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Ethan Cross: Spectrum

cross-spektrumAugust Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank in Las Vegas zu einer Geiselnahme kommt, wendet sich Special Agent Samuel Carter vom FBI an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank – das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Carter und Officer Dominic Juliano vom SWAT folgt Burke ihrer Spur – und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, Tausende Menschenleben zu opfern.

„Spectrum“ ist der Auftaktband zu einer neuen Serie des amerikanischen Schriftstellers Ethan Cross (wahrer Name: Aaron Brown), der bisher vor allem durch seine „Shepherd“-Reihe um den Serienmörder Francis Ackerman jr. bekannt geworden ist (1: Ich bin die Nacht; 2: Ich bin die Angst; 3: Ich bin der Schmerz; 4: Ich bin der Zorn). Und was für die „Shepherd“-Reihe gilt, gilt auch für „Spectrum“: Der Roman ist ein gut geschriebener Pageturner, actionreich und sehr spannend. Auch hier werde ich das Gefühl nicht los, der Autor hat ihn mit dem Gedanken an eine Verfilmung verfasst: Die Kapitel sind sehr kurz und bringen eigentlich fast immer einen Perspektivwechsel sich. Dadurch erhält man nicht nur Einblick in das Handeln und die Gedanken der Ermittler, sondern auch in die der Verbrecher und sogar der Opfer. Doch, Achtung: Nicht jede Figur, die einen Namen, ein Gesicht und eine Biografie erhält, wird auch das Ende des Buches erleben. Das sorgt auf der Negativseite dafür, dass das Figurenkabinett ausgesprochen groß ist und man sich wieder und wieder neue Namen merken muss; andererseits hält Cross dadurch aber auch die Spannung aufrecht. Der Leser darf sich nie in Sicherheit wiegen, ob die Figur, in deren Schuhe er gerade in gewisser Weise schlüpft, auch tatsächlich das Kapitel überleben wird. Aber für die meisten der zentralen Figuren gilt, dass sie facettenreich gestaltet sind und dadurch Tiefe bekommen; die wenigsten der handelnden Figuren sind einfach nur gut oder böse, Grautöne sind hier beinahe an der Tagesordnung.

Vor allem folgt Cross auf der Seite der Sicherheitsbehörden FBI Special Agent Samuel Carter. Dieser ist schon etwas älter und wurde an den Schreibtisch verbannt. Der (vermeintliche) Bankbüberfall bietet ihm endlich eine Möglichkeit, wieder im Außendienst zu arbeiten und selbst aktiv zu werden. Carter ist verwitwet und ein väterlicher Freund von August Burke, den er nicht nur unterstützt und fördert, weil er ein Freund von dessen Vater ist. Burke ist wirklich der Sohn, den Carter und seine Frau nie hatten, und er ist der Einzige, der erkennt, dass der junge Mann mit dem Aspeger-Syndrom nicht verrückt ist, sondern eine besondere Sicht der Welt hat und ein Genie ist, wenn es um Technik geht. Und durch diesen Antrieb, der ihm auch besondere Durchsetzungskraft verleiht, ist er jemand, mit dem man zu jeder Zeit rechnen muss – auch wenn er äußerlich vielleicht nicht so wirkt.
Burke wiederum ist zwar ein Technikgenie – wenn er auch lieber seine Zeit damit verbringen würde, alte Autos zu restaurieren -, versteht aber wie so viele Autisten (korrigiert mich) das zwischenmenschliche Miteinander nicht und lehnt Körperkontakt ab. Wieder und wieder eckt er im Roman an, weil er Menschen mit seiner Art und seinen Worten vor den Kopf stößt – was ihm bei einigen von ihnen zumindest in gewisser Weise leidtut, bei anderen, die für ihn nicht wichtig sind oder die er schlicht für dumm hält, ist es ihm gleichgültig. Dies lässt den Leser im Verlauf des Romans das eine oder andere Mal schmunzeln oder auch staunen, wenn Burke Schlüsse zieht, die überraschend, aber bei näherer Betrachtung aber logisch sind.
Ein Polizist, den Burke mit seiner Art nicht vor den Kopf stößt, sondern der ebenfalls erkennt, dass Burke ein ganz besonderer Mensch ist, ist Dominic „Nic“ Juliano, der Leiter des SWAT-Teams. Nic wird hoffentlich in den Folgebänden mehr Raum einnehmen, denn er hat eine der interessanteren Biografien in diesem Roman: Er stammt aus einer mächtigen New Yorker Mafia-Familie und musste schon als Dreizehnjähriger zum ersten Mal im Auftrag seines Vaters, des Capo, einen Menschen foltern und ermorden, hat sich jedoch irgendwann entschlossen, auf die andere Seite zu wechseln und selbst Verbrecher zu bekämpfen. Dadurch hat er ebenfalls eine ganz besondere Sicht und zögert nicht, auch einmal ein wenig … durchzugreifen, falls dies nötig sein sollte.
Last but not least kämpft auf der Seite der Guten auch Constable Isabel Price von der südafrikanischen Polizei. Sie hat bei einem Massaker in einem Squatter-Camp ihren (zukünftigen Pflege-)Sohn verloren und jagt nun um die halbe Welt, um den Mörder zur Strecke zu bringen. Mit allen Mitteln. Dabei greift sie auf die Unterstützung des mysteriösen Kopfes einer weltumspannenden Verbrecherorganisation zurück – sein Name ist Möbius -, der selbst von dem Mörder hintergangen wurde und nun seine Chance gekommen sieht: Wenn er Isabel bei ihrer Jagd unterstützt, muss er sich die Hände nicht selbst schmutzig machen und hat die junge Beamtin darüber hinaus in der Hand. An der Figur von Isabel Price bekommt der Leser zumindest einen Eindruck davon, was ein Mensch zu tun bereit ist, um die zu rächen, die er liebt – Menschen, die bereit sind, in den Grauzonen zu arbeiten. Hier befindet sie sich in guter Gesellschaft mit den Figuren aus den „Shepherd“-Romanen, die ja ebenfalls Teil einer Task Force werden, weil sie außerhalb des Gesetzes Kriminelle zur Strecke bringen wollen, denen man mit dem Gesetz nicht unbedingt beikommen kann. Auch Isabel wird in den Folgebänden hoffentlich mehr Raum einnehmen. In „Spectrum“ kann man aber zumindest erahnen, dass mehr in dieser gequälten Figur steckt.
Neben den interessanten Protagonisten gibt es mit Krüger und seiner Ehefrau Zarina noch (mindestens) zwei faszinierende Antagonisten, wenn auch Zarina etwas blass bleibt, da sie ausschließlich aus der Sicht von Krüger beschrieben wird. Beide kennen sich bereits seit ihrer Kindheit und haben ihre Familien auf der Flucht verloren – und mussten dabei mit ansehen, wie geliebte Menschen von wilden Tieren zerfleischt wurden. Was der Grund ist für Zarinas Blutdurst und dafür, dass auch Krüger eine zweite Persönlichkeit, ein Alter Ego namens Idris, entwickelt hat, die im Gegensatz zu dem gewissenlosen, eiskalten Mörder ein eher traditionelles Leben führt.

