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Jen McLaughlin: Between us

Mackenzie Forbes ist mit Anfang zwanzig eine erfolgreiche Countrysängerin, studiert nebenbei aber noch Psychologie. Sie hat schon viel erlebt in ihrem Leben: Mit 17 wurde sie berühmt, ihre Mutter hat einen Teil ihres Vermögens mit Drogen durchgebracht, was zu einer Scheidungsschlacht mit Macs Vater führte, der aber wenig später schon bei einem Unfall ums Leben kam.
Und weil sie bereits zwei schreckliche Erfahrungen mit (potenziellen) Freunden und Paparazzi hinter sich hat, will sie während des Spring Break unerkannt in Key West dafür sorgen, dass ihre Jungfräulichkeit Geschichte ist, ohne dass die Presse davon Wind bekommt.
Austin ist Mitte zwanzig und hat ebenfalls eine schreckliche Kindheit hinter sich: Sein Vater war Alkoholiker, misshandelte Frau und Kinder und war für den Tod der Mutter verantwortlich. Nun trägt Austin seit vielen Jahren die Verantwortung für seine jetzt 16-jährige Schwester. Als Barkeeper sorgt er für den Unterhalt seiner kleinen „Familie“.
Doch er kann es kaum glauben, als eines Tages die berühmte Sängerin Mackenzie Forbes vor ihm steht und ihm zu verstehen gibt, dass sie eine Nacht mit ihm verbringen will …

„Between us“ ist Band 1 einer Trilogie mit dem Titel „Sex on the Beach“ zu der drei unterschiedliche Autorinnen eigene Geschichte aus demselben „Universum“ beitragen: Jen McLaughlin (Band 1: Between us; 148 Seiten), Jennifer Probst (Band 2: Beyond me) und Jenna Bennett (Band 3: Before you). Die Kurzgeschichten erzählen die Love Storys dreier Freundinnen, die sich während des Spring Break in Florida amüsieren und unverbindlichen Sex haben wollen. Dass alle drei dabei die große Liebe finden, versteht sich an dieser Stelle von selbst und muss wohl nicht explizit erwähnt werden. Und dass die Figuren nur eindimensionale Schönheiten sind, vermutlich auch nicht.

Band 1 handelt von Mackenzie Forbes, die nach dem Rosenkrieg ihrer Eltern und dem frühen Unfalltod ihres Vaters allein dasteht. Sie hat als Fünfzehnjähre die TV-Sendung Who Sings It Best gewonnen, ihre ersten Musikvideos mit 16 gemacht und ist seither ein erfolgreicher Countrystar – oder auch: America’s Sweetheart. Obwohl sie in ihren Videos nicht allzu zugeknöpft auftritt, ist sie mit 21 immer noch Jungfrau. Ihr Vater hat ihr schon früh eingebläut, wie wichtig ihr Image für das Musikbusiness ist: Never step out of line. Never get caught doing something bad. And never misbehave in public. Schon zweimal hat sie versucht, ihrer Jungfräulichkeit „abzuhelfen“, doch beide jungen Männer haben sie für Geld und Ruhm an die Presse verraten, sodass eigentlich niemand auf den Gedanken kommt, dass sie noch unberührt ist.
Doch jetzt hat sie beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Sie hat ihre zwei besten Freundinnen eingeladen, während des Spring Break mit ihr nach Florida zu reisen – und dort will sie sich (mit gefärbten Haaren, um unerkannt zu bleiben) für einen unverbindlichen One-Night-Stand einen gut aussehenden Mann suchen. Ihre Wahl fällt auf Austin Murphy, der – rein äußerlich – das genaue Gegenteil von ihr ist: groß, muskulös und tätowiert. Eben ein echter Badboy.
Doch Austin ist nicht nur Barkeeper, sondern auch Sänger, und natürlich erkennt er Mackenzie sofort, verrät ihr dies jedoch nicht. Wie sie hat auch er eine schwierige Kindheit und Jugend hinter sich – sogar noch schlimmer als Mackenzie: Sein Vater war ein Schläger und Säufer, der die Schuld am Tod der Mutter trägt. Als er nicht nur Austin verprügelte, sondern auch dessen jüngere Schwester Rachel, setzte dieser sich zur Wehr. Das Ganze eskalierte schließlich im Selbstmord des Vaters, der sich vor den Augen von Rachel eine Kugel in den Kopf gejagt hat – nicht ohne vorher auf sie zu schießen. Da sie damals erst 14 Jahre alt war, kümmert er sich seither um sie. Er hat die Schule abgebrochen, seinen Traum, Sänger zu werden, an den Nagel gehängt und jobbt als Barkeeper in Key West. Trotz all meiner Kritikpunkte an dieser Geschichte konnte ich Ashton durchaus auch sehr positive Seiten abgewinnen. Als es nämlich darum geht, ob er ein gemeinsames Leben mit Mackenzie in Betracht zieht, macht er ihr sofort deutlich, dass seine Schwester für ihn Priorität hat und dass er nicht bereit ist, sie (erneut) aus der gewohnten Umgebung zu reißen.
Als die berühmte Countrysängerin Mackenzie Forbes vor ihm steht und ihm Avancen macht, kann er dennoch sein Glück kaum fassen. Zwar kommt es zum obligatorischen Missverständnis, als sie erfährt, dass Austin ihre Verkleidung durchschaut hat, aber sie beschließt, ihm dennoch zu vertrauen – und ihre Jungfräulichkeit an ihn zu verlieren. In der ersten Nacht lehnt er ihr Angebot heldenhaft ab, denn sie hat schon ein paar Cocktails intus, und er will ihre Willigkeit nicht auszunutzen. In der zweiten Nacht geschieht es dann aber. Und natürlich ist der Sex weltbewegend, Sterne explodieren vor ihren Augen (nope, das habe ich mir nicht ausgedacht – steht so im Buch), und die Nacht ist viel zu kurz für all das, was die beiden alles tun wollen. 🙂 Weshalb sich der One-Night-Stand zu einer More-Nights-Einrichtung mit großartigem Sex und noch viel mehr Spaß und Kennen- bzw. Liebenlernen entwickelt, denn:

He kissed the tip of my nose, then sobered up. „You really love me?“
„I really do. I think I have since the first time you kissed me, but it took me this long to be sure. I didn’t want to rush into anything, or rush you into anything before you were ready.“

