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Jane Austen und Seth Grahame-Smith: Stolz und Vorurteil und Zombies

grahame-austen-dt„Es ist eine allseits anerkannte Wahrheit, dass es einen Untoten, der im Besitz von Gehirn ist, nur nach einem verlangt: mehr Gehirn.“ Mit diesen Worten beginnt die erweiterte Ausgabe des bekannten und beliebten Klassikers von Jane Austen – die nun neben scharfzüngigen Dialogen, einer humorvollen Beschreibung der zeitlosen Jagd nach einem Ehemann auch noch viel Zombie-Action enthält.

Als sich dem Leser die Tür in das Britannien am Beginn des 19. Jahrhunderts öffnet, wurde die Insel fünf Jahrzehnte zuvor von einer mysteriösen Plage befallen: Die Toten kehren ins Leben zurück. Hungrig. Sehr hungrig. Aber Elizabeth Bennet (und ihre Schwestern) ist nicht nur eine selbstbewusste junge Frau, die genau weiß, was sie will, sondern auch eine begnadete Kämpferin, deren Berufung es ist, gegen die Zombie-Bedrohung anzukämpfen. Daher führt die Ankunft des arroganten (und in Zombie-Angelegenheiten ebenfalls sehr bewandten) Mr Darcy nicht nur zu bissigen Dialogen zwischen den beiden zukünftigen Liebenden, sondern auch zu einigen Blutbädern im beschaulichen Meryton und an anderen Orten, an die die beiden ihr Weg führt. Und so stellt sich nun nicht mehr nur die Frage, ob es den beiden gelingen wird, die gesellschaftlichen Hindernisse aus dem Weg zu räumen, sondern auch ob es ihnen gelingt, die Brut Satans zurückzudrängen.

Man braucht schon einen ausgesprochen großen Sinn für Humor, um „Stolz und Vorurteil und Zombies“ zu lesen und Gefallen daran zu finden. Die „Überarbeitung“ des britischen Klassikers (der zu meinen absoluten Lieblingsromanen zählt) durch den Amerikaner Seth Grahame-Smith verlangt einem Fan von Jane Austen eine Menge ab und lässt ihn schwanken zwischen „Blasphemie!“-Rufen einerseits und lautem Gelächter oder angewidertem Gesichtsausdruck angesichts detaillierter Zombie-Aktivitäten andererseits.

Der Autor hat zahllose Dialoge und Handlungsstränge unverändert übernommen, andere aber leicht oder stärker überarbeitet – und dann noch einen ganzen Zombie-Handlungsstrang neu hinzugefügt. So brennt z. B. Lydia weiterhin mit Wickham durch und wird „zwangsverheiratet“. Allerdings schlägt Mr Darcy Wickham als Strafe für dessen Untaten so schwer zusammen, dass dieser bis ans Ende seines Lebens auf die Unterstützung seiner jungen Frau angewiesen sein wird – und beschließt, Priester zu werden.

Ein Teil dieser Änderungen bzw. Anpassungen ergeben durchaus Sinn und fügen sich harmonisch in die Austensche Denke ein. Zum Beispiel die Heirat von Mr Collins und Charlotte Lucas: Beibehalten wurde, dass es sich hier um eine Vernunftehe handelt, die bei Austen meist nicht unter einem guten Stern stehen – und so wird bei Grahame-Smith Charlotte auch vor einer langen, wenig glücklichen Verbindung bewahrt, indem sie infiziert wird und selbst zu einer Unsäglichen zu werden droht.Oder Darcys misslungener erster Heiratsantrag: Im Kontext des Mashup-Romans ergibt es durchaus Sinn, dass Elizabeth ihre Wut nicht hinter einigen mühsam gezügelten Entgegnungen verbirgt, sondern dass ihr Zorn sich Bahn bricht und es sogar zu einer körperlichen Auseinandersetzungen kommt. Köstlich!
Über andere Änderungen war ich weniger glücklich. Vor allem der unablässige „Blutdurst“ von Elizabeth, die beinahe in jeder Situation das Bedürfnis verspürt, ihrem Gegenüber den Kopf abzuschlagen – meiner Auffassung nach steht dies nicht wirklich im Einklang mit der Austenschen Figur.