Neben den Charakteren hat aber auch die Handlung des Romans an sich hohes Unterhaltungspotenzial. Die Protagonisten und oft auch der Leser können oft nur erahnen, welche wahren Ziele ihre Gegner verfolgen. Der Werbetext des Buches verrät es ja schon: Obwohl der Roman mit einem Massaker in Südafrika und einem Banküberfall in Las Vegas beginnt, geht es in „Spectrum“ um so ziemlich alles andere als einen Banküberfall. Immer wieder verbergen sich Pläne hinter Plänen, werden in Wirklichkeit ganz andere Ziele verfolgt, als viele der handelnden Figuren und selbst der beteiligten Kriminellen ahnen. Das verlangt natürlich dem Leser ab, dass er der Handlung aufmerksam folgt und bereit ist, sich auf immer noch Wendungen und Überraschungen einzulassen.

Mein Fazit: Noch sind die Protagonisten nicht so „charismatisch“ (ähem) und mit der nötigen Tiefe versehen wie Francis Ackerman jr. und sein Bruder Marcus Williams, aber das Buch ist ein derartiger Pageturner, dass ich einen möglichen Folgeband auf jeden Fall lesen würde.

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Ulf Torreck: Fest der Finsternis

torreck-fest-der-finsternisParis im August 1805: Louis Marais, einst gefeierter Kommissar der Pariser Polizei, wird im Sommer 1805 von dem intriganten Polizeiminister Joseph Fouché von seinem Exil in Brest nach Paris zurückbeordert, um in einer unheimlichen Mordserie an jungen Frauen zu ermitteln. Einziges gemeinsames Merkmal: Alle Frauen wurden auf entsetzliche Weise verstümmelt und haben kurz vor ihrem Tod ein Kind zur Welt gebracht. Als Marais in einer der Leichen ein mysteriöses Kreuz entdeckt, dessen Bedeutung niemand kennt, erkennt er, dass er Unterstützung braucht.
Er zieht den berüchtigten Libertin und Schriftsteller Marquis de Sade als Berater heran, der gerade wieder einmal in eine Irrenanstalt verbannt wurde. Sade kennt die Abgründe des Bösen wie kein Zweiter. Das ungleiche Paar begibt sich auf eine Mörderjagd … immer weiter hinab in die menschlichen Abgründe. Als dann auch noch der Polizeipräfekt Jean-Marie Beaume dem grausamen Mörder zum Opfer fällt und man ihnen die Tat in die Schuhe schiebt, ist nicht länger klar, ob sie es mit einer politischen Verschwörung zu tun haben oder mit einer Satanistensekte, die bis in die höchsten Kreise reicht.

„Fest der Finsternis“ ist das erste Buch des Leipziger Schriftstellers Ulf Torreck, das ich gelesen habe, und definitiv nicht das letzte. Der historische Thriller ist sehr gut recherchiert. Man spürt, dass sich der Autor intensiv mit den historischen Gegebenheiten und Personen auseinandergesetzt hat. Natürlich sind die hier geschilderten Ereignisse um tatsächliche historische Persönlichkeiten wie dem Marquis de Sade, Louis Marais, Talleyrand und Joseph Fouché fiktiv, aber es fließen auch immer reale Fakten in die Handlung ein – z. B. die Werke de Sades und seine (sexuellen) Gepflogenheiten, politische Intrigen, gesellschaftliche Vorgänge. Einige Rezensenten bemängeln diese detailierten Beschreibungen und werfen dem Autor vor, dass er von der eigentlichen Handlung abschweift. Im Gegensatz dazu fand ich jedoch, dass diese mehr oder weniger relevanten Hintergrundinfos erstaunlich organisch in die Geschichte einfließen. Sie sorgten dafür, dass ich den Elend und den Dreck und das Chaos von Paris regelrecht vor mir sehen konnte und ein Verständnis für die gesellschaftlichen Zustände bekam: für die politischen Intrigen, die komplexen Machtverhältnisse, dafür, wie Menschen geendet sind, die keinen Nutzen mehr für die Gesellschaft hatten …  Ich habe bereits Bücher anderer (deutscher) Autoren gelesen, denen es weitaus weniger gut gelingt, ihre Recherchen auf eine Weise in ihren Roman einfließen zu lassen, dass ich nicht das Gefühl hatte, in einer Vorlesung zu sitzen.
Auch versteht es der Autor, eine gelungene Mischung an Action, deskriptiven Passagen und philosophischen/religiösen Ausführungen zu schaffen. Bei mir kam zu keiner Zeit Langeweile auf oder das Gefühl, dass Torreck sich Längen erlaubt. Im Gegenteil. Ich konnte das Buch über weite Strecken nicht aus der Hand legen, sondern war immer wieder gespannt darauf, welche Wendungen der Autor sich einfallen lässt. Wie de Sade und Marais habe ich bis zuletzt gerätselt, ob sich hinter den entsetzlichen Morden eine politische Verschwörung verbirgt oder die Rituale eines jahrhundertealten Satanistenkultes.

Was für die Handlung gilt, das gilt ebenfalls für die handelnden Figuren, allen voran Commissaire Louis Marais und der alternde Marquis de Sade. Auch der Fundus an interessanten Nebenfiguren ist sehr groß und überaus vielfältig – es gibt hohe Politiker, vielfältigen Polizisten, absonderliche Geistliche, Kopfjäger, Huren, Waisenkinder, Schreckgestalten … Wer das Gefühl hat, den Überblick zu verlieren, der kann aber jederzeit auf das Verzeichnis der dramatis personae zurückgreifen, das sich im Anhang des Buches befindet. Allerdings war dies für mich eigentlich nie nötig, da die relevanten Figuren nicht nur einen Namen haben, sondern auch hinsichtlich ihres Aussehens und Charakters so gut gestaltet sind, dass ich sie mir vorstellen konnte – und dass sie im Gedächtnis blieben.
So unterschiedlich, wie die Figuren sind, so unterschiedlich sind auch die beiden Protagonisten de Sade und Louis Marais. Auf der einen Seite der alternde Libertin, Philosoph und Schriftsteller, der seine Sexualität mit Angehörigen beider Geschlechter auslebt, weder an Gott noch an den Teufel glaubt und es liebt, Menschen in Wort und Tat zu schockieren. Dass sich hinter den Serienmorden etwas anderes verbergen könnte als eine politische Verschwörung und die Unmoral der hohen Gesellschaft, kommt für ihn nicht infrage. Auf der anderen Seite der tiefgläubige Katholik Marais, der aufgrund einer politischen Intrige strafversetzt wurde und gerade erst Frau und Kind verloren hat. Er ist der Auffassung, dass Gott ihn nach Paris zurückgeführt hat, damit er in dessen Namen die Satanistensekte zu Fall bringt, die der Verursacher der schrecklichen Morde ist. Als diese beiden aufeinanderstoßen, kommt es verständlicherweise nicht nur zu Spannungen, sondern auch zu interessanten Dialogen über – im wahrsten Sinne des Wortes – Gott und die Welt. Marais hat zwar in der Vergangenheit immer wieder einen Blick in die Abgründe der Menschheit werfen können, aber der Abgrund, der sich ihm in den Frauenmorden auftut, übersteigt seine Vorstellungskraft.
Dass ein Autor zwei so gegensätzliche Protagnisten auf die Jagd nach einem Mörder schickt, ist – wenn man sich die Kriminalliteratur anschaut – nichts Ungewöhnliches. Wohltuend fällt in „Fest der Finsternis“ auf, dass die beiden Helden nicht miteinander versöhnt sind oder gar gute Freunde werden. Am Ende trennen sich ihre Wege wieder (schade!), aber zumindest bleibt bei beiden ein gewisser Respekt für die Schläue des einen (die Cleverness eines de Sade) und die Integrität des anderen (Marais). Mit de Sade und Marais werden in „Fest der Finsternis“ zwei (historische) Gestalten lebendig, die zu einer Zeit leben, als die moderne Wissenschaft geboren wurde, als die Aufklärung den Aberglauben bzw. Glauben des Katholizismus vertrieb – wobei jeweils eine der Figuren für eine der beiden Seiten steht, wenn sich auch Marais hin und wieder modernen Mitteln bedient.
Positv fällt auch die Gestaltung der weiblichen Figuren auf. Diese sind im Roman alles andere als „Damsels in Distress“. Im Gegenteil. Sie sind selbstbewusst, selbstständig, ambitioniert, lieben ihre Freiheit und verfolgen ihre ganz eigenen Interessen – völlig unabhängig von den männlichen Figuren. Sie müssen nicht gerettet werden, sondern sind einfallsreich und durchsetzungsfähig genug, um die Antagonisten (mit) zu Fall zu bringen. Dass die Auflösung der Morde von einer Frau berichtet wird, war noch einmal ein ganz besonderer Schachzug des Autors – ein ganz besonders schockierender!

