Veröffentlicht in Belletristik

Samantha Kane: The Courage to Love (Brothers in Arms 1)

Samantha KaneLondon, 1813: Seit ihr Ehemann vor drei Jahren auf der iberischen Halbinsel im Kampf gegen die französischen Truppen von Napoleon ums Leben kommen ist, schlägt Kate Collier sich als Mätresse reicher Männer durch. Doch als Lord Robertson, ihr letzter „Beschützer“, sie auf schreckliche Weise missbraucht, zieht sie sich aus der Gesellschaft zurück und kümmert sich nur noch um ihr Kleidergeschäft und ihre Nichte Veronica.
Da kehren Jason Randall und Anthony Richards – zwei Kameraden ihres verstorbenen Mannes – nach London zurück und haben nur noch ein Ziel vor Augen: die junge Frau zu erobern. Auch Kate liebt die beiden schon lange, doch spätestens nach ihrer schrecklichen Erfahrung mit Robertson wird Kate von der Gesellschaft geschnitten – und ist nicht länger willens, sich einem Mann anzuvertrauen, geschweige denn zwei Männern. Doch sie kann Jason und Tony einfach nicht widerstehen und beginnt, die Freundschaft mit den beiden, die sich schließlich zu einer Liebesbeziehung entwickelt, zu genießen.
Aber Robertson ist nicht bereit, sie kampflos den beiden ehemaligen Soldaten zu überlassen …

„The Courage to Love“ ist der erste Band der „Brothers in Arms“-Reihe der Amerikanerin Samantha Kane, die zu den bekanntesten Autorinnen erotischer (historischer) Liebesromane gehört, für die sie bereits eine ganze Reihe von Auszeichnungen erhalten hat. Die Autorin ist durchaus eine gute Erzählerin, die recht süffig und anschaulich schreibt. Allerdings sind die Regency-Aspekte ihrer literarischen Welt etwas unterrepräsentiert und die Sprache ist zu modern; wer mehr über die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts wissen will (Wie hat man damals gelebt? Wie sah das Leben der unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten aus? Welche Gepflogenheiten gab es? Wie sah London in dieser Zeit aus? etc.) sollte zu einem anderen Autor greifen. Meines Erachtens könnten diese Romane auch zu fast jeder anderen Zeit und an anderen Orten spielen. Hinzu kommt auch, dass es zu wenige Rahmenbeschreibungen gibt, aber zu viele 6szenen – die zwar geschmackvoll beschrieben sind, aber einfach zu gehäuft auftreten und auf Kosten einer guten Geschichte gehen.

Was aber das Besondere dieser „Brothers in Arms“-Reihe ist: Ein Grundmotiv zieht sich – mit der einen oder anderen Variation – durch alle 13 Romane dieser Serie: Eine Gruppe von Männern hat auf der iberischen Halbinsel in der britischen Armee gemeinsam gegen Napoleon gekämpft und dort einen „besonderen Weg“ gefunden, um mit den Schrecken fertigzuwerden: Entweder haben zwei von ihnen eine Beziehung miteinander begonnen oder sie haben sich vor Ort eine Frau geteilt. Nach dem Krieg beschließen sie nun, diesen Lebensstil aufrechtzuerhalten und sich eine Ehefrau zu suchen, die ihnen nicht nur ein respektables Leben in der Gesellschaft und Nachkommen ermöglicht, sondern auch bereit ist, ihr Leben auf diese ungewöhnliche Weise zu teilen.

Wenn man „The Courage to Love“ mit einer gewissen Portion suspension of disbelieve liest, muss man sagen, dass es Samantha Kane recht gut gelingt, eine solche Beziehung bzw. eine solche ungewöhnliche Partnerschaft auf eine Weise zu beschreiben, die relativ glaubwürdig wirkt – zumindest hat man als Leserin wirklich das Gefühl, dass die Figuren nicht nur um der Liebesszenen willen miteinander agieren, sondern weil sie eine tiefe Zuneigung füreinander empfinden. Protagonisten dieser ersten Geschichte sind zum einen Lord Jason Randall und Anthony Richards. Die beiden kennen sich aus ihrer Zeit in der Armee und beginnen damals, eine spanische Prostituierte miteinander zu teilen, die im Tross der britischen Truppen lebt. Zum einen tun sie dies, um dem Gefühl der inneren Abgestumpftheit aufgrund der ständigen Kampferfahrungen bzw. der Erfahrungen mit dem Tod etwas entgegenzusetzen; zum anderen fühlen sich beide zueinander hingezogen (ohne sich dies aber selbst, geschweige denn dem anderen einzugestehen) und sehen in diesem Dreier die einzige Möglichkeit, einander doch nahezukommen. Aber sie teilen noch etwas miteinander: die Liebe zu Kate Collier, der Ehefrau ihres Kameraden Harry, die für sie zu diesem Zeitpunkt aber noch unantastbar ist. Als Harry umkommt und der Krieg einige Monate später zu Ende ist, sehen sie ihre Chance gekommen – doch als sie Kate in London aufsuchen, müssen sie feststellen, dass diese bereits die Mätresse eines reichen Mannes ist. Und an ihrem schlechten Timing ändert sich auch in den darauffolgenden Jahren nichts, wenn sie immer wieder einmal von ihren Reisen in die britische Hauptstadt zurückkehren und den Kontakt suchen wollen.

Was sie nicht wissen: Kate pflegt diesen Lebensstil nicht aus freiem Willen, sondern weil dies die einzige Möglichkeit ist, um sich und ihre Nichte Veronica durchzubringen (hier kommt aufseiten der beiden Männer m. E. eine gehörige Portion Naivität ins Spiel). Und bis zu ihrem dritten Beschützer kann sie damit auch recht gut leben – doch dieser (Robertson) nutzt die Situation aus und lässt zu, dass seine Freunde Kate an einem „geselligen“ Abend vergewaltigen. Seither lebt Kate sehr zurückgezogen und in ärmlichen Verhältnissen. Das Schöne an dieser Figur: Obwohl sie eine wirklich schreckliche Erfahrung gemacht hat und unter den Erinnerungen leidet, lässt sie sich davon nicht unterkriegen und versucht, ihr Leben wieder neu zu gestalten und sich eine eigene Zukunft unabhängig von einem Mann aufzubauen.

In dieser Situation machen ihr Jason und Tony ein ungewöhnliches Angebot: Kate, die die beiden Männer auch bereits seit Kriegszeiten liebt, soll Jason heiraten, der sich als Adliger gewissen gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenübersieht und unbedingt eine Frau braucht. Und da er und Tony Kate beide lieben, wäre sie eine geeignete Kandidatin für eine Dreierbeziehung. Dies ist die Stelle, von der ich etwas weniger begeistert war: Obwohl Kate das Angebot zunächst ablehnt und die beiden Männer auch recht schnell erfahren, welches schreckliche Erlebnis Kate gezeichnet hat, drängen sie sie meines Erachtens viel zu stark zum ersten 6. Und das ist selbst angesichts der Zuneigung zwischen allen dreien imho unverantwortlich – es hat etwas von: Zwang ist in Ordnung, wenn man sich nur wirklich liebt. Und natürlich entdeckt Kate, dass ihr diese ungewöhnliche Art Beziehung mehr als nur zusagt – im Kontext der Geschichte ist das natürlich schön und bringt am Ende auch allen dreien Heilung, aber vom Konzept her kann ich es einfach nicht gutheißen.

