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Jen Turano: Ein Kindermädchen zum Verlieben

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Millie Longfellow ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und deshalb liegen ihr Kinder besonders am Herzen. Daher hat sie beschlossen, die beste Nanny zu sein, die die wohlhabenden Familien an der amerikanischen Ostküste je gesehen haben. Doch leider stößt ihre unkonventionelle Art bei ihren bisherigen Arbeitgebern nicht gerade auf Begeisterung, was auch der Grund dafür ist, dass sie bislang nie eine Stelle lange gehalten hat.
Everett Mulberry ist Junggeselle, hat aber nach dem unerwarteten Tod eines guten Freundes und seiner Frau deren drei Kinder geerbt. Und diese drei sind so wild, dass alle Kindermädchen schon nach kurzer Zeit die Flucht ergreifen. Als er beschließt, den Sommer mit seiner standesgemäßen Freundin in Newport zu verbringen, ist er wieder einmal verzweifelt auf der Suche nach einer Nanny.
Everett und Millie sind beide mit ihrem Latein am Ende, als die Mitarbeiterin der Arbeitsagentur ihnen eine letzte Chance gibt: miteinander. Während Millie sich rasch in den jungen Mann verliebt, bemüht sich Everett darum, die Erwartungen der guten Gesellschaft zu erfüllen und eine Dame aus guter Familie zu ehelichen.
Doch als er Zeit mit Millie und den drei Kindern verbringt und den verdächtigen Tod ihrer Eltern untersucht, beginnt er zu ahnen, dass zu einem guten Leben mehr gehört als Geld, eine Vernunftehe und die Anerkennung der Gesellschaft.

„Ein Kindermädchen zum Verlieben“ ist der zweite Band in Jen Turanos Reihe „A Class of Their Own“, die die Abenteuer der drei Freundinnen Hannah, Millie und Lucetta schildert – oder vielmehr wie sie ihren Platz im Leben und ihren „Prince Charming“ finden. Buch 1 – „Braut auf Zeit“ – schilderte die Geschichte von Hannah und war ganz offensichtlich inspiriert von „Pretty Woman“, der Geschichte einer jungen Frau, die zu einer niedrigen Gesellschaftsschicht gehört, dann aber von einem reichen Mann engagiert wird, seine Verlobte zu spielen – und natürlich endet das Ganze mit einem Happyend. Dieses zweite Buch ist deutlich angelehnt an Jane Austens Klassiker „Stolz und Vorurteil“ und nimmt auch Anleihen bei „Mary Poppins“ und klassischen Märchenelementen. Es wird aus der Perspektive der beiden Protagonisten erzählt; die einzige Ausnahme bildet der Epilog, der aus der Sicht des Reverends geschrieben ist und als Aufhänger für den Abschlussband der Trilogie dient.
Millie ist witzig, nicht auf den Mund gefallen und liebt Kinder über alles. Sie will ihnen das geben, was sie nie hatte: ein Zuhause, in dem sie geliebt werden, in dem sie geborgen sind und wachsen und sich weiterentwickeln können. Das einzige Problem ist, dass sie eine sehr unkonventionelle Art hat und ihre Methoden leider bei den dazugehörigen Eltern – die zur Oberschicht gehören – auf wenig Begeisterung stoßen, was der Grund dafür ist, dass sie wieder und wieder ihre Anstellung verliert. Und das Beste: Sie ist ein echter Bücherwurm, der sich ständig weiterbildet. Als sie ihre Anstellung bei Everett antritt und zur Sommerfrische nach Long Island reist, werden ihre Prioritäten deutlich: Zuerst packt sie ihre Lieblingswörterbücher ein, dann einen Thesaurus, ihre Bibel, einige von Shakespeares Werken und dann noch zwei Bücher von Jane Austen; und in die restlichen Lücken in ihrem Koffer steckt sie dann noch ein bisschen Kleidung. Eine solche literarische Figur muss man doch lieben, oder? Allerdings ist Millie in gesellschaftlicher Hinsicht natürlich nicht standesgemäß, als sie sich in Everett verliebt, aber sie ist die Frau, die er rein menschlich braucht. Denn sie ist ein Gegenüber, das ihn nicht nur ungeachtet seiner gesellschaftlichen Position liebt (im Gegensatz zu seiner Freundin, für die er ausschließlich aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung von Interesse ist), sondern an dem er sich auch „reiben“ kann, weil sie ihn zum Nachdenken bringt. Bis Everett dies aber erkennt und akzeptiert, geht allerdings eine Weile ins Land.
Everett hat seine drei Kinder nach dem unerwarteten Tod eines befreundeten Ehepaar geerbt, hat aber als Junggeselle wenig Ahnung, wie man mit den drei kleinen Teufelskerlen umgeht. Was auch der Grund dafür ist, dass ihm die Kindermädchen davonlaufen und seine Verzweiflung schließlich so groß ist, dass er Millie einstellen muss, um seine Freundin (und potenzielle Zukünftige) zur Sommerfrische nach Long Island zu begleiten. Doch durch den Kontakt mit Millie, die ihm unerwartet nicht den Respekt erweist, wie er dies gewohnt ist, sondern ihm ihre Meinung geradeheraus kundtut und ihn dadurch zum Nachdenken bringt, erkennt er, dass er in seinem Leben die falschen Prioritäten setzt. Dass Dinge wie Familie und ein gutes Lebensfundament wichtiger sind als der soziale Status und die Meinung der Mitmenschen. Es war schön, miterleben zu dürfen, wie er sich als Mensch in dieser Zeit weiterentwickelt und wie er wächst und – um mit Jane Austen  und „Stolz und Vorurteil“ zu reden – wie er sich an die Werte erinnert, die man ihm früher mitgegeben hat, und sich von einem überheblichen Snob in einen wahren Gentleman verwandelt, den Millie bereit ist zu heiraten.
Und wie in „Stolz und Vorurteil“, so gibt es auch in „In Good Company“ eine Antagonistin namens Caroline (hier allerdings nicht Bingley, sondern Dixon), und man spürt, dass Turano viel Freude hatte, eine so unangenehme Zeitgenossin zu schreiben. Sie ist hochmütig, berechnend, herzlos … Es macht wirklich Spaß, ihre Szenen zu lesen, weil man nie weiß, was sie nun wieder ausheckt. Und das Gute an der Geschichte: Turano nimmt auch diese Figur so ernst, dass sie ihr kein plattes Ende à la „Sie ist die Gegenspielerin, also wird sie mit einem schrecklichen Schicksal ‚belohnt'“ schenkt, sondern sie einfach das Leben leben lässt, das sie sich erwünscht hat – ohne die „Segnungen“, die eine echte Partnerschaft mit sich bringt.

