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C. S. Pacat: Die Rückkehr des Prinzen (Die Prinzen, Band 3)

Die PrinzenDamianos von Akielos ist zurück – seine wahre Identität ist allen bekannt. Nun muss er dem einen gegenübertreten, auf dessen Unterstützung er angewiesen ist. Und dem sein Herz gehört: Prinz Laurent, dem wahren König des Nachbarreiches Vere – und Bruder von Auguste, der vor einigen Jahren von Damianos in einer Schlacht getötet wurde.
Gleichzeitig haben im Süden, in Akielos, Damianos‘ Halbbruder Kastor und Laurents Onkel, der Regent von Vere, ihre Truppen gesammelt, um ihre jeweiligen Länder endgültig an sich zu reißen.
Wird es Damianos und Laurent gelingen, Streitigkeiten und Missverständnisse auszuräumen? Die Verschwörungen aufzudecken? Und sich ihren Widersachern erfolgreich zu stellen?

„Die Rückkehr des Prinzen“ ist Band 3 der Fantasy-Trilogie „Die Prinzen“ der Australierin C. S. Pacat. Und ich muss sagen: Das Warten auf das Erscheinen des Sammelbandes hat sich gelohnt.
Die Handlung setzt dort ein, wo „Das Duell der Prinzen“ geendet hat: Damianos‘ bester Freund Nikandros hat Laurent seine Unterstützung im Kampf gegen den Regenten angeboten – und als er in der veretischen Festung Ravenel eintrifft, erkennt er in Laurents rechter Hand Damen den wahren König von Akielos. Als diese Neuigkeit unter den Soldaten Veres verständlicherweise für große Unruhe sorgt, nehmen Damianos und Nikandros die Festung ein. Es gelingt, die beiden Truppen zu vereinen und – wie mit Laurent vereinbart, der ihnen vorausgezogen ist – nach Charcy zu ziehen, um dort gegen die Soldaten des Regenten zu kämpfen. Dort als Laurent und seine Männer nicht zur Schlacht gegen die Truppen des Regenten erscheinen, vermutet Nikandros, dass man dem Thronfolger nicht vertrauen kann – doch natürlich ist alles anders, als erwartet, und die beiden Prinzen führen ihre Männer schließlich doch Richtung Akielos, um Damianos‘ Thron zurückzuerobern und Rache an ihren Widersachern zu nehmen. Der Weg dorthin ist geplastert mit Hinterhalten, Verschwörungen, Täuschungen …

Stattdessen zeigt sich wieder und wieder, was die ungewöhnliche Beziehung der beiden Protagonisten ausmacht: Damianos ist etwas hitzköpfig, aber zutiefst loyal – Laurents Handeln ist von Hintergedanken geprägt, und selbst seine Hintergedanken haben Hintergedanken. Jedes Mal, wenn man meint, dass man ihn durchschaut hat, dass man die Handlung durchschaut hat, zeigt sich, dass alles doch ganz anders ist. Dennoch präsentiert uns Pacat diese Figur im Abschlussband der Trilogie etwas menschlicher, wärmer. Es stellt sich heraus, dass Laurent von Beginn an die wahre Identität seines Sklaven Damen kannte, was auch erklärt, warum er diesen einerseits verächtlich misshandelt (misshandeln lässt), warum er aber andererseits auch mehr als nur einmal dessen Ratschlägen Beachtung schenkt, da er sich bewusst ist, dass Damen – auch wenn er ein Gegner ist – doch ein erfahrender Anführer ist. Darüber hinaus stößt Laurent in diesem Buch auch so manches Mal an seine Grenzen, da sein Onkel sich ebenso gut auf Ränke versteht wie er selbst – aber das tut der Figur keinen Abbruch, da es Zeit wurde, dass es auch bei Laurent etwas mehr menschelt. Das Einzige, das man hinsichtlich der übrigen Figuren bemängeln könnte, ist, dass außer Laurent und Damianos alle anderen Akteure ausgesprochen blass bleiben, und das gilt – allen voran – auch für Kastor und den Regenten. Es kommt zwar zu einem actionreichen Showdown, aber der bleibt etwas hinter all den Erwartungen, die Pacat in den Vorgängerbänden im Leser geweckt hat (hinsichtlich Kastors Kampfeskraft oder der Verschlagenheit des Regenten), zurück.

Zwei Punkte haben mich bei dem Ganzen jedoch gestört: Der Showdown vollzieht sich etwas zu hastig, das Ende kommt zu plötzlich. Etwa 250 Seiten lang ziehen unsere Helden durch Südvere und Akielos, bereiten ihre Männer auf den Kampf vor, kommen einander (noch) näher – und dann überschlagen sich die Ereignisse und innerhalb von etwa 60 Seiten klärt sich (fast) alles im Thronraum ohne irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen. Aber das Schlimmste: Nachdem man die letzte Zeile gelesen hat, schlägt man die Seite um und erwartet eine Art Epilog, ein paar Passagen, die dem Leser helfen, zu Atem zu kommen, den eigenen Herzschlag zu beruhigen, die etwas über das verraten, was nach dem Sturz der beiden (falschen) Könige und dem Aufstieg der Prinzen geschieht – aber nichts dergleichen. Ich dachte wirklich, dass in meinem Buch einige Seiten fehlen. An dieser Stelle scheint die Geschichte einfach etwas unausgewogen zu sein. Es hätte die Autorin wirklich nicht viel gekostet, ihrer Geschichte ein etwas „runderes“ Ende zu geben. Seither ist natürlich eine Kurzgeschichte mit dem Titel „The Summer Palace“ erschienen, die einiges davon erklärt, aber da diese Geschichte recht … gehaltlos ist, war ich doch etwas enttäuscht.
Dennoch muss man neidlos anerkennen, dass Pacat eine wirklich gute Erzählerin ist. Ihr gelingt es wirklich, die beiden Länder Vere und Akielos vor dem Auge des Lesers lebendig werden zu lassen – ob es nun um die Episoden in den Festungen oder adligen Schlössern geht oder simple Beschreibungen der (ländlichen) Reise der beiden Verschwörer.
Eine weitere Enttäuschung bot mir die deutsche Übersetzung des Buches. Teilweise liest sie sich, höflich gesprochen, etwas unrund und unschön. Zum Beispiel, als erwähnt wird, dass jemand den Verkehr regelt. Was sehr schwierig ist, da es in der Welt von Vere/Akielos überhaupt keine Autos gibt, und in dem betreffenden Kontext auch keine Kutschen/Wagen gemeint sind. Auch strotzt das Buch teilweise vor Rechtschreib- bzw. Zeichensetzungsfehlern. Hier wurde offenbar mit ganz heißer Nadel gestrickt. Oder man wollte nicht mehr Arbeitszeit in eine Serie investieren, die die (finanziellen) Erwartungen nicht erfüllt hat. Sorry, wenn ich so hart bin, aber da ich für dieses Buch Geld hingeblättert habe, bin ich darüber etwas unglüklich.