Nichtsdestotrotz würde ich behaupten, dass es Samantha Kane gelingt, diese ungewöhnliche Beziehungskonstellation gut und ausgewogen zu beschreiben. Bei Dreierkonstellationen besteht ja die Gefahr, dass eine Figur nur das fünfte Rad am Wagen ist, dass sich eine von ihnen zurückgesetzt fühlt und (emotional) zu kurz kommt, aber ich habe den Eindruck, dass dies in diesem Roman nicht der Fall ist.

Ebenfalls ein großes Plus des Romans: Eine Reihe der Figuren, die in den weiteren Bänden der Serie eine tragende Rolle spielen werden, tritt in „The Courage to Love“ bereits am Rande auf und wecken definitiv mein Interesse an ihren jeweiligen Geschichten (z. B. Kates Nichte Veronica, die eine der drei Protagonisten von „Love’s Fortress“ ist).

Mein Fazit: Der Roman ist wirklich nur etwas für Fans von MMF-Literatur, Fans historischer Liebesromane finden die entsprechenden Szenen unter Umständen etwas zu grafisch. Dennoch ist der Roman unterhaltsam zu lesen (wenn man über Kanes Umgang mit Missbrauch hinwegsehen kann) und macht Lust, auch die Geschichten der Nebenfiguren zu lesen.

Advertisements
Veröffentlicht in Belletristik

Philip Pullman: Der Rubin im Rauch (Sally Lockhart #1)

London, Oktober 1872: Die 16-jährige Sally erhält nach dem Tod ihres Vaters einen geheimnisvollen Brief. Der Schiffsmakler hatte vermutet, dass es bei den Chinageschäften seines Partners nicht mit rechten Dingen zugeht, und war nach Asien gereist, um Nachforschungen anzustellen. Auf dem Rückweg war er dann beim Untergang seines Schiffes ums Leben gekommen. Aber nicht, ohne Sally noch eine Nachricht zukommen zu lassen, der sie vor den Sieben Wohltaten warnt und auf einen Mann namens Marchbanks hinweist.
Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf immer neue Rätsel. Ein Kollege ihres Vaters erleidet einen Herzinfarkt, als sie sich nach den Sieben Wohltaten erkundigt, und auch Major Marchbanks, den sie ausfindig machen kann, scheint Todesangst zu haben. Er übergibt ihr ein Tagebuch, mit dem Hinweis, dass sie darin alle Antworten finden wird.
Sally ahnt nicht, dass sie in Mrs Holland, der Besitzerin einer „Pension“ und der Kopf einer Verbrecherorganisation, eine äußerst gefährliche Feindin hat. Unterstützung findet sie bei ihrer Suche bei dem jungen Fotografen Frederick. Bei ihm und seiner Schwester kommt sie unter, als sie vor ihrer lieblosen Tante flüchtet, die es nur auf ihr Erbe abgesehen hat. Auch Jim, der Botenjunge der Schiffsgesellschaft, deren Miteigentümer ihr Vater war, hilft ihr. Doch auch ihre Freunde können nicht verhindern, dass ihr das Tagebuch gestohlen wir. Nun bleibt Sally nur der mysteriöse Hinweis, dass irgendwo ein Schatz versteckt ist, der ihr zusteht – ein Rubin. Gemeinsam mit ihren Freunden macht sie sich auf die Suche nach dem kostbaren Edelstein, begleitet von der Ahnung, dass ein immer wiederkehrender Albtraum die Lösung für alle ihre Fragen birgt …

Der Rubin im Rauch ist der erste Band der vierbändigen Sally-Lockhart-Reihe (Der Rubin im Rauch, Der Schatten im Norden, Der Tiger im Brunnen, Das Banner des roten Adlers) des Bestsellerautors Philip Pullman, der durch seine His Dark Materials-Reihe bekannt wurde. Die beiden ersten Bücher wurden auch von der BBC mit Billie Piper (Doctor Who) in der Hauptrolle verfilmt. Es handelt sich bei dieser Reihe um historische Kriminalromane, die zwischen 1872 und 1882 in Großbritannien spielen.

Protagonistin ist die (zu Beginn) 16-jährige Sally Lockhart, die in Indien geboren wurde, wo ihr Vater stationiert war, und nach dem (angeblich) frühen Tod ihrer Mutter von diesem aufgezogen wurde. (Damals) Typisch weibliche Fertigkeiten hat sie von ihm nicht gelernt, jedoch kann sie schießen und kann außerordentlich gut mit Zahlen umgehen, was ihr zugutekommt, als sie zu dem Fotografen Frederick und seiner Schwester Rose zieht, die beinahe pleite sind. Sally ist ein überaus hübsches Mädchen, selbstbewusst, mutig, entschlossen und ausgesprochen einfallsreich. Aber nicht in übertriebener Weise, wie dies nur allzu oft bei Protagonistinnen von Jugendromanen der Fall ist. Damit könnte sie die ideale Identifikationsfigur für die Leserin sein … wenn sie darüber hinaus nicht ein wenig zu blass und eindimensional geraten wäre. Der Roman krankt ein wenig an „show, don’t tell“ – der Leser erfährt durch die Ereignisse und durch Sallys eigene Gedanken, die immer wieder einfließen, dass Sally all dies ist, aber die psychologische Tiefe fehlt ihr. Man bekommt eigentlich nie einen Einblick in ihr Gefühlsleben – ob es nun der Tod ihres Vaters ist, den sie gar nicht nennenswert zu betrauern scheint. Was ein Wunder ist, da er die einzige Bezugsperson ist, die sie im Leben hat. Oder ob es um die aufregenden Ereignisse geht, die mit der Suche nach dem Rubin verbunden sind: Es geschehen dramatische, teils schlimme Dinge, aber was Sally  fühlen, spürt man als Leser kaum.
Das gilt übrigens auch für die anderen Figuren. Frederick und seine Schwester Rosa zeichnen sich ebenfalls dadurch aus, dass sie ausgesprochen schön sind; auch sind sie Freigeister, abenteuerlustig und ebenfalls ausgesprochen einfallsreich und mutig. Und das gilt ebenfalls für Botenjunge Jim, der zu der kleinen Gruppe hinzustößt. Aber selbst wenn die Kinder bzw. jungen Erwachsenen mit „erwachsenen“ Themen konfrontiert werden (Opiumsucht, Kriminalität, Gewalt und Mord, moderne Sklaverei etc.), scheinen sie das Erlebte relativ schnell wegzustecken. Was emotional in ihnen vorgeht, spielt im Grunde überhaupt keine Rolle.
Erwachsene spielen in diesem Buch nur eine sekundäre Rolle – und stellen den gesamten Fundus an Antagonisten! Was sehr ungewöhnlich ist. Wobei: Wenn man einen Blick auf typische Teenagerserien oder -filme wirft, ist es häufiger der Fall, dass Erwachsene lediglich Statistenrollen haben bzw. fast nahezu gar nicht in Erscheinung treten.