Die Geschichte bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen humorvoll und irrwitzig und beschenkt den Leser mit vielen witzigen Dialogen und Szenen. Und da das Buch in einem konfessionellen Verlag erschienen ist, webt Jen Turano auch Glaubensdinge organisch in die Geschichte ein. Die Kinder und auch Millie beschäftigt die Frage, wie Gott den frühen Verlust ihrer Eltern zulassen konnte (die alte Frage „Wo ist Gott, wenn Menschen leiden?“), und vor allem Everett erfährt, welchen Unterschied ein Fundament des Glaubens in einer Ehe und in der Beziehung zu den (eigenen) Kindern macht, im Vergleich zu den Beziehungen, die er sonst in seinem gesellschaftlichen Umfeld sieht.

Mein Fazit: Ich habe das Buch mit großem Genuss gelesen und bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte von Lucetta Plum, der letzten der drei Freundinnen, ausgehen wird!

PS: Die deutsche Ausgabe von Band 3 der Reihe – Playing the Part – wird im Juni 2018 erscheinen.

 

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Mary Calmes: All Kinds of Tied Down (Marshals #1)

Deputy US Marshal Miro Jones wird von seinen Kollegen dafür geschätzt, dass er auch in haarigen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt und sich immer an die Vorschriften hält. Deshalb hat man ihm einen Partner zugeteilt, der das genaue Gegenteil von ihm ist. Ian Doyle ist ein Ex-Special-Forces-Soldat und eher ein „Erst schießen, dann fragen“-Typ. Doch wider Erwarten sind aus den beiden so verschiedenen Männern in den vergangenen drei Jahren gute Freude geworden, die sich blind vertrauen. Miro weiß, dass Ian ihm trotz seiner unkonventionellen Vorgehensweise immer Rückendeckung geben wird. Doch mittlerweile wünscht er sich noch viel mehr von seinem Partner …

„All Kinds of Tied Down“ ist Band 1 der sogenannten Marshal-Reihe (die im Deutschen unter dem Namen „Verliebte Partner“ erhältlich ist), auf die ich als Fan der sog. „Cut & Run“-Serie von Madelaine Urban und Abigail Roux aufmerksam wurde. Auch hier geht es um zwei völlig verschiedene Männer, die (zunächst gegen ihren Willen) Partner werden und sich zusammenraufen müssen. Allerdings setzt „All Kinds of Tied Down“ bereits zu einem Zeitpunkt ein, in dem die beiden beste Freunde geworden sind und den anderen trotz oder gerade wegen seiner Unterschiedlichkeit schätzen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Miro. Dieser ist in unterschiedlichen Pflegefamilien aufgewachsen, hat aber nach einigen kleineren Delikten die Kurve noch bekommen und nicht nur die Schule beendet, sondern auch ein Studium begonnen. Dort hat er seine vier besten Freunde oder vielmehr beste Freundinnen kennengelernt, die heute seine wahre Familie sind. Er ist homosexuell und hat – Stereotyp-Alarm – eine Schwäche für edle Klamotten. Für meinen Geschmack wird viel zu häufig erwähnt, dass sein Mantel X Dollar gekostet hat und von Marke XYZ stammt oder seine weichen und für den Job völlig ungeeigneten Stiefel von ZYX stammen und XY Dollar gekostet haben. Na ja. Schon von Beginn an gesteht uns Ich-Erzähler Miro, dass er in seinen Partner völlig verliebt ist – und durch die wirklich nicht allzu dezent eingestreuten Hinweise Zaunpfähle wissen wir ebenfalls, dass sein Partner Ian auch mehr als nur freundschaftliche Zuneigung für ihn empfindet.
Ian hat zwar eine feste Freundin, aber es ist für den Leser von vornherein offensichtlich, dass die beruflich erfolgreiche Emma und der Green Baret wenig gemein haben und nicht wirklich zusammenpassen. Abgesehen von der Tatsache, dass die beiden auch im Bett nicht harmonieren, hat Emma eher eine Schwäche für Anzugträger und edle Restaurants – im Gegensatz zu dem T-Shirt und Cargohosen tragenden Ian. Ganz abgesehen davon, dass Ian zwar beruflich alles im Griff hat, emotional aber ganz offensichtlich auf Miro angewiesen ist, gefühlt nirgendwo ohne seinen Partner hingeht und immer wieder das Bedürfnis verspürt, diesen zu berühren (Zaunpfahl!).
Daneben ist das Buch angefüllt mit witzigen Freunden, großartigen Kollegen, einem verständnisvollen, aber toughen schwulen Boss – die beiden netten Männer scheinen auch primär nur von netten Zeitgenossen umgeben zu sein.
Und einer statitisch unwahrscheinlichen Menge an homosexuellen Kollegen.

