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Gail Carriger: Glühende Dunkelheit (Lady Alexia 1)

Miss Alexia Tarabotti hat es in der besseren Gesellschaft Londons nicht leicht. Zum einen ist sie seelenlos. Außerdem ist sie mit ihren 26 Jahren schon eine alte Jungfer, deren Vater nicht nur tot ist, sondern zu allem Übel auch noch Italiener war. Was wiederum der Grund dafür ist, dass sie mit ihren brünetten Haaren, der großen Nase und ihren ausgeprägten Rundungen nicht gerade dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Richtig beschämend ist allerdings, dass sie bei einem Ball von einem überaus unhöflichen, blutrünstigen Vampir angefallen wird. Und es kommt noch schlimmer: Sie hat den Vampir in Notwehr getötet – auch wenn es nur ein Unfall war. Da sollte sie doch nicht unter Mordverdacht stehen!
Und was wird nur ihre Mutter zu alldem sagen, die den Versuch, Alexia unter die Haube zu bringen, noch immer nicht aufgegeben hat?
Der Alpha-Werwolf Lord Maccon, der äußerst ruppige – und doch irgendwie attraktive – Chefermittler von Queen Victoria für übernatürliche Angelegenheiten, weigert sich, Miss Alexia in die Ermittlungen einzubeziehen. Also beschließt sie, selbst nachzuforschen, was hinter dem Angriff auf sie steckt.

Was bin ich froh, dass ich nur Band 1 „Glühende Dunkelheit“ mit in den Urlaub genommen habe! Hätte ich mich beim zweiten Buch ebenfalls für einen Band aus der Reihe entschieden (statt „Die Säulen der Erde“ mitzunehmen), hätte ich spätestens an Tag 4 „buchlos“ dagesessen, habe ich doch den Einstiegsband beinahe inhaliert, so aberwitzig unterhaltsam ist er!
„Glühende Dunkelheit“ („Soulless“) ist Band 1 einer Reihe um die im wahrsten Sinne des Wortes Seelen-lose Außernatürliche alte Jungfer Alexia Tarabotti – und so rundherum gelungen, dass er definitiv Lust auf mehr macht. Er gehört zum Genre Steampunk, also einer Mischung aus historischem Roman und Urban Fantasy sowie Futurismus (für einige Leser also etwas gewöhnungsbedürftig) und in diesem Fall durch den lakonischen Erzählstil der Autorin einer gehörigen Portion Humor. Und natürlich Romance, aber endlich einmal nicht in allen Details beschrieben, sondern mit der nötigen Distanz, die wir bspw. von den Romanen von Jane Austen kennen – die gerade genug beschreibt, dass der Leser weiß, was geschieht bzw. gefühlt wird, aber den Rest seiner Fantasie überlässt. Grundsätzlich ist die Übersetzung meines Erachtens gut gelungen.
Die Beschreibung der zum Teil wirklich skurrilen Charaktere ist ebenfalls sehr gelungen. Hier zeigt sich, dass Figuren nicht unablässig Nabelschau betreiben müssen, um „lebensecht“ zu wirken und ein gewisses Identifikationspotential zu bergen. Die Hauptfiguren wirken „rund“ und agieren glaubwürdig miteinander (sofern man das von fiktiven Personen überhaupt sagen kann).
Da ich einen der Folgebände im Original gelesen habe, bin ich mir bewusst, dass die korrekte (und hier meine ich nicht nur die sprachliche) Übersetzung gar nicht so einfach ist. Hier hat der Übersetzer (und natürlich auch der Lektor) eine tolle Arbeit geleistet. Dennoch gab es zwei, drei Punkte (Warum wird Sundowner nicht übersetzt? Und warum „hive“ mit „Vampirstock“?! Wo man sich doch bemüht hat, eine andere, angemessene Übersetzung für „potentate“ – Wesir – zu finden?), mit denen ich nicht ganz glücklich war. Aber das mag Geschmackssache sein. Doch was wirklich etwas ärgerlich ist: Was um alles in der Welt hat den Verlag nur dazu bewogen, den drei bislang auf Deutsch erschienenen Bänden der Reihe um die Seelenlose Alexia im Grunde die gleichen Titel zu geben: „Glühende Dunkelheit“ (1), „Brennende Finsternis“ (2) und „“Entflammte Nacht“ (3)? Saß das Lektorat während des Titelmeetings mit einem Synonym-Wörterbuch da und hat nachgeschlagen, welche Alternativen es für „glühend“ bzw. „Dunkelheit“ gibt? Und wie wird der Verlag die Folgebände nennen? „Feurige Düsternis“ oder „Leuchtendes Dunkel“?