Positiv fällt definitiv die Kreativität des Autors ins Auge, seine Freude an absurden, wahnsinnig komischen Storys und ekligen Massakern. Andererseits muss man jedoch feststellen (wenn man das Ganze denn ernst nähme), dass der Charme des ursprünglichen Buches verloren geht. Die neuen Handlungsstränge haben rein sprachlich nicht ganz die Qualität des Originals, aber Autor und Übersetzer haben sich definitiv darum bemüht, den Austenschen Sprachduktus beizubehalten. Die „erweiterte Bearbeitung“ des Klassikers ist nicht wirklich für Leser geeignet, die das Originalwerk lieben; selbst die, die modernen Adaptionen auch einmal eine Chance geben, werden sie wohl bald zur Seite legen. Geeignet ist die Überarbeitung aber für „verrückte“ Zeitgenossen – oder experimentierfreudige Lehrer, die nach neuen Wegen suchen, wie sie ihren gelangweilten Schülern Klassiker nahebringen können.

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Ember Shane: Of Royal Descent (The Doyle Hawthorne Series 1)

Shane Doyle HawthorneDoyle Hawthorne ist eigentlich ein ganz normaler Student, das einzig Ungewöhnliche an ihm ist wohl die Tatsache, dass er adoptiert wurde, nachdem seine Eltern in seiner frühen Kindheit bei einem Autounfall ums Leben kamen. Als er beim Aufräumen einen Brief seines angeblich ebenfalls verstorbenen Großvaters William findet, gesteht ihm sein Adoptivvater, dass dieser noch am Leben ist. Heimlich macht sich Doyle mit seinem besten Freund Chuck auf einen Roadtrip zu der Adresse, die auf dem Brief angegeben ist.
Als er in Ohio ankommt, häufen sich seltsame Erlebnisse: Er hat Träume von seiner verstorbenen Mutter, die ihm verdächtig echt vorkommen, und immer wieder Blackouts. Doch er lernt dort auch Addy kennen, in die er sich auf den ersten Blick verliebt.
Nachdem seine Adoptiveltern die Verfolgung aufgenommen haben und ihn seltsamerweise sogar mit Gewalt davon abhalten wollen, seinen Großvater aufzusuchen, schlägt er alle Warnungen in den Wind. Er findet heraus, dass William offenbar Patient in einer Einrichtung ist. Doch nicht in einer, wie es zunächst scheint, Einrichtung für Nervenkranke. Zu seinem Entsetzen erfährt Doyle, dass sein Großvater „Versuchskaninchen“ war, als die Army in den Sechzigerjahren versucht hat, Supersoldaten zu züchten, um den Vietnamkrieg ein für alle Mal zu beenden. Doch die Versuche schlugen fehl. Das Ergebnis waren zwar übermäßig (kampf-)starke Wesen – aber eher unberechenbare Untote, Zombies. Da Doyles biologischer Vater das Ergebnis einer Vergewaltigung ist, trägt auch er das Zombiegen in sich – er ist ein sogenannter Royal -, und je näher er seinem Großvater und den anderen Infizierten kommt, desto schneller wird dieses aktiviert.
Als Doyle erkennt, dass auch seine Veränderung unaufhaltsam ist, willigt er ein, sich ebenfalls Versuchen und Untersuchungen zu unterziehen. Aber wenn der Prozess einmal in Gang gesetzt wurde, kann man ihn nicht mehr aufhalten …

Ich schreibe gewöhnlich nur Rezensionen zu Büchern, die mir gefallen haben oder die ich kaum aus der Hand legen konnte. Oder zu Titeln, die so grottig waren, dass es mir irgendwie Freude bereitet, einen Verriss zu verfassen. Bei „Of Royal Descent“ – dem ersten Teil einer Zombie-Trilogie – war Letzteres der Fall. Ich habe es mir gekauft, nachdem ich bei Amazon über eine ganze Reihe sehr positiver Kritiken gestolpert war, und außerdem kostet das Buch nur 1,75 Euro – „Da kann man doch nichts falsch machen“, dachte ich. Falsch gedacht.
Doch bevor ich tiefer einsteige und erkläre, warum mich das Buch so gar nicht begeistern konnte, vorab einige positive Anmerkungen:

– Endlich einmal keine Vampire, Elfen (Elben), Hexen oder Feen … Zombies sind im TV sehr beliebt, aber im Liebesroman-Genre bin ich noch nicht darüber gestolpert. Und irgendwie kann ich jetzt auch verstehen, warum.
– Die Bromance zwischen Doyle und seinem Kumpel Chuck hat mir sehr gut gefallen. Die beiden sind seit ihrer Kindheit befreundet und haben sich damals im Rahmen eines Blutschwurs ewige Freundschaft und Schutz versprochen. Und eben dieser Blutschwur setzt im Grunde die Handlung in der zweiten Hälfte des Buches in Gang – zum einen, weil Bradbury Chuck bedroht, wenn Doyle nicht in die Versuche einwilligt. Zum anderen weil Doyle seinen Freund durch den Blutschwur unbewusst ebenfalls mit einer inaktiven Form des Virus infiziert hat.
– Die humorvollen Dialoge zwischen Chuck und Doyle sowie zwischen Addys Freundin Kai und so ziemlich allen anderen Figuren. Kai ist eine echte Kratzbürste, die Chucks Charmoffensiven mit ausgesprochen bissigen Bemerkungen begegnet und auch die Einzige ist, die Doyle hin und wieder die Meinung sagt.

Jetzt aber zu einigen der Gründen, warum ich das Buch so gar nicht mochte (dass man das Buch noch einmal gründlich hätte Korrektur lesen sollen, erwähne ich an dieser Stelle nicht – gewöhnlich fallen mir in englischsprachigen Büchern Rechtschreib- oder Grammatikfehler nicht auf, aber hier traten diese so gehäuft auf, dass ich mich doch daran gestört habe): Shane Ember hat m. E. ein erzählerisches „Tempoproblem“. Einerseits geht die Autorin sofort in medias res. Der Leser erfährt auf den ersten Seiten bereits, wer der Icherzähler ist, dass er adoptiert wurde und wie er den Brief seines Großvaters findet, und auch der Roadtrip beginnt schon nach wenigen Seiten. Aber dann braucht die Autorin fast die Hälfte des Buches, um die beiden Studenten eine Fahrt von lediglich 14 Stunden hinter sich bringen und das Militär-Institut betreten zu lassen. Und als dann Doyles Verändungsprozess in Gang gesetzt wird, langweilt sie uns mit kapitellangen detaillierten Erläuterungen darüber, welche Auswirkungen der Virus/die Genmutation auf unseren Helden hat … Und dann überstürzen sich die Ereignisse. Es wird befreit und geflohen und gestorben, bevor die Geschichte mit einem Cliffhanger und zahlreichen offenen Fragen endet.
Die Charaktere selbst bleiben sehr blass und eindimensional; eine (Weiter-)Entwicklung findet nicht wirklich statt. Und das, obwohl die Ansätze dafür wirklich vorhanden sind. Doyles Adoptiveltern entpuppen sich z. B. als Agenten der Regierung, die nicht nur ein „ungewöhnliches“ Kind adoptiert haben. Daraus hätte man doch – auch erzähltechnisch – etwas machen können?! Bei den „Monstern“ dieser Geschichte handelt es sich doch um Zombies! Da hätte sich doch die Gelegenheit geboten, einige echt creepy Szenen einzustreuen. Aber nein …
Dann auch die Handlung selbst: An keiner Stelle steht, dass Doyle gegen seinen Willen im Institut festgehalten wird. Wir nehmen das als Leser an, aber Institutsleiter Bradbury zwingt Doyle nicht wirklich zu bleiben. Er selbst beschließt, im Institut zu bleiben und alle Tests klaglos über sich ergehen zu lassen und so seinen Tod in Kauf zu nehmen – und das alles nur, weil er nicht möchte, dass Chuck ihn in seinem Zombie-Zustand sieht. Das sorgt nicht gerade für viel Spannung.
Das Schlimmste aber war die Liebesbeziehung zwischen Doyle und Addy. Natürlich sind wir es gewohnt, dass sich das zentrale Paar einer Geschichte kennenlernt und sofort Hals über Kopf ineinander verliebt. Aber in diesem Buch ging das wirklich lächerlich schnell und überstürzt. Und war völlig unglaubwürdig. Doyle ist ein extrem gutaussehender Student, dem – so Chuck – sofort alle Mädels zu Füßen liegen. Aber weil er eben ein echter Held ist, nutzt er das nicht aus, sondern wartet (halbwegs) treu auf die Eine welche. Und als er diese trifft – Addy -, ist sofort alles andere vergessen. Er weiß im gleichen Augenblick, dass das die Frau ist, mit der er alt werden will. Und natürlich will die das auch, denn er ist ja ach so gut aussehend und charmant. Aber nicht nur das. Nachdem sie bei ihrem ersten Date schon halbwegs miteinander geschlafen haben, entpuppt er sich bei ihrem zweiten Treffen als der Abkömmling eines mit dem Zombievirus Infizierten und beginnt, selbst den Veränderungsprozess zu durchlaufen. Doch das ist Addy gleichgültig: Sie lässt sofort alles stehen und liegen und kümmert sich hingebungsvoll und selbstvergessen um den im Sterben Liegenden bzw. den Zombie, der gegen seine Gier auf rohes Fleisch ankämpfen muss – und gerade ein echtes Monstergebiss und eine blaue Hautfarbe bekommt, bevor er dann die Fähigkeit entwickelt, sich nach Belieben in ein eher affenähnliches Monster zu verwandeln. Es gibt keine Fragen, keine Zweifel, keine Bedenken, keine Ängste. Addy muss entweder völlig blind sein oder vor Liebe komplett bescheuert, um dies alles nur unter mitleidigen Tränen über sich ergehen zu lassen. Ach ja, sie stiehlt übrigens auch eine Spritze, die das Virus enthält, um sich selbst damit zu infizieren und ewig bei ihm zu bleiben. Im Buch wird zwar darauf hingewiesen, dass es etwas mit Pheromonen zu tun hat, aber im Grunde dient diese Erklärung nur als Vorwand, um uns eine schicksalhafte Liebe zu verkaufen. Sorry, wenn ich das so deutlich sage. Ich als Leser konnte die Liebesbeziehung überhaupt nicht nachvollziehen, geschweige denn nachempfinden.