Mein Fazit: Trotz meiner Kritik eine unbedingte Leseempfehlung. Und da die von Pacat verwendete Sprache recht einfach ist, ist das Buch auch für alle geeignet, die in der englischen Sprache nicht perfekt zu Hause sind und die Geschichte im Original lesen möchten. Weiß zufällig jemand, was die Autorin als Nächstes zu schreiben plant?

 

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C. S. Pacat: Das Duell der Prinzen (Die Prinzen, Band 2)

Durch eine Intrige ist es Laurents Onkel gelungen, ihn um seine wichtigsten Provinzen zu bringen – und ihn an die südliche Grenze von Vere zu schicken, um einen Krieg gegen Akielos zu verhindern bzw. alles zu tun, damit die Grenzgebiete auf eine Auseinandersetzung vorbereitet sind. Da Damen ahnt, dass sich seine Lage im Schloss in Laurents Abwesenheit nur verschlimmern wird, bittet er darum, dass der Prinz ihn mitnimmt. Worin dieser nach einer Weile auch einwilligt. Damen erkennt rasch, dass der Regent Laurent nur unter einem Vorwand in den Süden schickt, in Wahrheit setzt er alles daran, seinen Neffen auf dem Weg dorthin endgültig aus dem Weg zu räumen – und die Schuld Akielos in die Schuhe zu schieben, um den nahenden Krieg zu fördern. Doch Damen wird auch klar, dass er Laurent unterschätzt hat, der Damens Rat und seine militärische Erfahrung zunehmend zu schätzen weiß und ebenfalls Verbündete um sich sammelt.
Auf diese Weise kommen die beiden Prinzen sich inmitten der Planungen und Intrigen und der kämpferischen Auseinandersetzungen zunehmend näher. Aus Misstrauen wird Respekt. Und schließlich mehr …

„Das Duell der Prinzen“ ist Band 2 der „Die Prinzen“-Trilogie der australischen Schriftstellerin C. S. Pacat. Die deutsche Ausgabe der Teile 1 und 2 erschienen – offenbar aufgrund des mangelnden Erfolgs von Band 1 – nur noch als E-Book. Aber Gott sei Dank entschied sich der Heyne Verlag schließlich dafür, die komplette Reihe im Frühjahr 2017 in einem Sammelband herauszubringen!
Während ich (und auch Damen) von einigen Passagen von „Der verschollene Prinzen“ gelinde gesagt etwas irritiert war (alle Szenen, in denen sich der … ungewöhnliche Umgang mit Sklaven zeigte und die oft mehr mit Missbrauch zu tun hatten), hat mich Band 2 überzeugt. Die Story ist wesentlich actionreicher und damit dynamischer als Band 1, in dem es überwiegend um die Gepflogenheiten und Intrigen am veretischen Hof ging – ausschließlich Sex und Politik war auf Dauer doch etwas zu wenig. In „Das Duell der Prinzen“ verlegt sich die Handlung von den höfischen Räumlichkeiten auf andere Landstriche Veres und es kommt wiederholt zu Überfällen und Schlachten und neue Völker bzw. Gruppen treten auf den Plan.
Die Geschichte setzt da an, wo Band 1 endete: Laurent zieht mit einem kleinen Trupp Männer – und mit Damen – in die südlichen Gebiete des Landes Vere. Es ist dort angeblich zu Angriffen akielischer Truppen gekommen und Laurent soll die ihm noch gebliebene Länderei Acquitart befestigen. Allerdings weiß Laurent, dass dieser Befehl seines Onkels eine Falle ist. Zum einen ist die dortige Festung heruntergekommen, zum anderen gibt ihm der Regent einige Männer mit, die unterwegs für Ärger sorgen und Laurents eigene Soldaten gegen diesen aufbringen sollen. Doch Gott sei dank hat Laurent Damen an seiner Seite und beschließt, diesem mehr Vertrauen zu schenken. Da Pacat sich hier als großartige Erzählerin entpuppt – endlich -, erwarten den Leser viele Intrigen, unerwartete Wendungen und eine so vielschichtige Handlung, dass man wirklich aufpassen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren. Oft fühlt sich der Leser ähnlich planlos wie Damen, der Laurents Handeln das eine oder andere Mal nicht durchschauen kann und überrascht erkennt, dass dieser cleverer ist als angenommen und wieder einmal unerwartete Verbündete gewonnen hat.
Da Damen die militärische Ausbildung von Laurents Männern übernimmt und den Prinzen auch in militärischen Angelegenheiten berät, vertieft sich die Zuneigung der beiden mit jedem Kapitel. Und so wächst nicht nur Damens Respekt für Laurent und dessen Winkelzüge, auch der veretische Prinz ist zunehmend bereit, sich auf seinen akielischen Sklaven zu verlassen und diesem zu vertrauen. Unweigerlich nimmt auch die erotische Spannung zwischen den beiden Protagonisten zu und neben dem Respekt und dem Vertrauen wächst nun auch die Zuneigung zwischen den beiden Figuren. Diese graduelle Entwicklung wird von C. S. Pacat nachvollziehbar geschildert – zumindest haben wir es hier nicht mit einem der unzähligen Romane zu tun, in dem sich die Protagonisten (egal, ob männlich oder weiblich) treffen und gleich ineinander verliebt sind, und das, ohne sich wirklich zu kennen.