Wo viel Licht ist, da gibt es natürlich auch Schatten – die Kritikpunkte an diesem Buch.
Zum einen wird immer wieder auf eine Vorgeschichte hingewiesen, auf Kriminalfälle, bei denen sich de Sade und Marais kennengelernt haben, Fälle, die dazu führten, dass Marais nach Brest verbannt wurde, die zum Bruch mit z. B. Beaume und Fouché geführt haben und noch Jahre später dafür verantwortlich sind, dass man ihm die vermeintlich irrtümliche Verurteilung einer jungen Frau vorwirft. Ich dachte lange, dass ich schlicht das falsche Buch aus der Reihe zuerst gelesen habe, musste aber erkennen, dass die Vorgeschichte nach (?) „Fest der Finsternis“ veröffentlicht wurde – leider nur als E-Book.
Der weitaus größere Kritikpunkt an „Fest der Finsternis“ ist das wirklich nachlässige Korrektorat. „Gewöhnliche“ Rechtschreibfehler gab es nur wenige. Aber schon lange habe ich kein Buch eines etablierten Verlages gelesen, das so viele Zeichensetzungsfehler enthielt wie dieser Roman; die Anzahl der fehlenden Kommas ist enorm (und auch die der falsch gesetzten). Auch die fehlerhafte Groß- bzw. Kleinschreibung der Personalpronomen in den Dialogen war von Zeit zu Zeit ausgesprochen ärgerlich. Ich hatte hin und wieder das Gefühl, dass der Autor sich teilweise nicht entscheiden konnte, ob er die höfliche Anrede „Sie“ wählen sollte oder „Ihr“ – oder vielleicht war auch das nur auf eine fehlerhafte Großschreibung zurückzuführen.
Weiterhin gibt es eine 6szene im Buch, die so dezent ist, dass ich noch einmal zurückblättern musste, als mir klar wurde, dass ich sie überlesen haben musste. Da der Autor auch keine Hemmungen hatte, die schrecklichen Szenen um die jungen ermordeten Mädchen zu schildern, fand ich dies ausgesprochen überraschend.
Und zum Ende des Buches hin (S. 610) stellt der Messdiener eines Gemeindepriesters den Korb mit dem Messwein auf einer Seite vor Schreck gleich zweimal ab. 😉

Mein Fazit: Trotz der letztgenannten Kritikpunkte ist „Fest der Finsternis“ ein exzellenter historischer Krimi, der mir persönlich Lust gemacht hat, in Zukunft noch mehr von diesem Autor zu lesen. Wenn er denn noch weitere historische Romane verfassen würde.

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Ethan Cross: Ich bin der Zorn (Shepherd #4)

Ethan CrossIn der hochmodernen Strafanstalt Foxbury Correctional Treatment Facility in Arizona kommt es zu einem blutigen Amoklauf, als einer der Wärter scheinbar wahllos vier Insassen erschießt und dann selbst Opfer eines Bombenanschlags wird.
Das ruft Bundesermittler Marcus Williams und die Shepherds auf den Plan. Rasch findet er heraus, dass der Wärter von einem psychopathischen Killer erpresst wurde, der sich selbst Judas nennt und die Ehefrau sowie den Sohn des Wärters entführt hat. Um die Identität des Judas-Killers aufzudecken, tut Marcus sich erneut mit seinem Bruder Francis Ackerman jr. zusammen, dem berüchtigtsten Serienkiller der Gegenwart: Marcus ermittelt außerhalb der Gefängnismauern, Ackerman jr. undercover unter den Häftlingen.
Was beide nicht ahnen: Der Judaskiller verfolgt weitaus größere Ziele als nur ein paar Morde …

„Ich bin der Zorn“ ist Band 4 der Shepherd-Reihe des amerikanischen Schriftstellers Ethan Cross aka Aaron Brown und erneut ein spannender und steckenweise angesichts der brutalen Misshandlungen und Folterungen verstörender Pageturner.
Allerdings erschwert der Autor es dem Leser ein wenig, in die Handlung hineinzufinden bzw. der Handlung zu folgen, da in diesem Buch deutlich mehr Handlungsstränge parallel verlaufen als bei den Vorgängern. Dieses Mal wird die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, da das Team um den Director der Shepherd-Organisation relativ wenig gemeinsam agiert. Einen Großteil der Zeit ermitteln die Einzelnen entweder allein oder in kleineren Teams. Hinzu kommt, dass vor allem der Director, Marcus und Maggie mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat, die ebenfalls Raum einnehmen. Diese ständigen Perspektivwechsel führen leider dazu, dass viele der Stränge bzw. Charaktere nicht wirklich Tiefgang bekommen.

