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Josephine Angelini: Göttlich verliebt

angelini-goettlich-verliebtEin zweiter Trojanischer Krieg steht unmittelbar bevor, da die Akteure der damaligen Auseinandersetzung alle „wiedergeboren“ wurden und sich drei Scions aus unterschiedlichen Häusern in einem Blutbund verbunden haben: Helen, Lucas und Orion. Die 12 großen Götter, die durch diesen Bund den Olymp verlassen können und die Welt mit Katastrophen heimsuchen, können jedoch nicht direkt gegen ihre Abkömmlinge kämpfen. Und so gebrauchen sie ihre Kräfte und Scion-Anhänger, um die verbündeten Häuser und Scions auseinanderzubringen.
Durch den Bund mit Lucas und Orion wächst aber auch Helens Macht und mit ihr das Misstrauen ihrer Freunde. Bis sie irgendwann feststellen muss, dass es selbst in ihrem engsten Kreis Verräter gibt. Dennoch will Helen den letzten Schritt in diesem Kampf nicht gehen – eine eigene Welt erschaffen und so den unsterblichen Zeus herausfordern. Doch dann geschieht etwas, das ihr keine Wahl lässt …

„Göttlich verliebt“ ist der Abschlussband der Göttlich-Trilogie von Josephine Angelini und zugegebenermaßen wieder ein echter page turner. Sprachlich ist der Text sicher keine große Herausforderung, und er zeichnet sich auch nicht durch eine poetische Tiefe aus – aber das erwartet ja auch bei einem All-Age-Roman niemand. Die Autorin verwendet eine klare Sprache, schreibt sehr leicht und locker und verzichtet auf abschweifende Erklärungen oder zu detaillierte Beschreibungen. Ihr Schreibstil ist durchweg spannend und schafft es bis zu einem gewissen Grad, beim Leser die gewünschte Emotionen hervorzurufen. Die letzten Kapitel – die kriegerische Auseinandersetzung am Strand mit göttlichen Zuschauern – kam mir etwas gehetzt vor: Romanfigur A kämpft in einem Duell gegen Romanfigur B – und einen Satz später ist der Kopf eines Kämpfers auch schon ab. Aus diesem angeblich epischen Krieg hätte die Autorin durchaus mehr herausholen können – das Kopfkino funktioniert nur in begrenztem Maße. Ganz zu schweigen vom Duell zwischen Zeus und Helen selbst …
Die Handlung setzt exakt da ein, wo Band 2 „Göttlich verloren“ geendet hat: Helen ist durch den Bund mit Lucas und Orion mächtig genug, um Apoll zu besiegen und in den Tartarus zu verdammen. Aber gleichzeitig bedeutet dies, dass es wieder einmal zu einem großen Krieg kommen wird, den die Hauptfiguren zwar zu vermeiden suchen – allerdings vergebens (wie sollte es auch anders sein). Da nun die Verbündeten aus aller Welt nach Nantucket strömen, wird die Charakterliste immer länger. Ein bisschen Überblick verschafft da durchaus die Personenliste im Anhang – allerdings war es manchmal schon sehr verwirrend, wenn deutlich wurde, dass Romanfigur A dem Akteur B im Trojanischen Krieg entspricht, aussieht wie Gott C, aber doch einige Fähigkeiten von Gott D besitzt. An diesen Stellen muss man entweder besser aufpassen (was gar nicht so einfach ist, da man einfach wissen will, wie es weitergeht) – oder eben akzeptieren, dass gewisse Dinge so sind, wie sie sind. 🙂 Trotz dieses enormen Fundus, aus dem die Autorin schöpft, gelingt es ihr, halbwegs facettenreiche Charaktere zu erschaffen, die eben nicht nur schwarz-weiß sind. Sie irren, stolpern – und manchmal treffen sie Entscheidungen, die ihre Freunde verletzen.
Und was die Dreiecksgeschichte angeht, deren Ausgang uns ja alle interessiert hat: Nun, hat auch nur irgendjemand damit gerechnet, dass es nicht zu diesem Pairing kommt? Achtung, Spoiler (folgende Zeilen einfach markieren): Wenn man in den vorangegangenen Romanen aufgepasst hat, weiß man ja bereits, dass Daphne gelogen hat, was Helens wirklichen Vater angeht. Daher war es mehr als nur logisch, dass Helen und Lucas endlich ihr Happy End bekommen.

Mein Fazit: Wer Band 1 und 2 mochte, wird mit diesem Ende sicher sehr zufrieden sein. „Göttlich verliebt“ gehört zweifellos nicht zu den Büchern, die dem Leser noch lange nachgehen, aber es eignet sich sehr gut als Appetithappen für zwischendurch.

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Josephine Angelini: Göttlich verloren („Göttlich“-Trilogie #2)

[Achtung: Hierbei handelt es sich um den zweiten Band einer Trilogie. Der folgende Text könnte also Spoiler enthalten!]