Mein Fazit: Band 2 der „Die Prinzen“-Trilogie ist deutlich facettenreicher als der Vorgänger und damit imho auch das bislang klar stärkere Buch der Reihe. Eine kleine Warnung: Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger.

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C. S. Pacat: Der verschollene Prinz (Die Prinzen, Band 1)

pacat der verschollene prinzEigentlich ist der Kriegerprinz Damianos der rechtmäßige Erbe des Königreiches Akielos, doch nach dem Tod des Vaters ergreift sein Halbbruder Kastor die Macht, tötet Damens Sklaven und alle Mitwisser und verkauft seinen Bruder in die Sklaverei – ausgerechnet in das verfeindete Königreich Vere. Damen wird Leibsklave des Kronprinzen Laurent. Dieser ist eitel, arrogant und grausam, und er steht für alles, was Damen hasst. Doch Laurent weiß augenscheinlich überhaupt nicht, wen er wirklich vor sich hat – wenn er es wüsste, würde er seinen neuen Sklaven nicht nur Gehorsam lehren, sondern wahrscheinlich sogar töten, hat Damianos doch seinen (Laurents) geliebten älteren Bruder im Krieg getötet.

Bis zu Laurents Volljährigkeit in einigen Monaten wird Vere noch von seinem Onkel regiert – und dieser ist nicht bereit, die Macht abzugeben. Und so lernt Damen in den folgenden Wochen und Monaten, dass sich hinter der eitlen Maske des Thronerben ein gerissener Taktiker verbirgt, der im Stillen einen ständigen Überlebenskampf führt, da sein Onkel ihm immer wieder nach dem Leben trachtet. Schon bald weiß Damen nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: seinen eigenen Thron zurückzugewinnen oder an Laurents Seite zu kämpfen und das Geheimnis der Verschwörung zu lüften, die Laurent das Leben kosten könnte und ihn selbst seinen Thron …

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„Der verschollene Prinz“ ist das erste Buch der Australierin C. S. Pacat und der Einstieg in ihre „Die Prinzen“-Trilogie, von der Band 1 zunächst als Taschenbuch im Heyne Verlag erschien, Band 2 nur noch als E-Book und Band 3 zunächst gar nicht – bis Heyne dann im Frühjahr 2017 die gesamte Geschichte in einem Sammelband veröffentlicht hat („Der verschollene Prinz“, „Das Duell der Prinzen“ sowie „Die Rückkehr des Prinzen“).

Der Roman gehört in den Bereich der Fantasy (sicher keine High Fantasy, aber das hat mein Vergnügen nicht getrübt), und hier ist er insofern eine Ausnahmeerscheinung, als die beiden Hauptfiguren (homosexuelle) Männer sind, die sich zueinander hingezogen fühlen. Im Bereich der Gay Romance gibt es natürlich ein paar Fantasy-Geschichten, aber die, die mir bislang untergekommen sind, hatten lange nicht die literarische Qualität und auch die Charaktere waren nicht so detailliert ausgeformt wie in Pacats Geschichte. Aber falls jemand hier eine Empfehlung hat, wäre die willkommen.

Ich persönlich fand Band 1 etwas schwächer als die Fortsetzung, was ich darauf zurückführen würde, dass hier das Fundament der Geschichte gelegt wird und die Action erst einmal warten muss. Die Charaktere werden eingeführt, die Welt und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten beschrieben (und als Leserin muss man sich an so einiges gewöhnen, was die Sklavenhaltung und den Umgang mit Sex angeht), und es werden auch schon die Positionen der einzelnen Parteien dargelegt. Aber da die Gesellschaft von Vere ganz stark auf politischen Winkelzügen, Tarnung und Täuschung basiert, muss der Leser aufmerksam sein, um wirklich zu verstehen, wer mit wem warum verbündet oder verfeindet ist (wobei die „verfeindet“-Kategorie leichter einzuordnen ist). Dennoch lässt sich das Buch schnell lesen und beinhaltet im Anhang sogar noch eine Kurzgeschichte, in der man mehr über einen der Sklaven erfährt.

Damen und Laurent sind auch zwei sehr interessante Hauptfiguren. Damen heißt eigentlich Damianos und ist Thronerbe des mit Vere verfeindeten Königreiches Akielos. Nach dem Tod seines Vaters kommt es aber zum bösen Erwachen, als sein älterer (aber illegitimer) Bruder Kastor ihn in Ketten legen und als Sklaven nach Vere verbringen lässt. Anfänglich hält er (und auch der Leser) das nur für einen sehr bösen Scherz – dass mehr dahintersteckt, wird erst später deutlich. Dort wird er Leibsklave von Laurent, dem dortigen Thronfolger, der nur noch wenige Monate von seiner Mündigkeit entfernt ist. In der Zwischenzeit wird das Land von dessen Onkel regiert – und auch hier greift der unrechtmäßige Herrscher nach dem Thron und tut alles, um Laurent um seine Stellung – und sein Leben! – zu bringen. Damit würden die beiden Männer – Damen und Laurent – ideale Verbündete abgeben, aber: 1. Damen ist ein Sklave, 2. er ist der (rechtmäßige) Herrscher des verfeindeten Nachbarlandes, 3. Laurent misstraut allem und jedem und lässt niemanden an sich heran. So bringen die beiden diesen ersten Band der Trilogie damit zu, sich mit ihrer neuen Position abzufinden (Damen) bzw. zumindest ansatzweise Vertrauen zu lernen (Laurent und Damon). Und das macht die Autorin eigentlich sehr anschaulich, nachvollziehbar und glaubwürdig – Gott sei Dank fallen die beiden Helden nicht schon in Kapitel 4 übereinander her und entdecken in Kapitel 8, dass sie sich über alles lieben, wie es leider in viel zu vielen Romanen geschieht.