Mein Fazit: Diese Geschichte stellt eine echte Verschwendung von Geld und Lebenszeit dar.

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Becky Black: Patient Z

black patient zKalifornien, in nicht allzu weit entfernter Zukunft: Vor zwei Jahren hat die Zombie-Apokalypse die Bevölkerung des Planeten dezimiert; nur noch fünf Prozent sind am Leben. Eine Gruppe von Frauen und Kindern hat sich unter dem Schutz des ehemaligen Polizisten Mitch Kennedy auf eine Ölbohrplattform vor der Küste Kaliforniens gerettet und kämpft dort ums Überleben – nicht nur gegen die Zombies, die das Land heimsuchen, sondern auch gegen andere Überlebende, die ihre Vorräte und vor allem die Frauen in ihren Besitz bringen wollen.
Eines Tages stößt die Gruppe auf einen halbtoten Mann – Cal Richardson -, der dehydriert und verletzt auf einem Boot treibt. Nach eigener Aussage wurde er von einem Hund gebissen, doch zur Vorsicht erhält er von der einzigen überlebenden Ärztin eine Impfung mit einem Testserum gegen eine Zombie-Infektion. Und es sieht auch ganz so aus, als sei er nicht infiziert. Cal wird Teil der Gruppe – und vor allem in jeder Hinsicht Partner von Mitch. Doch wie können sich zwei so unterschiedliche Männer zusammenraufen – vor allem, da das Überleben ihrer Gruppe auf dem Spiel steht?

