Veröffentlicht in Belletristik

Frank Schätzing: Der Schwarm

Vor Peru verschwindet ein Fischer. Das Letzte, was Ucañan in seinem Leben zu sehen bekommt, ist eine riesige silbrig glitzernde Fläche, die näher kommt. Ein Schwarm Goldmakrelen, denkt er erfreut. Ucañan irrt. Was ihn das Leben kostet, soll sich sehr bald zu einer unheimlichen und existenziellen Bedrohung für den gesamten Planeten auswachsen, denn unter der Meeresoberfläche brodelt es neuerdings gewaltig: Vor Norwegens Küste entdecken Ölbohrfachleute eine unbekannte Wurmspezies, deren monströse Kauwerkzeuge einen halben Kontinent zum Einsturz bringen können – und die schließlich einen Tsunami verursachen, der die Nordseeküsten zerstören wird. Im Nordwesten Amerikas bleiben die Wale aus – und als sie dann verspätet eintreffen, legen sie den gesamten Schiffsverkehr lahm und töten Touristen und Fischer. Australien gibt Quallenalarm. Der Golfstrom versiegt. Und schließlich betreten Tiefseekrabben zu Millionen die Küsten der USA und tragen einen mysteriösen Virus in die Wasserversorgung.
Dem norwegischen Meeresbiologen Sigur Johanson schwant Übles: Die gesamte Meeresfauna und -flora scheint sich ferngesteuert gegen die Menschheit zu wenden. Auch Walforscher Leon Anawak kommt zu dem Schluss, dass sich hier eine globale Katastrophe ankündigt, die das Wissen und Können der Menschheit übersteigt – und dass es da jemanden gibt, der nicht will, dass dies an die Öffentlichkeit gelangt. Gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und den Vereinigten Staaten nimmt schließlich ein wissenschaftliches „Dreamteam“ den Kampf gegen die unbekannte Bedrohung auf, an dessen Ende nichts mehr so ist wie vorher.

„Der Schwarm“ von Frank Schätzing ist ein fast 1.000 Seiten starker, spannender und sehr gut geschriebener Öko-Thriller aus Deutschland, der zeigt, dass nicht nur die Amerikaner echte Bestseller mit Hollywood-Potenzial verfassen können. Wenn man erst einmal in die Handlung hineingefunden hat, möchte man das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen. Die von Schätzing geschilderten Figuren sind größtenteils zwar die „üblichen Verdächtigen“ (der Ureinwohner, der sich von seiner Heimatkultur entfernt hat, durch die Ereignisse aber wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet; der wissenschaftliche Nerd, der wenig Kontakt zur Realität hat; der korrumpierte Wissenschaftler, der nur noch seine Nobelpreisauszeichnung im Blick hat; der radikale Umweltschützer; korrupte Militärs und natürlich die Vertreter der amerikanischen Kultur/Regierung, die ihre Kultur für die allseligmachende halten), aber die Handlung ist so mitreißend verfasst, dass man dem Autor dies gerne verzeiht. Das gilt übrigens auch für seine an einigen Stellen übergröße Liebe zum Detail, die jedoch gut in die Geschichte eingebettet ist. Was jedoch angesichts der Detailfülle bspw. wundert, ist, dass Schätzing zwar erwähnt, dass der Golfstrom versiegt sei – aber kein Wort über die Konsequenzen verliert. Das gilt übrigens auch für die Reaktionen all der anderen Menschen auf diesem Planeten, die ja von den Auftauchen des Gegners ebenfalls unmittelbar betroffen sind.
Sparen können hätte Schätzing sich allerdings seine Exkurse in Philosphie und Religionskritik in Teil 5 bzw. Epilog, die so gar nicht zum Stil der übrigen Handlung passen bzw. auch noch dem letzten Leser erläutern, wie das zu verstehen ist, was er gerade gelesen hat.