PS: Ich wurde übrigens durch das Cover des Einzelbandes auf diesen Roman aufmerksam – eine dezente s/w-Zeichnung, die sich wohltuend von den üblichen quietschbunten Covern abhebt und endlich einmal kein Pärchenmotiv bietet, sondern symbolträchtig auf das hinweist, was den Leser erwartet.

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Sarah J. Maas: Erbin des Feuers (Throne of Glass #3)

Celaena hat Chaol offenbart, wer sie wirklich ist: die letzte Überlebende des Königshauses von Terrassen, Thronerbin Aelin Ashryver Galathyniuns. Sie ist zwar die Assassinin des Königs, unterstützt jedoch im Geheimen weiter seine Gegner. Als der König sie nach Wendlyn entsendet, damit sie die dortige Königsfamilie aus dem Weg räumt und die Verteidigungspläne des Landes stiehlt, nutzt Celaena die Chance, um ihre Urgroßtante Maeve – die Königin der Fae – zu finden und sie um Informationen über die Wyrdschlüssel zu bitten.
Statt Maeve trifft Celaena zunächst auf Rowan, einen der sechs Fae, die der Königin als Kriegsführer und Spione dienen. Er bringt sie zur Nebelwarte – einem Ort, an dem Halbfae ihre Fähigkeiten trainieren, um sich würdig zu erweisen, Doranelle – Maeves Königreich – zu betreten. Und genau das soll Celaena auch tun: ihre lange unterdrückten magischen Fähigkeiten trainieren. Erst dann wird Maeve ihr ihre Fragen zu den Wyrdschlüsseln beantworten.

„Erbin des Feuers“ ist Band 3 der „Throne of Glass“-Reihe von Sarah J. Maas, und ich muss feststellen, dass mir diese Saga mit jedem Band besser gefällt, weil sich Maas‘ Stil und die Geschichte immer ein Stückchen weiterentwickeln und an Tiefe gewinnen. Celaena wurde zwar im 1. Band „Die Erwählte“ als die berüchtigste Assassinin des Landes eingeführt, aber spüren konnte ich davon wenig. Auch plätscherte die (nicht wirklich vorhandene) Handlung im Einsteigerroman noch recht vor sich hin. Band 2 „Kriegerin im Schatten“ hat mich dann stärker gepackt. Die Geschichte nahm deutlich an Fahrt auf. Sie war vielfältiger und füllte auch tatsächlich ein so umfangreiches Buch.
Band 3 jedoch macht richtig viel Spaß. Das Interessante an diesem Buch: Die Geschichte wird nicht länger aus der Sicht von Calaena erzählt; es gibt zahllose Kapitel, in denen die Erlebnisse von Chaol, Dorian und – ganz neu – Sorscha (einer Heilerin), General Aedion (ein Krieger im Dienste des Königs und Cousin von Celaena) und der Ironteeth-Hexe Manon Blackbeak erzählt werden. Viele Rezensenten klagen darüber, dass sie durch die ständigen Perspektivwechsel den Anschluss an die Geschichte verpassen, aber mir ging anders: Durch die unterschiedlichen Perspektiven und die neuen Charaktere empfand ich die Geschichte als noch deutlich stärker und facettenreicher.
Dorian entdeckt z. B. eigene magische Fähigkeiten, die er vor seinem Vater geheim halten muss, und verliebt sich in diesem Zuge in die einfache Heilerin Sorscha, die am Hofe noch eigene Ziele verfolgt. Chaol befindet sich in einem Zwiespalt: Auf der einen Seite ist da die Loyalität zum Königshaus, auf der anderen seine Zuneigung zu Celaena und Dorian. Was mich an seiner Person in diesem Buch etwas störte, war seine Unentschlossenheit und sein mangelndes Selbstbewusstsein, das man in dieser Form in den Vorgängerbänden m. E. nicht findet. Die Hexe Manon ist eine Anführerin ihres Clans, die wie alle Hexen seit dem Verschwinden der Magie vor zehn Jahren nicht mehr fliegen kann und langsam altert. Der König bietet den Hexen jedoch an, seiner „fliegenden Armee“ beizutreten und nicht auf Besen, sondern auf eigens dafür gezüchteten Wyvern zu reiten. Und Aedion dient zwar dem König und trägt einen von dessen schwarzen Ringen – ist aber Celaenas Cousin, ein ehemals angesehener Krieger von Terrasen … und vielleicht doch kein Verräter.
Und dann ist da noch Rowan, einer der sechs Kriegsführer von Maeve und durch einen Bund der Königin der Fae verpflichtet. Er hat die Aufgabe, Celaena dabei zu helfen, ihre magischen Fähigkeiten zu entdecken und auszubauen, und tut dies auf teilweise brutale, aber am Ende doch sehr effiziente Weise. Dass mit seinem Auftreten der (unsägliche) Love Triangle zwischen Celaena, Chaol und Dorian ein Ende nimmt, ist nicht wirklich ein Spoiler. 😉 Zugegebenermaßen kommt Rowan ein wenig zu perfekt daher, und dass Celaena innerhalb weniger Monate gleich vier „große Lieben“ trifft, hat wohl wenig mit der Realität zu tun, aber hey, Rowan ist nun einmal wirklich toll. 😉

Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die der Saga noch einmal mehr Komplexität verleiht. Dass man mit Band 4 fortfahren muss, stand für mich nie außer Frage. 🙂

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Robin Schone: The Lady’s Tutor

London, 1886: Elizabeth Petre wurde mit siebzehn Jahren mit ihrem Mann Edward verheiratet. In den sechszehn Jahren ihrer kalten Ehe hat sie ihm zwei Söhne geschenkt und unterstützt den Schatzkanzler in seinen politischen Bestrebungen, in dem sie wohltätige Aufgaben und repräsentative Pflichten erfüllt. Als sie erkennt, dass ihr Mann eine Geliebte hat und weil sie sich auch selbst nach der Berührung eines Mannes sehnt, Edward aber treu bleiben will, beschließt sie, ihn zu verführen. Und sie kennt nur einen Mann, der sie die erotischen Geheimnisse der Liebe lehren kann.
Ramiel Devington, Lord Safyre, ist der Bastard einer englischen Gräfin und eines Scheichs ist sowohl in der britischen als auch der arabischen Kultur zu Hause – doch von der guten Gesellschaft wird er geschnitten. Als eines Tages die Frau des Schatzkanzlers um seine Hilfe bittet, kann er der Versuchung nicht widerstehen, sie mit sinnlichen Vergnügungen bekannt zu machen.
Aber schon bald geschieht, was beide nicht erwartet haben: Obwohl beide aus unterschiedlichen Welten kommen, fühlen sie sich zueinander hingezogen, und Elizabeth muss sich zwischen ihren familiären Verpflichtungen und einer verbotenen Leidenschaft entscheiden …

„The Lady’s Tutor“ ist ein erotischer Roman der amerikanischen Bestsellerautorin Robin Schone, die schon zahlreiche literarische Preise erhalten hat, darunter die Auszeichnung für ihr Lebenswerk im Bereich „Most Innovative Historical Romances“ (2008). Der Roman stammt aus dem Jahr 1999 – einer Zeit, in der die AutorInnen Gott sei Dank noch nicht der Auffassung waren, dass alle Frauen insgeheim das Bedürfnis verspüren, sich dem Mann sexuell unterzuordnen, oder dass die Tatsache, dass ein Mann seine Geliebte rücksichtslos behandelt, in Wahrheit ein Zeichen seiner Zuneigung ist. Im Gegenteil: „The Lady’s Tutor“ erzählt die Geschichte zweier Menschen, die einander Vergnügen bereiten und so auch selbst Vergnügen erleben. Zu sexuellen Handlungen kommt es erst nach knapp 2/3 des Buches, aber die bis dahin geschilderten Gespräche der beiden über das Thema „Lust“ sind imho erotischer als viele explizite Liebesszenen, die man in gängigen Liebesromanen detailliert nachlesen kann. Natürlich gilt das für die dann beschriebenen 6szenen umso mehr. 😉 Die Beschreibungen sind darüber hinaus nicht primitiv und vulgär, sondern ebenfalls sehr sinnlich. In „The Lady’s Tutor“ sind die 6szenen wirklich organischer Teil der Liebesgeschichte; hier gibt es keine Beschreibungen sexueller Vorgänge, um einer schwachen Geschichte noch ein wenig Würze zu verleihen, wie das leider oft in Erotikromanen der Fall ist. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Zwar kann sich die Autorin nicht völlig von Stereotypen freimachen (Ramiel hat natürlich keine sexuellen Begegnungen mehr mit anderen Frauen, nachdem er Elizabeth kennengelernt hat; er ist in gewissr Hinsicht eine gequälte Seele, die durch Elizabeth Heilung findet; die Protagonisten sind durch und durch gut, die Antagonisten sind durch und durch böse etc.), fühlte ich mich so gut unterhalten, dass ich bis tief in die Nacht hinein im Buch gelesen habe, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte.

Elizabeth ist eine überaus sympathische Heldin, die – ohne es zu wissen – von den Menschen, den sie am meisten vertraut, zutiefst betrogen wird. Ihr gesamtes Leben ist im Grunde eine Täuschung, ohne dass sie sich dessen bewusst wäre. Obwohl sie den Lebensweg eingeschlagen hat, der ihr aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung vorherbestimmt war (ihr Vater ist britischer Premierminister), und keine Chance hatte, sich ihren Ehemann auszusuchen, erfüllt sie ihre Rolle perfekt. Ihr Mann ist ein aufstrebender Politiker, der von ihrem Vater protegiert wird, und so ist sie gemeinsam mit ihrer Mutter in verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen tätig und nimmt gemeinsam mit  Edward an gesellschaftlichen Anlässen teil. Doch obwohl sie ihrem Mann eine treue Ehefrau sein und ihren Pflichten in jeder Hinsicht nachkommen will, hat er sie seit zwölf Jahren nicht mehr berührt (zwölf Jahre, fünf Monate, eine Woche und drei Tage, um genau zu sein) – seit der Zeugung ihres jüngsten Sohnes. Da ihr Mann nachts oft nicht nach Hause kommt, nimmt sie darüber hinaus an, dass er eine Geliebte hat, von der er das bekommt, was er bei ihr nicht suchen will. Deshalb ist sie bereit, über ihren Schatten zu springen, um den berüchtigten Lord Safyre um Hilfe zu bitten, der – so hat sie gehört – sich auf sexuelle Dinge so gut versteht, dass eine Frau ihrem Mann nie untreu werden würde, wenn er im Bett nur halb so gut wäre wie Ramiel Devington. Dieser lässt sich auf ihre Bitte ein und beginnt, die wohlerzogene Frau mithilfe von The Perfumed Garden von Scheich Nefzaoui (ein real existierendes Buch, offenbar das arabische Kamasutra) mit den sinnlichen Freuden bekannt zu machen. Es war schön zu sehen, wie die gut erzogene Frau sich irgendwann nicht mehr davor fürchtet, offene Fragen zu diesen Dingen zu stellen und ihre Meinung zu bestimmten Praktiken zu äußern. Und genauso, wie ihre falsche Scham in sexuellen Dingen schwindet, wird sie auch in anderen Dingen mutiger und ist bereit, ihr Leben stärker zu hinterfragen. Je selbstbewusster (im besten Sinne selbst-bewusst) sie wird und je mehr sie ihren Wert als Frau erkennt, desto weniger ist sie bereit, alles, was in ihrem Leben vor sich geht, einfach so hinzunehmen. Aber die Wahrheit ist schrecklicher, als sie ahnt.