M/M-Romane behandeln gewöhnlich RL-Geschichten, und falls übersinnliche Wesen auftauchen, dann die obligatorischen Vampire, Werwölfe, (gefallenen) Engel und höchstens hier und da mal ein Geist. Aber „Patient Z“ liefert tatsächlich einen unterhaltsamen, auch gar nicht so schlecht geschriebenen M/M-Zombie-Roman. Die drei Hauptfiguren (Mitch, Cal und Bren – Mitchs beste Freundin) sind relativ gut gezeichnet. Mitch war vor der Apokalypse Polizist (stammt auch aus einer Familie von Gesetzeshütern) und kann aufgrund seines ausgewachsenen Beschützerinstinktes gar nicht anders, als die Gemeinschaft aus Frauen und Kindern, in der er lebt, zu beschützen. Er ist darüber hinaus ein äußerst korrekter Mensch, dem es schwerfällt, eine Bindung zu anderen aufzubauen. Cal lebt im Gegenzug seit seinem siebzehnten Lebensjahr auf der Straße bzw. „verdiente“ sich seinen Lebensunterhalt in gewisser Weise durch Prostitution und Betrügereien. Ihn hält es nie lange an einem Ort – aber er weiß genau, was er tun muss, um zu überleben. Und obwohl es zu einer Beziehung zwischen ihm und Mitch kommt, hat er im Grunde seinen „Koffer“ schon gepackt. Diese Konflikte – zwischen so unterschiedlichen Menschen und Lebensentwürfen – werden auch von Becky Black recht gut beschrieben; das Ganze hätte aber noch besser ausgearbeitet werden können, doch bei der Masse an M/M-Literatur, die heutzutage auf den Markt kommt, kann man nicht wirklich mehr verlangen. Die obligatorischen 6szenen gibt es natürlich auch; sie sind detailliert genug, um „heiß“ zu sein, beschreiben aber nicht zu viel von dem, was man gar nicht wissen möchte.
Der Zombie-Part der Story – der ja nun einmal nicht unwesentlich ist – ist ebenfalls relativ gut ausgearbeitet. Der Roman erhebt nicht den Anspruch, wirklich ein Horrorroman zu sein, daher werden die Beschreibungen nicht unappetitlich, aber zumindest ansatzweise kann man sich als Leser vorstellen, wie es ist, in einer postapokalyptischen Zombiewelt zu leben. Wenn man allerdings die Romane von Justin Cronin gelesen hat oder mit der Welt von „The Walking Dead“ vertraut ist, wird man Blacks Beschreibungen wohl eher als harmlos empfinden. Auch fühlte ich mich bei der Beschreibung des Hauptquartiers der „Gegenpartei“ doch verdächtig an das Gefängnisareal von TWD erinnert – vielleicht war Becky Black da etwas … inspiriert. 🙂
Mein persönlicher größter Kritikpunkt: Die „Helden“ der Geschichte sind eine Gruppe von Überlebenden, die aus Frauen, Kindern und zwei schwulen Männern besteht. Die Antagonisten sind ausschließlich Männer – der einzige Hetero-Mann, der eine ansatzweise positive Rolle spielt, ist bereits in seinen Sechzigern, wird von der Gruppe aber nicht aufgenommen, da er für sie aufgrund seines Alters und seines Jobs (er ist Professor und arbeitete vor den Ereignissen im Museum, wo er jetzt auch lebt) keinen Nutzen für sie hat. Alle anderen Männer, die auf der Plattform gelebt haben, wurden im Laufe der Zeit vertrieben oder getötet, da sie versucht haben, sich an den Frauen zu vergehen. Diese Rollenverteilung ist für meinen Geschmack zu eindimensional und deutet imho eher darauf hin, dass die Autorin ein ziemlich – no offense – gestörtes Männerbild hat. Nach dem Motto: Nur ein toter Mann ist ein guter Mann.

Mein Fazit: Kein schlechter M/M-Roman, aber wenn ich etwas in diesem Genre lesen möchte, würde ich jederzeit z. B. zu den Romanen von Abigail Roux und Madeleine Urban greifen.

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Meljean Brook: Die Eiserne See – Wilde Sehnsucht

Zwei Jahrhunderte lang lebte England unter dem grausamen Joch der Mongolen. Die Bewohner Englands wurden mit Naniten infiziert, durch die sie von den Herrschern steuerbar waren. Was u. a. auch zu Vergewaltigungen führte. Der Pirat Rhys Trahaearn befreite das Land schließlich aus dem Griff des Feindes und wurde dadurch zum Volkshelden. Und in den Adelsstand erhoben. Inzwischen wird er der Eiserne Herzog genannt und gehört zu den einflussreichsten Männern Englands. Als von einem Luftschiff eine Leiche vor seiner Tür abgeworfen wird, nimmt die Inspektorin Mina Wentworth die Ermittlungen auf. Mina ist das Ergebnis einer Vergewaltigung ihrer Mutter durch Mongolen und leidet aufgrund ihres fremdländischen Aussehens unter dem Hass ihrer Umwelt. Sie ist gleich fasziniert von dem attraktiven Herzog, weiß aber auch, dass sie sich auf ein Spiel mit dem Feuer einlässt. Der rätselhafte Mordfall bringt die beiden auf die Spur einer Verschwörung, die ganz England bedroht.