Ein großer Schwachpunkt der Geschichte ist die Tatsache, dass die Handlung an sich eher auf schwachen Füßen steht. Gefühlte 140 Seiten lang (ca. die Hälfte des Buches) besteht die Handlung aus Mini-Episoden à la „Dann sind wir mit einem Haftbefehlt zu XYZ gefahren und haben den örtlichen Behörden geholfen, ihn festzunehmen“. Vorher wird lediglich einmal ein Serienmörder Craig Hartley erwähnt, der sich einiger Zeit im Knast sitzt, aber offenbar einen Fan hat, der seine Morde nach dessen Vorlage durchführt. Hartley hat ein … deutliches Interesse an Miro und bringt diesen dazu, ihn regelmäßig im Gefängnis zu besuchen. Aber in diesem ersten Band läuft dieser Handlungsstrang noch ins Leere … Ein zweiter – der wichtige – Handlungsstrang berichte von Miros und Ians Fahrt nach Tennessee, wo sie einen Zeugen davor bewahren müssen, von einem Killerkommando ermordet zu werden. Drake Ford, so der Name des jugendlichen Zeugen, hat einen Mafia-Mord mitangesehen und soll nun aussagen und mit seinem Freund in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden. Was natürlich nicht ohne die obligatorische Verfolgungsjagd mitsamt Schießerein vonstatten geht. Aber abgesehen von diesem Handlungsstrang, der erst ab ca. 54 % des Buches langsam einsetzt, sind die bis dahin geschilderten Episoden reine Füller, eine Aneinanderreihung von unwesentlichen Details – oder um es mit anderen Worten zu sagen: Man hätte das Buch deutlich straffen können!

Ach ja, die obligatorischen 6zenen gibt es ebenfalls, angefangen von der üblichen „Waaas? Du liebst mich? Komm, lass dich an einem öffentlichen Ort hinter die Büsche ziehen, damit ich dir einen BJ geben kann“-Szene bis zu „Standardszenen“, in denen wir erfahren, dass es bei Ian und Emma im Bett deshalb so mies läuft, weil der Exsoldat nicht gern die Führung übernimmt, falls ihr versteht, was ich meine.

Mein Fazit: Auch wenn es nach diesen Ausführungen nicht so klingt: Die Beziehungsseite von „All Kinds of Tied Down“ ist sehr unterhaltsam und vor allem warmherzig. Ich  mag die witzigen Dialoge und die innige Freundschaft der beiden Männer, aber wenn ich ehrlich bin, ist vieles daran sehr stereotyp. Und die eigentliche Story viel zu langatmig.  

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Leta Blake: Will & Patrick’s Endless Honeymoon


Hirnchirurg Patrick McCloud hätte nie gedacht, dass er sich einmal verlieben und heiraten würde. Zwei Jahre nach ihrer Heirat in Las Vegas finden Will und Patrick nun endlich Zeit, in die Flitterwochen zu fahren. Patrick ist fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass alles perfekt ist. Will investiert Zeit und Geld, um anderen zu helfen, allen voran seiner ungewöhnlichen, chaotischen Familie. Da hat er es doch verdient, dass sich auch einmal jemand um ihn kümmert – und ihn vor all dem Drama in seiner Familie bewahrt. Doch natürlich ist das nicht so einfach …

„Will & Patrick’s Endless Honeymoon“ ist die Fortsetzung der „Will & Patrick Wake Up Married“-Reihe, die davon erzählt, wie sich die beiden Protagonisten nach einer durchzechten Nacht in Las Vegas als Ehepaar wiederfinden und dann beschließen, doch zusammenzubleiben. Es war schön, noch einmal zu den beiden zurückzukehren, allerdings hätte ich mir zum einen mehr Tiefgang und zum anderen eine charakterliche Weiterentwicklung von Will gewünscht. Wer keine Probleme mit so vielen 6szenen – vor allen Dingen detailliert beschriebenen – hat, aber nicht so viel Wert auf eine kurze Story legt, dem wird dieses Buch sicher gefallen, denn die Autorin steigt bereits mit einer solchen Szene ein. Und zwischendurch gibt es nur wenig echte Handlung. Auch hätte ich mir gewünscht, dass Will endlich ein wenig erwachsener und selbstbewusster wird. Ja, seine Familie liegt ihm sehr am Herzen, das ist ein wunderbarer Charakterzug. Aber dass sich ein erwachsener Mann derart von seiner Mutter und seinen Geschwistern führen lässt … Hinzu kam, dass er augenscheinlich in gewisser Weise immer noch an dem Exlover hängt, der in in die Alkoholsucht getrieben hat. Auf Dauer fand ich dies etwas nervtötend. Aber Gott sei Dank gibt es ja Patrick, der den Menschen in ihrer beiden Leben deutliche Grenzen setzt. Patrick ist mit seinen autistischen Zügen ein echt sympatischer Charakter. Das zwischenmenschliche Miteinander in Beruf und Privatleben bereitet diesem weiterhin Probleme – aber gerade das macht ihn zu einem liebenswerten Protagonisten. Und sorgt für die eine oder andere humorvolle Szene.