Allerdings ist der Roman durchaus nicht so schlecht, wie es aufgrund der bisherigen Ausführungen den Anschein könnte. Pullman ist im Grunde ein sehr guter Erzähler. Die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird relativ detailliert geschildert – so detailliert, wie es für ein Jugendbuch möglich und sinnvoll ist. Man bekommt eine Ahnung vom Elend vieler Menschen, davon, wie gefährlich es für die ärmeren Menschen in London war (gerade für die Kinder!), und meint, den Gestank der Elendsviertel regelrecht riechen zu können. Man bekommt auch einen Einblick in die zerstörerischen Auswirkungen des Opiums, in den fehlgeleiteten britischen Kolonialpolitik … Auch versteht es Pullman, von Beginn an hier und da kleine Hinweise in die spannungsreiche Handlung einzustreuen, die dem Leser dabei helfen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Allerdings muss man wirklich auf der Hut sein, um diese Andeutungen nicht zu verpassen.

Fazit: Ein guter historischer Jugendkrimi, der trotz einiger Schwächen Lust auf die Fortsetzung macht.

Veröffentlicht in Belletristik

Karl May: Weihnacht

In den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts: Der junge Karl May (Sappho) und sein Freundes Hermann Lachner (Carpio) begeben sich wie so oft in ihren Weihnachtsferien auf eine mehrtägige Wanderung im Grenzgebiet des kaiserlichen Deutschlands und des Königreichs Böhmen. Im böhmischen Falkenau lernen sie die kleine, völlig verarmte Familie Wagner kennen – Großvater, Tochter und Enkel –, die sich auf der Flucht vor einer unbekannten Bedrängnis befindet. Mit ihrem letzten Geld helfen die beiden Freunde der Familie, sich bis nach Bremen durchzuschlagen, von wo aus sie in die USA auswandern wollen, wo sich bereits der Vater der Familie aufhält. Wenige Tage später treffen May und Carpio die drei noch einmal und werden Zeuge, wie der Großvater verstirbt.

Weston/Missouri, etwa zwanzig Jahre später: Aus dem jugendlichen Dichter May ist mittlerweile der berühmte Westmann Old Shatterhand geworden, der sich inkognito in der Kleinstadt Weston aufhält, um seiner Tätigkeit als Reiseschriftsteller nachzugehen. Durch Zufall wird er Zeuge, wie der „Prayer-Man“ – ein als Wanderprediger getarnter Verbrecher – einen Goldgräber um seinen Fund bringt und mit einem unbekannten Komplizen eine weitere Untat plant: Sie wollen zwei Greenhorns ein sogenanntes Finding-Hole verkaufen (eine Goldquelle, die sich in einem Loch in tiefem Wasser befindet) und den jüngeren zwingen, ihnen das Gold herauszuholen, bevor sie die beiden umbringen.
Außerdem stößt May dort wieder auf Frau Wagner, die in Wirklichkeit, so stellt sich nun heraus, von Hiller heißt. Ihr Ehemann – ein Fellhändler – wird von Krähenindianern gefangengehalten. Diese beschuldigen ihn, gemeinsam mit Schoschonen einige Stammesgenossen getötet zu haben, und fordern nun Lösegeld.
Gemeinsam mit seinem Blutsbruder Winnetou macht sich Old Shatterhand auf den Weg nach Wyoming, um Hiller zu befreien. Außerdem wollen die beiden versuchen, den Überfall auf die Greenhorns zu verhindern.
Einer dieser Greenhorns entpuppt sich als Carpio, der mittlerweile ebenfalls in die USA ausgewandert ist und dort von seinem bösartigen Onkel, dem anderen Goldsucher, ausgebeutet wird. Carpio schließt sich Old Shatterhand und Winnetou an …

„Weihnacht“ gehört neben einer Reihe anderer Karl-May-Romane zu den ersten „erwachsenen“ Büchern, die ich als ca. 10- bis 12-Jährige gelesen habe, die einzigen Bücher, die aus der Kinderheit bzw. Jugend meines Vaters übrig geblieben sind (er war/ist kein großer Leser). Und ich habe diesen Roman damals geliebt! Wenn ich das Buch heute lese, würde ich sagen, dass die Charaktere etwas zu eindimensional bzw. unsere Helden etwas zu fehlerfrei und großartig sind. Aber unterhalten hat mich die Geschichte auch heute noch sehr.

In „Weihnacht“ zeigt sich, dass Karl May ein großartiger Erzähler bzw. Beschreiber war. Auf dem hinteren Vorsatzpapier ist eine Landkarte der Gegend abgebildet, in der die Handlung des Romans spielt (Wyoming) – jeder kleine Creek, den Old Shatterhand, Winnetou und ihre kleine Gruppe auf der Suche nach Hiller und den Verbrechern zurücklegen. Und wenn man im Rahmen der Geschichte den Helden über die unterschiedlichsten Berge und Creeks und River folgt, hat man wirklich das Gefühl, dabei zu sein. Es gelingt May tatsächlich, die Landschaft vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen. Es geht über Berge und Grasland und durch Wäldchen. Die Täler sind von dichtem Nebel erfüllt, der Hochwald mit glitzerndem Reif überzogen. Die Sonne scheint vor Schreck zu erbleichen und zu erkalten, denn ihre farblosen Strahlen verlieren zu Winterbeginn ihre Kraft …

Die Geschichte, die in „Weihnacht“ erzählt wird, spielt zu zwei unterschiedlichen Zeiten und an zwei unterschiedlichen Handlungsorten: in den Jugendjahren des Ich-Erzählers (40er-Jahre des 19. Jahrhunderts) in der deutschen Heimat (bzw. im Grenzgebiet zu Böhmen) und in den Erwachsenenjahren (60er-Jahre) des Protagonisten, der einerseits als erfolgreicher Reiseschriftsteller in den Vereinigten Staaten/im Wilden Westen lebt, andererseits unter dem Kultnamen Old Shatterhand bekannt geworden ist. Hinsichtlich der Charakterisierung zeigt sich: Was den jungen May (May behauptete ja irgendwann, selbst der Held seiner Geschichten zu sein, was aber nicht stimmte) ausmachte – Liebe zur Natur, Glaube, die Bereitschaft, mit wenig auszukommen, Freigebigkeit, Liebe zu den Menschen, die weniger haben, Einfallsreichtum -, findet sich beim Erwachsenen in noch stärkeren Maße vertreten: Obwohl er durch seinen Blutsbruder Winnetou Zugriff auf unzählige Reichtümer hätte, verdient sich Old Shatterhand seinen Lebensunterhalt mit dem Verfassen von Reiseliteratur, er hat kein festes Zuhause, sondern reist mit Winnetou durchs Land, ist bereit, seine Pläne für die nächsten Wochen und Monate über den Haufen zu werfen, um Hiller zu befreien und den Krieg zwischen Krähen und Schoschonen zu verhindern, und dabei legt er einen großen Einfallsreichtum an den Tag … Ganz zu schweigen davon, dass er ein großartiger Kämpfer ist, die unterschiedlichsten Indianersprachen beherrscht und durch sein einnehmendes, selbstbewusstes Wesen alle Schwierigkeiten meistert. Ein wenig perfekt vielleicht und sein Selbstbewusstsein an der einen oder anderen Stelle etwas zu nervtötend. Aber ein Held, mit dem sich um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert sicher viele Leser identifizieren konnten und wollten.
Ähnliches kann man bei Winnetou feststellen, der in diesem Roman sehr detailliert beschrieben wird (S. 215-216). Interessanterweise stieß ich bei Nachforschungen darauf, dass offenbar folgender Absatz in den jetzigen Ausgaben fehlt:

