Jenna hinter dem Skandal steckte.
„Ich war es“, erklärt ihm aber seine jüngere Schwester Amber einige Wochen vor ihrer eigenen Hochzeit. Dieses Geständnis stellt sein Leben auf den Kopf. Aber um Jenna dazu zu bringen, die Hochzeit seiner Schwester zu fotografieren, muss er sie um Vergebung bitten. Doch kann Jenna ihm vergeben, dass er ihr Leben zerstört hat?

„Picture Perfect Love“ ist Band 7 einer Reihe von in sich abgeschlossenen Hochzeitserzählungen unterschiedlicher Autorinnen, die unter dem Titel „A Year of Weddings“ im konfessionellen amerikanischen Zondervan Verlag erschienen sind. Um es vorab zu sagen: Die Geschichte bietet alles in allem nette Unterhaltung. Aber leider auch nicht mehr.
Da es sich, wie gesagt, um eine Erzählung handelt, kann man nur wenig Charakterentwicklung erwarten. Allerdings gelingt es der Autorin McClone vor diesem Hintergrund, die vorhandene Entwicklung zumindest der Hauptfigur Jenna realtiv gut und nachvollziehbar zu beschreiben. Diese wurde vor zwei Jahren am Tag vor der Hochzeit von ihrem Verlobten verlassen, und da er aus einer einflussreichen Familien stammt, stand sie anschließend ohne Freunde, ohne Job und ohne guten Ruf da. Und durch die Gedankenlosigkeit von Ashton auch mit einem Haufen von Schulden, da er nicht auf den Gedanken gekommen war, seinen Beitrag zu den anfallenden Kosten zu leisten. Mittlerweile hat Jenna ihre Schulden aber fast komplett abbezahlt, hat sich als Fotografin einen guten Namen gemacht und durch ihre neue Gemeinde einen neuen Freundeskreis aufgebaut. Selbst der Gedanke, sich wieder neu zu verlieben, kommt ihr nun hin und wieder. Da steht eines Tages Ash vor der Tür und will sich für sein Verhalten von damals entschuldigen.
Ashton hat in den vergangenen beiden Jahren beruflich viel von dem erreicht, was er und seine Familie sich für ihn erhofft hatten. Zutiefst glücklich ist er allerdings nicht. Aber umso schockierter, als ihm seine jünger Schwester gesteht, dass sie damals für den Skandal verantwortlich war. Mehr gegen seinen Willen sucht er nun Jenna auf, um sich bei ihr zu entschuldigen – aber eigentlich tut er dies eher, weil der Fotograf seiner Schwester abgesprungen und Jenna die nächstbeste Alternative ist. Und entgegen seiner Erwartungen ist diese zwar bereit, den Auftrag zu übernehmen, aber nicht, ihm sein Verhalten von damals sofort zu vergeben.
Bis zu diesem Punkt war ich auch sehr glücklich mit den beiden Protagonisten. Der Vertrauensbruch von Ashton war so groß, dass ich innerlich applaudiert habe, als Jenna ihn erst einmal zappeln ließ. Es wird deutlich, dass er damals nicht einmal in Betracht gezogen hat, dass sie unschuldig sein und ein anderer hinter dem peinlichen Foto stecken könnte. Aber wie Jenna wollte ich gern glauben, dass er sich geändert hat. Ich liebe Geschichten, in denen Paare noch eine zweite Chance bekommen, nachdem sie ihre (Lebens-)Lektion gelernt haben. Doch während man dies bei Jenna gern glaubt, zeigt sich bei Ash recht schnell, dass er sich nicht wirklich verändert hat. Er verliebt sich zwar sofort wieder in die gut aussehende, erfolgreiche und mittlerweile auch deutlich lebenslustigere junge Frau, aber dann kommt es zu einem weiteren … Missverständnis und wieder zögert er keine Sekunde, Jennas Anklägern Glauben zu schenken und sich ihr abzuwenden.
Ein Hoch daher auf Jenna, die die Kraft, das Vertrauen und die Bereitschaft gefunden hat, sich beim ersten Mal wieder neu in Ash zu verlieben. Als sie dann auch auf Ashs zweiten Verrat mit „Ruf mich nie wieder an!“ reagiert, habe ich erneut innerlich applaudiert. Es gibt durchaus ein, zwei Nebenfiguren, die ebenfalls potenzielle Love Interest abgegeben hätten. Doch dass sie ihm dann erneut und auch so schnell vergibt, obwohl deutlich geworden ist, dass er sich nicht wirklich verändert hat (schließlich hat er seinen Fehler nicht erkannt bzw. entschieden, ihr zu vertrauen, auch wenn alles gegen sie spricht, sondern nur einen Beweis dafür gefunden, dass Jenna die Wahrheit sagt).

Mein Fazit: Ich mochte die Geschichte über weite Strecken sehr. Niemand von uns ist perfekt, und es ist schön, wenn jemand in der Lage ist, uns zu vergeben, wenn wir  versagt haben. Aber m. E. hätte Ashs zweites Fehlverhalten eine deutlich längere Phase der Annäherung oder der persönlichen Weiterentwicklung folgen müssen. Vermutlich kann aber eine realativ kurze Erzählung von ca. 110 Seiten so etwas einfach nicht leisten …