Mackenzie ist schon nach drei Tagen bereit, ihr Studium in Chicago und ihre Freunde hinter sich zu lassen, um mit Austin und seiner Schwester ein neues Leben zu beginnen. Höflich gesprochen war ich darüber etwas irritiert, bis mir klar wurde, dass wir es hier ja mit einer für ältere Teens verfassten Kurzgeschichte zu tun haben, und natürlich bricht dort die große Liebe schon beim ersten Blick aus und natürlich hält diese Liebe für alle Zeiten und natürlich zieht man mit Sack und Pack gleich beim Geliebten hat. Sorry, dass ich nicht gleich erkannt habe, dass nicht die Geschichte bzw. die handelnden Figuren ein Problem haben, sondern ich.
Und natürlich ist Austin ja nur rein äußerlich ein echter Badboy, aber in Wahrheit natürlich ein durch und durch vertrauenswürdiger, großherziger [insert noch viele andere positive Adjektive] Bruder, der nur für den Lebensunterhalt als Barkeeper arbeitet, aber in Wahrheit natürlich ein richtig guter Sänger ist, der gleich in Mackenzies Vorprogramm auftreten darf, und noch nie hat er sich einer Frau so geöffnet, wie er sich ihr in den wenigen Tagen öffnet. Was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht: There was something in the way he made me feel, the way he treated me, that told me he wasn’t like any other man. He would be the guy I measured every other guy up against in the future, and they’d all be found lacking. Äh, ja, natürlich.

Mein Fazit: Ehrlich? Dazu muss ich jetzt noch was sagen? Wenn ihr 15 seid, findet ihr die Geschichte bestimmt wahnsinnig romantisch. Wenn ihr älter seid, wisst ihr, dass diese Anhäufung von positiven Stereotypen im wahren Leben nicht vorkommt. Und ich habe mich noch nicht einmal dazu geäußert, dass ich es nicht besonders verantwortungsvoll finde, wenn Autorinnen in Kurzgeschichten für (ältere) Teens anonymen Sex propagieren …

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Julie Kagawa: Drachenzeit (Talon #1)

kagawa-talon1Strand, Meer, Partys – einen herrlichen Sommer lang darf Ember Hill das Leben eines ganz gewöhnlichen kalifornischen Mädchens leben! Danach muss sie in die strenge Welt des Talon-Ordens zurückkehren – und kämpfen. Denn Ember verbirgt ein unglaubliches Geheimnis: Sie ist ein Drache in Menschengestalt, auserwählt, um gegen die Todfeinde der Drachen, die Krieger des Geheimordens St. Georg, zu kämpfen.
Garret ist einer jener Krieger, und er hat Ember sofort als Gefahr erkannt. Doch je näher er ihr kommt, umso mehr entflammt er für das ebenso schöne wie mutige Mädchen. Und plötzlich stellt er alles, was er je über Drachen gelernt hat, infrage …

„Drachenzeit“ ist Band 1 der Talon-Reihe von Julie Kagawa. Lange standen die bislang schon lieferbaren Bücher auf meiner Wunschliste; an Weihnachten bekam ich die ersten 3 Bände geschenkt. Und meine Erwartungen waren hoch. Kagawas „Plötzlich Fee“-Reihe habe ich vor einem Jahr innerhalb weniger Tage verschlungen; ihre „Unsterblich“-Reihe habe ich schon zweimal gelesen, und das wird nicht das letzten Mal gewesen sein. Aber an „Drachenzeit“ bin ich gescheitert.
Ich hatte teilweise das Gefühl, dass es gar nicht Julie Kagawa ist, die mir hier neue Abenteuer über Drachen und Drachenjäger schildert, sondern ein Teeniemädel, das ihre Teeniefantasien zu Papier bringt. Versteht mich nicht falsch: Die Geschichte ist durchaus sehr gut und flüssig geschrieben. Aber die Zeichnung der Figuren und die Welt der Drachen – praktisch Fehlanzeige.
Kagawas Stärke sind eigentlich immer die großartigen (jungen) Frauenfiguren. Echte Kämpferinnen, die ihre Welt erobern, die nicht nur Damsels in Distress sind, sondern selbst zupacken können und nicht von einem Mann gerettet werden müssen. Und vor allem sind sie keine Weibchen, deren Leben sich nur um den Mann ihrer Träume dreht. Zugegebenermaßen sind sie in allen Büchern der Autoren recht perfekt, aber hier war es noch schlimmer. Doch in „Drachenzeit“ wird mir eine Mädchenfigur geliefert, die mehr als nur perfekt ist. Sie ist hübsch, intelligent und innerhalb kürzester Zeit in der Lage, auf einem Surfbrett die tollsten Wellen zu bezwingen. Ich erwarte sicher nicht, dass Ember sich als eine kleine Lara Croft entpuppt, aber da sie ein Drache ist, hätte ich mir hier deutlich mehr Facetten gewünscht. Und als sie Garret kennenlernt, muss ich kapitellang Beschreibungen über ihre Gefühle für den geheimnisvollen jungen Mann durchlesen – seine Augen, sein Körper … Und natürlich ist es Instalove, als Garret sie kennenlernt: Hat er vorher noch unter Einsatz seines Lebens gefährliche Drachen vernichtet, entwickelt er sich hier in einen hormongesteuerten Jungen zurück, der nur noch Augen für „sie“ hat. Und hatte ich schon erwähnt, wie toll und gutaussehend er ist?! Bei beiden Figuren hätte ich mir einfach deutlich mehr Tiefgang erwartet. Und daran ändert sich eigentlich wenig, als Riley auf der Bildfläche auftritt und der obligatorische Love Triangle seinen Anfang nimmt – ein junger Mann, zu dem sich Embers innerer Drache natürlich sofort hingezogen fühlt, denn er ist ja ach so geheimnisvoll und toll und wild und frei …
Die Drachenwelt ist das zweite Problem, das ich mit diesem Roman hatte: Ich meine, hallo!, die Hauptfiguren sind Drachen – also schildere mir bitte eine glaubwürdig konstruierte Drachenwelt: Wie sehen die aus? Welche Fähigkeiten haben die? Wo kommen die her? Was hat sich in ihrer Historie ereignet? Welches gesellschaftliche System haben die? Was macht man als Drache so Hunderte von Jahren lang? Gibt es Kunst und Poesie oder nur Wirtschaft und Politik? Ähnliches gilt auch für die Drachentöter des Geheimordens St. Georg: Wo kommen die her? Gehören die zur Regierung? Wie kommt es, dass die Menschheit nichts von den Drachenkämpfen mitbekommt? All das fehlt mir zum ersten Mal in einem Buch von Kagawa. Stattdessen war das Einzige, das ich immer vor mir sah, ein weißer Sandstrand, die Sonne Kaliforniens und das große Meer; gespickt mit der einen oder anderen Party. Mehr Kopfkino lief bei mir leider nicht.
Und diese fehlende „Romanwelt“ führte dazu, dass auch die Handlung fast nur vor sich hinplätschert. Und jetzt kommt mein Geständnis: Nachdem die Handlung auch nach gut 300 Seiten wirklich nur vor sich hindümpelte und ich abends auch einfach keine Lust hatte, mir noch Dutzende von Seiten mit Teenieschwärmereien anzutun, habe ich beschlossen, das Buch zur Seite zu lesen und mir erst einmal einen anderen Titel von meinem SUB zu schnappen. Ich werde dem Buch sicher noch einmal eine Chance geben, weil ich die Autorin, wie gesagt, sehr schätze. Aber jetzt ist es einfach nicht dran.

