Veröffentlicht in Belletristik

Adrian J. Walker: Am Ende aller Zeiten

Edgar Hill ist Mitte dreißig und er hat sein Leben gründlich satt. Er ist unzufrieden mit sich und seinem Alltag in Schottland als Angestellter, Familienvater und Eigenheimbesitzer. Seinen beiden kleinen Töchtern steht er recht distanziert gegenüber, die Beziehung zu seiner Frau ist abgekühlt. Stattdessen flüchtet er sich in das Feierabendbier und den Fernseher. Er fragt sich: War das sein Leben? Hat das alles irgendwann einmal ein Ende? Er ahnt nicht, dass sich die Katastrophe bereits anbahnt.
Als das Ende kommt, kommt es von oben: Ein dramatischer Asteroidenschauer, den die Regierungen der Welt bis zum Vorabend vor den Menschen geheimgehalten haben, verwüstet (nicht nur) die Britischen Inseln. Das Chaos ist gigantisch, die Katastrophe total. Ganze Städte werden ausgelöscht. Straßen, das Internet, die Zivilisation selbst gehören plötzlich der Vergangenheit an. England liegt in Schutt und Asche. Ist dies der Weltuntergang?
Edgar und seine Familie können sich in ihren Keller retten und werden eine Woche später von militärischen Suchtrupps gefunden. Während es zunächst den Anschein hat, als … , werden die vier während der Evakuierung voneinander getrennt, und ihm bleibt nur eine Wahl: Will er Frau und Kinder jemals wiedersehen, muss er innerhalb von etwa drei Wochen 500 Meilen weit laufen, um das rettende Schiff zur Südhalbkugel zu erwischen – durch ein zerstörtes Land, von Edinburgh nach Cornwall.
Zusammen mit einer Handvoll Gefährten begibt sich Edgar Hill auf einen Lauf durch ein sterbendes Land. Doch sein Weg ist gefährlich: Im postapokalyptischen England kämpft jeder gegen jeden ums blanke Überleben.

„Am Ende aller Zeiten“ ist schon rein äußerlich ein Hingucker. Das Buch des Australiers erinnert an ein Notizbuch mit einem schon strapzierten Gummizug, der an mehreren Stellen festgetuckert wurde, und dieser „Gummizug“ wurde auf das Cover des Buches aufgeprägt, was sich sehr schön anfühlt, wenn man darüberstreicht (ja, ich habe es mehrmals getan :-)).

Die Geschichte selbst ist aber auch sehr gut und packend erzählt. Es fiel mir immer wieder schwer, das Buch aus der Hand zu legen, obwohl es zwangsläufig viele unangenehme Szenen enthält. Man glaubt es kaum, dass es sich bei „Am Ende aller Zeiten“ wirklich um einen Erstling handelt! Wenn man wollte, könnte man höchstens kritisieren, dass der Wechsel von grausamen, spannenden Szenen zu Atempausen – für den Leser und für Ed und seine kleine Gruppe – sich zu durchschaubar vollzieht. Walker (wenn hier mal nicht der Name Programm ist!) beschreibt die Umwelt so ausführlich, wie es notwendig ist, aber keinen Satz mehr. Das Gleiche gilt auch für gelegentliche Rückblicke in Eds Kindheit: Der Leser erfährt das, was er über Ed wissen muss (wie er zu dem wurde, der er heute ist, und dass er schon in seiner Kindheit „prophetische“ Träume davon hatte, dass er einmal ganz allein sein würde), aber auch nicht mehr als nötig. Auch die Welt nach dem Einschlag der Asteroiden wird zwar sehr realitätsnah und sehr düster beschrieben, aber nicht mit einer derartigen detaillierten „Freude“ an der Grausamkeit und der Zerstörung, wie man sie bspw. bei The Walking Dead findet. Walker interessiert vielmehr , wie die „Gesellschaft danach“ aussieht: kalt. Grausam.