Die 17-jährige Helen muss die Hölle gleich zweifach durchstehen. Als einzige Halbgöttin, die in die Unterwelt hinabsteigen kann, ist sie dazu verdammt, eine fast unmögliche Aufgabe zu bewältigen: Nachts schlägt sie sich durch den Hades und versucht, den erbitterten Rachefeldzug der Furien zu beenden, der wie ein Fluch auf allen Halbgöttern lastet. Aber noch schlimmer quält sie bei Tag, dass Lucas und sie sich nicht lieben dürfen.

Als Helen fast am Ende ihrer Kräfte ist, begegnet sie in der Unterwelt dem jungen Halbgott Orion, der ihr hilft, sich in dieser „Welt“ zurechtzufinden und der Lösung des Problems auf die Spur zu kommen. Je häufiger sie einander treffen, umso näher kommen sie sich. Aber Helen läuft die Zeit davon: Ein skrupelloser Feind hat es auf sie abgesehen und macht sogar vor ihren Freunden nicht Halt. Dann geschieht etwas völlig Unerwartetes, das ausgerechnet Lucas und seinen neuen Kontrahenten zum Zusammenhalten zwingt: Die vier Häuser Scion werden vereint – ein neuer Trojanischer Krieg scheint unausweichlich …

„Göttlich verloren“ ist Band zwei der Trilogie um die vier Häuser der Scions – die verschiedenen Blutlinien des königlichen Adels aus dem alten Griechenland, die wiederum auf die vier Götter Zeus, Aphrodite, Appollon und Poseidon zurückgehen. „Mittelbände“ bergen ja gewöhnlich zwei Probleme: 1. War Band 1 einer Trilogie großartig, bleibt der Autor bei Band 2 (und Band 3) oft hinter den Erwartungenn zurück, weil er sein Pulver bereits verschossen hat. 2. Band 2 einer Trilogie ist lediglich ein Füller. Beides trifft auf „Göttlich verloren“ (fast) nicht zu. Die Autorin Josephine Angelini bleibt ihren nüchternen Schreibstil treu; kein Wort ist zu viel; keine Zeile wird an blumige Beschreibungen verschwendet. Das treibt die Handlung voran, sorgt aber so manches Mal dafür, dass man mit den handelnden Personen nicht wirklich „warm“ wird, weil sie schlicht relativ oberflächlich bleiben. Das ist oft das Problem bei Geschichten, die aus der (Ich-)Perspektive eines Teens erzählt werden, der schlicht keine Nabelschau betreibt.
Was mich jedoch noch mehr geärgert hat, dass wir nicht nur die stereotypen Elemente vorfindet, die ich in meiner Kurzrezi zu „Göttlich verdammt“ erwähnt habe. Nein, jetzt kommt noch die obligatorische Dreiecksbeziehung hinzu: Lucas und Helen können keine Beziehung eingehen, da sie eng verwandt sind – und plötzlich taucht dann noch ein hinreißender Rivale auf. All das findet man heutzutage in jedem zweiten Teenie-/All-Age-Roman, und ich wünschte mir, die AutorInnen würden sich hier langsam einmal etwas anderes einfallen lassen. Dennoch spricht für die „Göttlich“-Trilogie auf jeden Fall, dass Angelini uns vor den obligatorischen Vampiren, Elfen oder Hexen verschont, sondern den Leser in die Welt der Götter entführt. Als hilfreich erweist sich hier das Personenverzeichnis am Ende des Buches, in dem die Personen mit ihren jeweiligen Fähigkeiten und Verwandtschaftsbeziehungen aufgelistet sowie Figuren aus der Mythologie erklärt werden.
Dennoch muss ich gestehen, dass ich mich beim Lesen nur selten gelangweilt habe. Die Autorin liefert genügend Abwechslung und Action, um dafür zu sorgen, dass der Leser am Ball bleibt. Und schließlich kulminiert die Handlung in einem furiosen Finale, was dafür sorgt, dass ich auf jeden Fall zu Band 3 greifen werde („Göttlich verliebt“ erscheint im Mai 2013).

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Josephine Angelini: Göttlich verdammt

Schicksalhafte Liebe, antike Fehde, göttliches Erbe: Die 16-jährige Helen lebt bei ihrem Vater auf Nantucket und langweilt sich. Ihre beste Freundin Claire hofft, dass nach den Ferien endlich etwas Aufregendes passiert. Der Wunsch geht in Erfüllung, als die Familie Delos auf die Insel zieht. Alle sind hin und weg von den äußerst attraktiven Neuankömmlingen. Nur Helen spürt von Anfang an großes Misstrauen und sogar einen unerklärlichen Hass. Gleichzeitig plagen sie plötzlich düstere Albträume, in denen drei unheimliche Frauen Rache nehmen wollen. Es scheint eine Verbindung zwischen ihnen und Lucas Delos zu geben. Was dahintersteckt, erfährt Helen erst nach und nach: Lucas und sie stammen von Halbgöttern ab und sind dazu verdammt, den Untergang der Welt herbeizuführen, indem sie sich ineinander verlieben und so einen großen Krieg auslösen. Wie ihre antiken Vorbilder Paris und Helena in Troja …