Mein Fazit: Julie, was hast du da nur getan?!

 

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Penelope Ward: Stepbrother Dearest

ward stepbrother dearestGreta freut sich auf das letzte Jahr an der Highschool, denn ihr Stiefbruder Elec, dem sie noch nie begegnet ist, zieht für das Abschlussjahr von Kalifornien zu ihnen nach Boston. Doch Elec stellt sich als rebellischer Macho heraus, der jeden Abend ein anderes Mädchen mit nach Hause bringt – am meisten aber stört Greta die Art, wie ihr Körper auf ihn reagiert. Doch so schnell wie Elec in Gretas Leben getreten ist, so schnell verschwindet er auch daraus – nicht ohne ihr in der letzten Nacht nicht nur ihre Jungfräulichkeit, sondern auch ihr Herz zu rauben.
Als Gretas Stiefvater sieben Jahre später verstirbt, begegnen sich die beiden wieder. Sie muss feststellen, dass aus dem Teenager ein Mann geworden ist, der immer noch die Macht besitzt, ihr Herz in tausend Teile zu zerbrechen … und dass er in festen Händen ist.

„Stepbrother Dearest“ ist Band 1 einer YA-Reihe der amerikanischen Bestsellerautorin Penelope Ward. Ich bin eher zufällig in einem anderen Blog über eine überschwängliche Rezension gestolpert, und auch auf Amazon dann auf eine Unmenge an 5-Sterne-Bewertungen – das Buch schien also genau das Richtige zu sein für einen gemütlchen Abend im Bett (oder woanders :-)). Aber nach dem Lesen muss ich gestehen, dass es mir ein Rätsel ist, wie das Buch zu so guten Bewertungen kommt.

Die Story verspricht gewissermaßen eine „verbotene Love Story“ – aber da die beiden Protagonisten ja nicht miteinander verwandt sind, sondern nur „angeheiratet“, wäre eine Beziehung nicht wirklich ein Skandal. Unangenehm für die jeweiligen Eltern, aber nicht verboten. Darüber hinaus greift die Autorin tief in die Klischeekiste: Er ist ein stereotyper Bad Boy: über und über tätowiert, mit diversen Piercings versehen – natürlich eines an seinem besten Stück -, schleppt gefühlt jede Nacht ein anderes Mädchen ab und kommuniziert ausschließlich durch Grunzlaute und verächtliche Sprüche. Sie ist das nette Mädchen von nebenan, das sich ihre Jungfräulichkeit für den Richtigen aufbewahrt. Aber natürlich ist es von beiden Seiten Liebe auf den ersten Blick – obwohl die beiden nicht ein Wort miteinander gewechselt haben! -, aber da man (Klischeealarm) natürlich nicht miteinander redet, wird die Leserin nahezu 200 Seiten lang mit dem immer selben Schema gequält: Sie treffen sich, sie würden sich am liebsten gleich an die Wäsche gehen, er behandelt sie wie der letzte Arsch, sie bekommt einen Heulkrampf, sie spielen Videospiele, bekriegen sich, sie hat ein Date, das er torpetiert, sie würden sich am liebsten an die Wäsche gehen, er behandelt sie wie der letzte Arsch, sie bekommt einen Heulkrampf, sie essen zusammen Eis, bekriegen sich, sie hat ein Date, das er torpetiert, er behandelt sie wie der letzte Arsch – und bevor er wieder zurück an die Westküste geht, schenkt sie ihm ihre Jungfräulichkeit. Dann folgen 7 Jahre Funkstille, danach treffen sie sich auf der Beerdigung seines Vates wieder, und das Spiel beginnt von vorn. Allerdings kommt jetzt noch der Aspekt „Ich würde dich am liebsten gleich flachlegen, aber ich will meine Freundin nicht betrügen“ dazu. Boring!

Auch die Charaktere sind nicht wirklich interessant oder facettenreich. Über die Eltern erfährt man fast ausschließlich aus der Sicht der beiden Protagonisten; sie bleiben also relativ blass. Was auch für die wenigen „Freunde“ gilt, die im Rahmen der Handlung auftreten. Sie erfüllen eigentlich nur einen Zweck: Sie stoßen eine weitere Runde in dem oben geschilderten „Teufelskreis“ an.
Die einzigen, über die man zwangsläufig mehr erfährt, sind Elec und Greta – und auch hier greift die Autorin tief in die Klischeekiste: Er ist der typische Bad Boy, die Man-Whore,  die eine gesichtslose Menge an willigen Mädchen abschleppt – aber natürlich ist er in Wirklichkeit eine gequälte Seele, die sich aufopferungsvoll um die psychisch kranke Mutter kümmert und Greta nur deshalb nicht verführt, weil er seiner Mutter nicht wehtun will. Und weil Greta die jungfräuliche Unschuld ist, die zu wertvoll ist, um sie ins Bett zu kriegen und dann zu verlassen. Darüber hinaus fällt sie in die Kategorie der weiblichen Protas, die sich mit einer unglaublichen Geduld vom männlichen Helden mies behandeln lassen und höflich und nett bleiben – und das, obwohl er ihr von Beginn an immer wieder zu verstehen gibt, dass sie zu einfach, durchschnittlich ist, und sie einerseits küsst, andererseits aber wieder von sich stößt. Und trotz dieser miesen Behandlung durch Elec würde sie keine Minute zögern, mit ihm ins Bett zu gehen, denn sie weiß ja (woher auch immer), dass er in Wirklichkeit ganz anders ist. Und an all dem hat sich selbst sieben Jahre später nichts geändert – die Protagonisten haben sich selbst sieben Jahre später nicht weiterentwickelt! Und hatte ich schon erwähnt, dass ihre große Vereinigung – und damit meine ich „Vereinigung“ in jedem Sinne des Wortes – in einer Gasse hinter einem Lokal stattfindet, neben Mülleimern und Abfall?! Wann lernen es die Autoren endlich: dass es kein Zeichen für die große Liebe ist, wenn ich den anderen mies behandle oder mich mies behandeln lasse!? Was für ein Frauenbild wird hier vermittelt?! Argh!