Mein Fazit: Unbedingt lesen!

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Cassandra Clare: City of Ashes (Chroniken der Unterwelt 2)

„City of Ashes“ setzt dort ein, wo „City of Bones“ geendet hat:

Valentin hat einen jungen Hexenmeister bezahlt, damit dieser Agramon, den Dämon der Angst, heraufbeschwört – was der junge Magier mit dem Leben bezahlen wird. Dem Schattenjäger selbst kann der Dämon nichts anhaben, da Valentin im Besitz des Kelches der Engel ist, was ihm Macht über den Dämon verleiht.
Nachdem ihre Mutter nach der Entführung durch Valentin im Krankenhaus in einer Art Koma liegt, lebt Clary mittlerweile bei Luke, während Jace nach den Ereignissen von „City of Bones“ von Maryse Lightwood aus dem Institut geworfen wird und ebenfalls zunächst bei Luke unterkommt, als er einen Streit in einer Werwolfbar vom Zaun bricht. Die Ereignisse überschlagen sich, als die Inquisitorin nach New York kommt, um die Ereignisse um Valentin zu untersuchen. Nachdem Jace sie verärgert hat (und da er der Sohn von Valentin ist), lässt sie ihn in der Stadt der Stille ins Gefängnis werfen. Eines Nachts vernimmt er die Schreie der Stillen Brüder, die das Schwert der Engel (ein weiteres Heiligtum der Schattenjäger) hüten. Valentin ist in die City of Bones eingedrungen, hat die Bruderschaft ermordet und das Schwert an sich genommen – ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Vernichtung der Ordnung der Schattenhüter -, nicht jedoch, ohne vorher Jace das Angebot unterbreitet zu haben, an seiner Seite zu kämpfen. Jace lehnt ab.
Clary, Isabelle und Alec gelingt es schließlich, ihn zu befreien, er wird jedoch von der Inquisitorin bei Magnus Bane (dem Hexenmeister von Brooklyn) unter Hausarrest gestellt. Dennoch beschließen sie, der Einladung der Elfenkönigin an den Lichten Hof zu folgen, um sich deren Unterstützung im Kampf gegen Valentin zu versichern. Doch leider geht das Treffen nicht so aus, wie die Freunde sich dies erhofft haben. Stattdessen endet es in einem Streit zwischen Jace und Clary – und Simons verzweifelter Entscheidung, sich in das Hauptquartier der örtlichen Vampire zu begeben, was wiederum mit seiner Verwandlung in ein Geschöpf der Nacht endet …
Jace sucht Valentin auf, um mehr über dessen Pläne zu erfahren, und dieser bietet ihm erneut auf, auf seiner Seite zu kämpfen. Und abermals lehnt Jace ab. Schließlich kommt es zu einem Showdown zwischen Valentin und seinen Dämonen auf der einen und den Schattenjägern auf der anderen Seite, den nicht nur viele mit dem Leben bezahlen müssen, sondern der auch für Clare und Simon einige überraschende Wendungen mit sich bringt.