Meljean Brooks erster Band der „Die Eiserne See“-Reihe gehört zum Steampunktgenre, enthält aber auch eine Liebesgeschichte, Krimi- und Horrorelemente (Zombies). Und im Grunde war ich von allen Bereichen enttäuscht, da die Autorin nichts konsequent durchzieht. Die Steampunkelemente sind interessant: Die Mongolen haben vor zwei Jahrhunderten die britische Insel überfallen, die Bewohner mit Naniten infiziert, durch die diese dann zwar eine gute Gesundheit hatten (weil die Naniten Verletzungen reparieren können), aber durch bestimmte Geräte auch zu hilflosen, steuerbaren Männern und Frauen wurden. Seefahrt findet mittlerweile auch am Himmel statt, was dem Ganzen einen exotischen Touch gibt. Aber wirklich detailliert beschrieben wird dieser Teil nicht, und irgendwann hätte alles auch genauso gut im „normalen“ viktorianischen Zeitalter spielen können.
Die Krimielemente werden auch interessant eingeführt, und die grundlegende Idee einer großen Verschwörung ist auch wirklich kreativ – aber auch hier hapert es an der Umsetzung, da die Autorin sich in der Liebesgeschichte verliert und den Krimi eher nachlässig behandelt.
Und was die Horrorelemente angeht: Durch Naniten in Zombies verwandelte Menschen – super Idee. Aber ich kann mich an keine Szene erinnern, wo die Zombies mal detaillierter beschrieben werden. Auf mich wirkten sie mehr wie nette Füller, eine nette Idee. Schwach.
Aber die … nennen wir es „Liebesgeschichte“. Meljean Brook hat etwas geschafft, das schon lange kein Autor mehr geschafft habe: Ich habe das Buch an einem Punkt zugeschlagen und konnte mich auch in den folgenden Wochen nicht dazu durchdringen, mehr als ein, zwei Kapitel weiterzulesen. So sehr habe ich mich über eine bestimmte Sache geärgert. Worum geht es? Mina ist, wie oben beschrieben, das Resultat einer Vergewaltigung, und da sie ebenfalls mit Naniten infiziert ist, ist sie ebenfalls schon Opfer von Vergewaltigungen geworden. Als sie unseren Helden Rhys Trahaearn kennenlernt, besteht sofort eine sexuelle Anziehung zwischen den beiden. Was auch zunächst einmal kein Problem darstellt. Ein Problem bekomme ich aber dann, wenn der Held die Heldin im Grunde vergewaltigt, obwohl sie vor Angst weint und ihm immer wieder sagt, dass er aufhören soll, er dem aber keine Beachtung schenkt … Und wenn dieser „Akt“ dann noch dazu führt, dass die Heldin im Grunde dankbar dafür ist (denn er war ja schließlich angetrunken und eigentlich wollte sie es ja auch) und zwei Nächte später in sein Bett kommt, weil sie es nun richtig machen will … ICH GLAUB, ES HACKT!? Ab diesem Zeitpunkt „beglückt“ die Autorin die Leser dann mit einer Liebesszene nach der anderen, sodass die eigentliche Story zunehmend in den Hintergrund tritt, und ich manchmal den roten Faden verloren habe, weil der Kriminalfall irgendwann nur noch als Füller zwischen Bettszenen diente. Und beschrieben werden diese Szenen mit Worten, die in einem Steampunkroman eigentlich nichts zu suchen haben. Eher in einem billigen Erotikroman. Wenn die detaillierten Beschreibungen von Brook wenigstens irgendwie erotisch gewesen wären – meinetwegen. Aber sie ist in diesem Punkt weder fantasievoll noch abwechslungsreich. Und wenn dem Helden nichts anders einfällt, als ständig das Wort „vög***“ zu verwenden und Sex als das Allheilmittel gegen alles zu propagieren … meine Güte.

Mein Fazit: Weg mit dem Buch. In die Mülltonne.

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A. Lee Martinez: Diner des Grauens

Willkommen in Gil’s all night diner des Grauens, einem schäbigen Imbiss im verschlafenen Wüstennest Rockford irgendwo am Ende der Welt. Hierher verschlägt es die beiden Kumpels Earl und Duke mit ihrem uralten Pick-up. Eigentlich wollen sie nur einen Happen essen. Doch Loretta, die fette Imbissbesitzerin, bietet ihnen hundert Dollar, wenn sie nicht nur ihre Gasleitung flicken, sondern sich auch ihres Zombieproblems annehmen. Und weil Earl ein Vampir und Duke ein Werwolf ist und beide knapp bei Kasse sind, nehmen sie diesen Job an.
Doch die Zombiekühe und die Friedhofswächter, mit denen sie es zu tun bekommen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch ein Vampir kann sich unsterblich verlieben. Und eine mysteriöse Sekte setzt offenbar alles daran, uralte Götter wieder zum Leben zu erwecken. Doch was hat das alles mit dem Diner zu tun?