Was mich immer wieder berührt, wenn ich postapokalyptische Romane lese: Die Autoren sind sich erschreckend einig darin (ja, ich weiß, das macht das Wesen einer Dystopie aus …), dass die Menschheit sich unweigerlich negativ entwickeln wird. Gibt es eigentlich überhaupt einen Autoren, der glaubt, dass in der Menschheit auch nur ein Hauch von Menschlichkeit steckt?! Bei Walker ist dies auch der Fall: Schon bevor das Unglück eintrifft, beginnt der Kampf um Lebensmittel und (Über-)Lebensraum, und daran ändert sich  zwangsläufig auch nach der Katastrophe nichts. Die Menschen rotten sich zusammen, denn in der neuen Welt kann ein Einzelner kaum überleben. Man rottet sich zusammen, um Lebensmittel zu sichern, um stärker zu sein als andere Überlebende, die denselben Kampf ausfechten. Und schnell zeigt sich, dass die Überlebenden vor nichts, aber auch gar nichts zurückschrecken, um ihr neugefundenes Stück vom Kuchen zu verteidigen. Und erstaunlicherweise hat mich noch nicht einmal die Episode mit der Bauernfamilie und ihren Schweinen überrascht – spätestens seit Deadwood wissen wir ja, was man mit Schweinen so alles anfangen kann …

Ein wenig enttäuscht war ich darüber, wie wenig Raum die Tatsache einnimmt, dass die kleine Gruppe Überlebender, die gemeinsam mit Ed auf dem Weg nach Cornwall ist, die weite Strecke läuft. Ja, das wird erwähnt, und es gibt auch immer einmal kurze Passagen, in denen die Auswirkungen des Laufens auf Ed beschrieben werden. Aber der Werbetext auf der U4 des Buches versprach mehr, oder: „Zusammen mit einigen wenigen Gefährten begibt sich Edgar Hill auf einen Ultra-Marathon durch ein sterbendes Land.“ Ja, die Gruppe muss laufen, um Cornwall bis zum Weihnachtstag zu erreichen, aber für die eigentliche Geschichte ist nur der Zeitfaktor wichtig, aber nicht unbedingt, dass die Gruppe rennt. Korrigiert mich, wenn ich mich irre. Einen viel größeren und wichtigeren Raum nehmen die zahllosen Begegnungen auf dem Weg, der wiederholte Kampf, die Opferbereitschaft der verschworenen Gruppe und Edgars Erkenntnis ein, dass er nun „seinen Hintern hochkriegen muss“, wenn er seine Familie wiedersehen will. Protagonist Ed bietet vor diesem Hintergrund mit seinem Phlegma und seiner Neigung, sich nach der Arbeit mit einem Bierchen vor den Fernseher zu flüchten, hohes identifikationspotenzial – und wenn man sich darauf einlässt auch Gedankenanstöße fürs eigene Leben und die eigenen Prioritäten.

Ein auch sehr nachdenkenswerter Aspekt: Die Asteroideneinschläge betreffen überwiegend die nördliche Halbkugel und die dort lebenden Menschen müssen in Ländern der Südhalbkugel „Asyl“ suchen. Dies kehrt doch die aktuellen Ereignisse sehr anschaulich um – und natürlich ist es auch hier so, dass nur eine begrenzte Menge an Überlebenden dort aufgenommen werden!

Mein Fazit: Ein wirklich packender Erstling, der schon Lust macht, den nächsten Roman des Autors zu lesen, der wohl im September 2017 unter dem Titel „The Last Dog on Earth“ auf Englisch erscheint.