„City of Ashes“ ist der zweite Roman in den Chroniken der Unterwelt. Er ist wieder sehr gut geschrieben (sprachlich besser als vieles, was sonst auf dem Markt ist), actionreich und packend. Auch dieser Roman ist frei von Längen – und mit seinen knapp 480 Seiten immer noch zu kurz. 🙂 Die relevanten Charaktere bekommen neuen Facetten und dürfen sich glaubwürdig weiterentwickeln: Clary wird langsam zu einer Schattenjägerin, entdeckt ihre besonderen Fähigkeiten und beschließt, sich im Beziehungsdreieck (Clary – Simon – Jace) für Simon zu entscheiden, nachdem ans Licht gekommen ist, dass sie und Jace offenbar Geschwister sind. Dennoch ist diese Situation für alle Beteiligten schwierig und endet für Simon mit der sehr überstürzten, dummen Entscheidung, einen Selbstmordversuch zu unternehmen (indem er sich in das Vampirhauptquartier begibt), als er erkennen muss, dass Clarys Liebe weiterhin Jace gehört. Dieser muss sich nicht nur mit der verbotenen Zuneigung zu Clary auseinandersetzen, sondern auch mit dem Misstrauen vonseiten der Inquisitorin und der Ablehnung durch seine Ziehmutter Maryse. Seine Ziehschwester Isabelle hingegen darf in diesem Roman lernen, dass andere Mädchen/Frauen nicht unbedingt Konkurrenz sind, sondern verlässliche Freunde sein können, während ihr Bruder Alec im Verborgenen seine Beziehung zu Magnus Bane vertieft. Kurzum: Cassandra Clare hat Charaktere geschaffen, mit denen man wirklich mitfühlen, mitleiden und mitkämpfen kann – und zwar nicht nur mit den beiden Hauptfiguren, sondern auch mit den Nebenfiguren.

Fazit: Unbedingte Leseempfehlung! Und am besten gleich den abschließenden Band „City of Glass“ mitbestellen, damit die Wartezeit nach Beendigung von Band 2 nicht so lang ist. 🙂

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Cassandra Clare: City of Bones (Chroniken der Unterwelt 1)

Die fünfzehnjährige Clary führt mit ihrer Mutter Jocelyn ein ganz normales Leben in New York. Als sie jedoch eines Abends mit ihrem besten Freund Simon in den Club „Pandemonium“ geht, erlebt sie etwas, das ihr Leben für immer verändern wird. Sie wird Zeuge, wie drei Jugendliche, die über und über mit seltsamen Tattoos bedeckt sind, einen anderen Jungen in einen Hinterhalt locken und ihn ermorden. Die Leiche verschwindet wie von selbst. Doch das ist nicht alles: Der hinzugekommene Simon und die Mitarbeiter des Clubs können die Jugendlichen im Gegensatz zu ihr nicht sehen.
Wenig später versucht ihre Mutter, sie mit fadenscheinigen Ausreden zu einem spontanen Urlaub zu überreden – ein Urlaub, der eher an eine Flucht erinnert. Doch Clary weigert sich und rennt weg, um sich mit Simon zu treffen. Als sie wiederkommt, ist ihre Mutter verschwunden und die gemeinsame Woche verwüstet. Und Clary wird von einem Monster angegriffen und verliert das Bewusstsein.
Als sie drei Tage später wieder zu sich kommt, hat Jace – einer der Jugendlichen – sie in das sogenannte Institut gebracht. Das New Yorker „Hauptquartier“ der Schattenjäger, die Jagd machen auf Dämonen, die in die Welt eindringen, und andere „Wesen“, die den großen Vertrag zwischen Unterwelt und Welt verletzen.
Clary erfährt kurz darauf, dass auch ihre Mutter Jocelyn eine Schattenjägerin war, die bei einem Aufstand auf der falschen Seite stand und schon in New York lebte, als sie noch mit Clary schwanger war. Darüber hinaus hat sie Magnus Bane – den mächtigsten Hexenmeister der Stadt – gebeten, alle zwei Jahre das Gedächtnis ihrer Tochter zu „versiegeln“, damit diese von ihrem Schattenjäger-Erbe verschont bleibt. Und Clarys Vater ist auch nicht tot, wie ihre Mutter ihr immer weismachen wollte – er ist das Oberhaupt der Verschwörung und auf der Suche nach dem Kelch der Engel, um mit seiner Hilfe neue Schattenjäger zu erschaffen und alle Schattenwesen zu vernichten …