Einen Bart trug er nicht; in dieser Beziehung war er ganz Indianer. Darum war der sanfte, liebreich milde und doch so energische Schwung seiner Lippen stets zu sehen, dieser halbvollen, ich möchte sagen, küßlichen Lippen, welche der süßesten Schmeicheltöne ebenso wie der furchterweckendsten Donnerlaute, der erquickendsten Anerkennung gleich so wie der schneidendsten Ironie fähig waren. Seine Stimme besaß, wenn er freundlich sprach, einen unvergleichlich ansprechenden, anlockenden gutturalen Timbre, den ich bei keinem andern Menschen gefunden habe und welcher nur mit dem liebevollen, leisen, vor Zärtlichkeit vergehenden Glucksen einer Henne, die ihre Küchlein unter sich versammelt hat, verglichen werden kann; im Zorne hatte sie die Kraft eines Hammers, welcher Eisen zerschlägt, und, wenn er wollte, eine Schärfe, welche wie zersetzende Säure auf den festesten Gegner wirkte. Wenn er, was aber sehr selten und dann nur bei hochwichtigen oder feierlichen Veranlassungen geschah, eine Rede hielt, so standen ihm alle möglichen Mittel der Rhetorik zur Verfügung. Ich habe nie einen besseren, überzeugenderen, hinreißenderen Redner gehört als ihn und kenne nicht einen einzigen Fall, daß es einem Menschen möglich gewesen wäre, der Beredsamkeit des großen, unvergleichlichen Apatschen zu widerstehen. Beredt auch waren die leicht beweglichen Flügel seiner sanftgebogenen, kräftigen, aber keineswegs indianisch starken Nase, denn in ihren Vibrationen sprach sich jede Bewegung seiner Seele aus. Das Schönste an ihm aber waren seine Augen, diese dunklen, sammetartigen Augen, in denen, je nach der Veranlassung, eine ganze Welt der Liebe, der Güte, der Dankbarkeit, des Mitleides, der Besorgnis, aber auch der Verachtung liegen konnte. Solch‘ ehrliche, treue, lautere Augen, in welchen beim Zorne heilige Flammen loderten oder aus denen das Mißfallen vernichtende Blitze schleuderte, konnte nur ein Mensch haben, der eine solche Reinheit der Seele, Aufrichtigkeit des Herzens, Unwandelbarkeit des Charakters, und stete Wahrheit des Gefühles besaß wie Winnetou. Es lag in diesen seinen Augen eine Macht, welche den Freund beglückte, den Feind mit Furcht und Angst erfüllte, den Unwürdigen in sein Nichts verwies und den Widerspenstigen zum Gehorsam zwang. Wenn er von Gott sprach, seinem großen, guten Manitou, waren seine Augen fromme Madonnen-, wenn er freundlich zusprach, liebevolle Frauen-, wenn er aber zürnte, drohende Odins-Augen. (http://karl-may-wiki.de/index.php/Winnetou)

Ich könnte mir denken, dass man diese Passage gestrichen hat, weil sie ein übertrieben vollkommenes Bild von Winnetou zeichnet (selbst die jetzigen Beschreibungen zeichnen ihn noch als Übermenschen) – und weil doch etwas Homoerotisches darin mitschwingt. Letzteres ist übrigens zum Teil in der jetzigen Ausgabe noch zwischen den Zeilen enthalten, will man es hineinlesen. Überhaupt empfand ich auch die Beziehung zwischen den Erwachsenen Lauschner und May etwas … sehr emotional. Und diese Emotionalität scheint bei Karl May beinahe schon Stilmittel zu sein. Hier wird geweint und in den Armen gehalten (bzw. an die Brust gezogen).

Was mir damals nicht bewusst war: die Rolle der Religion. Das Buch ist „knackfromm“. Der Protagonist und Ich-Erzähler (und einige Nebenfiguren) ist nicht nur kulturfromm, wie es Mitte des 19. Jahrhunderts in unserem Land noch üblich war, sondern sein Glaube bestimmt alle seine Überzeugungen und sein Handeln. Als Jugendlicher verfasst er ein Weihnachtsgedicht mit 24 Versen, für das er einen Geldpreis einheimst und das gedruckt wird – und das die komplette E’rlösungsbotschaft enthält (Jesus Christus kam als Sohn Gottes und Erlöser auf diese Welt, die Notwendigkeit zu Buße und Umkehr, das „endgültige“ Ziel des Lebens etc.) – genauso wie auch der Roman „Weihnacht“ die komplette Botschaft des Evangeliums verbreitet. Dieses Gedicht wird sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen – es wird wie der Schüler Sappho seinen Weg nach Amerika finden, alte Freunde und Bekannte werden sich daran erkennen, sein Missbrauch durch einen Antagonisten macht deutlich, dass dieser schon verloren ist, und die unterschiedlichsten Akteure werden daraus Trost und Kraft ziehen. Auch als Erwachsener im Wilden Westen – nun unter dem Namen Old Shatterhand – hält der Protagonist mit seinen religiösen Überzeugungen nicht hinter dem Berg. Im Gegenteil. Als Hiller seinen Glauben als Ammenmärchen bezeichnet und behauptet, kein vernünftiger Mensch könne daran glauben, ganz zu schweigen davon, dass er diesen Jesus Christus auch nicht brauche, ist das für Old Shatterhand Grund genug, den Stab über diese Figur zu brechen (S. 403-405).

„Bleibt es, in wessen Namen Ihr wollt, nur nicht in Gottes Namen, denn es gibt keinen Gott! Wenn ich da nicht Recht habe, so mag mir der erste, beste Grizzlybär das Gehirn ausfressen!“

Diese Worte von Hiller werden im späteren Verlauf der Geschichte übrigens Wahrheit, als seine Unterkunft durch eine Lawine verschüttet wird und ein hungriger Grizzly sich über den Schädel eines gesetzlosen Toten hermacht und auch Hiller umzubringen droht. Dieses Ereignis führt bei der Romanfigur dann konsequenterweise eine Lebensveränderung bzw. einen Gesinnungswandel herbei, und so beendet Hiller seine Geschichte als überzeugter Christ und neuer Mensch. Und zur Belohnung kehrt er geläutert zu Familie und nach Österreich/Böhmen zurück, um Besitz und Titel wieder zu übernehmen. Überhaupt findet sich im Buch mehrere Male die Vorstellung, dass Leid Gott gewollt ist (zumindest sein könnte), um den Menschen zu läutern und zu sich zurückzuziehen.

Mein Fazit: „Weihnacht“ hat bei mir das Interesse an Karl May wiedergeweckt. Ich hätte durchaus Lust, den einen oder anderen Roman wieder hervorzukramen.