Selbst der Erzählstil reißt es nicht raus. Das Buch lässt sich durchaus gut lesen – und ist sicher auch für Leserinnen, die nicht so gut Englisch sprechen, gut zu verstehen. Die 6szenen sind für YA vermutlich skandalös, aber für ältere Leserinnen nicht mehr. Aber das Ganze ist, wie oben schon deutlich wurde, ausgesprochen redundant. Dass Elec ach so sexy ist, hatte ich durchaus schon verstanden, nachdem es zwei- oder dreimal erwähnt wurde. Doch was das Ärgerlichste war: Elec ist – und davon hat natürlich nur Greta Kenntnis – Schriftsteller. Er hat in einem Kinder-/Jugendbuch-Manuskript seine eigene Kindheit in einem zerrütteten Elternhaus bzw. mit ADHS verarbeitet, das – natürlich – so gut ist, dass es Greta zutiefst bewegt. Zweifellos hat sie nie einen Roman bzw. eine Biografie gelesen, der ihre Seele so tief berührt hat (*ironiemodus*). Jahre später sendet Elec dann auch noch seine zweite Biografie zu, in der er die ersten 25 Jahre seines Lebens verarbeitet hat – und natürlich ist Greta auch davon so berührt, dass sie das Buch nicht aus der Hand legen kann, dass sie einen Tag Urlaub nimmt und ihren Kindle sogar mit auf die Toilette eines Lokals nimmt, weil die Geschichte so faszinierend ist. Und im Gegensatz zum ersten Manuskript ist hier ein Teil der Geschichte abgedruckt (in kursiver Schrift), und nachdem sein erstes Werk so hohe Vorschaulorbeeren bekommen hatte, war ich gespannt, wie tief wir jetzt in seine Psyche eintauchen werden, wie poetisch oder analytisch das Ganze jetzt wird. Doch was muss man als Leser feststellen: Die Geschichte ist genauso flach wie Wards Roman selbst und schildert die Ereignisse, die wir ja schon kennen, aus seiner Sicht – mit EXAKT denselben Dialogen. WTH?!

Mein Fazit: Boring! Argh! WTH! Oder mit anderen Worten: Nicht kaufen. Sorry, I had to get it off my chest!

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Susan Ee: Angelfall – Nacht ohne Morgen

susan ee angelfall nacht ohne morgenVor sechs Wochen sind die Engel auf die Erde gekommen. Doch sie haben nicht Frieden und Freude, sondern Elend und Zerstörung mit sich gebracht: Weltweit liegen die Städte in Trümmern und die Menschen trauen sich vor Angst kaum noch auf die Straße.
Auch die siebzehnjährige Penryn kämpft mit ihrer schizophrenen Mutter und ihrer im Rollstuhl sitzenden Schwester Paige ums Überleben. Als sie eines Nachts unterwegs sind, werden die drei Zeugen, wie ein Engel mit weißen Flügeln von einer Gruppe anderer Engel angegriffen wird. Nachdem diese seine Flügel abgeschnitten haben und ihm den Todesstoß versetzen wollen, greift Penryn wider besseres Wissen ein. Es gelingt ihr zwar, den schwer verletzten Engel zu retten, doch ihre Mutter ist verschwunden – und ihre Schwester wurde von einem der Angreifer entführt.
Penryn macht sich auf den Weg zum Horst, dem Hauptquartier der Engel, in San Francisco, um ihre Schwester zu befreien. Doch dafür braucht sie Hilfe – und die kommt ausgerechnet von Raffe, dem flügellosen Engel. Dieser ist bereit, sich mit einem der verhassten Menschenkinder zu verbünden, um sich vielleicht doch noch mithilfe seiner himmlischen Brüder die abgeschnittenen Flügel wieder annähen zu lassen …

„Angelfall – Nacht ohne Morgen“ ist Teil 1 von Susan Ees „Angelfall“-Trilogie und ein wahrer Pageturner, den ich innerhalb eines Tages verschlungen hatte. Die Autorin wirft uns direkt in die Geschichte hinein. Die Welt von „Angelfall“ ist postapokalyptisch zerbrochen und voller entsetzlicher Schrecken – nur die Stärksten können am Leben bleiben. Die Engel sind aus dem Himmel und der Hölle auf die Erde gekommen – und sie sind alles andere als barmherzige Boten Gottes oder knuddlige Amore. Sie sind erbarmungslose Krieger, die alles vernichten, was sich ihnen in den Weg stellt – was sieh hier wollen, erfährt man übrigens nicht -, und nach dem Tod ihres Anführers in politische Grabenkämpfe verwickelt sind. Actionreich führt uns Ee durch die düstere Handlung, in die aber durch Penryns Opferbereitschaft immer wieder Licht hineinfällt und Hoffnung. Bis, ja bis die Geschichte am Ende nach vielen Überraschungen, actionreichen Begegnungen und unerwarteten Wendungen und Verrate noch einen erschütternden Bruch zum Horror nimmt, als Penryn im Horst eine fürchterliche Entdeckung macht: Wesen, die noch tödlicher sind als die Engel.

