Veröffentlicht in Belletristik

Mel Odom: Der Blutorden (Angel-Roman 3)

„Redemption“ ist der dritte Angel-Roman, geschrieben von Mel Odom. Es handelt sich dabei um eine originäre Geschichte, die nicht im TV zu sehen war.

„Angel Investigations“ wird engagiert, um die Schauspielerin Whitney zu beschützen. Um sie herum sterben Menschen auf brutalste Art und Weise, daher scheint es nur angebracht, ihr Bodyguards zur Seite zu stellen. Angel allerdings reagiert seltsam auf die neue Klientin – denn er scheint sie von irgendwoher zu kennen.
Whitney spielt die Hauptrolle in einer Vampirserie, was zu amüsanten Vergleichen zwischen unserem „echten“ Vampir Angel und den „nicht echten“ Vampiren der Serie führt. Schon zu Beginn des Romans sitzen Angel, Cordelia und Doyle gemeinsam in einer Bar und warten darauf, daß sie ein paar Dämonen vermöbeln können. Während des Wartens sehen sie im Fernsehen eben diese Serie. Und sobald Cordelia den Produzenten trifft, fängt sie an, sich darüber zu beschweren, daß die Vampire sich dort in Spiegeln sehen könnten und kein „grr face“ haben.
Neben der Haupthandlung, die darin besteht, Whitney zu beschützen und zu versuchen, den Mörder zu finden, gibt es immer wieder Flashbacks in Angels Vergangenheit. Diesmal führen diese auf ein irisches Schiff, das Ende des 18. Jahrhunderts Waffen nach Schottland schmuggelt. Auf diesem Schiff befinden sich nur Vampire, darunter auch Angelus und Darla. Sie werden von einem anderen Schiff angegriffen, auf dem sich ein Mädchen befindet, das die Vampire einen nach dem anderen ins Jenseits befördert. Allerdings ist sie keine Jägerin. Und man kann sie scheinbar auch nicht töten. Wenn man auch eine Zeitlang denkt, die Flashbacks hätten nichts mit Haupthandlung zu tun, so täuscht man sich. Am Ende laufen natürlich alle Fäden zusammen.

Ein wunderbar düsteres Buch mit einem verschlungenen Plot. Angel spielt seine Rolle als dunkler Rächer und Einzelgänger perfekt wie immer. Doyle ist hauptsächlich damit beschäftigt, Ale zu trinken und Cordelia zu umgarnen, während sie für die Gags verantwortlich ist. Ein wirklich unterhaltsamer Roman!

Veröffentlicht in Belletristik

Karen Joy Fowler: Der Jane Austen Club

Sechs Menschen treffen sich, um gemeinsam die sechs Romane von Jane Austen zu lesen. Sechs Menschen – das sind in diesem Falle fünf Frauen und ein Mann. Die Tatsache, dass ein Mann Jane Austen liest, ist für den Rest des Literaturclubs durchaus ungewöhnlich, und so wird Grigg zunächst etwas misstrauisch beäugt, vor allem, da er im Grunde kein „richtiger“ Jane-Austen-Fan ist, sondern ein Liebhaber von Science-Fiction.
Jocelyn, die diesen Club ins Leben gerufen hat, ist Anfang fünfzig, züchtet Hunde, ist überzeugter Single und frönt seit ihrer Jugend dem „Hobby“, ihr Freundinnen an den Mann zu bringen. Sie ist es auch, die Grigg auf einer Science-Fiction-Convention kennengelernt und eingeladen hat, an der Leserunde teilzunehmen, hat sie ihn doch für ihre Freundin Sylvia ins Auge gefaßt, die gerade nach 30 Ehejahren von ihrem Mann verlassen wurde. Ihre Tochter Allegra, eine überzeugte Lesbe, die ebenfalls gerade von ihrer Lebenspartnerin verlassen wurde, nimmt ebenfalls am Club teil. Im Gegensatz dazu ist die Französischlehrerin Prudie, mit 28 Jahren die Jüngste in der Runde, mehr oder weniger glücklich verheiratet. Und Bernadette, mit 67 Jahren die Älteste, war es bereits mehrfach.
In den Kapiteln von Karen Joy Fowlers Roman „Der Jane Austen Club“ werden nacheinander die sechs Romane von Jane Austen im Literaturclub besprochen, wobei die Treffen immer von anderen Teilnehmern ausgerichtet werden bzw. die Gesprächsleitung bei unterschiedlichen Mitgliedern liegen. Auf diese Weise richtet sich das Augenmerk des Lesers auf jeweils ein Mitglied des Clubs, und so erfährt man die Lebens- und Liebesgeschichten der Protagonisten, die sich ein wenig im literarischen Werk von Jane Austen widerspiegeln.