Veröffentlicht in Belletristik

Robin Schone: The Lady’s Tutor

London, 1886: Elizabeth Petre wurde mit siebzehn Jahren mit ihrem Mann Edward verheiratet. In den sechszehn Jahren ihrer kalten Ehe hat sie ihm zwei Söhne geschenkt und unterstützt den Schatzkanzler in seinen politischen Bestrebungen, in dem sie wohltätige Aufgaben und repräsentative Pflichten erfüllt. Als sie erkennt, dass ihr Mann eine Geliebte hat und weil sie sich auch selbst nach der Berührung eines Mannes sehnt, Edward aber treu bleiben will, beschließt sie, ihn zu verführen. Und sie kennt nur einen Mann, der sie die erotischen Geheimnisse der Liebe lehren kann.
Ramiel Devington, Lord Safyre, ist der Bastard einer englischen Gräfin und eines Scheichs ist sowohl in der britischen als auch der arabischen Kultur zu Hause – doch von der guten Gesellschaft wird er geschnitten. Als eines Tages die Frau des Schatzkanzlers um seine Hilfe bittet, kann er der Versuchung nicht widerstehen, sie mit sinnlichen Vergnügungen bekannt zu machen.
Aber schon bald geschieht, was beide nicht erwartet haben: Obwohl beide aus unterschiedlichen Welten kommen, fühlen sie sich zueinander hingezogen, und Elizabeth muss sich zwischen ihren familiären Verpflichtungen und einer verbotenen Leidenschaft entscheiden …

„The Lady’s Tutor“ ist ein erotischer Roman der amerikanischen Bestsellerautorin Robin Schone, die schon zahlreiche literarische Preise erhalten hat, darunter die Auszeichnung für ihr Lebenswerk im Bereich „Most Innovative Historical Romances“ (2008). Der Roman stammt aus dem Jahr 1999 – einer Zeit, in der die AutorInnen Gott sei Dank noch nicht der Auffassung waren, dass alle Frauen insgeheim das Bedürfnis verspüren, sich dem Mann sexuell unterzuordnen, oder dass die Tatsache, dass ein Mann seine Geliebte rücksichtslos behandelt, in Wahrheit ein Zeichen seiner Zuneigung ist. Im Gegenteil: „The Lady’s Tutor“ erzählt die Geschichte zweier Menschen, die einander Vergnügen bereiten und so auch selbst Vergnügen erleben. Zu sexuellen Handlungen kommt es erst nach knapp 2/3 des Buches, aber die bis dahin geschilderten Gespräche der beiden über das Thema „Lust“ sind imho erotischer als viele explizite Liebesszenen, die man in gängigen Liebesromanen detailliert nachlesen kann. Natürlich gilt das für die dann beschriebenen 6szenen umso mehr. 😉 Die Beschreibungen sind darüber hinaus nicht primitiv und vulgär, sondern ebenfalls sehr sinnlich. In „The Lady’s Tutor“ sind die 6szenen wirklich organischer Teil der Liebesgeschichte; hier gibt es keine Beschreibungen sexueller Vorgänge, um einer schwachen Geschichte noch ein wenig Würze zu verleihen, wie das leider oft in Erotikromanen der Fall ist. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Zwar kann sich die Autorin nicht völlig von Stereotypen freimachen (Ramiel hat natürlich keine sexuellen Begegnungen mehr mit anderen Frauen, nachdem er Elizabeth kennengelernt hat; er ist in gewissr Hinsicht eine gequälte Seele, die durch Elizabeth Heilung findet; die Protagonisten sind durch und durch gut, die Antagonisten sind durch und durch böse etc.), fühlte ich mich so gut unterhalten, dass ich bis tief in die Nacht hinein im Buch gelesen habe, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte.

Elizabeth ist eine überaus sympathische Heldin, die – ohne es zu wissen – von den Menschen, den sie am meisten vertraut, zutiefst betrogen wird. Ihr gesamtes Leben ist im Grunde eine Täuschung, ohne dass sie sich dessen bewusst wäre. Obwohl sie den Lebensweg eingeschlagen hat, der ihr aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung vorherbestimmt war (ihr Vater ist britischer Premierminister), und keine Chance hatte, sich ihren Ehemann auszusuchen, erfüllt sie ihre Rolle perfekt. Ihr Mann ist ein aufstrebender Politiker, der von ihrem Vater protegiert wird, und so ist sie gemeinsam mit ihrer Mutter in verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen tätig und nimmt gemeinsam mit  Edward an gesellschaftlichen Anlässen teil. Doch obwohl sie ihrem Mann eine treue Ehefrau sein und ihren Pflichten in jeder Hinsicht nachkommen will, hat er sie seit zwölf Jahren nicht mehr berührt (zwölf Jahre, fünf Monate, eine Woche und drei Tage, um genau zu sein) – seit der Zeugung ihres jüngsten Sohnes. Da ihr Mann nachts oft nicht nach Hause kommt, nimmt sie darüber hinaus an, dass er eine Geliebte hat, von der er das bekommt, was er bei ihr nicht suchen will. Deshalb ist sie bereit, über ihren Schatten zu springen, um den berüchtigten Lord Safyre um Hilfe zu bitten, der – so hat sie gehört – sich auf sexuelle Dinge so gut versteht, dass eine Frau ihrem Mann nie untreu werden würde, wenn er im Bett nur halb so gut wäre wie Ramiel Devington. Dieser lässt sich auf ihre Bitte ein und beginnt, die wohlerzogene Frau mithilfe von The Perfumed Garden von Scheich Nefzaoui (ein real existierendes Buch, offenbar das arabische Kamasutra) mit den sinnlichen Freuden bekannt zu machen. Es war schön zu sehen, wie die gut erzogene Frau sich irgendwann nicht mehr davor fürchtet, offene Fragen zu diesen Dingen zu stellen und ihre Meinung zu bestimmten Praktiken zu äußern. Und genauso, wie ihre falsche Scham in sexuellen Dingen schwindet, wird sie auch in anderen Dingen mutiger und ist bereit, ihr Leben stärker zu hinterfragen. Je selbstbewusster (im besten Sinne selbst-bewusst) sie wird und je mehr sie ihren Wert als Frau erkennt, desto weniger ist sie bereit, alles, was in ihrem Leben vor sich geht, einfach so hinzunehmen. Aber die Wahrheit ist schrecklicher, als sie ahnt.

Im Gegensatz zu ihr kennt Ramiel Devington, Lord Safyre, schon relativ früh die Wahrheit über ihren Mann, hält diese aber vor Elizabeth geheim, um ihr nicht wehzutun. Er ist der Sohn einer britischen Adligen, die als Siebzehnjährige in Italien entführt und schließlich an einen Scheich verkauft wurde; obwohl sich die beiden ineinander verliebten, ging die Countess nach einigen mit ihrem wieder nach England zurück, weil das Leben in einem Harem zu gefährlich für sie war. Dennoch hat sie ihren Sohn, als dieser zwölf war, für einige Jahre zu seinem Vater zurückgeschickt, damit er auch dessen Kultur kennenlernt. Allerdings wurde Ramiel einige Jahre später nach einem schrecklichen Vorfall, über den er mit niemandem spricht, nach England zurückgeschickt. Obwohl er und seine Mutter von der „guten Gesellschaft“ geschnitten werden, ist der exotische Halbaraber bei den Frauen ausgesprochen beliebt und hat sich einen gewissen Ruf erworben, der auch Elizabeth zu ihm führt. 😉 Obwohl der verführerische Ramiel in der Tradition der „echten Kerle“ steht und die wohlerzogene Frau mit einer manchmal provozierenden Offenheit in die sinnlichen Vergnügungen einführt, legt er immer nur Respekt vor ihr und anderen Frauen an den Tag. An keiner Stelle entsteht auch nur der Eindruck, dass er Frauen dazu „missbraucht“, eigene Bedürfnisse zu erfüllen, oder ihnen zeigen will, „wie es geht“ (wie das leider heutzutage bei literarischen Helden der Fall ist).