„City of Bones“ ist der erste Band aus den „Chroniken der Unterwelt“ der amerikanischen Autorin Cassandra Clare (Künstlername), erschien im April 2007 und war sowohl in den USA als auch im deutschsprachigen Raum ein großer Erfolg. Er gehört in das Genre Urban Fantasy und versammelt alle Wesen, die man aus dem Bereich der Fantasy so kennt: Hexen, Magier, Vampire, Werwölfe, Elben und viele mehr … Die Grundthemen – Kampf Gut gegen Böse, Ehre und Verrat, Verlust und Liebe – sind sicher nicht neu, aber Clare webt diese in einen ungemein faszinierenden, packenden, actionreichen Fantasyroman ein, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Die Autorin stürzt den Leser sofort in das Geschehen, ohne erst seitenlang eine Exposition zu bemühen. Was der Leser wissen muss, erfährt er gemeinsam mit der Heldin, wenn die Zeit gekommen ist. Das bewahrt den Roman vor unschönen Längen. Clares Beschreibungen von Handlung oder Umwelt sind darüber hinaus sehr anschaulich und ihre Charaktere agieren trotz gewisser Stereotype glaubwürdig. Der Schreibstil ist flüssig, sehr lebendig und durchaus anspruchsvoll genug für Young Adult Literature.
Obwohl die Charaktere wie üblich ausgesprochen gutaussehend sind (sie bedient selbst das Stereotyp, dass die Heldin sich für durchschnittlich hält, aber natürlich doch gutaussehend und mutig ist) und im Grunde keine nennenswerte Entwicklung durchmachen, sondern höchstens einmal ein Tief erleben dürfen, nimmt man dies der Autorin nicht übel, da die Figuren zutiefst sympathisch sind und ihre Probleme und Erfahrungen sich mit der Erfahrungswelt des jugendlichen Leser decken (gerade wenn es um Probleme mit den Eltern oder erste Verliebtheit geht). Übrigens sind (mindestens) zwei der Figuren homosexuell, was im Bereich der Fantasy gewöhnlich ein no go ist.
Fazit: Unbedingt lesen! Und am besten gleich die Fortsetzungen „City of Ashes“ und „City of Glass“ bestellen, damit die Wartezeit nach Beendigung von Band 1 nicht so lang ist. 🙂

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Ulrike Schweikert: Lycana

Ende des 19. Jahrhunderts stehen die letzten „reinen“ Vampire kurz vor dem Untergang. Ihnen bleibt nur eine Hoffnung: Ihre Nachkommen müssen sich auf das Erbe der Nacht besinnen und die Clans zu ihrer einstigen Gröe und Macht zurückführen.
Bei den wilden Lycana an Irlands sturmumtoster Küste sollen Alisa vom Clan der Vamalia, der schöne Dracas Franz Leopold und die anderen jungen Vampire lernen, über Fledermäuse, Wölfe und Adler zu gebieten und ihre Gestalt anzunehmen. Doch als die irischen Werwölfe aus ihren Höhlen kommen, um ihre uralte Fehde gegen die Vampire wiederaufzunehmen, geraten die Erben in einen Strudel mörderisch-magischer Ereignisse, der sie alle zu verschlingen droht …