Auch für “ Ich bin der Zorn“ gilt wieder: Nur selten stolpert man in Krimis oder Thrillern über so „sympathische“ Serienkiller mit einem so hohen Unterhaltungswert wie Francis Ackermann junior. Weiterhin wird er von der Überzeugung getrieben, dass eine höhere Macht ihn und seinen Bruder Marcus zusammengeführt hat. Er hat sich aus Zuneigung zu seinem Bruder den Behörden gestellt und sitzt jetzt in einem Hochsicherheitsgefängnis ein (eines von der Sorte, die es offiziell gar nicht gibt). Um Buße zu tun, verspricht er Marcus, niemanden mehr zu töten, und erklärt sich bereit, die Shepherds in ihren Nachforschungen zu unterstützen. Gott sei Dank entwickelt er sich aber nicht zu einem kuscheligen Bären, sondern bleibt weiterhin der blutrünstige Killer, der die Gier nach Blut und Folter verspürt und dem es Spaß macht, andere Verbrecher mit allen Mitteln zur Stecke zu bringen. Durch seine ganz besondere Einsicht in die Psyche der Menschen und vor allem von Kriminellen ist ihm schon relativ früh klar, was hinter den Mauern der Strafanstalt vor sich geht. Der kleine Cliffhanger am Ende des Buches (bzw. die bereits erhältliche Inhaltsangabe von Band 5) geben schon einen Hinweis darauf, wer der nächste Gegner sein wird, und allein die Vorstellung, welche … Abenteuer Ackerman jr. erwarten … Hach.
Zweiter Protagonist ist logischerweise sein Bruder Marcus Williams. Dieser ist nicht nur auf der Jagd nach dem Janus-Killer, sondern erforscht – damit verbunden – auch die Hintergründe des Amoklaufs, sucht nach entführten Personen, nimmt gezwungenermaßen mit unterschiedlichen Akteuren an den kranken Spielchen des Entführers teil – und versucht gleichzeitig mehr schlecht als recht, sich um seinen Sohn Dylan zu kümmern. Weiterhin wird er von einem starken inneren Konflikt getrieben: Einerseits sieht er es als seine Aufgabe an, Verbrecher, die die Polizeitbehörden nicht fassen kann, zur Strecke zu bringen; andererseits ist er sich bewusst, dass er Sohn und Bruder von psychopathischen Serienkillern ist – und fragt sich, ob er diese Veranlagungen ebenfalls in sich trägt.
In weiteren wichtigen Handlungssträngen folgt man dem Director, der ein ehemaliger Kollege des Gefängnisdirektors ist. Marcus‘ Kollege Andrew fungiert ebenfalls als Akteur in unterschiedlichen Szenen. Und Maggie, Marcus On-and-Off-Freundin, ist auch mit von der Partie. Des Öfteren ist sie gezwungen, enger als die übrigen Mitglieder des Teams mit Ackerman zusammenzuarbeiten, was ihr zum einen ein Dorn im Auge ist, andererseits zögert sie aber in Notsituationen nicht, ihn zu bitten, seine ganz speziellen Fähigkeiten einzusetzen. Dass Ackerman sie wiederholt – wenn auch leicht ironisch-amüsiert – „kleine Schwester“ nennt, macht deutlich, dass auch sie für ihn zur Familie gehört. Was ihn wiederum dazu veranlasst, ihr seine Hilfe anzubieten, was die Jagd nach dem Mörder ihres Bruder angeht … falls dieser überzeugt ermordet wurde!
Die Perspektive des Antagonisten fließen am stärksten durch Tagebucheinträge ein, in der der Janus-Killer von seiner Kindheit und Jugend erzählt und gleichzeitig auch seine Beweggründe festhält. Und wie Ackerman ist auch er ein Mensch, dem die Kindheit von einem Übervater genommen wurde. Auch bei ihm waren Gewalt und Liebesentzug an der Tagesordnung, was auch in seinem Fall ein gewisses (aber nur ein Stückchen) Mitgefühl weckt. Der Leser weiß zwar, dass sich hinter dem Judas-Killer ein Mann namens Dmitri Zolotov verbirgt, aber hinter welchem der zahllosen Verdächtigen sich dieser schlussendlich verbirgt, ist lange Zeit unklar.
An dieser Stelle hat sich meines Erachtens ein kleiner logischer oder erzählerischer Fehler eingeschlichen. Janus nimmt im Buch ein relativ unspektakuläres Ende (no Spoiler), aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass ein derart von Zorn getriebener hochintelligenter Krimineller, der alles bis ins Kleinste plant, auf die beschriebene Weise von der „Bühne“ abgeht …
An dieser Stelle möchte ich auch Demon nicht unerwähnt lassen, der ein alter Meisterverbrecher und Kopf einer professionellen Organisation sowie interessanter Gegenspieler der Leute von Shepherd ist. Er bietet seine Dienste (bzw. die seiner Organisation) anderen Verbrecher an – was ihn auch nach Foxbury geführt hat. Demon ist im wahrsten Sinne des Wortes Legion, dem er leidet unter Wahnvorstellungen und hat eine ganz eigene Sicht der Realität. Verfolgt wird er von unzähligen Dämonen, die es ihm erschweren, die realen Ereignisse von seinen wahnsinnigen Visionen zu unterscheiden – und dem Leser geht es dabei nicht anders. Das eine oder andere Mal habe ich mich wirklich gefragt, ob Demon wirklich gerade das tut oder erlebt, was aus seiner Sicht beschrieben wird – oder ob es sich auch dabei um Wahnvorstellungen handelt …

Mein Fazit: Cross hat einfach zu viel in diesen Roman hineingepackt, wodurch man so viele separate Handlungsstränge hat, dass es dem Autor schwerfällt, die Spannung aufrecht zu erhalten – und dem Leser, nicht den Überblick zu verlieren. Weiterhin geht dies ebenfalls auf Kosten einer glaubwürdigen Charakterzeichnung; hier hätte ich mir mehr Tiefgang für die Hauptakteure Ackerman und Marcus gewünscht.

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Ethan Cross: Ich bin der Schmerz (Shepherd #3)

Die Medien nennen ihn den „Anstifter“, und das Spiel, das er spielt, ist besonders perfide: Zuerst entführt er die Familie eines unbescholtenen Mannes, bevor er diesem befiehlt, einen anderen Menschen zu töten. Weigert sich der Erpresste, werden seine Lieben zerstückelt, begeht er die Untat, erhält er seine Familie wohlbehalten zurück. Nur die Shepherd Organization kann den Killer zur Strecke bringen.
Auf der Jagd erhalten Marcus Williams und sein Team Hilfe von Marcus‘ Bruder, dem Serienkiller Francis Ackerman jr. Marcus und Francis sind besonders motiviert, den Verbrecher zur Strecke zu bringen, denn hinter dem mysteriösen Anstifter verbirgt sich ihr Vater. Der, der Francis zu dem gemacht hat, was er ist: ein seelenloser Serienkiller …

„Ich bin der Schmerz“ ist Band 3 der Shepherd-Reihe und wieder ein echtes Highlight! Diese Reihe hat sich zu einer meiner Lieblingsserien entwickelt – und von denen habe ich nicht viele. In erzählerischer Hinsicht gilt für dieses Buch, was auch bereits für seine Vorgänger galt: Es ist spannend und actionreich und durch die kurzen Kapitel und die damit sehr oft verbundenen Perspektivwecksel erhält die Geschichte einen besonderen Drive, sodass man auch die Verfilmung schon vor sich sehen kann (könnte bitte jemand die Filmrechte kaufen!). Durch die kurzen Kapitel und die Perspektivwechsel gibt es auch hier wieder viele kleine Cliffhanger, und es gibt wieder Plottwists, die man (vermutlich) nicht kommen sah. Es geschehen zahllose Verbrechen, Morde, Menschen werden misshandelt und gefoltert – aber die Beschreibungen sind zu keinem Zeitpunkt allzu anschaulich und detailliert. Obwohl es im Buch natürlich einen Bösewicht auf der einen und die „Helden“ auf der anderen Seite gibt, gibt es keine Schwarzweißmalerei. Oder um es mit meinem „Lieblingshelden“ Francis Ackerman jr. zu sagen: „Mein Junge, wenn du älter und klüger bist, wirst du erkennen, dass auf dieser Welt wenige Dinge nur schwarz und nur weiß sind. Wie so viele erhabene Vorstellungen ist der Unterschied zwischen Gut und Böse oft nur eine Frage der Sichtweise“ (S. 430). Wieder geht Ethan Cross der Frage nach, inwiefern man ein Produkt seiner Gene oder seiner Umwelt ist – und am Beispiel von Ackerman jr. zeigt er wieder und wieder, dass es oft auch einfach eine Entscheidungssache ist: Will ich meinem inneren Bedürfnis nachgeben oder will ich mich so verhalten, wie mein Verstand es mir sagt?