„Der Jane Austen Club“ war im Frühjahr 2005 ein großer Verkaufsschlager im angelsächsischen Raum. Ansatzweise kann ich dies nachvollziehen, denn das Buch liest sich gut, ist sehr bezaubernd und voller Charme. Doch etwas Besonderes ist es eigentlich nicht, denn Romane bzw. Filme, in denen es um Frauenfreundschaften geht und unterschiedliche Lebens- bzw. Liebesgeschichten erzählt werden, gibt es unzählige („Eine für alle“, „Der amerikanische Quilt“ etc.). Der Aufhänger „Jane Austen“ ist ungewöhnlich, doch wer hofft, mehr Tiefgreifendes über die Romane der beliebten englischen Autorin zu erfahren, wird enttäuscht. Auch hat Fowlers Roman keinesfalls den Charme sowie den spritzigen, teilsweise spitzen Humor der Austen-Romane sowie ihr zeitloses Identifikationspotential. Dennoch kann ich das liebevoll geschriebene Buch sehr empfehlen – ein ideales Buch für Frauen, die „leise“ Romane lieben und Jane Austen verfallen sind.
Der ungewöhnlichste Teil des Romans ist sicher sein Anhang. Dort werden zum einen fiktive Fragen aufgelistet, die die einzelnen Protagonisten für „ihren“ Roman vorbereitet hatten und die zum Teil überhaupt nichts mit Austens Werk, sondern vielmehr mit dem Leben des jeweiligen Protagonisten zu tun haben. Mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Zum anderen erfährt man dort sehr viel über die Inhalte der einzelnen Austen-Romane sowie darüber, wie diese von ihren Zeitgenossen sowie seit ihrem Erscheinen bis heute von Kritikern, Schriftstellerkollegen, Verehrern und Widersachern aufgenommen wurden. Und spätestens hier kommt man als Austen-Fan auf seine Kosten.

Veröffentlicht in Belletristik

Jasper Fforde: In einem andere Buch (Thursday Next Band 2)

Die LitAg-Spezialagentin Thursday Next, eben noch strahlende Heldin im Fall Jane Eyre, während dem sie den Superverbrecher Acheron Hades getötet und einen Mitarbeiter der mächtigen Goliath Company in Poes „Der Rabe“ eingesperrt hat, wird von allen Seiten in die Mangel genommen:
Ihr eigener Arbeitgeber – die SpecOps – läßt sie beschatten, weil man über Thursday an ihren Vater herankommen will, der früher bei der ChronoGarde gearbeitet hat, heute aber vor diesen auf der Flucht durch die Zeit ist.
Bei der Mammut-Herbstwanderung fällt ihr ein Oldtimer fast auf den Kopf, und Thursay gerät in einen Zug, in dem alle Mitreisenden Irma Cohen heißen und die Lösungsworte eines Kreuzworträtsels „streitsüchtige Thursday, goodbye“ ergeben.
Dann wird auch ihr eben erst erworbene Ehemann Landen von der ChronoGarde „genichtet“, indem deren Mitarbeiter in die Vergangenheit reisen und verhindern, daß Landen bei einem Unfall gerettet wird. Ein erster Rettungsversuch durch Thursday und ihren Vater scheitert. Doch Schitt-Hawse von Goliath macht Thursday ein Angebot: Wenn sie ihm hilft, seinen Bruder aus „Der Rabe“ zu befreien, wird man ihr ihren Ehemann zurückgeben.
Und obendrein geht am 12. Dezember die Welt unter, wenn sie und ihr ewig zeitreisender Vater nicht herausfinden, warum sich plötzlich alles in rosa Soße verwandelt.
Zum Glück findet Thursday in der exzentrischen Miss Havisham – einer der Hauptfiguren aus Dickens‘ „Große Erwartungen“ eine strenge Lehrerin, die ihr zeigt, wie man sich mit Hilfe von Jurisfiktion nicht nur aus dem Prozess von Kafka, sondern auch aus einer Waschanleitung für Angorapullover befreit.