Leider hat Ulrike Schweikert mit dem zweiten Band ihrer „Die Erben der Nacht“-Serie etwas geschafft, das schon seit einer ganzen Weile kein Autor mehr geschafft hat: dass ich das Buch nach einem guten Drittel zuschlage, weil ich mich königlich langweile.
Man kann durchaus sehr viel Gutes über das Buch sagen: Ulrike Schweikert kann zweifellos sehr gut schreiben. Ihre Beschreibungen der wilden irischen Landschaft und ihrer Schlösser machen Lust, den Koffer zu packen und in das Land der Kelten zu reisen. Auch gelingt es ihr – meist ohne dass dies aufgesetzt wirkt oder dass ich mich belehrt fühle -, irische Geschichte (die Auseinandersetzung mit den Engländern) und Mythologie unterhaltsam in die Handlung einzuweben. Amüsant ist auch, dass bekannte historische Persönlichkeiten wie Bram Stoker oder Oscar Wilde Gastauftritte haben und man auf diese Weise etwas mehr über sie lernt.
Aber leider versucht die Autorin meines Erachtens, zu viel Handlung, zu viele Handlungsstränge in die Geschichte einfließen zu lassen, und da die Abschnitte der jeweiligen Handlungsstränge jeweils zu kurz sind und in rascher Reihenfolge aufeinander folgen, ist es mir leider nicht gelungen, mich in die Geschichte einzufühlen. Es wird auch zu vieles auf forciert mysteriöse Weise „angedeutet“ – was auf Dauer einfach nur störend wirkt. Auch die Beschreibungen der Hauptfiguren (der Vampir-Erben) waren für mein Gefühl zu redundant – ständig wurde man darüber informiert, dass Ivy langes, silbernes Haar hat und Franz Leopold auf eine Art und Weise anschaut, dass dieser sich durchschaut fühlt. Oder dass Franz Leopold wieder einmal ein paar negative Bemerkungen über „unreine“ Vampire macht und dadurch den Zorn der anderen auf sich zieht oder dass er versucht, Ivy anzuschauen, ohne dass die anderen es mitbekommen. Und Luciano hat natürlich auf jeder zweiten Seiten einen Bärenhunger und befürchtet, dass er einen Menschen anfällt, wenn er nicht bald frisches Blut bekommt …
Mein Fazit: Es gibt (derzeit) sowohl bessere Vampir-Romane als auch bessere Jugendromane.

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Viktor Pelewin: Das heilige Buch der Werwölfe

Ahuli arbeitet als Prostituierte in Moskau. Was ihre Kunden nicht ahnen: Sie ist ein Werfuchs, der die Freier unter Hypnose ihre verwegensten Träume ausleben lässt – alleine. Eines Tages trifft Ahuli auf Alexander, bei dem ihre Künste jedoch versagen, da dieser für die Staatssicherheit arbeitet und auch selbst ein Werwolf ist. Die alterslose Anarchistin und der Staatstreue verlieben sich.

Wäre das das Einzige, was man über diesen Roman eines der erfolgreichsten zeitgenössischen russischen Schriftstellers sagt, wäre das, als würde man den Inhalt von Thomas Manns „Zauberberg“ mit den Worten beschreiben: eine Geschichte über einen jungen Mann, der seinen kranken Cousin in einem Sanatorium besucht, sich dort in eine andere Erkrankte verliebt und beschließt, ebenfalls dort zu bleiben. Es wäre nicht falsch, aber nur ein Hauch dessen, worum es im Roman wirklich geht. Und genau so verhält es sich auch bei diesem Buch über Werwesen und die Suche nach dem Überwertier. Im Grunde haben wir es mit einem ausgesprochen bizarren und surrealen Mix aus philosophischer bzw. literarischer Abhandlung, Kritik an der russischen Seele, aber auch der kapitalistischen Gesellschaft, der Auseinandersetzung Mann-Frau, Geist-Macht und noch vielem mehr zu tun. Interessant und herausfordernd. Doch leider etwas ärgerlich, wenn nämlich die eigentliche Handlung des Romans zu kurz kommt und die handelnden Charaktere nur blasse Figuren bleiben, die teilweise völlig unmotiviert handeln bzw. vom Autor in ein stereotypes Handeln hineingezwungen werden, das seinem eigentlichen Zweck (s. o.) dient.
Fazit: Wer einen Horror-/Monsterroman über Werwölfe sucht, sollte lieber zu einem anderen Roman greifen; da gibt es sicherlich besseres. Wer das Werk dieses bekannten russischen Autoren kennenlernen und sich mit philosophischen Fragen auseinandersetzen möchte, der sollte dieser Geschichte eine Chance geben.