Erzählerisch wirft uns Ee ins kalte Wasser: Wir erfahren sofort, was in den vergangenen Wochen geschehen ist – Naturgewalten, Angriffe, Zerstörung, Tod und Leid … Und wir lernen auf diese Weise beinahe nebenbei auch gleich die ersten drei Figuren kennen: die Mutter, die unter paranoider Schizophrenie leidet und einen Bibel-Knacks hat, die eine ganz eigene Sicht der Realität besitzt und überall Dämonen sieht, immer wieder verschwindet und offenbar für die „Behinderung“ ihrer jüngsten Tochter verantwortlich ist. Diese, die siebenjährige Paige, sitzt nach einem … Unfall mit zwei Jahren im Rollstuhl, ist aber ein sehr lieber Mensch mit einem großen Herzen.
Und schließlich die furchtlose, toughe Penryn (aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird), die alles tut, um auch den letzten Rest ihrer Familie am Leben zu halten. Bis sie den Fehler begeht, einem Engel, den seine himmlischen Brüder gerade töten wollen, helfend zur Seite zu stehen.
Raffe ist zwar ein erfahrener Krieger (und wer erkennt hier nicht sofort, dass er es mit einem bekannten Erzengel zu tun hat …) und aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit auch eine Ausgeburt an Arroganz. Doch Penryns Entschlossenheit und Kampfbereitschaft sowie ihre Loyalität nicht nur zu ihrer Familie, sondern auch zu ihm, einem Feind, lässt ihn nicht kalt. Die Ich-Erzählerin erklärt zwar immer wieder, wie sehr sie Engel hasst, aber jeder Leser weiß spätestens nach der zweiten oder dritten Erwähnung seiner überirdischen Schönheit, seines muskulösen Körpers oder seiner dunkelblauen Augen, dass ihn hier (auch) eine Liebesgeschichte erwartet. Aber da ich eine rettungslose Romantikerin mit einer Schwäche für HEA-Geschichten bin und Susan Ee mir diese Love Story in diesem Einsteigerband sehr dezent und überaus unkitschig liefert (endlich schlägt die Liebe mal nicht wieder der Blitz ein), während sie ihr primäres Augenmerk auf dem Horror dieser Welt voller Engel richtet, sehe ich ihr das gerne nach.

Mein Fazit: Hier stimmt alles: das Tempo, in dem die Geschichte erzählt wird. Die vielschichtigen Charaktere. Die Mischung aus Dystopie, Fantasy, Horror, Liebesgeschichte. Die Luft blieb mir in vielen Szenen schlicht weg – ein sehr gelungenes Debüt! Und überhaupt: Es müsste verboten werden, dass Verlage sechs oder zwölf Monate mit der Veröffentlichung einer Fortsetzung warten! Das fällt wirklich schon in die Rubrik Folter!

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Andrew Lane: Der Tod liegt in der Luft (Young Sherlock Holmes 1)

lane-young-sherlock-holmes1Weil sein Vater auf einem militärischen Einsatz in Indien ist, seine Mutter unpässlich und sein Bruder Mycroft beruflich stark eingebunden, soll der vierzehnjährige Sherlock Holmes seine Sommerferien auf dem Land verbringen – bei Tante Anna und Onkel Sherrinford auf Holmes Manor in Farnham. Stundenlang dauert die Reise dorthin und nichts als Gerstenfelder weit und breit. Noch öder geht es ja wohl kaum, Sherlock ist stocksauer.
Doch dann kommt alles ganz anders. Zuerst lernt er den gleichaltrigen Matty kennen, der allein auf einem Hausboot lebt und durch das ganze Land reist. Dann zwingt man ihm einen Tutor auf, einen Amerikaner – Amyus Crowe -, von dem Sherlock aber viel mehr lernt als griechische oder lateinische Vokabeln. Und plötzlich ist er mittendrin in seinem ersten Fall: mysteriöse Todesfälle, die den Verdacht aufkommen lassen, dass eine ansteckende Krankheit umgeht … und ein böser Baron, der gar nicht davon angetan ist, dass Sherlock und seine Freunde ihm ins Handwerk pfuschen.

Andrew Lane ist der Verfasser von mehr als zwanzig Büchern (teilweise unter Pseudonym), u. a. von Romanen zu so bekannten TV-Serien wie „Doctor Who“ und „Torchwood“. Mit „Der Tod liegt in der Luft“ legt er den ersten Band einer Reihe vor, die sich mit den Abenteuern des jugendlichen Meisterdetektivs beschäftigt. Dieser erste Roman spielt im Jahr 1868 – und der Autor sorgt durch seinen angenehmen und sehr bildhaften Schreibstil dafür, dass der Leser gleich mittendrin ist in der ausgesprochen actionreichen Handlung – größere Längen hat das Buch m. E. nämlich nicht. Sehr anschaulich beschreibt Lane das (ländliche) England Mitte des 19. Jahrhundert – sowohl das der etwas Wohlhabenderen als auch das der Ärmeren –, und der Leser bekommt einen kleinen Eindruck, wie es damals wohl zugegangen ist: auf den Märkten, in den engen Gassen der Ortschaften …
Wesentlich interessanter ist aber natürlich die Charakterisierung der kultigen Romanfigur: Sherlock Holmes. Bei seinem ersten Fall ist er 14 Jahre alt. Er ist noch nicht so „menschenfeindlich“ wie sein späteres Ich, aber in sozialer Hinsicht definitiv schon etwas „herausgefordert“. Etwas widersprüchlich fand ich, dass er einerseits im Internat keine Freunde hat, andererseits aber sofort Freundschaft mit Matty schließt. Vermutlich ist dies darauf zurückzuführen, dass Holmes weniger viele Freunde braucht als vielmehr einen festen „Sidekick“, der mit ihm die Abenteuer besteht. Er besitzt in einigen Bereichen, die ihn interessieren, schon eine ganze Menge Wissen, dennoch ist es bei Weitem nicht so tiefgehend wie das des erwachsenen Holmes. Darüber hinaus besitzt er ebenfalls ansatzweise eine sehr gute Kombinationsgabe – und hier kommt Amyus Crowe ins Spiel, der Lehrer, den sein Bruder für ihn engagiert hat.
Im Verlauf des Romans erfährt der Leser, dass Crowe durch ein schreckliches Ereignis Witwer geworden ist und nun mit seiner Tochter Virginia allein dasteht. Er ist im Wirklichkeit eine Art Menschenjäger, der für die amerikanische Regierung Verbrecher gejagt hat, von denen einige nach England geflüchtet sind – und in Zusammenarbeit mit der britischen Regierung (oder vielmehr Mycroft) setzt er hier die Jagd fort. Und nebenbei bringt er Sherlock vieles von dem bei, was er in all den Jahren gelernt hat. Er besitzt eine ganz besondere Kombinationsgabe und bringt dem Junge bei, auch auf Details zu achten – und sich nicht nur mit Studien zu persönlichen Lieblingsbereichen zu beschäftigen, sondern ein breites, tiefergehendes Wissen anzusammeln.
Unterstützt wird Sherlock bei seinem ersten Fall von Matty, einem gleichaltrigen Jungen, der dem Waisenhaus zu entgehen versucht, indem er auf einem kleinen, alten Hausboot über die Flüsse schippert. Er ist auch derjenige, der Sherlock zu seinem ersten Fall führt: Er war Augenzeuge, als ein mysteriöser Rauch aus einem Fenster gestiegen ist, der sich aber so ganz anders bewegte, als ein Rauch dies eigentlich sollte. Dieses Phänomen weckt auch Sherlocks Neugier, und als die beiden einen Mann sterben sehen und erneut auf den mysteriösen Rauch treffen, beginnen sie zu recherchieren. Und dabei stoßen sie auf einem geheimmnisvollen und ihnen alles andere als freundlich gesinnten Baron, der, so finden sie heraus, Uniformen für die britische Armee produziert … Im Gegensatz zu Sherlocks späterem Sidekick Dr. Watson unterstützt Matty den zukünftigen Meisterdetektiv weniger durch sein Wissen als vielmehr durch seine Schlauheit und Erfahrungen auf der Straße. Er ist ebenso abenteuerlustig wie Sherlock und rettet diesen ein ums andere Mal aus Notsituationen.
Vervollständigt wird die kleine Gruppe durch Virginia, die gleichaltrige Tochter von Crowe. Sie ist als Amerikanerin so ganz anderes als die (jungen) Frauen, die Sherlock bislang kennengelernt hat. Sie reitet in einem Männersattel und ist mindestens ebenso abenteuerlustig wie die Jungen. Auch in diesem ersten Band ist bereits offensichtlich, dass diese Figur als Love Interest des später berühmten Detektivs fungiert/fungieren wird – über das gängige Klischee kommt der Autor hier also nicht hinaus.
Die einzige Figur, die (noch) etwas nachlässig behandelt wird, ist die der Haushälterin Mrs. Eglantine. Sie begegnet Sherlock vom ersten Augenblick an ausgesprochen unfreundlich und kalt, und auch Mycroft warnt seinen Bruder in einem Brief, dass er der Haushälterin nicht trauen dürfe. Aber es bleibt bei dieser kryptischen Warnung und der ausgesprochenen Feindseligkeit. Ob sich hinter dieser Figur eine Feindin verbirgt oder ob sie schlicht ein unangenehmer Zeitgenosse ist, wird in diesem Buch nicht aufgelöst.