Hinsichtlich der Charakterzeichnung der Protagonisten gibt es wieder deutliche Weiterentwicklungen: Marcus Williams versinkt zunehmend in Depressionen; er leidet sehr darunter, dass er einerseits Menschen helfen und Verbrecher zur Strecke bringen will. Andererseits weiß er aber auch, dass er der Sohn eines wahnsinnigen Psychologen/Psychopathen und Serienmörders ist – der seinen (Marcus‘) älteren Bruder gequält und gefoltert und ebenfalls zu einem kalten Serienmörder gemacht hat. Immer wieder sieht er sich vor der Frage, ob er wirklich zu den Guten gehört oder ob er nicht auch die Veranlagung zum Killer in sich trägt. Diese Entwicklung war zwar nachzuvollziehen, machte ihn aber zunächst einmal zu einem wenig sympathischen Helden. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihm im Roman etwas Schreckliches zustößt (no Spoilers). In dieser Situation ist es gerade sein Bruder Francis, der ihm deutlich macht, dass die Schuld für viele seiner Probleme nicht bei ihm liegen, sondern bei seinem Vater (Ackerman senior), und dass es auch nach den schrecklichsten Taten noch die Möglichkeit gibt, Buße zu tun.

Überhaupt: Francis Ackerman jr. ist auch in diesem Buch wieder die spannendste Figur. Und auch die Figur mit den humorvollsten Zitaten (wenn man denn einen schwarzen Sinn für Humor hat):

„Oh ja, du trittst für den kleinen Mann ein. Es sei denn, du ermordest ihn im Schlaf.“
„Ich habe noch nie jemanden im Schlaf ermordet. Ich wecke sie vorher immer auf …“
(S. 26)

Ackerman dachte nach, dann hob er die Hände. „Na schön, du hast gewonnen. Ich gehöre dir, Bruder. Aber fass den Kinderwagen nicht an. Ist ’ne Bombe drin.“
„Eine Bombe in einem Kinderwagen. Auf so etwas Perverses kannst auch nur du kommen.“
Ackermans Lächeln kehrte zurück. „Wenigstens habe ich vorher das Baby rausgenommen.“
(Seite 48)

Nachdem ihm sein Bruder verraten hat, dass der gemeinsame Vater (Ackermann sr.) noch am Leben ist, lässt er sich bereitwillig festnehmen, um der Shepherd Organization bei der Jagd nach ihm zu unterstützen. Doch die CIA hat ein Sonderkommenado auf Ackerman jr. angesetzt, dass seine Aufgabe etwas zu genau nimmt – sodass man sich das eine oder andere Mal wirklich fragt, ob hier Ackerman tatsächlich der Böse ist oder ob nicht vielmehr die Regierungsvertreter die eiskalten Killer sind. Immer wieder wird dies deutlich – besonders, als Maggie (Marcus‘ Kollegin und Freundin) sich mit Francis auf einen Roadtrip begibt, um den Großvater der beiden Männer und Hinweise auf den Verbleib von Ackerman sr. zu finden. Gejagt werden sie dabei von den Männern des Sonderkommandos, denen es egal ist, wer Opfer ihrer Jagd wird. Und es ist ein Vergnügen, Ackerman hier in Aktion zu erleben, wie er einen nach dem anderen ausschaltet. Wer hätte in Band 1 Ich bin die Nacht erwartet, dass man irgendwann einmal auf der Seite des Antagonisten steht und hofft, dass er überlebt?!  Das gilt sowohl für seine Interaktion mit Maggie, die ihn einerseits hasst, weil er ein Serienmörder ist und ihre Familie von einem anderen Serienmörder umgebracht wurde – und weil er damit zu denen gehört, die sie gemeinsam mit der Shepherd Organization zur Strecke bringt. Aber es gilt vor allem für seine Interaktion mit seinem Bruder Marcus, für den er eine echte Zuneigung empfindet. Und für den er auch bereit ist, das Morden einzustellen. Mehrere Male steht er im Verlauf der Handlung an einem Scheideweg und muss entscheiden, ob er seinen Trieben/seiner Konditionierung folgt oder ob er diese zugunsten anderer (Dinge) zurückstellt. Und wieder und wieder entscheidet er sich für die Buße, die Wiedergutmachung. Ackerman rocks!

Mein Fazit: Mehr davon! Und her mit Band 4: Ich bin der Zorn. Es ist nicht zu viel verraten, wenn ich sage, dass Ackerman jr. hier stärker mit der Shepherd Organization zusammenarbeitet und seine ganz speziellen Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen kann.

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Ethan Cross: Ich bin die Angst (Shepherd #2)

Der „Anarchist“, ein mysteriöser Killer, verbreitet in Chicago Angst und Schrecken. Er entführt Frauen und trinkt das Blut seiner Opfer, bevor er sie anzündet. Schlimmer noch: Er zwingt sie, ihm dabei unentwegt in die Augen zu schauen. Denn sie sollen sein wahres Gesicht sehen. Nicht das Gesicht des liebevollen Ehemannes und Vaters, das er seit Jahren für seine Familie aufsetzt, sondern das Gesicht des absolut Bösen.
Marcus Williams, der seit einem Jahr ein „Shepherd“ ist und Serienmörder jagt, wird auf den Fall angesetzt. Unterstützung erhalten er und sein Team dabei von unerwarteter Seite: Ausgerechnet sein Todfeind gibt ihm bei allen seinen Einsätzen immer wieder Hinweise – Francis Ackerman junior, der berüchtigste Serienkiller der Gegenwart, der fest davon überzeugt ist, dass es eine ganz besondere Verbindung zwischen ihm und Marcus gibt …

cross-ich-bin-die-angst2„Ich bin die Angst“ ist Band 2 der Shepherd-Reihe des amerikanischen Schriftstellers Ethan Cross aka Aaron Brown – und die wichtigste Info dazu gleich zu Beginn: Dieses Buch ist zwar unglaublich spannend und actionreich, aber man kann es im Gegensatz zu „Ich bin die Nacht“ abends vor dem Einschlafen lesen. 😉

cross-ich-bin-die-angst3Während Band 1 komplett in Schwarz gehalten war, hat man sich bei Band 2 für Rot entschieden. Autor und Buchtitel sind geprägt und auf dem Beschnitt werden diese Angaben noch einmal wiederholt. Das Buch ist daher schon rein optisch ein Genuss.