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A. Lee Martinez: Diner des Grauens

Willkommen in Gil’s all night diner des Grauens, einem schäbigen Imbiss im verschlafenen Wüstennest Rockford irgendwo am Ende der Welt. Hierher verschlägt es die beiden Kumpels Earl und Duke mit ihrem uralten Pick-up. Eigentlich wollen sie nur einen Happen essen. Doch Loretta, die fette Imbissbesitzerin, bietet ihnen hundert Dollar, wenn sie nicht nur ihre Gasleitung flicken, sondern sich auch ihres Zombieproblems annehmen. Und weil Earl ein Vampir und Duke ein Werwolf ist und beide knapp bei Kasse sind, nehmen sie diesen Job an.
Doch die Zombiekühe und die Friedhofswächter, mit denen sie es zu tun bekommen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch ein Vampir kann sich unsterblich verlieben. Und eine mysteriöse Sekte setzt offenbar alles daran, uralte Götter wieder zum Leben zu erwecken. Doch was hat das alles mit dem Diner zu tun?

A. Lee Martinez wird in der Werbung als Mischung aus Douglas Adams und Terry Pratchett gefeiert. Tja, schlecht ist seine Story nicht, die Ideen sind ganz ordentlich, die Sprache witzig – aber er ist meilenweit von Adams‘ abstrusen Ideen und Neuschöpfungen entfernt und kann Pratchetts Umgang mit der Sprache und seiner Fähigkeit, allein durch Worte die wahnwitzigsten Bilder zu malen, nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. Das Buch liest sich durchaus flüssig, aber Martinez‘ Story ist einfach zu konventionell: Eine „Priesterin“ will ein uraltes Portal öffnen, um uralte Götter wieder den Zugang zu dieser Welt zu ermöglichen und das Ende der Realität, wie wir sie kennen, herbeizuführen. Hammer alles schon mal gelesen …
Es kommt auch keine richtige Spannung auf, weil man als Leser sofort darüber informiert wird, wer die „Gegenseite“ ist und was sie wann plant, und auch auf überraschende Wendungen wartet man vergebens. Das Ganze ist sehr dialoglastig, es fehlen Beschreibungen (und dass die Imbissbesitzerin fett ist, hatte ich auch nach den ersten fünf Erwähnungen verstanden), und die Figuren sind ausnahmeslos stereotyp.
Fazit: Ein nettes Buch „für zwischendurch“, aber wer etwas richtig Witziges lesen möchte, sollte direkt zu Pratchett oder Christopher Moore greifen. Und gute Horrorstorys mit Werwölfen und Vampiren gibt es wie Sand am Meer.

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Tanya Huff: Blood Trail

Henri Fitzroy, der uneheliche Sohn von Heinrich VIII. und seit seinem 17. Geburtstag ein Vampir, bittet die Privatdetektivin Vicki Nelson um Hilfe: Zwei Mitglieder einer befreundeten Familie wurden hinterrücks ermordet – Mitglieder einer Familie von Werwölfen. Die Herkeens leben seit langer Zeit unerkannt als Schafzüchter in London, Ontario, einer kanadischen Kleinstadt.
Henri und Vicki machen sich auf den Weg, um den Fall zu lösen und den Mörder zu identifizieren, bevor ein weiterer Mord geschehen kann. Gefolgt von Mike Celluci, Vickis Freund, der seine ehemalige Kollegin von einem vermeintlichen Vertreter des organisierten Verbrechens beschützen will: Henri.
Die Untersuchungen der Detektive führen diese auf die Spur eines außergewöhnlich begabten Schützens, der ganz besondere Gründe hat, die Werwölfe zu töten, und Henri und Vicki müssen erkennen, daß nicht immer alles so ist, wie es scheint …

Der zweite Band der Vampir-Detektiv-Serie von Tanya Huff ist leider nicht ganz so spannend wie Band 1, aber dennoch sehr unterhaltsam. Der Autorin gelingt es sehr gut, die Beweggründe des Täters zu schildern, so daß man auch mit diesem mitempfinden kann. Unglaubwürdig wirkt leider die Liebesgeschichte zwischen Vampir und Detektivin – die im Roman geschilderte erotische Spannung zwischen den beiden ist für den Leser nicht nachzuvollziehen und läßt ausgesprochen kalt.