Im Gegensatz zu ihr kennt Ramiel Devington, Lord Safyre, schon relativ früh die Wahrheit über ihren Mann, hält diese aber vor Elizabeth geheim, um ihr nicht wehzutun. Er ist der Sohn einer britischen Adligen, die als Siebzehnjährige in Italien entführt und schließlich an einen Scheich verkauft wurde; obwohl sich die beiden ineinander verliebten, ging die Countess nach einigen mit ihrem wieder nach England zurück, weil das Leben in einem Harem zu gefährlich für sie war. Dennoch hat sie ihren Sohn, als dieser zwölf war, für einige Jahre zu seinem Vater zurückgeschickt, damit er auch dessen Kultur kennenlernt. Allerdings wurde Ramiel einige Jahre später nach einem schrecklichen Vorfall, über den er mit niemandem spricht, nach England zurückgeschickt. Obwohl er und seine Mutter von der „guten Gesellschaft“ geschnitten werden, ist der exotische Halbaraber bei den Frauen ausgesprochen beliebt und hat sich einen gewissen Ruf erworben, der auch Elizabeth zu ihm führt. 😉 Obwohl der verführerische Ramiel in der Tradition der „echten Kerle“ steht und die wohlerzogene Frau mit einer manchmal provozierenden Offenheit in die sinnlichen Vergnügungen einführt, legt er immer nur Respekt vor ihr und anderen Frauen an den Tag. An keiner Stelle entsteht auch nur der Eindruck, dass er Frauen dazu „missbraucht“, eigene Bedürfnisse zu erfüllen, oder ihnen zeigen will, „wie es geht“ (wie das leider heutzutage bei literarischen Helden der Fall ist).

Der Ausgang von Ramiels „erotischer Ausbildung“ ist der Leserin natürlich von Beginn an klar, aber durch den interessanten Weg dorthin, die Veränderungen, die sich in der Protaginistin vollziehen, und die überaus sympathischen Akteure nimmt man der Autorin dies nicht übel.

Mein Fazit: Wer einen wirklich schönen, geschmackvollen erotischen Roman lesen möchte, dem kann ich dieses Buch von Robin Schone nur empfehlen! Es macht wirklich Lust (pun intended) auf mehr von dieser Autorin.

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Jen Turano: Playing the Part

Lucetta Plum ist eine erfolgreiche Schauspielerin in New York. Doch sie muss bei Nacht und Nebel die Flucht ergreifen, als ihr Stiefvater sie beim Glücksspiel an einen unliebsamen, aber sehr einflussreichen Bewunderer namens Silas Ruff verliert. Lucettas mütterliche Freundin Abigail Hart ist im Gegensatz zu ihr darüber jedoch ausgesprochen begeistert, bietet ihr das doch eine Gelegenheit, die junge Frau mit ihrem Enkel zu verkuppeln, in dessen Schloss beide Zuflucht finden.
Bram Haverstein ist ein sehr wohlhabender, aber auch etwas exzentrischer Gentleman. Er reitet des Nachts übers Land, gibt Straffälligen ein neues Zuhause – und seine Nachbarn sind fest davon überzeugt, dass es bei ihm nicht mit rechten Dingen zugeht (zumindest hat der letzte Besitzer sein Schloss verkauft, weil es darin offenbar spukt). Und er ist schon seit Jahren im Stillen in die Schauspielerin Lucetta Plum verliebt.
Die junge Frau ist alles andere als begeistert, als sie erkennt, dass auch Bram zur Schar ihrer Verehrer gehört, und bleibt auf Distanz. Doch als dann in seinem Schloss seltsame Dinge vor sich gehen und ihr unliebsamer Verehrer Silas Ruff auf ihre Spur kommt, muss sie Bram um Hilfe bitten …

„Playing the Part“ ist Band 3 der „A Class of their own“-Reihe von Jen Turano. In der Reihe geht es um die drei Freundinnen Hannah, Millie und Lucetta – und natürlich, wie sie jeweils den Mann fürs Leben finden (Band 1: Braut auf Zeit; Band 2: In Good Company). Die Romane spielen allesamt 1882 in oder um New York und zeichnen sich durch eine große Portion Situationskomik aus; der 3. Band m. E. am stärksten. Ich habe „Playing the Part“ an einem Wochenende regelrecht verschlungen. Die Protagonisten werden glaubwürdig beschrieben, spielen sich die Bälle sehr gut zu, und die Liebesgeschichte ist zwar nicht unerwartet, aber doch sehr … süß. Komplettiert wird das Ensemble aus Akteuren von einer Reihe von überaus interessanten Nebenfiguren, reformierte Kleinkriminelle, denen Bram Haverstein auf Bitten seines Pastors ein neues Zuhause und neue Aufgaben gibt.

