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Shakespeares Sonette

shakespeare sonnetteDer berühmteste Liebesgedichte-Zyklus der Weltliteratur ist so zeitlos wie modern. In der klassischen Form des Sonetts führt der Dichter einen furiosen Dialog mit seinen Umworbenen: dem „schönen Jüngling“ und der „dunklen Dame“. Wütend schreibt er gegen die Endlichkeit des Fleisches und seiner Passion an. Doch nur in der Kunst und der Dichtung sind Schönheit und Leidenschaft der Zerstörung und Vergänglichkeit entzogen. (Werbetext)

Es war faszinierend, „Shakespeares Sonette“ in der Ausgabe von dtv zu lesen. Und ein wahrer Genuss. Gedichte allgemein, aber sicher diese Klassiker im Besonderen, kann man nicht so lesen wie andere Bücher, das habe ich schnell gemerkt. Daher habe ich die 154 Sonette an 154 Abenden hintereinander gelesen. Einige von ihnen erschließen sich dem Leser schon beim ersten Lesen. Andere muss man mehrfach lesen, um sich ihren Sinn zu erschließen – und macht beim wiederholten Lesen eine Entdeckung nach der anderen. Und wieder andere sind wie ein guter Wein: Man liest sie mehrfach und lässt sie sich auf der Zunge zergehen, weil die verwendeten Bilder auch aus Sicht der Moderne so großartig und noch so aktuell sind. Es geht ums Älterwerden, um sehnsüchtige oder enttäuschte Liebe, um das Finden der richtigen Worte für die Dichtkunst, um das Hinterlassen von etwas Bleibendem, wenn man „gegangen“ ist … Als Leser findet man sich in erstaunlich vielen Gedanken wieder.

Die Übersetzerin Christa Schwenke hat kongeniale Arbeit geleistet. Sie musste ja nicht nur die richtige Übersetzung anfertigen, sondern sah sich auch vor die Herausforderung gestellt, Reim und Rhythmus wiederzugeben, deutschsprachige Bilder für die verwendeten Metaphern aus Nautik, Alchemie oder Astronomie zu finden. Wow! Da wird das Lesen wirklich zu etwas Besonderem!

Meine einzige Kritik: Bei einem so besonderen Werk hätte ich mir eine schönere Verpackung gewünscht. Der Satz im Innenteil ist recht einfach; hier hätte man imho dezent ein wenig mehr machen können – das Auge isst schließlich mit. Und auch der Umschlag könnte geschenkiger daherkommen – durch einen Leineneinband, eine Prägung oder ähnliches. Aber vermutlich hätte man dann die „magische Grenze“ von 10 Euro überschritten, die im Verlagsgeschäft als Geschenk-Grenze gilt.

Das bekannteste Sonett ist vermutlich Sonett CXVI:

Nie darf ein Hemmnis reiner Seelen Bund
Im Wege stehn. Die Lieb ist Liebe nicht,
Die schwankend wird, schwankt unter ihr der Grund,
Und schon an einem Treuebruch zerbricht.
Sie ist die Boje, die kein Sturm versenkt,
Die unerschüttert steht im Zeitenstrom,
Ist Leitstern, der verirrte Schiffe lenkt;
Was Liebe kann, ermißt kein Astronom.
Liebe ist nicht der Narr der Zeit, die zwar
Selbst Rosen fällt mit ihrem Sichelschlag;
Im flinken Lauf der Zeit unwandelbar
Besteht die Liebe bis zum Jüngsten Tag.
Dann Wenn, was hier steht, sich je als falsch ergibt,
Dann Dann schrieb ich nie, hat nie ein Mensch geliebt.

(c) Christa Schwenke
Aus: Shakespeares Sonette. München, dtv 2011

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