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Veröffentlicht in Sachtitel

Das Schottland Buch

schottlandbuchDramatisch durchbricht die Sonne den Frühnebel und taucht die Moorlandschaft der Highlands in erdig-sanfte Farben. Rau zeigt sich die See an den steilen Küsten der Hebrideninseln. Mystisch spiegeln sich Burgruinen in einem der idyllischen Lochs, aus denen ein plötlich auftauchendes Seeungeheuer nicht überraschen würde. Schottland lässt sofort viele Bilder vor dem inneren Auge entstehen. Schroffe Felsküsten, tiefblaue Seen und einsame Hochmoore, geheimnisvolle Steinkreise und sgenumwobene Burgen, Clansmen und Kilts, Dudelsäcke und Whiskydestillerien – das sind nur einige der Stichwörter, die den unvergleichlichen Zauber Schottlands beschreiben. Von den lebendigen Metropolen der Central Lowlands, der Festivalhauptstadt Edinburgh und dem Trendsetter Glasgow, bis zu den wenig besiedelten Highlands faszinieren uns die grandiose Natur, die reiche Kultur und Geschichte dieses Landes ebenso wie das Traditionsbewusstsein, der Humor und der Charme seiner Menschen.
DAS SCHOTTLAND BUCH lädt zu einer faszinierenden Reise durch das Land ein und offenbart dessen ganze Vielschichtigkeit in brillanten Farbbildern und informativen Texten. Ausklappbare Panoramabilder bieten spektakuläre Ansichten ausgewählter Highlights.

Treffend malt der U4-Text des Buches ein Bild dessen, was Leser und Betrachter im SCHOTTLAND BUCH erwartet: großartige Fotos all der Landschaften, Bauten, Kulturen und Historien, die man mit diesen nördlichem Ende Großbritanniens in Verbindung bringt. Kleine Fotos, ganzseitige Fotos, doppelseitige Fotos – und zehn Panoramabilder, die sich ausklappen lassen und über vier Buchseiten ausbreiten.
Geografisch beginnt der Bildband in den Central Lowlands mit den Großstädten Glasgow und Edinburgh und ihren Umgebungen. Hier gibt es neben Fotos der Städte auch Bilder und Berichte von Museen, Galerien, Kultureinrichtungen, Regierungs- und in architektonischer oder historischer Hinsicht interessanten Industriegebäuden. Gespickt ist das Ganze mit kurzen Informationen zu den Besonderheiten des jeweiligen Motives – sei es ein Verkehrsmuseum, eine Werft oder ein Konzerthaus.
Anschließend geht es in die Southern Uplands mit ihren Abbeys, bekannten Burgen und Schlössern (z. B. Caerlaverlock Castle) oder Naturschutzgebieten. Hier kommen auch diejenigen auf ihre Kosten, die sich für Landwirtschaft, Vogelkunde oder Wälder interessieren.
Danach bringt uns der Reiseführer in den Nordosten des Landes und beschreibt Sehenswertes zwischen Dunnottar Castle im Süden, Elgin im Norden und Braemar im Westen. In diesem Teil des Buches kommen vor allem die Schottland-Fans auf ihre Kosten, die – wie ich – die Cairngorm Mountains für das schönste Fleckchen Erde halten und zum Wandern dorthin reisen. Oder all diejenigen, die den Whisky bzw. Castle Trail machen wollen. Sprich: Hier gibt es sehr viele Landschaftsmotive und Fotos von bekannten Schlössern (Balmoral Castle, Craigievar Castle, Huntley Castle u. v. m.) sowie eine kurze Stippvisite beim schottischen Whisky.
Im nächsten Teil geht es wieder an die Westküste – in das Gebiet Argyll and Bute mit seinen vielen Inselchen.
Die bekannten Highlands sowie die Isle of Skye folgen direkt danach: Ullapool im Norden, das ikonische „Highlander-Schloss“ Eilean Donan oder auch das landschaftlich wunderschöne Glen Coe (unter anderem!) gibt es hier zu sehen.
Den Abschluss in diesem wirklich atemberaubend schönen Bildband bilden die Hebriden sowie Orkney- und Shetlandinseln. Und auch hier mangelt es nicht an Hintergrundinfos über Tweed, Schafe, Steinkreise und vieles mehr.

Mein Fazit: DAS SCHOTTLAND BUCH ist der wahrscheinlich schöne Bildband, den ich jemals in der Hand hatte. Vermutlich hat der Kunth Verlag einen Deal mit dem schottischen Tourist Board – ich verspüre nämlich das dringende Bedürfnis, meinen Job zu kündigen, die Koffer zu packen und auszuwandern … Ich habe Heimweh.

DAS SCHOTTLAND BUCH
Gebunden mit Schutzumschlag, 29,5 x 23,1 cm, 312 Seiten
490 Abbildungen
€[D] 29,95
ISBN 978-3-95504-214-1

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