Der Ausgang von Ramiels „erotischer Ausbildung“ ist der Leserin natürlich von Beginn an klar, aber durch den interessanten Weg dorthin, die Veränderungen, die sich in der Protaginistin vollziehen, und die überaus sympathischen Akteure nimmt man der Autorin dies nicht übel.

Mein Fazit: Wer einen wirklich schönen, geschmackvollen erotischen Roman lesen möchte, dem kann ich dieses Buch von Robin Schone nur empfehlen! Es macht wirklich Lust (pun intended) auf mehr von dieser Autorin.

Veröffentlicht in Belletristik

Jen Turano: Playing the Part

Lucetta Plum ist eine erfolgreiche Schauspielerin in New York. Doch sie muss bei Nacht und Nebel die Flucht ergreifen, als ihr Stiefvater sie beim Glücksspiel an einen unliebsamen, aber sehr einflussreichen Bewunderer namens Silas Ruff verliert. Lucettas mütterliche Freundin Abigail Hart ist im Gegensatz zu ihr darüber jedoch ausgesprochen begeistert, bietet ihr das doch eine Gelegenheit, die junge Frau mit ihrem Enkel zu verkuppeln, in dessen Schloss beide Zuflucht finden.
Bram Haverstein ist ein sehr wohlhabender, aber auch etwas exzentrischer Gentleman. Er reitet des Nachts übers Land, gibt Straffälligen ein neues Zuhause – und seine Nachbarn sind fest davon überzeugt, dass es bei ihm nicht mit rechten Dingen zugeht (zumindest hat der letzte Besitzer sein Schloss verkauft, weil es darin offenbar spukt). Und er ist schon seit Jahren im Stillen in die Schauspielerin Lucetta Plum verliebt.
Die junge Frau ist alles andere als begeistert, als sie erkennt, dass auch Bram zur Schar ihrer Verehrer gehört, und bleibt auf Distanz. Doch als dann in seinem Schloss seltsame Dinge vor sich gehen und ihr unliebsamer Verehrer Silas Ruff auf ihre Spur kommt, muss sie Bram um Hilfe bitten …

„Playing the Part“ ist Band 3 der „A Class of their own“-Reihe von Jen Turano. In der Reihe geht es um die drei Freundinnen Hannah, Millie und Lucetta – und natürlich, wie sie jeweils den Mann fürs Leben finden (Band 1: Braut auf Zeit; Band 2: In Good Company). Die Romane spielen allesamt 1882 in oder um New York und zeichnen sich durch eine große Portion Situationskomik aus; der 3. Band m. E. am stärksten. Ich habe „Playing the Part“ an einem Wochenende regelrecht verschlungen. Die Protagonisten werden glaubwürdig beschrieben, spielen sich die Bälle sehr gut zu, und die Liebesgeschichte ist zwar nicht unerwartet, aber doch sehr … süß. Komplettiert wird das Ensemble aus Akteuren von einer Reihe von überaus interessanten Nebenfiguren, reformierte Kleinkriminelle, denen Bram Haverstein auf Bitten seines Pastors ein neues Zuhause und neue Aufgaben gibt.

Lucetta Plum gibt eine sehr sympathische Heldin ab und war schon in Band 1 von „A Class of their own“ meine Lieblingsfigur. Sie ist zwar Theaterschauspielerin, was ihr in der damaligen Zeit (zu unrecht) einen etwas anrüchigen Ruf einbringt, aber darüber hinaus ist sie eine ausgesprochen bodenständige junge Frau. Sie ist überaus schön, was ihr zu ihrem Leidwesen eine große Schar an Bewunderern eingebracht hat, weiß sie doch, dass diese nur den äußeren Schein sehen und das Bild, das sie sich von ihr – von Lucetta – gemacht haben. Dies führt dazu, dass unsere Heldin einen großen Bogen um Männer macht. Sie ist nämlich alles andere als eine Damsel in Distress, die gerettet werden muss. Sie ist ausgesprochen intelligent (sie besitzt ein fotografisches Gedächtnis) und wissbegierig, widmet sich ihrem Beruf und hat gelernt, ihr Vermögen durch Geschäfte an der Wall Street zu vergrößern, wodurch sie in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Auch wenn ihr Wohlstand und das, was andere über sie denken, nicht wirklich wichtig ist.

Als sie Bram Haverstein gegenübersteht, ist sie zunächst ausgesprochen angetan von seiner Person (schließlich trägt er gerade eine Augenklappe und ist tall, dark & handsome) – bis sich herausstellt, dass auch er ein Bewunderer ihrer Person ist. Auch er hat sich ein Bild von ihr gemacht – und muss zu seinem Leidwesen feststellen, dass sie keine hilflose Jungfer ist, die vom strahlenden Helden gerettet werden muss und damit zufrieden wäre, nach der Eheschließung den Haushalt zu schmeißen. Sie ist viel selbstständiger und selbstbewusster, als ihm (zunächst) lieb ist. Bram selbst ist allerdings auch nicht das, was er zu sein scheint. Er hat Geheimnisse, die dazu führen, dass seine Nachbarn ihn im  besten Fall für eine Art modernen Robin Hood halten und seine Angestellten ihn zumindest für einen extrem exzentrischen Arbeitgeber, der viel Zeit in seinem Burgverlies verbringt. Sein Geheimnis klärt sich zum Ende des Buches hin, allerdings weiß der aufmerksame Leser schon deutlich früher, worum es dabei geht.

Auch die Handlung ist ausgesprochen vielfältig: Neben der eigentlichen Liebesgeschichte gibt es sehr viel Situationskomik (hier wäre u. U. etwas weniger mehr gewesen); es gibt eine spannende Krimihandlung um Lucettas unliebsamen Verehrer Ruff, der schließlich auch wiederholt zu kriminellen Methoden greift, um ihrer habhaft zu werden; es gibt Gothic-Elemente, die ein wenig an Jane Austens „Northanger Abbey“ erinnern, und es gibt eine Reise in Lucettas Vergangenheit in die amerikanischen Südstaaten, in deren Rahmen sie auch mit ihrer Geschichte abschließt. Heraus kommt dabei eine unterhaltsame Mischung aus Humor und Spannung, aus Leichtigkeit und Tiefgang, was das Buch zu einer idealen Strandlektüre macht.

Das Buch ist jedoch nicht nur gut geschrieben und ausgesprochen unterhaltsam, es gibt auch ausreichend „Denkstoff“ für die Leserin: Es geht im Buch ganz stark darum, dass wir Masken tragen, damit andere nicht sehen, wer wir wirklich sind; es geht um zerbrochene Familienbeziehungen und Vergebung.