„Göttlich verdammt“ ist Band 1 einer Jugendroman-Trilogie der Amerikanerin Josephine Angelini. Band 2 „Göttlich verloren“ erscheint im Mai 2012, Band 3 aller Voraussicht nach im Frühjahr 2013. Der Autorin gelingt es durchaus, eine packende, actionreiche Geschichte zu erzählen, sodass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte, hat man einmal mit dem Lesen begonnen. Die Story an sich ist so interessant und die Figuren sind so glaubwürdig und „rund“, dass man sich nicht langweilt, sondern viel Spaß hat.
ABER: Die Autor war dann doch etwas, drücken wir es freundlich aus, inspiriert, denn es fallen so viele Elemente ins Auge, die man schon von anderen berühmten Jugendromanen kennt (Twilight, Chroniken der Unterwelt, Percy Jackson etc.), dass man sich streckenweise doch fragt, warum ihr nicht etwas Eigenes eingefallen ist, denn fantasievoll schreiben kann die Autorin eigentlich: Ein junges Mädchen wächst bei seinem alleinerziehenden Vater auf. Im Ort selbst lebt eine ungewöhnliche Familie, deren Mitglieder überirdisch gutaussehend sind und sich entschieden haben, anders zu leben als die anderen Mitglieder ihres „Clans“. Sie sind zwar keine Vampire (thank God), aber wenigstens Halbgötter. Obwohl das Mädchen sich für nichtssagend und wenig hübsch hält, stellt sich heraus, dass sie (natürlich) doch etwas Besonderes ist; „besonderer“ als die anderen. Und natürlich verliebt sich der schönste Delos-Sohn in sie. Es ist die große Liebe, doch sie können zueinander nicht kommen, Das Wasser war viel zu tief da [nein, ich will dann doch nicht zu viel spoilern]. Und obwohl sie eigentlich die Finger nicht voneinander lassen können, dürfen sie sich noch nicht einmal küssen. Vermutlich weil die amerikanischen Sittenwächter dann einen Herzinfarkt bekommen hätten.
Fazit: ein keuscher, verkitschter „Nackenbeißer“ eben. Besser als andere derartige Jugendromane, in denen sich zwei durchs Schicksal getrennte Teens anschmachten, aber auch nichts Neues.

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A. Lee Martinez: Diner des Grauens

Willkommen in Gil’s all night diner des Grauens, einem schäbigen Imbiss im verschlafenen Wüstennest Rockford irgendwo am Ende der Welt. Hierher verschlägt es die beiden Kumpels Earl und Duke mit ihrem uralten Pick-up. Eigentlich wollen sie nur einen Happen essen. Doch Loretta, die fette Imbissbesitzerin, bietet ihnen hundert Dollar, wenn sie nicht nur ihre Gasleitung flicken, sondern sich auch ihres Zombieproblems annehmen. Und weil Earl ein Vampir und Duke ein Werwolf ist und beide knapp bei Kasse sind, nehmen sie diesen Job an.
Doch die Zombiekühe und die Friedhofswächter, mit denen sie es zu tun bekommen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch ein Vampir kann sich unsterblich verlieben. Und eine mysteriöse Sekte setzt offenbar alles daran, uralte Götter wieder zum Leben zu erwecken. Doch was hat das alles mit dem Diner zu tun?

A. Lee Martinez wird in der Werbung als Mischung aus Douglas Adams und Terry Pratchett gefeiert. Tja, schlecht ist seine Story nicht, die Ideen sind ganz ordentlich, die Sprache witzig – aber er ist meilenweit von Adams‘ abstrusen Ideen und Neuschöpfungen entfernt und kann Pratchetts Umgang mit der Sprache und seiner Fähigkeit, allein durch Worte die wahnwitzigsten Bilder zu malen, nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. Das Buch liest sich durchaus flüssig, aber Martinez‘ Story ist einfach zu konventionell: Eine „Priesterin“ will ein uraltes Portal öffnen, um uralte Götter wieder den Zugang zu dieser Welt zu ermöglichen und das Ende der Realität, wie wir sie kennen, herbeizuführen. Hammer alles schon mal gelesen …
Es kommt auch keine richtige Spannung auf, weil man als Leser sofort darüber informiert wird, wer die „Gegenseite“ ist und was sie wann plant, und auch auf überraschende Wendungen wartet man vergebens. Das Ganze ist sehr dialoglastig, es fehlen Beschreibungen (und dass die Imbissbesitzerin fett ist, hatte ich auch nach den ersten fünf Erwähnungen verstanden), und die Figuren sind ausnahmeslos stereotyp.
Fazit: Ein nettes Buch „für zwischendurch“, aber wer etwas richtig Witziges lesen möchte, sollte direkt zu Pratchett oder Christopher Moore greifen. Und gute Horrorstorys mit Werwölfen und Vampiren gibt es wie Sand am Meer.