„In einem anderen Buch“ ist der zweite Band aus der „Thursday Next“-Reihe des Walisers Jasper Fforde und steht dem ersten Band „Der Fall Jane Eyre“ in nichts zurück. Das Buch strotzt nur so vor literarischen Anspielungen, skurrilen Besuchen in vielen Büchern der Weltliteratur, haarsträubenden Ereignissen und liebevoll gezeichneten Figuren. Mit rasanter Geschwindigkeit schreitet die Handlung fort, so daß man das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam und spannend und nimmt den Leser schon auf den ersten Seiten gefangen. Mit einer großen Portion Zeitkritik.
Ein Besuch auf der „Thursday Next“-Website lohnt sich übrigens. Dabei handelt es sich nämlich nicht um eine Website zur Buchserie, sondern über die Person Thursday Next – mit Links zu Merchandising, zu Thursdays Arbeitgeber der Goliath Corporation – und natürlich auch zum obligatorischen Forum. Eine witzige Mischung aus „Fiktion“ und Realität.

Veröffentlicht in Belletristik

Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte (Thursday Next Band 3)

Um sich vor Goliath- und SpecOps-Agenten zu verbergen und sich auf ihre Mutterschaft vorzubereiten, nimmt Thursday Next am sogenannten FigurenAustauschProgramm teil und zieht sich in den Brunnen der Manuskripte zurück – wo sie in einem gemütlichen Flug-/Hausboot in einem drittklassigen, unlesbaren Kriminalroman mit dem Titel Caversham Heights lebt und die Rolle der Kriminalassistentin Mary übernimmt. Ihre Mitbewohner sind zwei „Rohlinge“ – Figuren, die zunächst noch kein Geschlecht und keine Persönlichkeit haben, sich aber im Verlauf von Ffordes Roman weiterentwickeln werden. Während dieser Zeit nutzt Thursday die Gelegenheit, um den literarischen Figuren des Romans dabei zu helfen, die Handlung so abzuändern, daß der Roman doch irgendwann einmal gedruckt werden wird.
Gleichzeitig bereitet Thursday sich auf ihre JurisfiktionPrüfung vor, begleitet von der resoluten Miss Havisham aus Große Erwartungen, von der sie nicht nur lernt, wie man gegen Grammasiten kämpft, den Minotauris füttert oder wie man die Beziehungen der Figuren von Sturmhöhe in Wutberatungssitzungen bespricht. Aber das Leben im Brunnen der Manuskripte ist nicht ungefährlich: In der literarischen Welt ist ein Mörder unterwegs, der sich auf JurisfiktionAgenten spezialisiert hat und einen Kollegen nach dem anderen umbringt.
Schließlich erkennt Thursday, was dies alles mit dem neuen Betriebssystem UltraWordTM zu tun hat, das TextGrandCentral mit aller Gewalt einführen will – und welcher Bezug zu ihren alten Feinden aus der realen Welt besteht. Und so ganz nebenbei hilft sie zwei Figuren dabei, den Inhalt ihres Romans zu ändern, damit der Bösewicht eines schmalzigen Liebesromans endlich nicht mehr eines einsamen, entsetzlichen Todes sterben muß, sondern sein Happy End bekommt.