Positiv fällt auf, dass Wills Diabetes weiterhin thematisiert wird (ich hege die Vermutung, dass es jemand im Leben der Autorin gibt, der ebenfalls damit zu tun hat, das vermittelte Wissen geht nämlich über die bloße Erwähnung der Erkrankung hinaus), allerdings hätte ich mir gewünscht, dass Leta Blake ihr Augenmerk weniger auf das ständige Messen des Blutzuckerspiegels nach den zu detaillierten 6szenen richtet und mehr auf das Erzählen einer wirklich guten, gehaltvollen Geschichte.

Mein Fazit: Etwas Nettes für zwischendurch, aber keine wirklich gute Geschichte.

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Cameron Dane: Brokedown Hearts

Cameron DaneDavid Joyner hat wegen Stalkings einige Zeit im Gefängnis gesessen und kehrt nach der Haftentlassung in seine Heimatstadt zurück. Er findet einen Job in einem Tierasyl und versucht, ein unauffälliges Leben zu führen und niemandem zur Last zu fallen. Da fällt ihm eines Tages ein Mann auf, der im selben Motel wie er wohnt. Sofort fühlt er sich zu diesem hingezogen und fürchtet, dass er wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen wird.
Was er nicht weiß: Der Privatdetektiv Ben Evans wurde von dem Freund von Davids Opfer engagiert, den ehemaligen Häftling zu observieren. Ist er wieder in die Stadt zurückgekehrt, um die Beziehung der beiden zu zerstören? Doch schon als Ben David zum ersten Mal sieht, ist es um ihn geschehen. Er kann die sexuelle Anziehung, die er für den jungen Mann empfindet, einfach nicht unterdrücken …

„Brokendown hearts“ ist der 4. Band der „Forster Siblings“-Reihe der amerikanischen Schriftstellerin Cameron Dane. Schon die Vorgänger „A Forstered Love“ und „Something New“ schildern M/M- oder M/M/F-Beziehungen und zeichnen sich durch recht detailliert geschilderte Sexszenen aus („Snowfall“ – Band 3 – ist mir leider nicht bekannt); das ist hier nicht anders. Allerdings hat die Autorin etwas geschafft, das selten geschieht: Ich habe das Buch wütend zugeschlagen und werde es auch nicht beenden.

Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen erzählt sie die Geschichte von zwei Männern, die sich in dem Augenblick, in dem sie sich – aus der Ferne! – zum ersten Mal sehen, sofort sexuell zueinander hingezogen fühlen. Die Autorin erwähnt wiederholt, dass beide kaum an sich halten können, wenn sie sich begegnen. Jedes Mal sind sie kurz davor, dem anderen die Klamotten vom Leib zu reißen und über ihn herzufallen. Sorry, aber dieses Menschen- bzw. Männerbild finde ich eher abstoßend. Hier wird m. E. der Eindruck erweckt, Menschen seien rein triebgesteuerte Wesen, die nur unter Aufbietung all ihrer Kräfte davon abgehalten werden, wie Tiere übereinander herzufallen.

Zweitens – und das war für mich der ausschlaggebende Grund – hat einer der beiden – David – in der Vergangenheit irgendetwas erlebt, das ihn noch heute belastet bzw. dafür verantwortlich ist, dass er Probleme damit hat, gesunde Beziehungen nicht nur zu Männern einzugehen. Was, hat sich mir leider nicht mehr erschlossen – ich vermute aber stark, es handelt sich dabei um Missbrauch. Auch hat sich seine Familie von ihm abgewandt, als sie erfahren hat, dass er homosexuell ist. Ben, der zweite Protagonist, hat ebenfalls zwischenmenschliche Probleme. Diese werden offenbar durch „abwegige“ sexuelle Bedürfnisse verursacht, zumindest hält er sie für abwegig. Als es dann zur ersten sexuellen Begegnung der beiden kommt – als Ben offenbar seine Triebe nicht mehr unter Kontrolle hat –, fällt  Ben regelrecht über David her. Dieser sagt wiederholt Nein und versucht, sich gegen Ben zur Wehr zu setzen. Doch sein Gegenüber hört einfach nicht auf; es fehlt eigentlich nur noch, dass er sagte: „Du willst es doch auch.“

David started to struggle, but Ben shook his head, denying him freedom. With a cry of denial David tried to roll away. […] A reserve of strength released a flood of adrenaline into David’s blood, dizzying in its concentration, and David battled to get free once more. As strong as an ox, though, Ben didn’t so much as waver on top of David. Ben pushed his jeans down to his thighs and slit his bare dick against David’s buttocks. With first contact, David cried out, redoubled his efforts, and acted like a bull trying to buck a strong rider from his back.