Lucetta Plum gibt eine sehr sympathische Heldin ab und war schon in Band 1 von „A Class of their own“ meine Lieblingsfigur. Sie ist zwar Theaterschauspielerin, was ihr in der damaligen Zeit (zu unrecht) einen etwas anrüchigen Ruf einbringt, aber darüber hinaus ist sie eine ausgesprochen bodenständige junge Frau. Sie ist überaus schön, was ihr zu ihrem Leidwesen eine große Schar an Bewunderern eingebracht hat, weiß sie doch, dass diese nur den äußeren Schein sehen und das Bild, das sie sich von ihr – von Lucetta – gemacht haben. Dies führt dazu, dass unsere Heldin einen großen Bogen um Männer macht. Sie ist nämlich alles andere als eine Damsel in Distress, die gerettet werden muss. Sie ist ausgesprochen intelligent (sie besitzt ein fotografisches Gedächtnis) und wissbegierig, widmet sich ihrem Beruf und hat gelernt, ihr Vermögen durch Geschäfte an der Wall Street zu vergrößern, wodurch sie in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Auch wenn ihr Wohlstand und das, was andere über sie denken, nicht wirklich wichtig ist.

Als sie Bram Haverstein gegenübersteht, ist sie zunächst ausgesprochen angetan von seiner Person (schließlich trägt er gerade eine Augenklappe und ist tall, dark & handsome) – bis sich herausstellt, dass auch er ein Bewunderer ihrer Person ist. Auch er hat sich ein Bild von ihr gemacht – und muss zu seinem Leidwesen feststellen, dass sie keine hilflose Jungfer ist, die vom strahlenden Helden gerettet werden muss und damit zufrieden wäre, nach der Eheschließung den Haushalt zu schmeißen. Sie ist viel selbstständiger und selbstbewusster, als ihm (zunächst) lieb ist. Bram selbst ist allerdings auch nicht das, was er zu sein scheint. Er hat Geheimnisse, die dazu führen, dass seine Nachbarn ihn im  besten Fall für eine Art modernen Robin Hood halten und seine Angestellten ihn zumindest für einen extrem exzentrischen Arbeitgeber, der viel Zeit in seinem Burgverlies verbringt. Sein Geheimnis klärt sich zum Ende des Buches hin, allerdings weiß der aufmerksame Leser schon deutlich früher, worum es dabei geht.

Auch die Handlung ist ausgesprochen vielfältig: Neben der eigentlichen Liebesgeschichte gibt es sehr viel Situationskomik (hier wäre u. U. etwas weniger mehr gewesen); es gibt eine spannende Krimihandlung um Lucettas unliebsamen Verehrer Ruff, der schließlich auch wiederholt zu kriminellen Methoden greift, um ihrer habhaft zu werden; es gibt Gothic-Elemente, die ein wenig an Jane Austens „Northanger Abbey“ erinnern, und es gibt eine Reise in Lucettas Vergangenheit in die amerikanischen Südstaaten, in deren Rahmen sie auch mit ihrer Geschichte abschließt. Heraus kommt dabei eine unterhaltsame Mischung aus Humor und Spannung, aus Leichtigkeit und Tiefgang, was das Buch zu einer idealen Strandlektüre macht.

Das Buch ist jedoch nicht nur gut geschrieben und ausgesprochen unterhaltsam, es gibt auch ausreichend „Denkstoff“ für die Leserin: Es geht im Buch ganz stark darum, dass wir Masken tragen, damit andere nicht sehen, wer wir wirklich sind; es geht um zerbrochene Familienbeziehungen und Vergebung.

Mein Fazit: Ein extrem unterhaltsamer Abschlussband der dreibändigen Reihe von Jen Turano. „Playing the Part“ wird sicher nicht mein letztes Buch der Autorin sein.

 

 

 

 

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Sarah J. Maas: Kriegerin im Schatten (Throne of Glass #2)

Celaena hat sich in einem unerbittlichen Wettkampf gegen ihre Konkurrenten durchgesetzt und ist nun Champion des Königs. Nach seinen Vorgaben soll sie unliebsame Gegner beseitigen, die dessen grausame Herrschaft beenden wollen. Doch statt sie aus dem Weg zu räumen, warnt Celaena seine Feinde und ermöglicht ihnen so die Flucht. Dieses Geheimnis verbirgt sie zunächst selbst vor Chaol, zu dem sie sich gegen ihren Willen immer mehr hingezogen fühlt. Wie sehr kann sie ihm vertrauen? Schließlich ist Chaol der Captain der königlichen Leibgarde.

Aber auch Celaenas Verbündete Nehemia und Prinz Dorian von Adarlan haben ihre Geheimnisse. Nehemia scheint mit Archer Finn, einem alten Freund von Celaena, in eine Verschwörung gegen den König verwickelt zu sein, hilft der Assassinin aber weiterhin, Wyrdzeichen zu lernen, um dem Mysterium um die Macht des Königs auf die Spur zu kommen. Und Kronprinz Dorian entdeckt, dass er magische Fähigkeiten besitzt – etwas, das seinen Tod bedeuten könnte, wenn jemand davon erfährt …

„Kriegerin im Schatten“ ist Band 2 der „Throne of Glass“-Fantasyserie von Sarah J. Maas. Das Buch hat mich stärker überzeugt als sein Vorgänger „Die Erwählte“. Celaena wurde zwar im 1. Band als die berüchtigste Assassinin des Landes eingeführt, aber spüren konnte ich davon wenig. Auch plätscherte die (nicht wirklich vorhandene) Handlung im Einsteigerroman noch recht vor sich hin. Band 2 hat mich jedoch stärker gepackt. Die Geschichte nimmt jetzt deutlich an Fahrt auf. Sie ist vielfältiger und füllt auch tatsächlich ein so umfangreiches Buch. Sprachlich gibt es immer noch einige unschöne Passagen/Begrifflichkeiten – Sätze, in denen z. B. zweimal das Wort „heute“ vorkommt, und die Autorin/Übersetzerin scheint auch eine nervtötende Vorliebe für das Verb „rasen“ zu haben (könnten wir das bitte so langsam mal durch „eilen“, „hasten“, „stürmen“ oder „rennen“ ersetzen?!) –, aber die Geschichte hat mich so mitgerissen, dass ich darüber hinweglesen konnte. Schön auch, dass man endlich etwas mehr über die Geschichte des Landes erfährt (nachzulesen auf den Seiten 386-389), was aber auch nötig ist, da die Jagd nach den Wyrdschlüsseln ja glaubwürdig motiviert sein muss.