„Im Brunnen der Manuskripte“ ist der dritte Band aus der „Thursday Next“-Reihe des Walisers Jasper Fforde und steht den ersten beiden Bänden „Der Fall Jane Eyre“ und „In einem anderen Buch“ in nichts nach. Wie seine Vorgänger strotzt das Buch nur so vor literarischen Anspielungen, skurrilen Besuchen in vielen Büchern der Weltliteratur, haarsträubenden Ereignissen und liebevoll gezeichneten Figuren. Fforde eröffnet dem Leser ungewohnte, neue Blicke auf so bekannte Klassiker wie „Sturmhöhe“, „Große Erwartungen“ oder „Viel Lärm um nichts“. Doch damit nicht genug: Dieses Mal spottet der Autor noch über die neue deutsche Rechtschreibung:

„‚Der Schreibfehler ist also nur ein Symptom der Bedeutungsverzerrung?‘
‚Genau. Der Vyrus war weit verbreitet, bis Agent Johnson 1744 sein Wörterbuch vorlegte. Heute halten ihn Lavinia-Webster und der Oxford English Dictionary in Schach. In Frankreich ist er schon lange ausgestorben, und sogar in Deutschland hatte der verdienstvolle Agent Konrad Duden ihn nahezu gänzlich unter Kontrolle gebracht. Aber in letzter Zeit hat eine Clique von größenwahnsinnigen Qmiehs einen NeuSchreib-Vyrus in Umlauf gebracht, der gegen jede Vernunft resistent ist und auch schon einige literarische Werke zerstört haben soll. Die Deutschen können einem schon leid tun. Neulich stand ein ganzes Rudel am Tor und hat nach verloren gegangenen Adverbien gesucht. Ich hab‘ sie natürlich nicht reingelassen. […]'“

… und auch Microsoft mit seinen Word-Updates bekommt sein Fett weg. Ganz zu schweigen von den nervigen Spam-Fußnoten und den fiktiven Werbeanzeigen … 🙂 Und endlich erfährt man auch die Wahrheit über etwas, worüber Samuel Beckett seine Leser im unklaren gelassen hat: warum Godot niemals aufgetaucht ist.
Ein Besuch auf der „Thursday Next“-Website lohnt sich übrigens. Dabei handelt es sich nämlich nicht um eine Website zur Buchserie, sondern über die Person Thursday Next – mit Links zu Merchandising, zu Thursdays Arbeitgeber, der Goliath Corporation – und natürlich auch zum obligatorischen Forum. Eine witzige Mischung aus „Fiktion“ und Realität.

Veröffentlicht in Belletristik

Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre (Thursday Next 1)