„I need it. I need you“, stößt Ben nur immer wieder hervor, damit David ihn gewähren lässt. Und schließlich leistet er auch nicht länger Widerstand; schließlich „braucht“ Ben es ja. Er empfindet nicht länger Ablehnung und Schmerz, sondern Lust und findet das, was gerade geschieht, gar nicht mehr so schlimm. Und eigentlich will David es ja auch: „I think I’m ready for this. God help me, I think I really want this.“ Ich glaub, es hackt!? Sorry, aber wenn ich diese Szene mit einem weiblichen und einem männlichen Akteur gelesen hätte, würde ich nicht eine Sekunde zögern, die Begegnung als Vergewaltigung zu bezeichnen, denn genau damit haben wir es hier zu tun – und deshalb werde ich diese Szenen, von denen es, so meine Vermutung, mehrere gibt, auch genau so nennen: Vergewaltigung. Und da ich davon ausgehe, dass auch im weiteren Verlauf der Geschichte die Grenze zwischen Schmerz und Lust eine eher schmale ist, und die Autorin ihren Lesern verkaufen wird, dass das okay ist, solange es die wahre Liebe ist, werde ich das Buch nicht beenden. An anderer Stelle habe ich gelesen, dass Cameron Dane am Ende die Botschaft vermittelt, dass die beiden Seelenverwandte sind und einfach nicht ohne einander leben können – das ist die einzige „Entschuldigung“, die sie für Bens Verhalten vorbringt.

Mein Fazit: Ich kann dieses E-Book aus den genannten Gründen nicht empfehlen.

 

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Jen Turano: Behind the Scenes

TuranoNew York, 1883: Seit sechs Jahren versucht Permilia Griswolds Stiefmutter bereits, die junge Frau in die gute Gesellschaft einzuführen und einen geeigneten Mann für sie zu finden. Vergebens. Doch Permilia hat sich auch mittlerweile mit ihrem Mauerblümchen-Dasein abgefunden. Und nutzt die Tatsache, dass man ihr auf Bällen keine Aufmerksamkeit schenkt, um unter einem Pseudonym spitzzüngige Kolumnen für die New York Sun zu verfassen.
Obwohl er der Besitzer eines großen Kaufhauses ist, genießt Asher Rutherford weiterhin Ansehen bei den Oberen Zehntausend der Stadt. Mehr als nur eine Mutter wünscht sich ihn als Mann für ihre Tochter. Was niemand weiß: Die Geldnot seiner Familie war der eigentliche Grund, warum aus einem gelangweilten Gentleman ein erfolgreicher Geschäftsmann wurde.
Als Permilia Zeuge einer tödlichen Verschwörung gegen Asher wird, ist sie fest entschlossen, ihn zu warnen. Doch leider schenkt der junge Mann ihr keinen Glauben, und sie beschließt, die Angelegenheit selbst in die Hand zu  nehmen – ohne sich bewusst zu sein, dass sie sich damit selbst in Gefahr begibt …

„Behind the Scenes“ ist ein weiterer humorvoller historischer Roman der Amerikanerin Jen Turano und Band 1 der Apart From the Crowd-Reihe, in der es – wie der Name schon andeutet – um eine kleine Gruppe von Mauerblümchen in der guten Gesellschaft New Yorks geht. Während ich durchaus eine großer Fan der Autorin bin, war ich dieses Mal etwas enttäuscht.
Begonnen hat dies bereits bei den Namen der handelnden Figuren. Jen Turano hatte schon immer eine Schwäche für ungewöhnliche, komplexe Namen, aber dieses Mal schießt sie den Vogel ab. Die Charaktere heißen u. a. Permilia Griswold, Gertrude Cadwalader oder Temperance Flowerdew, als würde sich der Mauerblümchen-Status der Figuren auch in ihrem Namen spiegeln. Oder  das exzentrische Wesen der Figuren.

Darüber hinaus ist die Geschichte durchaus gut und flüssig geschrieben. Turano gibt sich nicht oder nur sehr selten mit seitenlangen Beschreibungen oder Selbstbetrachtungen der Figuren ab, was eigentlich eine actionreiche Story versprechen sollte. Es gibt auch durchaus viele witzige und bissige Dialoge, die Protagonisten erleben aufregende und ungewöhnliche Abenteuer, aber dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass sich die komplette Handlung im Grunde nur auf zwei, drei Schauplätzen abspielt und diese auch in übertriebener Weise „ausgewälzt“ werden. Das Buch hat bspw. 343 Seiten – und allein die Szenen auf dem Ball der Vanderbilts, mit dem die Geschichte eröffnet wird, nimmt etwa 120 Seiten ein. Nicht, dass die Beschreibungen des Balles langweilig gewesen wären, aber die Szenen hätten definitiv den einen oder anderen Rotstift vertragen können, um die Story deutlich zu straffen. Und auch für andere Passagen gilt: Humorvolle Dialoge sind durchaus das Salz in der Suppe, aber humorvolle Szenen, um ein Buch zu füllen oder die beiden Protas wieder und wieder aneinandergeraten zu lassen – auf Dauer wirkt dies langweilig und überzogen! Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Die Dialoge wirkten des Öfteren ausgesprochen künstlich und trieben die Geschichte nicht wirklich voran. Selbst wenn sich zwei Freundinnen unterhielten, kam es mir nicht so vor, als würden hier wirklich zwei Frauen miteinander reden, die sich kennen und mögen; stattdessen dienten auch solche Gespräche nur dazu, haarsträubende, alberne Dialoge einzufügen. Und natürlich erleben Heldinnen in solchen Romanen auch die abstrusesten Abenteuer, aber alles – jedes Verhalten – hat seine Grenzen, und ab einem bestimmten Punkt wirkt das x-te Fettnäpfchen, in das die Protagonistin tappt, langweilig.