A. Lee Martinez wird in der Werbung als Mischung aus Douglas Adams und Terry Pratchett gefeiert. Tja, schlecht ist seine Story nicht, die Ideen sind ganz ordentlich, die Sprache witzig – aber er ist meilenweit von Adams‘ abstrusen Ideen und Neuschöpfungen entfernt und kann Pratchetts Umgang mit der Sprache und seiner Fähigkeit, allein durch Worte die wahnwitzigsten Bilder zu malen, nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. Das Buch liest sich durchaus flüssig, aber Martinez‘ Story ist einfach zu konventionell: Eine „Priesterin“ will ein uraltes Portal öffnen, um uralte Götter wieder den Zugang zu dieser Welt zu ermöglichen und das Ende der Realität, wie wir sie kennen, herbeizuführen. Hammer alles schon mal gelesen …
Es kommt auch keine richtige Spannung auf, weil man als Leser sofort darüber informiert wird, wer die „Gegenseite“ ist und was sie wann plant, und auch auf überraschende Wendungen wartet man vergebens. Das Ganze ist sehr dialoglastig, es fehlen Beschreibungen (und dass die Imbissbesitzerin fett ist, hatte ich auch nach den ersten fünf Erwähnungen verstanden), und die Figuren sind ausnahmeslos stereotyp.
Fazit: Ein nettes Buch „für zwischendurch“, aber wer etwas richtig Witziges lesen möchte, sollte direkt zu Pratchett oder Christopher Moore greifen. Und gute Horrorstorys mit Werwölfen und Vampiren gibt es wie Sand am Meer.

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Laurell K. Hamilton: The Laughing Corpse (Anita Blake Vampire Hunter 2)

„At five-three I am not imposing. Raise the dead, kill a few vampires, and people start considering you one of the monsters. Sometimes it hurt. But now … it had possibilities. ‚Do you really think I came in here unarmed?‘ I asked. My voice sounded very matter-of-fact … ‚Want to bet your life on it?'“

Der Multimillionär Harold Gaynor will Anita Blake engagieren, damit sie einem fast 300 Jahre alten Toten als Zombie wiederereckt. Da für diesen Auftrag nicht nur das übliche Hühner-/Gänseopfer nötig ist, sondern der Tod eines Menschen, lehnt Anita ihn ab.
Wenig später wird sie von Rudolf Storr, dem Leiter der Sondereinheit für übernatürliche Verbrechen, für die sie als Beraterin arbeitet, zu einem Tatort gerufen. Ein Zombie, so findet Anita heraus, hat eine Familie auf brutale Art und Weise ermordet.
Die Suche nach dem menschlichen Täter hinter dem Zombie führt Anita zu Dominga Salvador, einer mächtigen Voodoopriesterin, in deren Keller sie dem unerwarteten Grauen begegnet. Als Anita sich nicht von Dominga einschüchtern und für ihre Zwecke einspannen läßt, sendet ihr diese zwei Zombies, die sie zu einer Sinnesänderung veranlassen sollen. Doch es gelingt Anita, diese zu töten.
Sie erkennt, daß Dominga Salvador tatsächlich die von Gaynor engagierte Zombiebeschwörerin ist. Der erweckte Zombie besaß jedoch ebenfalls übernatürlich Kräfte (als Mensch) und hat sich dem Zugriff seines Erweckers entzogen und läuft nun Amok. Dennoch gerät Anita in einen Hinterhalt und wird von Dominga Salvador und Harold Gaynor gefangengenommen. Man will sie zwingen, das Ritual doch durchzufähren – ein menschliches Opfer steht auch schon bereit. Es zeigt sich jedoch, daß Anita Blake mehr ist als nur eine Vampirjägerin und Zombiebeschwörerin – sie ist ein „Necromancer“, ein Totenbeschwörer.
Doch nicht nur die Zombies und menschliche Hintermänner halten Anita Blake in diesem zweiten Roman der Serie in Atem. Auch Jean-Claude, das Oberhaupt der Vampire von St. Louis, läßt sie nicht los …

Wieder ein Buchtitel, der den Leser in die Irre führt. Auch beim „Laughing Corpse“ handelt es sich um ein Vergnügungsunternehmen … Das zweite Buch der Serie ist nichts für zarte Gemüter. Die Beschreibungen der Morde und der Rituale werden mehr als anschaulich beschrieben, halten den Leser aber trotzdem gefesselt. Der Handlungsstrang Jean-Cluade nimmt nun einen größeren Raum ein, und der Leser fragt sich, wie sich die Beziehung zwischen dem charismatischen Vampir und seiner menschlichen Dienerin Anita nun noch weiter entwickeln wird.