Die Figur der Celaena gibt in diesem Buch eine glaubwürdigere Assassinin ab. Zwar investiert sie ihren Lohn als Champion des Königs immer noch primär in typisch weibliche Dinge („Celaenas Lohn als Champion des Königs war beachtlich und sie gab ihn bis auf den letzten Cent aus. Für Schuhe, Hüte, Tuniken, Kleider, Schmuck, Waffen, Haarschmuck und Bücher. Ganze Stapel. So viele Bücher, dass Philippa ein neues Regal bringen lassen musste.“) und hat eine Schwäche fürs Ausschlafen und Essen, aber durch die Beschreibung unterschiedlicher Einsätze oder Kämpfe bekomme ich zumindest einen besseren Eindruck davon, warum sie so gefürchtet wird. Ihr fehlt zwar immer noch etwas Selbstdisziplin und Verschlagenheit, und sie ist auch oft erstaunlich naiv („Um Erileas Wohl betete Celaena, dass der König nie auch nur von Wyrdzeichen gehört hatte.“ Ähm, ja, an unterschiedlichen Stellen im Schloss finden sich Wyrdzeichen, dass der König diese in all den Jahren noch nicht entdeckt hat oder die Geschichte seines eigenen Landes nicht kennt – eher unwahrscheinlich), aber ihre Reaktion auf einen Todesfall oder einen Verrat (no spoilers …) verschafft mir als Leser eine Ahnung davon, inwiefern sie auch in der Lage ist, ihre Emotionen abzustellen, wenn es darauf ankommt. Allerdings ist sie eine so große Sympathieträgerin, dass sie unter ihren Taten leiden muss, damit sie weiter die edle Heldin bleibt. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass sie etwas mehr Entschlossenheit besäße, da sie zwar ihre Opfer gehen lässt und sich im Auftrag des Königs auf die Spur von Verschwörern begibt, aber damit verfolgt Celaena nicht wirklich ein Ziel … Sie ist sich bewusst, dass sie nicht frei ist – und es auch nie war -, aber selbst wenn sie frei wäre, wüsste sie vermutlich nicht, was sie mit dieser Freiheit anfangen sollte.
Chaol und Dorian bekommen in diesem zweiten Buch etwas mehr zu tun, aber vor allem der Captain der Leibgarde bleibt noch etwas blass. Wir erfahren, dass er täglich mit Celaena joggen geht, dass er die Wachen einteilt und kontrolliert – und dass er (zumindest) edelmütig auf die junge Frau verzichtet, weil er erkennt, dass sein Freund Dorian ebenfalls in sie verliebt hat. Allerdings muss er dann auch den Preis für seine schon penetrante Loyalität zahlen. Zum Ende des Buches hin bekommt man als Leser den Eindruck, dass er endlich aufgewacht ist …
Ein unangenehmes Erwachen erlebt auch Dorian. Er weiß zwar, welche Art Mensch sein Vater ist, wagt es aber zu keiner Zeit, auch nur innerlich dagegen zu rebellieren. Es gibt in „Kriegerin im Schatten“ (endlich) einen kleinen Plottwist, was seine Person angeht, die dazu führt, dass er wenigstens im Verborgenen aus seiner festgelegten Rolle ausbricht. Ich hoffe auch hier, dass er in den Folgebänden weitere Facetten bekommt.
Die letzte interessante Figur ist Prinzessin Nehemia, zu der ich an dieser Stelle allerdings nicht zu viel verraten will. Auch wenn sie die Einzige ist, die wirklich gegen den König aufsteht (Spoiler, ggf. markieren), ist ihr verfrühter Tod eine Verschwendung einer guten Figur. Natürlich war der Tod aus dramaturgischen Grünen notwendig – um Celaena zum Handeln/Aufstand zu bewegen -, aber ich hätte einfach gern mehr über ihre Fähigkeiten, ihre Geschichte erfahren.

Auch die Romantik spielt in diesem Buch eine etwas größere Rolle. In Band 1 deutete sich ja eine Verbindung zwischen Celaena und Dorian an. Allerdings schob die Assassinin dieser Zuneigung rasch einen Riegel vor – eine Beziehung zwischen ihr und dem Kronprinzen hätte nie eine Zukunft. Eine erstaunlich erwachsene Einsicht. In diesem Buch wendet sie sich nun Chaol zu, was sich aber ebenfalls in „Die Erwählte“ schon angedeutet hatte. Allerdings bleibt die Autorin hier auch in Stereotypen stecken, wenn sie die beiden Protas sich erst sträuben lässt – und dann bricht die alles verzehrende Liebe aus, die aber nach kürzester Zeit durch einen Schicksalsschlag zerbricht. Man könnte ja miteinander reden, einander vergeben … Eine erwachsene Form der Liebe hat offenbar in dieser Serie (noch) keinen Raum.

Mein Fazit: „Kriegerin im Schatten“ ist m. E. inhaltlich stärker als „Die Erwählte“. Die Entwicklung sowohl der drei zentralen Figuren als auch der Handlung macht mich auf die Fortsetzung wirklich neugierig, obwohl die Wendung/Offenbarum am Ende des Romans nun wirklich keine Überraschung war.