Selbst die Auflösung der Geschichte (die Mordverschwörung) war völlig überzogen. Diese Passage war durchaus actionreich, hatte unerwartete Wendungen, aber die Beweggründe der Täter waren, höflich gesprochen, wenig realistisch. Ganz zu schweigen davon, dass die Autorin an dieser Stelle ganz tief in die Stereotypenkiste greift und die Täter über viele, viele Seiten hinweg detailliert ihre Motive, ihre Geschichte, ihren Frust erzählen lässt, während sie die Helden mit vorgehaltener Waffe bedrohen. Dass sie irgendwann abgelenkt sind und es den Protas gelingt, sie zu überwältigen, muss an dieser Stelle wohl nicht explizit erwähnt werden.

Auch mit der Charakterzeichnung der Figuren war ich nur begrenzt glücklich. Am glaubwürdigsten war Asher Rushford, der etwa in der Hälfte des Buches erkennt, dass er in den vergangenen Jahren zu einem Mann wurde, wie er eigentlich keiner sein wollte. Durch seine Herkunft hat er nahezu keinen Zugang zu den wenig schönen Seiten des Lebens bzw. zu Menschen, die nicht seiner Gesellschaftsschicht angehören. Obwohl er gezwungen ist, Geld zu verdienen, um seine Familie vor dem Ruin zu bewahren, führt er doch ein behütetes Leben. Bis er Permilia kennenlernt, kommt er gar nicht auf die Idee, dass er sich durch seine Geschäfte vielleicht Feinde macht oder dass es außerhalb der guten Gesellschaft Personen gibt, die seine Aufmerksamkeit verdienen. In Permilia trifft er jedoch eine selbstbewusste junge Frau, die zwar ebenfalls zur guten Gesellschaft gehört, aber zum einen einen Mauerblümchen-Status erlangt hat (ohne sich davon unterkriegen zu lassen, wie er zu seiner Überraschung feststellt) und sich zum anderen auch für Menschen interessiert, die eigentlich unter ihr stehen sollten. Ganz zu schweigen davon, dass auch sie bereit ist, Geld zu verdienen, um andere Menschen zu unterstützen, denen es nicht so gut geht. Allerdings hat es Turano bei der Beschreibung ihrer Eigenheiten deutlich übertrieben; sie stolpert regelrecht von einer haarsträubenden Szene in die nächste – das Wort „fremdschämen“ kam mir das eine oder andere Mal durchaus in den Sinn. Es war mir gerade in der ersten Hälfte des Buches ein Rätsel, warum sich ein Gentleman der guten Gesellschaft mit einer jungen Frau abgibt, die sich wiederholt derart … peinlich verhält. Überhaupt sind alle (vermeintlichen) Mauerblümchen und alten Jungfern im Roman mit übertriebenen Eigenarten ausgestattet; eine derartige Häufung von ungewöhnlichen Charakteren ist jenseits von realistisch.

Mein Fazit: Den Roman zu lesen ist keine Verschwendung von Lebenszeit, aber er ist auch definitiv kein Must Read.

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Samantha Kane: The Courage to Love (Brothers in Arms 1)

Samantha KaneLondon, 1813: Seit ihr Ehemann vor drei Jahren auf der iberischen Halbinsel im Kampf gegen die französischen Truppen von Napoleon ums Leben kommen ist, schlägt Kate Collier sich als Mätresse reicher Männer durch. Doch als Lord Robertson, ihr letzter „Beschützer“, sie auf schreckliche Weise missbraucht, zieht sie sich aus der Gesellschaft zurück und kümmert sich nur noch um ihr Kleidergeschäft und ihre Nichte Veronica.
Da kehren Jason Randall und Anthony Richards – zwei Kameraden ihres verstorbenen Mannes – nach London zurück und haben nur noch ein Ziel vor Augen: die junge Frau zu erobern. Auch Kate liebt die beiden schon lange, doch spätestens nach ihrer schrecklichen Erfahrung mit Robertson wird Kate von der Gesellschaft geschnitten – und ist nicht länger willens, sich einem Mann anzuvertrauen, geschweige denn zwei Männern. Doch sie kann Jason und Tony einfach nicht widerstehen und beginnt, die Freundschaft mit den beiden, die sich schließlich zu einer Liebesbeziehung entwickelt, zu genießen.
Aber Robertson ist nicht bereit, sie kampflos den beiden ehemaligen Soldaten zu überlassen …

„The Courage to Love“ ist der erste Band der „Brothers in Arms“-Reihe der Amerikanerin Samantha Kane, die zu den bekanntesten Autorinnen erotischer (historischer) Liebesromane gehört, für die sie bereits eine ganze Reihe von Auszeichnungen erhalten hat. Die Autorin ist durchaus eine gute Erzählerin, die recht süffig und anschaulich schreibt. Allerdings sind die Regency-Aspekte ihrer literarischen Welt etwas unterrepräsentiert und die Sprache ist zu modern; wer mehr über die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts wissen will (Wie hat man damals gelebt? Wie sah das Leben der unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten aus? Welche Gepflogenheiten gab es? Wie sah London in dieser Zeit aus? etc.) sollte zu einem anderen Autor greifen. Meines Erachtens könnten diese Romane auch zu fast jeder anderen Zeit und an anderen Orten spielen. Hinzu kommt auch, dass es zu wenige Rahmenbeschreibungen gibt, aber zu viele 6szenen – die zwar geschmackvoll beschrieben sind, aber einfach zu gehäuft auftreten und auf Kosten einer guten Geschichte gehen.