Und das gilt auch für den Inhalt: Der Autor verzichtet erneut auf tiefschürfende Ausführungen oder Beschreibungen – zugunsten einer atemlosen Nonstopp-Jagd nach dem Killer „Anarchist“. Auch in diesem Buch gibt es wieder zwei Wendungen, die ich nicht wirklich kommen sah, und das begeisterte mich erneut sehr! Auch dieser zweite Band ist gut und flüssig geschrieben; obwohl der Antagonist (und die übrigen Gegenspieler) eine Reihe von schlimmen Untaten begehen, überlässt der Autor deren Ausmalung der Fantasie des Lesers und beschreibt sie nicht im Detail. Und durch die zahlreichen kurzen Kapitel, die den Leser immer wieder zu einem Protagonisten und seinem jeweiligen Blickwinkel der Handlung führen, kann man die Verfilmung dieser Geschichte schon vor dem inneren Auge sehen.
Interessant ist hier, dass es Cross gelingt, aus dem Antagonisten bis zu einem gewissen Grad einen Sympathieträger zu machen – wie schon im ersten Band bei Serienmörder Francis Ackerman junior. Es gibt zwar auch hier den Killer und seinen Gegenspieler, aber keien Schwarz-Weiß-Zeichnung. Genauso, wie Michael gegen seine Dämonen ankämpft, so ist auch der Antagonist (die Antagonisten?) nicht einfach nur ein seelenloser Killer. Auch Scofield (im Grunde kein Spoiler, dem Leser wird die wahre Identität des Täters schon früh offenbart) hat eine schlimme Kindheit hinter sich. Seine minderjährige Mutter verbrachte einige Zeit in einer Satanistensekte und wurde dort auch schwanger. Und der „Prophet“ dieser Sekte erkor Scofield aus, der Antichrist zu sein und die Apokalyse herbeizuführen. Der erste Versuch misslang, doch Jahre später befindet sich Scofield noch immer im Griff des charismatischen Anführers, und obwohl er eine Familie hat und nach außen hin ein perfektes Leben führt, wird er weiterhin vom Propheten gesteuert.
Scofields Gegenspieler ist (erneut) Marcus Williams, der in diesem Roman weitere Facetten und damit mehr Tiefgang bekommt. Marcus ist nun seit einiger Zeit Teil der Shepherd-Organisation, der geheimen Organisation im Justizministerium, doch obwohl er von der Richtigkeit seines (ihres) Handelns überzeugt ist, leidet er gleichzeitig darunter, dass oft die Grenzen zwischen dem Verhalten der Killer, die er jagt, und seinem eigenen verschwimmen. Ist er nicht ein Killer im Dienste des Staates, wenn er seine Gegner ggf. ohne Gerichtsverhandlung aus dem Weg räumt? Auch hat er das Gefühl, dass irgendetwas nicht mit ihm stimmt; was das ist, erfährt der Leser am Ende des Buches … 🙂
Auch wenn Andrew, Marcus‘ Partner bei Shepherd, und Maggie, seine … Nicht-Freundin, ebenfalls mit von der Partie sind, ist der wichtigste und auch interessanteste „Partner“ Serienmörder Francis Ackerman junior. Dieser hat sich mithilfe eines Hackers Zugang zum Shepherd-Server verschafft und verfolgt die Ermittlungen der Organisation und besonders die von Marcus – in diesem Fall, aber auch bei den Vorgängerfällen. Er ist fest davon überzeugt, dass es eine besondere Beziehung zwischen ihm und Marcus gibt – dass dieser gewissermaßen das Yin zu seinem Yang ist. Wie im ersten Band mochte den Psychopathen Ackerman und seinen besonderen Sinn für Humor auch hier wider Willen; für mich persönlich ist er ein größerer „Sympathieträger“ als Marcus, der in diesem Buch – erneut – etwas zu selbstbewusst rüberkommt. Was ich allerdings etwas seltsam fand: Ackerman scheint keine Stimmen mehr zu hören – allerdings ist das m. E. darauf zurückzuführen, dass er nun mit Marcus ein reales Gegenüber hat.

Mein Fazit: Band 3 „Ich bin der Schmerz“ muss her!

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Ethan Cross: Ich bin die Nacht (Shepherd #1)

Der Serienmörder Francis Ackerman junior schlachtet nicht nur einfach Menschen ab, er bietet ihnen vor ihrem Tod an, ein Spiel mit ihm zu spielen – und wenn sie sich an die Regeln halten und ihn besiegen, werden sie leben. Doch er spielt nur, wenn er weiß, dass er auch gewinnen wird. Und dann wird das Ende seiner Opfer schrecklich sein …
Marcus Williams hat seinen Job als New Yorker Cop nach einem Zwischenfall an den Nagel gehängt und zieht in das texanische Städtchen Asherton, wo ihm eine verstorbene Tante eine Farm vermacht hat. Als er seine nächste Nachbarin besuchen will, findet er diese auf schreckliche Weise ermordet vor, und alle Indizien deuten darauf hin, dass Ackerman der Mörder ist.
Doch als er weitere Nachforschungen anstellt und diesen schließlich findet, stellt sich heraus, dass nicht nur Ackerman und Williams Leichen im Keller haben …

Eine (kurze) Inhaltsangabe zu „The Shepherd“ zu verfassen, dem ersten Band der sogenannten Shepherd-Serie des amerikanischen Schriftstellers Ethan Cross (wobei es sich aber bei diesem Namen lediglich um ein Pseudonym handelt – in Wahrheit verbirgt sich dahinter der Thrillerautor Aaron Brown), ist gar nicht so einfach. Zu groß ist die Gefahr, dass man zu viel verrät, denn der Clou der Geschichte ist ein deutlich anderer als nur die Jagd nach einem brutalen Serienmörder. Shepherd1Das Buch trägt im Deutschen den Titel „Ich bin die Nacht“, was zwar ausgesprochen reißerisch klingt, und die „Verpackung“ des Buches mit hervorstehender Prägung und schwarzem Beschnitt, in dem sich Titel und Autor des Buches in weißen Lettern wiederholen, ist auch ein echter Hingucker! Aber leider trifft der Titel den Inhalt des Buches nicht wirklich. Im Englischen trägt der Roman, wie gesagt, den Titel „The Shepherd“, was sich in den Überschriften der Teile widerspiegelt: 1. Die Herde, 2. Der Wolf und der Hirte, 3. Stecken und Stab, 4. Der Wolf im Schafspelz. Mehr sei aber an dieser Stelle nicht verraten …
Im Grunde müsste man das Buch mit einer Warnung versehen:

Achtung, unter den folgenden Bedingungen sollten Sie vom Lesen des Buches absehen:

– wenn Sie in Kürze schlafen gehen möchten.
– wenn es dunkel ist.
– wenn Sie Angst im Dunkeln haben.
– wenn Sie allein zu Hause sind.
– wenn Sie zu viel Fantasie haben oder/und einen Hang zu Verschwörungstheorien.
– wenn Sie ein Weichei sind.

