Veröffentlicht in Belletristik

Preston/Child: Relic

preston child relicIm New Yorker „Museum of Natural History“ findet man zwei Kinderleichen und wenig später auch die eines Wächters. Alle Toten sind schrecklich grausam zugerichtet – unter anderem wurde ihnen der Kopf entfernt und offenbar ein Teil des Gehirns … Da man kurz vor der Eröffnung einer Ausstellung zum Thema „Aberglaube“ steht und auch auf die Publicity (und die Eintrittsgelder) angewiesen ist, will die Museumsleitung nicht viel Aufhebens um die Toten machen. Doch dann werden weitere verstümmelte Leichen entdeckt, die immer von einem seltsamen Gestank begleitet werden.
Der New Yorker Polizist Lieutenant Vincent d’Agosta wird auf den Fall angesetzt, unterstützt wird er von Aloysius Pendergast, einem angereisten Special Agent des FBI, der in New Orleans ein „Totenschiff“ mit ähnlich grausam zugerichteten Leichen untersucht hat. Obwohl die Museumsleitung den beiden die Nachforschungen alles andere als leicht machen, kann sie dennoch nicht verhindern, dass sich auch andere für den Fall interessieren: Der Journalist Smithback soll eigentlich ein Buch über das Museum verfassen, beginnt aber, ohne offizielle Erlaubnis seine Untersuchungen fortzusetzen. Und auch die Evolutionsbiologie-Doktorandin Margo Green wird neugierig, als sie in der noch geschlossenen Ausstellung in der Nähe einer Figur namens Mbwun ein seltsames Wesen bemerkt.
Diese Figur stammt aus einer Kiste, die der Anthropologe Whittlesey vor einigen Jahren von einer Amazonas-Expedition nach New York schicken ließ, die das geheimnisvolle Volk der Kothoga erforschte. Whittlesey selbst und sein Team sind tot – entweder im Urwald verschollen oder bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Aus seinen Kisten schenkte man nur zwei Dingen Aufmerksamkeit: seinem Tagebuch und der Mbwun-Figur, die jetzt Teil der Ausstellung ist. Der Rest lagert in der sogenannten Sicherheitszone im Keller des Museums.
Als Margo und ihr Doktorvater Frock zu der Erkenntnis gelangen, dass man es nicht mit einem wahnsinnigen Serienmörder zu tun hat, sondern mit einer unbekannten Kreatur, versuchen sie gemeinsam mit D’Agosta und Pentergast, die Eröffnung der Ausstellung zu stoppen. Vergebens. wonach es in der Evolution immer wieder mal zu Mutationen kommt und eine Spezies alle Exemplare einer besonders dominanten Art vernichtet. Diesmal sollen die Menschen der unbekannten Kreatur zum Opfer fallen. Es stellt sich heraus, dass das Monster im verlassenen Keller des Museums haust. Es frisst offensichtlich den Hypothalamus seiner Opfer. Diese Erkenntnisse helfen der Polizei jedoch zunächst nicht weiter und der Ausstellung droht wegen der akuten Lebensgefahr die Absage. PR-Chefin Rickman und die Museumsleiter Wright und Cuthbert setzen sich jedoch über ihre Warnungen hinweg. Etwas, das sie zutiefst bereuen werden …

„Relic“ ist die erste gemeinsame Arbeit von Douglas Preston und Lincoln Child, aber gottlob nicht die letzte. Vor einigen Jahren habe ich den Film zum Buch gesehen (aus dem Jahr 1997; der natürlich die Buchinhalte nur unzureichend und in einer Light-Version wiedergibt), aber ich könnte gar nicht sagen, warum ich kürzlich über dieses Buch gestolpert bin und es gekauft habe. Bereut habe ich es aber nicht. Es ist eines von diesen Thrillern mit SciFi-Elementen, die man am besten nicht abends vor dem Einschlafen liest – ein echter Pageturner mit Horrorelementen, der auf populärwissenschaftliche Weise Umweltthemen vermittelt. Gespickt ist das Ganze mit brutalen Verbrechen und sympathischen Protagonisten, die sich gegen die „bösen“, geld- und machtgierigen Museumsleiter bzw. Mitarbeiter des FBI durchsetzen – unter Einsatz ihres Lebens. Man sieht beim Lesen schon den Hollywoodstreifen vor sich, aber das beeinträchtigt das Lesevergnügen keineswegs.
Die Akteure des Buches sind relativ schwarz-weiß gezeichnet – entweder gehören sie zu den Guten oder den Bösen, dazwischen gibt es leider keine Grautöne. Die Hauptfiguren (Pendergast, D’Agosta, Margo, Frock und Smithback) sind zwar relativ eindimensional, aber da die Story mitreißend und actionreich und in allen Facetten erzählt wird, fiebert man dennoch mit und vergibt vieles.
Noch ein Tipp: Unbedingt den Epilog abwarten. Die endgültige Auflösung des Ganzen ist noch schrecklicher, faszinierender, als man bis dahin als Leser angenommen hat!

Mein Fazit: Nichts für schwache Nerven, aber ein wirklich gut geschriebenes, spannendes Buch!