Mein Fazit: Ein extrem unterhaltsamer Abschlussband der dreibändigen Reihe von Jen Turano. „Playing the Part“ wird sicher nicht mein letztes Buch der Autorin sein.

 

 

 

 

Veröffentlicht in Belletristik

Annis Bell: Die Orlow-Diamanten (Lady Jane #3)

Lady Jane und ihr Mann Captain David Wescott freuen sich auf ihre Reise nach Indien. Das Gepäck ist schon an Bord, am nächsten Morgen soll das Schiff in See stechen. Doch dann werden in London die berühmten Orlow-Diamanten gestohlen und ihr Besitzer, der russische Attaché Orlow, fällt einem heimtückischen Mord zum Opfer. Rasch verhaftet man einen ersten Verdächtigen: Es ist ausgerechnet Wescotts Diener Levi, der regelmäßigen Kontakt zu russischen Emigranten-Kreisen hatte und mit einem blutigen Mantel angetroffen wurde. Notgedrungen verschieben Lady Jane und der Captain ihre Reise, um Levi zu entlasten und an der Aufklärung des Falles mitzuwirken.
Als David plötzlich selbst unter Verdacht gerät, stellt Lady Jane sich mit dem ihr eigenen Selbstbewusstsein der Aufgabe, ihren Mann aus seiner schwierigen Lage zu befreien. Doch alles scheint sich gegen sie verschworen zu haben. Die Suche nach dem wahren Drahtzieher des Mordes von London zwingt sie zur Flucht und führt sie mitten in die revolutionären Kreise von St. Petersburg …

„Die Orlow-Diamanten“ ist Band 3 der Reihe um die unkonventionelle Lady Jane und mein absoluter Favorit der Reihe. Während Janes Recherchen zu den Kriminalfällen der beiden anderen Romane „Die Tote von Rosewood Hill“ (Band 1) und „Die schwarze Orchidee“ (Band 2) von ihrem Mitgefühl (und ihrer Abenteuerlust, ähm, Wissbegierde) angetrieben werden, steht in diesem Buch ihr Ehemann David Wescott im Zentrum des Geschehens.

Wieder liefert Bell einen sehr gut recherchierten Roman ab. Man bekommt als Leser zumindest einen kleinen Einblick in das politische Geschehen dieser Zeit, vor allem natürlich in die komplexen, fragilen Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland nach Beendigung des Krimkriegs sowie in die gesellschaftlichen Umwälzungen in Russland nach der Abschaffung der Leibeigenschaft durch Zar Alexander II. Und hier wird auch sehr schön erklärt, inwiefern auf das Ende dieser Leibeigenschaft (für Bauern) keine echte Freiheit folgte, sondern eine verschärfte wirtschaftliche Abhängigkeit, da die Bauern die Grundherren für die „Überlassung“ von Grund und Boden finanziell entschädigen mussten; auf diese Weise gerieten sie in eine schreckliche Schuldenfalle.

Auch der Kriminalfall an sich ist wesentlich komplexer als in den beiden Vorgängerbänden. Während in Band 1 relativ schnell klar war, wer hinter den Ereignissen um die verschwundenen Waisenkinder steckte, oder in Band 2 der Kreis der Verdächtigen relativ überschaubar war, steht der Leser in Band 3 genauso ratlos vor den Verbrechen wie die Protagonisten selbst: Ist Wescotts Diener Levi Atalay wirklich am Diebstahl der Diamanten und der Ermordung des Botschafters beteiligt oder verbrachte er den Abend wie üblich im Kreise anderer Exilrussen? Wer versucht, David Wescott die Tat in die Schuhe zu schieben? Steckt Devereaux dahinter, der dank der Nachforschungen von Jane und David sein Vermögen verloren hat und ins Ausland fliehen musste – und jetzt auf Rache sinnt (nachzulesen in Band 1)? Sind es Davids englische Feinde, die ihm noch für seine Rolle im Krimkrieg grollen – dass er gegen seinen Vorgesetzten ausgesagt hat? Oder stecken vielleicht alte russische Feinde dahinter, die aufgrund seiner Rolle als Geheimermittler im Krimkrieg noch eine Rechnung mit ihm offen haben? Wem können Jane und David noch trauen? Wer wird sich als Feind entpuppen – und welcher vermeintliche Feind ist vielleicht doch ein Freund? Viele dieser Fragen werden erst zum Ende der Geschichte hin geklärt, was die Spannung bis zur letzten Seite aufrechterhält.

Auch die Beziehung zwischen David und Jane entwickelt sich im Laufe des Romans weiter. Es kommt hin und wieder zum Streit (gewöhnlich in Situationen, in denen David seine Frau vor einer Gefahr bewahren will, diese aber weiterhin ihren Kopf durchsetzen möchte), die beiden haben ihre Launen, aber statt dass die Autorin diese Missverständnisse oder „atmosphärischen Störungen“ über Kapitel hinzieht, wie viele Autoren dies tun, schenkt Annis Bell ihren Figuren die nötige Einsicht. Einer – oder beide – gibt nach, man räumt Missverständnisse aus dem Weg und spricht sich aus. Die beiden gestehen sich auch ihre Liebe (was jetzt nicht wirklich eine Überraschung ist).
Aber dennoch bleiben viele Aspekte ungeklärt: Jane ahnt, dass David nicht nur unter den schrecklichen körperlichen Verletzungen leidet, die er während des Krimkrieges erlitten hat, sondern dass es zum einen noch Erlebnisse gibt, die er vor ihr verbirgt, und dass er zum anderen noch ein Stück weit unter dem leidet, was man heute wohl als PTSD bezeichnen würde. Da sie ihn liebt, leidet sie sehr darunter – und nimmt es ihm auch übel -, dass er sich ihr nicht (weiter) öffnet. Dass es ihr auch nicht gelingt, hinter den Drahtzieher der Verschwörung zu kommen, erschüttert darüber hinaus zutiefst ihre Selbstsicherheit, ihren Glauben an das Gute und ihre immer präsente Hoffnung, dass es für alle Probleme eine Lösung gibt.
Im Gegenzug steht David, der aufgrund von Erfahrungen in Kindheit und während des Krieges nicht mit einem solchen Optimismus gesegnet ist wie Jane, kurz davor aufzugeben, als sich die Schlinge immer weiter zuzieht. Er bleibt auch zunächst emotional stärker auf Distanz, um es Jane zu erleichtern, sich neu zu binden, sollte ihm etwas zustoßen oder er sich von ihr trennen (müssen). Damit ist David ein ausgesprochen wohltuender Protagonist: Er ist weder besonders schön noch charmant oder heldenhaft – er hat Stärken und Komplexe wie jeder von uns, was ihn für mich zu einem sehr sympathischen, alles andere als übermenschlichen Helden macht. Und er enthält Jane viele Informationen oder Erfahrungen vor, um nicht auch sie mit den Dämonen der Vergangenheit zu belasten.
Und am Schluss der Geschichte steht dann für jeden von ihnen die Erkenntnis, dass schlimme (noch schlimmere) Dinge hätten geschehen können, wenn sie nicht auf die selbstlose Hilfe und Freundschaft von einigen Menschen hätten bauen können, von denen sie teilweise nicht einmal gewusst haben, dass sie existieren.