Für einen Sherlock-Fan sind darüber hinaus auch die unzähligen Anspielungen auf Dinge, die man aus Arthur Conan Doyles Werken kennt, ein echtes Vergnügen: Sherlocks Interesse an Bienen oder dem Boxkampf, die Tatsache, dass er einen Freund als „Resonanzfläche“ braucht, sein Bruder Mycroft, der mehr tut als nur für die britische Regierung zu arbeiten … Andere Hinweise, wie z. B. Sherlocks Überzeugung, dass er ja nie Drogen nehmen würde, deuten auch schon die dunklen Seiten des Detektivs an.

Das Buch krankt aber an etwas, das bei vielen Jugendabenteuerromanen festzustellen ist: Die überwiegende Mehrheit der Erwachsenen im Leben bzw. Umfeld der Jugendlichen ist entweder abwesend oder gleichgültig. Niemand scheint ein Problem damit zu haben, dass die beiden männlichen Protagonisten sich wiederholt in Gefahr begeben, mehrfach vom Tode bedroht sind, betäubt und ins Ausland entführt, zusammengeschlagen werden … Hier vermute ich, dass dies der stärkeren Identifikation des Lesers dient. Der einzige Erwachsene, der Anteil nimmt am Leben der Teenager ist Sherlocks Tutor, der ihm die Fertigkeiten beibringt, die er für diesen Fall – und für seine zukünftige Karriere – benötigt.

Mein Fazit: Ein spannender Einstieg in die Romanserie um den jugendlichen Meisterdetektiv. Macht Lust auf mehr! Ein herzliches Dankeschön an Michaela von Bücherlogie für diese tolle Empfehlung.

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Elle Kennedy: The Deal (Off-Campus #1)

kennedy the dealDie junge Studentin Hannah Wells hat sich verliebt. In Justin, einen Footballspieler ihrer Universität. Der aber überhaupt nicht weiß, dass sie existiert, schmachtet sie ihn doch still aus der Ferne an. Während die junge Frau nämlich alle Bereiche ihres Lebens gut im Griff hat, hat sie aufgrund einer schlimmen Erfahrung im Beziehungsbereich so ihr Päckchen zu tragen. Wenn sie die Aufmerksamkeit ihres Schwarms auf sich ziehen will, muss sie etwas unternehmen – und wenn das bedeutet, dass sie dem großspurigen Hockeyspieler Garrett Nachhilfe gibt und dieser ihr Image im Gegenzug etwas aufpoliert.
Garrett Graham will nur eines: nach dem Studium Profi-Hocheyspieler werden. Wie sein Vater. Aber als sich sein Notendurchschnitt aufgrund einer verhauenen Klausur verschlechtert, braucht er Unterstützung. Und wenn er dafür nur einer jungen Studentin helfen muss, ihren Schwarm eifersüchtig zu machen, indem er so tut, als sei sie sein Date – warum nicht?
Doch als ein einfacher Kuss schließlich zum wildesten Sex ihrer beider Leben führt, erkennt Garrett schließlich, dass er mehr will. Jetzt muss er bloß noch Hannah davon überzeugen, dass sie nicht etwa deshalb Zeit mit ihm verbringt, weil sie Justin eifersüchtig machen will, sondern weil sie in
ihn verliebt ist …