Warum? Weil es schon lange nicht mehr vorgekommen ist, dass ich ein Buch abends vor dem Einschlafen nicht lesen konnte – meiner liebsten Lesezeit -, weil ich dann hinter jeder Tür, unter jedem Bett, in jedem Schatten und hinter jedem Geräusch einen Serienmörder vermutet habe. Aber was soll man auch erwarten bei einem Buch, dessen Protagonist mit Vorliebe nachts am Bett seiner Opfer steht oder sich in der Dämmerung Zutritt zu Wohnungen verschafft? Im Buch gibt es eine Szene, die im nächtlichen Schlafzimmer zweiter Kinder spielt – und ich brauchte lange, bis ich an diesem Abend einschlafen konnte! Lange Rede, kurzer Sinn: Das Buch gehört zum Packendsten, Spannendsten, Gruseligsten, das mir seit einer ganzen Weile untergekommen ist – und das, obwohl es ohne übernatürliche Wesen und Monster auskommt. Und warum? Weil es u. a. viele der tiefsitzenden Urängste anspricht, die wir Menschen haben. Die Angst vor der Dunkelheit, vor mysteriösen nächtlichen Geräuschen, vor dem Alleinsein u. v. m.

Der Thriller ist gut und flüssig geschrieben. Mit komplexeren Sätzen oder Begriffen gibt sich Ethan Cross nicht ab. Die Story ist unglaublich actionreich – nicht eine Sekunde lang gibt Cross dem Leser Gelegenheit, durchzuatmen und sich vom letzten Schrecken zu erholen. Er gibt sich nicht mit (detaillierten) Schilderungen von Umgebungen und Landschaften und Personen ab, wofür ich teilweise dankbar war, da z. B. die schrecklichen Tötungsarten von Ackerman nicht näher beschrieben werden – der Autor erspart sich hier ein Blutfest. Der Leser sollte sich rasch in die Handlung einfinden, denn Kapitel 1 zeigt bereits den Protagonisten in allen Details bei der Arbeit.
Auch die Charaktere werden nicht in allen Einzelheiten beschrieben und charakterisiert, wodurch ihnen natürlich definitiv Tiefgang fehlt. Man kommt sich im Grunde wie in einem der „Stirb langsam“-Filme vor: Die Handlung ist völlig überzogen, der Held ist einerseits ein normaler Mensch, aber dann doch larger than life und hastet von einer Actionszene zur nächsten, ist nie unterzukriegen, auch wenn er zunehmend mitgenommen aussieht, und das Ganze endet mit dem großen Showdown zwischen Held und Antagonist – nicht, ohne dass es viel zu lange Dialoge zwischen den beiden gibt und der Zuschauer sich fragt, warum zum Teufel der Held nicht einfach schießt. 😉 Im Grunde kann man die Verfilmung dieses Buches schon vor sich sehen – die zahlreichen kurzen Kapitel laden regelrecht dazu ein. Und dann erst die beiden großen unerwarteten Wendungen, die ich absolut nicht kommen sah! Leider wird man dadurch um das Vergnügen gebracht, den Roman noch einmal so … ungespoilert und ahnungslos zu lesen; ich könnte mir vorstellen, dass er beim zweiten Mal nicht mehr ganz so faszinierend ist.

Im Zentrum der Geschichte stehen u. a. Antagonist Francis Ackerman junior, ein Serienmörder, der gewissermaßen von seinem Vater dazu konditioniert wurde. Dieser, ein Psychologeprofessor, hatte die Theorie aufgestellt, dass Menschen zu Mördern gemacht und nicht als solche geboren werden – dass sie also die Produkte ihrer Umwelt sind. Und mithilfe von Experimenten an seinem eigenen Sohn Francis – damals noch ein Kind! – versuchte er, diese Theorie zu beweisen: Francis wurde durch Misshandlung und Folter dazu gebracht, andere zu töten, und ist nun genau das, wozu ihn sein Vater machen wollte: ein eiskalter Mörder. Ackerman junior hat ein perverses Vergnügen daran, seine Opfer zu grausamen Spielchen zu zwingen, um zumindest den Anschein zu erwecken, dass sie eine Überlebenschance haben. Über weite Strecken ringt er im Roman mit seiner dunklen Seite; Telefonate mit einem katholischen Pater machen dies deutlich. Doch spätestens als seine Spielchen mit Marcus beginnen, ändert sich dies und er findet in seine Bestimmung hinein. Erstaunlicherweise fällt es das eine oder andere Mal schwer, diese Figur zu hassen, weiß man doch genau, warum er so geworden ist.
Sein Gegenspieler ist Marcus Williams, ein junger Excop aus New York, der sein früheres Leben nach einem Zwischenfall (der im Verlauf des Romans eine Rolle spielen wird) an den Nagel gehängt hat und scheinbar zufällig über die Leiche seiner Nachbarin stolpert. Seine Erfahrungen in New York und seine Frustration über Verbrechen, die nicht gesühnt werden, oder Verbrecher, die ihrer gerechten Strafe entkommen, ist ein treibender Motor der Story. Er trifft bereits relativ früh auf Ackerman, der ihn zum Helden der „Geschichte“ auserwählt – und da jeder Held einen Gegenspieler braucht, findet auch Ackerman endlich in seine wahre Rolle hinein.

Mein Fazit: Unbedingt lesen. Aber nicht abends vor dem Einschlafen. Oder wenn ihr alleine seid. 🙂 Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzungen, denn es wird zumindest angedeutet, dass es eine unerwartete Verbindung zwischen den zwei Protagonisten der Geschichte gibt.

Veröffentlicht in Belletristik

Caleb Carr: Die Einkreisung

CarrNew York, 1896: Die Polizei entdeckt die schrecklich zugerichtete Leiche eines Stricherjungens. Polizeipräsident Theodore Roosevelt – später Präsident der Vereinigten Staaten – will den Fall aufgeklärt wissen, den seine Polizisten aus Gründen falscher Moralvorstellungen am liebsten unter den Teppich kehren möchten. Roosevelt setzt sich mit seinem Studienfreund Laszlo Kreisler in Verbindung, der in seiner wissenschaftlichen Arbeit bereits einige Theorien Sigmund Freuds vorwegnimmt. Wichtige Helfer sind auch der Polizeireporter John Moore (Ich-Erzähler der Ereignisse), Roosevelts Sekretärin Sara Howard, die es sich in den Kopf gesetzt hat, die erste weibliche Kriminalpolizistin New Yorks zu werden, und die beiden Kriminalwissenschaftler/ Gerichtsmediziner Marcus und Lucius Isaacson, die neue moderne Analyseverfahren verwenden.
Die fünf beginnen ihre Untersuchungen und finden heraus, dass der Mord an dem Stricherjungen Teil einer ganzen Mordserie ist, deren Opfer allesamt noch Kinder waren, die auf brutale Weise ums Leben kamen. Anhand der Indizien und Hinweise erstellt Kreisler ein Profil des Täters. Aus den Daten aller Morde, die immer im Zusammenhang mit hohen kirchlichen Feiertagen stehen, lässt sich schließlich auch der Zeitpunkt des nächsten Verbrechens vorhersagen. Doch der Täter beobachtet im Gegenzug auch die Arbeit der Detektive und ist ihnen immer einen Schritt voraus. Und nicht nur er erschwert ihnen die Arbeit: New York ist in unterschiedliche „Herrschaftsgebiete“ aufgeteilt, und deren Herren versuchen die Untersuchungen aus den unterschiedlichsten Gründen zu verhindern. Ganz zu schweigen davon, dass auch die beiden großen Kirchen nicht wollen, dass etwas derart Unmoralisches ans Licht kommt.
Es kommt schließlich zu einem Showdown über den Dächern von New York …