Dennoch bleiben viele Fragen auch noch ungeklärt, von denen ich in einer hoffentlich bald erscheinenden Fortsetzungen Antworten erhoffe: Warum ist die Beziehung zwischen David Wescott und seinem Vater so zerrüttet? Was hat es mit seiner russischen Mutter auf sich? Werden sie Devereaux fangen und seiner gerechten Strafe zuführen?

Zwei kleinere Kritikpunkte hatte ich am Roman, jedoch betreffen diese nicht die Story oder die Erzählkunst der Autorin, sondern die Gegebenheiten vor Ort in St. Petersburg: Zweimal wird der Zar von russischen Bürgern als „Kaiser“ bezeichnet. Das halte ich eher für unwahrscheinlich. Dann begibt sich Lady Jane in der Kutsche zu einem Haus in der Nähe des Bahnhofs Zarskoje Selo (Zarendorf), um sich dort mit Revolutionären zu treffen. Zarskoje Selo befindet sich jedoch ca. 25 km von St. Petersburg entfernt. Dass sie „mal eben“ mit der Kutsche dorthin fährt (im Jahre 1861), halte ich eher für unwahrscheinlich.

Mein Fazit: Der beste Band aus der Reihe um Lady Jane. Ich hoffe sehr, dass die Autorin uns noch eine Fortsetzung schenkt!

Veröffentlicht in Belletristik

Annis Bell: Die schwarze Orchidee (Lady Jane #2)

bell-lady-jane2November 1860: Nach einem turbulenten Start in eine unerwartet glückliche Ehe mit Captain Wescott hat Lady Jane keineswegs vor, sich in die Rolle der braven Ehefrau zu fügen.
Nachdem sie ein Hilferuf in Form eines Briefes erreicht, reist Jane kurz entschlossen zu ihrer Freundin Lady Alison. Diese ist nach Northumbria zur ihrer Cousine Charlotte gereist, die mit dem exzentrischen Orchideenzüchter Sir Fredrick Halston verheiratet ist und abgeschieden in einem düsteren Herrenhaus lebt. In Winton Park, wie das Gut heißt, fallen merkwürdige Dinge vor, die darin gipfeln, dass eines der Dienstmädchen tot im Moor aufgefunden wird. Obwohl auch die Möglichkeit besteht, dass Alison in Gefahr ist, will sie ihre Cousine nicht verlassen. Und sie kann es auch gar nicht, da sie ein weiteres Kind erwartet und die Schwangerschaft nicht ohne Komplikationen verläuft.
David Wescott findet unterdessen heraus, dass Orchideenzüchter alles andere als harmlos sind. Als dann auch noch ein Gärtner einer der berühmtesten Orchideenhändler Londons ermordet wird, hat der Captain alle Hände voll zu tun, seiner Frau bei der Aufklärung der Todesfälle zu helfen. Und es scheint um viel mehr zu gehen als nur um eine seltene schwarze Orchidee …

„Die schwarze Orchidee“ ist der zweite Band um die abenteuerliche Lady Jane (Band 1: Die Tote von Rosewood Hall). Der Roman spielt im viktorianischen England, ist der Gattung der Cozy Mystery zuzurechnen und meines Erachtens besser geschrieben als der erste Band. Wenn David Wescott auf der Suche nach den Schuldigen durch das ärmliche London schleicht, wenn er Verbrechern und Straßenkindern begegnet, dann meint man beinahe, dies vor sich sehen zu können. In dieser Hinsicht hat der Roman definitiv qualitativ hinzugewonnen. Die Geschichte an sich bzw. der Kriminalfall an sich ist auch weitaus komplexer als „Die Tote von Rosewood Hall“ und nicht so leicht zu durchschauen.
Lady Jane ist in diesem zweiten Buch weiterhin eine überaus sympathische Heldin. Sie ist sehr selbstbewusst und wissbegierig (neugierig? 😉 ) und lässt sich auch von ihrem eigenen Mann nichts vorschreiben, ohne jedoch übertrieben emanzipiert zu sein oder auch nur den Eindruck zu vermitteln, dass sie seine Unterstützung überhaupt nicht benötigt oder nur ungern annimmt. Sie leidet etwas unter der Rolle, die sie als Frau in der Gesellschaft auszufüllen hat, und lässt sich von ihrem großen Herzen immer wieder zu gefährlichen Aktionen verleiten, wenn sie auch nie auf eine Weise aus ihrer Stellung ausbricht, die ihr die Missachtung der Gesellschaft einbringen würde:

Ihre Verärgerung war im Grunde nichts weiter als Eifersucht auf Davids ausgefülltes Leben. Während er sich mit interessanten Menschen traf und politische Probleme diskutierte, durfte sie sich um Haushaltsfragen kümmern und langweilige Besuche bei gelangweilten Damen machen.

Ihr Mann lässt sich auch nur allzu gern auf ihre kriminalistischen Bestrebungen ein, selbst wenn er weiß, dass seine Frau ihn manipuliert und ihren Kopf durchzusetzen versucht. Er selbst arbeitet für den königlichen Geheimdienst, zögert aber nicht, alles stehen und liegen zu lassen, um seiner Frau zur Seite zu stehen. Und dafür liebt sie ihn zutiefst – und David sie ebenfalls, etwas, mit dem keiner der beiden gerechnet hat, als sie ihre Vernunftehe eingegangen sind.

Die übrigen Personen bleiben etwas blass. Da ist Sir Frederick, der zwar in zweiter Ehe mit einer jungen, schwächlich und krank wirkenden Frau verheiratet ist, mit der er auch zwei Kinder hat, dessen Herz aber im Grunde nur an seinen Orchideen hängt. Die Gouvernante der Kinder, Miss Molan, die als Einzige mit dem ungezogenen Sohn der Familie zurechtzukommen scheint. Und natürlich Janes Freundin Alison, die aufgrund von Schwangerschaftsproblemen gezwungen ist, das Bett zu hüten und leider nur dazu dient, unsere Protagonistin in den Norden zu führen und auf die Spur des Kriminalfalles zu bringen – und natürlich auch den Vorwand liefert, warum Jane nicht wieder abreisen kann.

Ein großes Plus des Buches ist die Parallelhandlung, die aus Briefen bestehen, welche Sir Frederick von seinem Orchideenjäger Derek Tomkins erhält. Dieser ist in Kolumbien auf der Suche nach der sagenumwobenen schwarzen Orchidee und schildert seinem Arbeitgeber seine Abenteuer, Herausforderungen und Erfolge. Während man zunächst annimmt, dass diese Passagen nur Sir Fredericks Obsession mit Orchideen veranschaulichen sollen oder dass die Orchideenjagd damals ein lukratives, aber äußerst gefährliches Unterfangen war, stellt sich am Ende heraus, dass doch alles ganz anders ist als angenommen. Aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Mein Fazit: Unterhaltsamer kleiner Krimi mit zwei überaus sympathischen Protagonisten. Mir persönlich hat er Lust auf Band 3 gemacht.