„The Deal“ ist Band 1 von Elle Kennedys „Off-Campus“-Reihe um die Hockeyspieler und Freunde Garrett, Logan, Dean und Tucker, die in Verlauf der vier Geschichten die Frau fürs Leben finden. Es gibt Bücher, bei denen man als Literaturwissenschaftlerin und Buchliebhaberin ungern zugibt, dass man sie gelesen mit großer Begeisterung verschlungen hat – „The Deal“ gehört für mich persönlich dazu. 🙂 Im Grunde haben wir es hier nämlich nur mit einer sehr humorvollen „Boy meets Girl“-Story zu tun: Junge trifft Mädchen, beide verlieben sich und finden nach einer kleinen Hürde im anderen den Partners fürs Leben. Ich bin mir auch durchaus bewusst, dass die Figuren etwas zu positiv und eindimensional sind – die Protagonisten ebenso wie die Nebenfiguren. Hannah ist eine sehr fleißige und gute Studentin, die nebenher noch jobben muss, sie hat eine wunderschöne Stimme, ist aber auch in der Lage ihre eigenen Songs zu schreiben, sieht gut aus und ist ein herzensguter, Harmonie liebender Mensch – dass sie in Beziehungsdingen schüchtern ist bzw. durch eine schlimme Erfahrung in ihrer Vergangenheit übervorsichtig ist, ist nur der Aufhänger, den die Autorin benötigte, um die Geschichte überhaupt in Gang zu bringen und dem Ganzen etwas Tiefgang zu verleihen.

„How about a date?“ I offer.
That gets her attention. She straightens up like someone shoved a metal rod up her spine, then swivels her head in astonishment. „What?“
„Ah. I’ve got your attention.“
„No, you’ve got my disgust. You actually think I want to go out with you?“
„Everyone wants to go out with me.“
She bursts out laughing.
„Just out of curiosity,“ she says, „after you wake up in the morning, do you admire yourself in the mirror for one hour or two?“
„Two,“ I reply cheerfully. „I kiss each one of my biceps and then point to the ceiling and thank the big man upstairs for creating such a perfect male specimen.“
She snorts. „Uh-huh. Well, sorry to burst your bubble, Mr. Perfect, but I’m not interested in dating you.“

Dasselbe gilt für Garrett: Er ist der Sohn eines ehemaligen Profi-Hockeyspielers, selbst ein exzellenter Player, er sieht gut aus, lebt mit seinen drei Freunden „off campus“ (daher der Titel der Reihe) in einem eigenen Haus, ist ein überwiegend sehr guter Student (das Ethik-Seminar mit der schlechten Klausur bildet die Ausnahme), ist gut aussehend, charmant, einfühlsam, ein herzensguter Mensch, bekommt jedes Mädchen ins Bett und will nur deshalb keine feste Beziehung eingehen, weil er sein Lebensziel sehr fokussiert verfolgt. Auch er hat im Grunde nur ein „Manko“: Sowohl er als auch seine zu früh an Krebs verstorbene Mutter wurden vom Vater misshandelt. Aber auch dies ist nur das gängige Motiv des Familiengeheimnisses, was wiederum als Auslöser für die tiefergehenden Aspekte der Story dient, die sonst relativ belanglos vor sich hinplätschern würde.
Doch das Interessante ist: Obwohl ich mir bewusst bin, dass die Story durchschaubar ist und die Charaktere relativ eindimensional sind, mochte ich die Geschichte sehr und habe das E-Book an zwei langen Abenden verschlungen. Warum?
1. Weil die Protagonisten trotz allem sehr sympathisch sind. Die Art von Personen, von denen man sich wünscht, man wäre in der Realität mit ihnen befreundet. Es sind einfach nette Menschen, mit denen man sicher eine Menge Spaß hätte – unkompliziert, geradeheraus. Und deshalb verfolgt man auch ihre Erlebnisse mit großer Anteilnahme. Zumindest habe ich mich dabei erwischt. Und erstaunlicherweise habe ich es weder Garrett noch seinen Kumpels übel genommen, dass sie fast auf jeder Party ein anderes Mädchen abschleppen.
2. Weil sich die Beziehung von Hannah und Garrett auf eine schöne Art und Weise entwickelt. Da beide eigentlich keine Liebesbeziehung eingehen wollen, entwickelt sich zwischen beiden erst einmal eine tolle Freundschaft. Da Hannah nicht in ihn verliebt ist, muss sie nicht darüber nachdenken, was sie anzieht, wenn sie sich mit ihm trifft, oder was sie sagt, was sie isst, wie sie sich ihm präsentiert … Sie muss sich nicht verbiegen, sondern zeigt sich ihm, wie sie wirklich ist. Und bei Garrett ist es ähnlich. Es gefiel mir, dass die beiden erst Freunde sind, bevor sie merken, dass sie mehr verbindet. Alles entwickelt sich sehr natürlich. Denn wie oft ist es in Liebesromanen nicht so, dass sich zwei treffen – und schon ist die „große Liebe“ ausgebrochen, obwohl doch eher die Hormone im Spiel sind?!
3. Weil es eine gradlinige, wunderschöne Liebesgeschichte ist. Selbst als Hannah sich kurzzeitig von Garrett trennt (wie in vielen anderen literarischen Werken opfert sie sich natürlich in Wirklichkeit nur auf), führt dieses „Missverständnis“ nicht zu einer monatelangen Trennung oder dazu, dass Garrett wild mit anderen Frauen herumschläft, sondern der Protagonist benutzt seinen Verstand, um ihre Beweggründe herauszufinden, lässt sich etwas (Witziges) einfallen, um die Protagonistin davon abzuhalten, einen Fehler zu begehen – und dann lässt er nicht locker, bis sie über das eigentliche Problem gesprochen und es aus der Welt geräumt haben. Und da wir uns in einem netten Liebesroman befinden, ist das schnell geschehen. 😉 Wie oft möchte man als Leser seinen Figuren nicht zurufen: „Warum redet ihr nicht miteinander?!“ Dieses „Problem“ hatte ich bei „The Deal“ nur kurzzeitig.
4. Weil es humorvoll ist und eine gewisse Leichtigkeit besitzt.
5. Weil die Geschichte auch sexy ist, aber die 6zenen so organisch in die Handlung einfließen (und es nicht so ist, dass eine Pseudohandlung nur den Rahmen für möglichst viele 6zenen bildet) und gerade ausführlich genug sind, um allem etwas mehr „Würze“ zu verleihen. 😉

Mein Fazit: Superschöne Unterhaltung für zwischendurch. Aber nicht vor dem Einschlafen lesen! Bevor ihr es merkt, ist es nämlich weit nach Mitternacht und ihr könnt das Buch immer noch nicht aus der Hand legen!