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Laurell K. Hamilton: Killing Dance (Anita Blake Vampire Hunter 6)

Als Anita von einem Date mit Werwolf Richard zurückkehrt, wartet bereits ein angeheuerter Killer in ihrem Apartment auf sie. Es gelingt Anita, diesen zu töten. Wenig später erhält sie einen Anruf von Kopfgeldjäger und Killer Edward, der sie darüber informiert, daß man ihm eine halbe Millionen Dollar geboten hat, wenn er sie innerhalb der nächsten 24 Stunden tötet. Er nimmt den Auftrag jedoch nicht an, sondern bietet Anita seinen Schutz an – weiß er doch, daß er an ihrer Seite mehr Menschen wird töten können.
Anita zieht zunächst zu Richard. Dieser hat unterdessen seine eigenen Probleme: Das örtliche Werwolfpack ist gespalten. Ein Teil hält weiterhin zu seinem Anführer Marcus, die anderen haben sich auf Richards Seite geschlagen und fordern diesen auf, Marcus in einem offenen Zweikampf zu töten und die Führung des Packs zu übernehmen. Nach langem Zögern willigt der bislang friedfertige Richard ein, diesen (in seinen Augen) Mord zu begehen.
Als Anita bei einem Date mt Jean-Claude an einer Eröffnung des Lokals „Dance Macabre“ teilnimmt, wird sie erneut von einem Auftragskiller angegriffen, kann jedoch auch diesen außer Gefecht setzen.
Sie sucht nun Schutz bei Jean-Claude im „Circus of the Damned“, dem Hauptquartier der Vampire, was zu Konflikten mit Richard führt. Dennoch beschließen die drei, ihre Kräfte im wahrsten Sinne des Wortes zu vereinen, um gemeinsam gegen Marcus zu kämpfen. Da aber entdeckt Anita, daß sie ein „Necromancer“ ist und nicht nur Tote als Zombies wiedererwecken kann, sondern während deren Schlaf auch Macht über Vampire hat.
Daneben wird sie auch beruflich mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert: Der Vampir Sabin und sein Human Servant Dominic Dumare sind nach St. Louis gekommen, um Anitas Hilfe zu erbitten. Aus Liebe zu einer sterblichen Frau verzichtet Sabin seit langem auf Menschenblut. Doch nun fordert dieser Verzicht seinen Tribut: Der Körper des Vampips verfällt zusehends und unaufhaltsam. Als sie nun vom neuen Triumvirat und Anitas Fähigkeiten als Necromancer erfahren, sind sie fest davon überzeugt, daß diese Sabin helfen kann.
Nach der Gründung des Triumvirats stellen sich Anita und Richard der Konfrontation mit Marcus und seiner Freundin Raina. Dieser ist, wie Anita von Edward erfahren hat, der Auftraggeber hinter den Attentaten. Richard gelingt es, Marcus in einem Zweikampf zu töten. Doch dann geschieht das für Anita Unerwartete und Undenkbare: Der Tote wird vom Pack verschlungen – und Richard verwandelt sich zum ersten Mal in Anitas Gegenwart in einen Wolf.
Anita trifft nun die Entscheidung, die sie bereits viel zu lange vor sich hergeschoben hat, eine Entscheidung, die ihr ganzes weiteres Leben verändern wird …

„Killing Dance“ ist der 6. Band der Serie. Die Handlung ist wieder spannend und packend, doch diesmal vertieft Laurell Hamilton die Beschreibungen der unterschiedlichen Charaktere und gewährt dem Leser einen bislang noch nicht dagewesenen Einblick in Motivation und Gedanken der Figuren. Sie führt neue Figuren ein, die das Geschehen „bunter“ machen und in den Folgebänden noch eine Rolle spielen werden. Darüber hinaus ist das Buch wieder voller spritziger und witziger Dialoge, einer großen Prise Erotik und bietet auch wieder unerwartete Twists und Turns in der Handlung. Darüber hinaus macht es wieder Spaß, der Geschichte der Vampirjägerin Anita zu folgen. Eine starke Frau, die keine „Damsell in Distress“ ist, sondern den Männern immer wieder mit Waffen und Messern – und ihrer spitzen Zunge – im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertig zur Seite steht. In diesem Band der Serie entscheidet sie sich endlich für einen der beiden Männer. Für welchen, sei an dieser Stelle nicht verraten.