Was aber das Besondere dieser „Brothers in Arms“-Reihe ist: Ein Grundmotiv zieht sich – mit der einen oder anderen Variation – durch alle 13 Romane dieser Serie: Eine Gruppe von Männern hat auf der iberischen Halbinsel in der britischen Armee gemeinsam gegen Napoleon gekämpft und dort einen „besonderen Weg“ gefunden, um mit den Schrecken fertigzuwerden: Entweder haben zwei von ihnen eine Beziehung miteinander begonnen oder sie haben sich vor Ort eine Frau geteilt. Nach dem Krieg beschließen sie nun, diesen Lebensstil aufrechtzuerhalten und sich eine Ehefrau zu suchen, die ihnen nicht nur ein respektables Leben in der Gesellschaft und Nachkommen ermöglicht, sondern auch bereit ist, ihr Leben auf diese ungewöhnliche Weise zu teilen.

Wenn man „The Courage to Love“ mit einer gewissen Portion suspension of disbelieve liest, muss man sagen, dass es Samantha Kane recht gut gelingt, eine solche Beziehung bzw. eine solche ungewöhnliche Partnerschaft auf eine Weise zu beschreiben, die relativ glaubwürdig wirkt – zumindest hat man als Leserin wirklich das Gefühl, dass die Figuren nicht nur um der Liebesszenen willen miteinander agieren, sondern weil sie eine tiefe Zuneigung füreinander empfinden. Protagonisten dieser ersten Geschichte sind zum einen Lord Jason Randall und Anthony Richards. Die beiden kennen sich aus ihrer Zeit in der Armee und beginnen damals, eine spanische Prostituierte miteinander zu teilen, die im Tross der britischen Truppen lebt. Zum einen tun sie dies, um dem Gefühl der inneren Abgestumpftheit aufgrund der ständigen Kampferfahrungen bzw. der Erfahrungen mit dem Tod etwas entgegenzusetzen; zum anderen fühlen sich beide zueinander hingezogen (ohne sich dies aber selbst, geschweige denn dem anderen einzugestehen) und sehen in diesem Dreier die einzige Möglichkeit, einander doch nahezukommen. Aber sie teilen noch etwas miteinander: die Liebe zu Kate Collier, der Ehefrau ihres Kameraden Harry, die für sie zu diesem Zeitpunkt aber noch unantastbar ist. Als Harry umkommt und der Krieg einige Monate später zu Ende ist, sehen sie ihre Chance gekommen – doch als sie Kate in London aufsuchen, müssen sie feststellen, dass diese bereits die Mätresse eines reichen Mannes ist. Und an ihrem schlechten Timing ändert sich auch in den darauffolgenden Jahren nichts, wenn sie immer wieder einmal von ihren Reisen in die britische Hauptstadt zurückkehren und den Kontakt suchen wollen.

Was sie nicht wissen: Kate pflegt diesen Lebensstil nicht aus freiem Willen, sondern weil dies die einzige Möglichkeit ist, um sich und ihre Nichte Veronica durchzubringen (hier kommt aufseiten der beiden Männer m. E. eine gehörige Portion Naivität ins Spiel). Und bis zu ihrem dritten Beschützer kann sie damit auch recht gut leben – doch dieser (Robertson) nutzt die Situation aus und lässt zu, dass seine Freunde Kate an einem „geselligen“ Abend vergewaltigen. Seither lebt Kate sehr zurückgezogen und in ärmlichen Verhältnissen. Das Schöne an dieser Figur: Obwohl sie eine wirklich schreckliche Erfahrung gemacht hat und unter den Erinnerungen leidet, lässt sie sich davon nicht unterkriegen und versucht, ihr Leben wieder neu zu gestalten und sich eine eigene Zukunft unabhängig von einem Mann aufzubauen.

In dieser Situation machen ihr Jason und Tony ein ungewöhnliches Angebot: Kate, die die beiden Männer auch bereits seit Kriegszeiten liebt, soll Jason heiraten, der sich als Adliger gewissen gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenübersieht und unbedingt eine Frau braucht. Und da er und Tony Kate beide lieben, wäre sie eine geeignete Kandidatin für eine Dreierbeziehung. Dies ist die Stelle, von der ich etwas weniger begeistert war: Obwohl Kate das Angebot zunächst ablehnt und die beiden Männer auch recht schnell erfahren, welches schreckliche Erlebnis Kate gezeichnet hat, drängen sie sie meines Erachtens viel zu stark zum ersten 6. Und das ist selbst angesichts der Zuneigung zwischen allen dreien imho unverantwortlich – es hat etwas von: Zwang ist in Ordnung, wenn man sich nur wirklich liebt. Und natürlich entdeckt Kate, dass ihr diese ungewöhnliche Art Beziehung mehr als nur zusagt – im Kontext der Geschichte ist das natürlich schön und bringt am Ende auch allen dreien Heilung, aber vom Konzept her kann ich es einfach nicht gutheißen.

Nichtsdestotrotz würde ich behaupten, dass es Samantha Kane gelingt, diese ungewöhnliche Beziehungskonstellation gut und ausgewogen zu beschreiben. Bei Dreierkonstellationen besteht ja die Gefahr, dass eine Figur nur das fünfte Rad am Wagen ist, dass sich eine von ihnen zurückgesetzt fühlt und (emotional) zu kurz kommt, aber ich habe den Eindruck, dass dies in diesem Roman nicht der Fall ist.