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Estelle Maskame: Dich darf ich nicht finden (Dark Love 2)

DARK LOVE - Dich darf ich nicht findenVor etwa zwei Jahren hat sie ihn kennengelernt und vor genau dreihundertneunundfünfzig Tagen hat Eden ihn zum letzten Mal gesehen: ihren Stiefbruder Tyler. Den Jungen, den sie heimlich liebt. Den sie aber eigentlich nicht lieben darf, weil ihre Familie strikt dagegen ist. Doch nun endlich werden sie einen Sommer gemeinsam verbringen: in New York, der Stadt, die nie schläft.
Mit tausend Schmetterlingen im Bauch kommt Eden am Flughafen an, und als sie in Tylers smaragdgrüne Augen blickt, ist es auch schon um sie geschehen. Gemeinsam streifen sie durch den Big Apple, und es wird immer klarer, dass die beiden nicht voneinander losgekommen sind. Werden sie ihren verbotenen Gefühlen widerstehen können?

„DARK LOVE – Dich darf ich nicht finden“ von Estelle Maskame ist Band 2 einer Trilogie um das Teenagerpaar Eden und Tyler (Band 1: Dich darf ich nicht lieben). Vorab: Die Autorin kann durchaus schreiben und die Geschichte liest sich sehr süffig. Meiner persönlichen Meinung nach ist das Buch genau das Richtige für ein jugendliches Publikum. Für den Strand oder einen sonnigen Tag auf dem Balkon.
Was es nicht ist: große Literatur oder auch nur eine neue, noch nie da gewesene Geschichte. Man spürt, dass die Autorin selbst auch noch sehr jung ist und aufgrund mangelnder (Lebens-)Erfahrung auf die obligatorischen Stereotype zurückgreifen muss, auf die ich schon in der Rezension zum ersten Buch eingegangen bin. In diesem zweiten Band, der zwei Jahre später spielt, sind auch die Akteure zwei Jahre älter und ihre Themen etwas erwachsener geworden – oder hätten es zumindest werden können: Tyler lebt seit einem Jahr in einer WG in New York und ist mit seiner Lebensgeschichte „on Tour“, um anderen Teens zu helfen. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er tatsächlich etwas weiser geworden ist: Er feiert zwar immer noch gern, aber er hat den Drogen abgeschworen und Eden treu, auch wenn sie nicht zusammen sein können. Und vor allem will er sich ihr nicht nähern, bevor sie ihre Beziehung zu ihrem Freund Dean nicht geklärt hat. Diese Seite an ihm hat mir sehr gefallen. Weniger gefallen hat mir dieser Ausspruch: „Ich brauche dich, weil ich dich liebe, Eden, ich wüsste nicht, wie ich je über dich hinwegkommen sollte.“ Dies erinnert mich an eine Zeile aus einem Lied: „I can’t live, if living is without you.“ Eine solche Haltung ist definitiv kein Anzeichen für einen gesunden Menschen – und auch nicht für eine gesunde Liebe. Ich war am Ende des Buches dankbar, dass er dies irgendwann selbst erkennt und Konsequenzen zieht, aber der Weg ist weit.
Protagonistin Eden ist jedoch noch lange nicht so weit, vor allem bei ihr fiel es mir aufgrund des wirklich pubertären Verhaltens schwer, mich in den Charakter hineinzufühlen. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt, weil ich mich über ihr kindliches Verhalten ungemein geärgert habe. Obwohl sie bspw. mit Dean einen festen Freund hat und ihn nach eigener Aussage auch liebt, zögert sie keine Sekunde, die letzten Wochen vor dem Umzug nach Chicago (zwecks Studium) mit Tyler zu verbringen und nicht mit ihrem Freund. Und im Grunde ist es ihr auch gleichgültig, was dieser dabei empfindet. Als sie dann in New York eintrifft, sind ihre ersten Wochen auch nur gefüllt mit Beteuerungen, wie sehr sie ihren Freund Dean liebt, und Gedanken darüber, wie smaragdgrün Tylers Augen und wie muskulös sein Body sind, es gibt Türenknallen, Partys, Alkoholkonsum, Tränen, Eifersuchtsanfälle …Weil Tyler ihr aus dem oben beschriebenen Grund etwas distanziert begegnet und sie nicht gleich ins Bett zieht; und warum sollte er nicht auch eine Freundin haben dürfen, wo sie doch in einer Beziehung ist?! Man hätte ja mal miteinander reden können … aber das wäre sicher zu einfach gewesen, und irgendwie musste die Autorin ja die gut 400 Seiten des Buches füllen.
Darüber hinaus fand ich dann auch ihren Umgang mit Dean nicht wirklich glücklich. Wochenlang bemüht sich Tyler darum, Eden nicht zu küssen (und mehr), aber statt dass beide – vor allem Eden – diese Zeit nutzen, um einmal gründlich darüber nachzudenken, welche Auswirkungen ihr Entschluss, ihren Gefühlen nachzugeben, für Dean hätte, beendet die junge Frau die Beziehung zu ihrem abwesenden Freund trotzdem nicht. Im Zeitalter von Videotelefonie hätte sich da sicher ein Weg gefunden, die alte Beziehung erst einmal ordentlich zu beenden, bevor man eine neue eingeht …
Das Ende des Buches hat mich einerseits etwas mit Tyler versöhnt. Spoileralarm: Er erkennt, wie gesagt, dass sein „Ich brauche dich“ ausgsprochen ungesund ist und er erst einmal sein eigenes Leben auf die Reihe bekommen muss, bevor er eine ernsthafte Beziehung eingeht. Andererseits ging dem aber ein kapitellanges „Egal, was die anderen sagen, wir gehören zusammen!“ voraus, was das Ende etwas abrupt machte. Ich hatte das Gefühl, als hätte die Autorin plötzlich bemerkt, dass sie die Zeichenzahl des Buches erreicht hat und nun rasch zum Ende kommen muss.

Darüber hinaus fällt es mir immer noch sehr schwer zu erkennen, was denn das Skandalöse an einer Beziehung zwischen Eden und Tyler sein soll: Sie sind weder blutsverwandt noch mit einander aufgewachsen. Rein rechtlich und auch gesellschaftlich gibt es da keine Hindernisse. Warum macht vor allem ihr Vater dann so ein Drama daraus? Und auch alle Mitschüler, die nach Bekanntwerden über sie tuscheln und den Kontakt abbrechen.

Mein Fazit: Muss man nicht gelesen haben. Und vielleicht bin ich auch wirklich zu alt für diese Teeniestorys.😉