Caleb Carr wurde für seinen historischen Psychothriller „Die Einkreisung“ 1995 mit dem Anthony Award für den besten Erstlingsroman ausgezeichnet – und das zu recht. „Die Einkreisung“ ist eine spannende Mischung aus „Profiler“ und „CSI“ – aber zu einer Zeit, als Personen, die der Ansicht waren, dass man Täter mithilfe von Fingerabdrücken oder psychologischen Profilen identifizieren kann, im besten Fall belächelt, im schlimmsten Falle mundtot gemacht wurden. Hinzu kommt noch eine Prise „Gangs of New York“, denn es gelingt dem Autor auf wunderbare Weise, die Atmosphäre des historischen New Yorks kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert einzufangen. Man kann die historische Weltstadt regelrecht vor sich sehen, wenn man mit den Helden in einer Kutsche durch die Straßen der Stadt rast oder durch die finsteren, stinkenden Gänge der heruntergekommenen Mietshäuser in den Five Points und ähnlich ärmlichen Vierteln schleicht, in denen Immigranten aus der ganzen Welt im Elend leben. Darüber hinaus lernt der Leser auch einiges über Psychologie und kriminalpsychologische Ansätze – man hat immer wieder das Gefühl, in einem Psychologieseminar zu sitzen, allerdings auf unterhaltsame und alles andere als belehrende Weise. Man kann so selbst über den Täter und seine Motive spekulieren, kann Vermutungen anstellen, aber auch verstehen, warum er tut, was er tut. Sein Verhalten wird an keine Stelle entschuldigt, aber es wird dem Leser zumindest verständlich gemacht.

Auch die geschilderten Haupt- und Nebencharaktere werden so lebendig beschrieben, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann – man will wissen, wie die Geschichte ausgeht. Ich-Erzähler John Moore ist Reporter bei der Times. Er stammt aus einer überaus wohlhabenden Familie, mit der er sich aber nach einer geplatzten Verlobung überworfen hat, sodass er nun bei seiner Großmutter lebt. Das macht deutlich, dass er zumindest, was den zwischenmenschlichen Bereich angeht, sein Leben nicht wirklich im Griff hat. Übrigens führt das ebenfalls dazu, dass er für die persönlichen Probleme oder die Geschehnisse im Leben seiner Mitstreiter ausgesprochen betriebsblind ist. Er ist keine gebrochene Figur, wie so viele Krimiprotagonisten, sondern charmant und sympathisch, aber wirklich erwachsen werden will er nicht. Im Gegensatz zu den meisten seiner Zeitungskollegen ist er Bereiche aber auch nicht bereit, seine Augen vor dem Elend in der Stadt zu verschließen, was ihn nicht nur im Verlauf dieser Geschichte immer wieder in brenzlige Situationen bringt. Sofern ihm dies aufgrund seiner privilegierten Stellung möglich ist, will er Armut und das schreckliche Schicksal der Kinder, die sich verkaufen müssten, verstehen – und er will ihnen helfen.
Sara Howard, seine (platonische) Freundin aus Kindertagen, ist Kriminalsekretärin, träumt aber davon, die erste weibliche Polizistin zu werden. Sie besitzt einen wachen Geist, erkennt zwischenmenschliche und psychologische Zusammenhänge, die John verschlossen bleiben – und nimmt die Andeutungen ihres Reporterfreundes, dass man es doch einmal miteinander versuchen könnte, eher amüsiert zur Kenntnis; sie interessiert sich nämlich nicht für Männer. Das ist eine wohltuende Abwechslung zu vielen Kriminalromanen, in den sich Protagonist und Protagonistin am Ende „kriegen“ müssen. Was ebenfalls positiv auffällt: Carr verzichtet darauf, Sara als überemanzipierte, dickköpfige Protagonistin zu schildern, die sich durch eine „Ich weiß es aber besser als ihr“-Haltung ständig auf Alleingänge begibt und dadurch in Gefahr gerät. Auch verzichtet der Autor darauf, sexistische Untertöne einzustreuen bzw. die Protagonisten irgendwelche Annäherungsversuche machen zu lassen.
Kopf der Gruppe ist der Psychiater Dr. Laszlo Kreisler, mit dem John Moore und Theodore Roosevelt bereits seit Studientagen befreundet sind. Er leitet ein Institut, in dem er sich um Jugendliche kümmert, die auf die schiefe Bahn geraten sind bzw. psychologische Probleme haben. Es ist ihm ein großes Anliegen, sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Obwohl er ein Verstandesmensch ist und seinen Mitstreitern erst einmal dabei helfen muss, das Konzept des Profilings zu verstehen und in die Psyche des Täters einzutauchen, versteht er es, sie dafür zu begeistern und zu sensibilisieren.
Vervollständigt wird das Team von die durch und durch vertrauenswürdigen Polizeibeamten Marcus und Lucius Isaacson, ein Brüderpaar. Sie wenden moderne Ermittlungsmethoden an, die dem Leser sehr bekannt vorkommen, wenn er mit TV-Serien wie CSI vertraut ist. Und weil zum einen die Korruption im Polizeiapparat der damaligen Zeit sehr weit verbreitet ist und vermeintliche Täter zum anderen eher aufgrund von vermeintlichen Zeugenaussagen oder irgendwelcher (politischer) Interessen verhaftet werden und weniger auf der Grundlage unbestreitbarer Fakten, sind sie bei ihren Kollegen nicht gern gesehen und werden zu Sonderaufgaben eingeteilt. Wie auch in diesem Fall.
Ebenfalls Mitgleider des Teams sind der Farbige Cyrus Montrose, der für Dr. Kreisler arbeitet, und der etwa 14-jährigen Stevie Taggert, einen ehemaligen Kleinkriminellen, den Kreisler von der Straße geholt hat.

Selbst wenn nach knapp 600 Seiten der Täter gefasst ist (was sicher nicht zu viel verraten ist), möchte man wissen, wie es mit diesen Personen weitergeht. Und welch spannende Geschichte Caleb Carr sich für Band 2 der Serie um unsere fünf Detektive ausgedacht hat (Engel der Finsternis).

Mein Fazit: Definitiv eine Leseempfehlung für jeden, der gerne intelligente Thriller liest und bereit ist, nicht nur von einer Bluttat zur nächsten zu hetzen, sondern auch in die psychologischen Abgründe einzutauchen.

PS: Das Buch wird übrigens gerade unter dem Titel „The Alienist“ von TNT als TV-Serie verfilmt. Mit dabei Daniel Brühl, Luke Evans, Dakota Fanning …