Ebenfalls ein großes Plus des Romans: Eine Reihe der Figuren, die in den weiteren Bänden der Serie eine tragende Rolle spielen werden, tritt in „The Courage to Love“ bereits am Rande auf und wecken definitiv mein Interesse an ihren jeweiligen Geschichten (z. B. Kates Nichte Veronica, die eine der drei Protagonisten von „Love’s Fortress“ ist).

Mein Fazit: Der Roman ist wirklich nur etwas für Fans von MMF-Literatur, Fans historischer Liebesromane finden die entsprechenden Szenen unter Umständen etwas zu grafisch. Dennoch ist der Roman unterhaltsam zu lesen (wenn man über Kanes Umgang mit Missbrauch hinwegsehen kann) und macht Lust, auch die Geschichten der Nebenfiguren zu lesen.

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Sabrina Paige: Her Bodyguard

Alexandra ist die Tochter des Königs von Protrovia – aber sie liebt Partys und Alkoholexzesse mehr als ihre Aufgaben als Prinzessin. Keiner ihrer Bodyguards hat es bislang mehr als 18 Tage mit ihr ausgehalten. Da bittet ihr Bruder einen alten Armeefreund um Hilfe. Max hat Albert in Afghanistan das Leben gerettet und nimmt dessen Angebot, der Bodyguard seiner Schwester zu werden, nur zu gern an, laufen seine Eltern doch Gefahr, ihr Haus an die Bank zu verlieren.
Doch Alex macht ihm das Leben mehr als nur schwer. Unablässig versucht sie, Wege zu finden, wie sie ihm und dem Palast entkommen kann, um mit ihren Freunden zu feiern. Doch gleichzeitig fühlt sie sich immer mehr zu ihrem Bodyguard hingezogen, der sich von ihrer arroganten Art nicht einschüchtern lässt …

„Her Bodyguard“ ist Band 2 in einer zweiteiligen Minireihe der amerikanischen Autorin Sabrina Paige (und die Fortsetzung von „Prince Albert“), deren Ich-Erzähler zum einen Prinzessin Alexandra „Alex“ von Protrovia ist und zum anderen ihr amerikanischer Bodyguard Max Donnelly.
Alex erinnert sehr stark an Prinzession Eleanor aus „The Royals“: Sie ist selbstbewusst, wild, arrogant, liebt Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll – und Kleidung zu tragen, die alles andere als angemessen oder jugendfrei ist. Und sie liebt es, die Regeln zu brechen.
Im Gegensatz zu ihr ist Max Donnelly ein bodenständiger Junge vom Land. Er kommt aus Kentucky, hat für sein Land in Afghanistan gekämpft, wo er auch Prinz Albert kennengelernt und ihm das Leben gerettet hat, und er lebt (wieder) bei seinen Eltern, um ihnen dabei zu helfen, ihr Haus nicht zu verlieren. Dies ist auch der Grund, warum er das Angebot des Prinzen annimmt, seine Schwester zu bewachen.
Diese Gegensätze sollten eigentlich viel Stoff für humorvolle Szenen und Dialoge bieten, sollten dafür sorgen, dass Alex ein wenig mehr Bodenhaftung bekommt und Max vielleicht einen Schuss Wildheit. Dass die beiden sich zueinander hingezogen fühlen würde, dass sie sich verlieben und sicher auch Sex haben werden – daran zweifelt niemand, der dieses Buch kauft. Aber was geschieht? Max beginnt irgendwann, sich wie ein Höhlenmensch zu verhalten. Er schreibt ihr vor, was sie zu tragen (oder nicht zu tragen) hat, was sie zu tun und zu lassen hat, wann sie zu reden und wann zu schweigen hat. Als er dann die Handschellen und die Fesseln herausholt und sie übers Knie legt, hat die Autorin leider mein Interesse verloren. Die Beschreibungen dieser schon exzessiven Dominanzspielchen war einfach nicht mehr mein Ding. Darüber konnten mich dann auch „sanftere“, romantischere Passagen nicht hinwegtrösten, in denen die beiden sich wirklich besser kennenlernen und der Protagonist sich tatsächlich so verhält, wie ich es von ihm erwartet hatte. Warum verkaufen uns nur so viele AutorInnen von erotischer Literatur Caveman-Geschichten, in denen sich eine selbstbewusste Frau, die auf eigenen Beinen steht, plötzlich in ein hilfloses Dummchen verwandelt, wenn das Alpha-Männchen sie in seine Höhle schleppt, als die großße Liebe?!
Der einzige Lichtblick war für mich die „Eiskönigin“, Bellas Mutter, die vor der Heirat mit Alex‘ Vater, dem König von Protrovia, steht. Sie ist die Einzige, die am Ende erkennt, dass die die beiden jungen Menschen sich wirklich lieben und eine Chance verdienen – und das, obwohl sie wirklich in den Augen der Prinzessin eine berechnende Amerikanerin ist, die ihren Vater nur wegen des Titels heiratet.

Mein Fazit: Das Buch ist wirklich nur für Leserinnen geeignet, die eine Schwäche für diese  Art „Dominanz-Literatur“ haben. Schade, ich wollte es nämlich wirklich mögen!