Wußtet ihr, daß Charlotte Brontë für „Jane Eyre“ eigentlich kein Happy-End vorgesehen hatte? Daß Shakespeare eigentlich nur ein mittelmäßiger Schauspieler in London war, der nebenbei einen kleinen Getreidehandel in Stratford unterhielt (eine Nebeneinnahme, für die er sich aber schämte), aber mit Sicherheit niemals in der Lage gewesen wäre, „Hamlet“ oder andere Klassiker zu verfassen? Nein? Dann solltet ihr einen Blick in das Buch „Der Fall Jane Eyre“ des Walisers Jasper Fforde werfen.
Er schildert in seinem Roman eine alternative Welt, in der England sich seit 130 Jahren im Krieg mit dem zaristischen Rußland befindet (eine Auseinandersetzung um die Krim), in der Wales eine freie Republik ist – und in der Literatur so wichtig ist, daß es eine Spezialeinheit gibt, deren Aufgabe darin besteht, diese vor Fälschern zu schützen. Eine der Agentinnen von SO-27 ist Thursday Next.
Eines Tages tritt eine andere Geheimorganisation mit der Bitte an sie heran, den Oberschurken Acheron Hades zu identifizieren. Dieser war während ihrer Studienzeit einer der Professoren von Thursday, und da er die Fähigkeit besitzt, sich für Filmgeräte unsichtbar zu machen, weiß sonst niemand, wie er aussieht. Thursday willigt ein, doch schon ihr erster Einsatz endet in einer Katastrophe: Als es Acheron gelingt, das Originalmanuskript von Dickens‘ „Martin Chuzzlewit“ zu stehlen (und eine Nebenfigur daraus zu entführen), setzt man Thursday und ein Team auf seine Fährte. Es gelingt ihr, Hades zu stellen, dieser flieht jedoch, fügt ihr dabei eine schwere Verletzung zu – und tötet ihr Team. Aber damit nicht genug: Wenig später gelingt es Hades, in einem blutigen Handstreich das Manuskript von Charlotte Brontë „Jane Eyre“ an sich zu bringen – und die Hauptfigur selbst als Geisel zu nehmen.
Thursday gelingt es, heimlich die Grenze zu Wales zu überqueren und dort die Spur von Acheron wieder aufzunehmen. Acheron flüchtet in das Buch „Jane Eyre“ (Thursdays Onkel hat eine Maschine erfunden, mit der dies möglich ist – wie sonst wäre es Acheron gelungen, Jane Eyre selbst zu entführen?!), Thursday heftet sich an seine Fersen, und die beiden setzen ihren Kampf in der fiktiven Welt fort … an deren Ende nicht nur die Vernichtung Acherons steht, sondern auch ein Happy-End für Jane Eyre und ihren Geliebten Rochester.

Als ich im vergangenen Jahr eine Werbeanzeige für dieses Buch in einem dtv-Magazin las, wußte ich, daß ich dieses Buch lesen muß. Und der Verlag hat auch nicht zu viel versprochen. Fforde schildert eine urkomische neue Welt, in der man nichts allzu ernst nehmen sollte, in der man selbst Stereotype neu entdeckt und noch Spaß dabei hat, in der man seiner Liebe zur klassischen Literatur frönen kann, ausgestorbene Tiere geklont und wieder neu gezüchtet werden – und in der es Bücherwürmer gibt, die Präpositionen futtern und dabei Apostrophen und Et-Zeichen von sich geben bzw. Großbuchstaben und Sonderzeichen rülpsen (was man in den Dialogen der Figuren nachlesen kann …). Ich kann gar nicht erwarten zu erfahren, welche Abenteuer Thursday im zweiten Band erlebt.

Veröffentlicht in Sachtitel

Keith Topping – Hollywood Vampire – The Unofficial Guide to „Angel“

Während die Fans ungeduldig auf eine kongeniale „Angel“-Ausgabe des „Watcher’s Guide“ warten, gibt es bereits seit 2000 den inoffiziellen „Angel“-Guide zur ersten Staffel des Briten Keith Topping. Diesem verdanken wir übrigens auch „Slayer“, ein ausgesprochen erfolgreiches Nachschlagewerk zu „Buffy the Vampire Slayer“.

Leider weiß man sofort, warum der britische Guide relativ unbekannt ist: Das Äußere sowie die inhaltliche Gestaltung sind mehr als unscheinbar und nicht gerade anziehend, eher schon langweilig. Wenn man aber die eigenen Vorurteile beiseite läßt und zu schmökern beginnt, erlebt man eine Überraschung: Keith Toppings Guide entpuppt sich als eine wahre Fundgrube an interessanten Informationen! Während es keine reinen biographischen Artikel zu den Schauspielern und anderen Beteiligten der Serie gibt, werden diese Angaben geschickt in die Darstellung und Interpretation der einzelnen Folgen eingeflochten. Was leider wiederum den Nachteil hat, daß man das Buch zwar als Nachschlagewerk zu den einzelnen Folgen verwenden kann, wenn man jedoch Informationen zu bestimmten Personen/Figuren sucht, gestaltet sich diese Suche mühselig.

Aber die Folgendarstellungen selbst sind wirklich großartig. Topping bietet dem Leser eine Vielzahl interessanter Facts: von der reinen Kurzinterpretation über Hinweise zur verwendeten Musik oder der Markenbekleidung der Figuren, von witzigen Dialogen über Anspielungen bis zu Logikfehlern der Handlung. Und das sind nur einige der behandelten Themen!

Fazit: Man sollte sich vom Äußeren des Buches und davon, daß es leider auch keine Bilder enthält, nicht abschrecken lassen. Ich weiß zwar nicht, welche Inhalte der offizielle „Angel“-Guide haben wird, aber er wird es schwer haben, die Fülle an interessantem Material dieses Buches zu überbieten. Keith Toppings „Hollywood Vampire“ ist das ideale Nachschlagewerk für alle, die sich über einzelne Folgen der ersten Staffel der Vampirserie „Angel“ näher informieren wollen.

Veröffentlicht in Sachtitel

Christian Lukas und Sascha Westphal – Angel – Der dunkle Engel

Endlich ist es da, das inoffizielle Handbuch zu „Angel“ von Christian Lukas und Sascha Westphal. Nachdem die beiden Autoren uns bereits mit vier Bänden über die ersten fünf „Buffy“-Staffeln beglückt haben, wurde es Zeit für einen entsprechenden Guide zum Spin-Off. Einen Blick hinein verrät sofort, daß auch der Aufbau den „Buffy“-Büchern entspricht: Es gibt Hintergrundinfos zum Spin-Off und seiner Geschichte, Angaben zu den wichtigsten Schauspielern (David Boreanaz, Charisma Carpenter, J. August Richards, Alexis Denisof, Glenn Quinn), die üblichen General Credits sowie eine Erläuterung der Beurteilungskriterien – und dann gibt es auf den kommenden ca. 375 Seiten ausführliche Inhaltsangaben und Erläuterungen zu jeder einzelnen Folge.

Die beiden Autoren gehen dabei sehr ausführlich auf die Anspielungen ein (bekannte Filme oder Bücher, auf die die Drehbuchautoren Bezug genommen haben); sie öffnen dem Leser einen faszinierenden Blick „in die Seele“ der Figuren, der dem oberflächlichen Leser oftmals entgeht, und philosophische/religiöse Inhalte.

Auch wenn ich ihrer Beurteilung einzelner Folgen nicht immer zustimme und mir wünsche, daß die Episodenguides von Lukas/Westphal endlich einmal Farbfotos enthalten und nicht nur nichtssagende Zeitschriftencover-Abbildungen, halte ich das Buch über die ersten beiden „Angel“-Staffeln für sehr gelungen. Eines fehlt mir jedoch: die aufschlußreichen Kurzartikel, die man in den „Buffy“-Büchern findet und in denen es dort z. B. um die literarischen Vorbilder der Serie/Figuren oder die Mutter-Tochter-Beziehung ging. Die Inhaltsangaben enthalten darüber hinaus einige gravierende Fehler (so zum Beispiel die Angabe, daß Cordelia ein Vampir sei, in „Der Ring von Amara“), von denen die Fans die beiden Autoren hoffentlich in Kenntnis setzen. Es fehlen darüber hinaus Angaben zu den Fan-Clubs bzw. Autogrammadressen sowie wenigstens einige Internet-Sites, auf denen sich der Fan über die Serie informieren kann.

Mit „Angel – Der dunkle Engel“ hat man einen zuverlässigen Guide, der aber leider nicht so spritzig und innovativ ist wie „Hollywood Vampire“ von Keith Topping, aber dafür wesentlich übersichtlicher.